Zu Besuch in Mexiko: Warum die Rechnung mit Discounter-Kaffeepreisen nicht aufgehen kann

Wir möchten Kaffee nicht nur handeln, sondern Transparenz und Unterstützung in der gesamten Kaffee-Produktionskette gewährleisten. Wir möchten zeigen, woher unsere aller Lieblingsgetränk kommt und warum die Rechnung mit Discounter-Preisen bei Kaffee nicht aufgehen kann. Wir möchten selbst Einfluss auf die Kaffeequalität nehmen und die Kleinbauern und Ihre Familien vor Ort dabei unterstützen, ein gutes Leben zu leben und eine nachhaltige Kaffeeplantage zu betreiben.

Darum reisen unser Röster Christian Haase mit seine Frau Birthe mindestens einmal im Jahr nach Mexiko zur Kleinbauern-Kooperative in Chiapas, in der unser Happy Coffee angebaut wird. Vor Ort überzeugen sie sich von der Kaffeequalität und unterstützen die Kleinbauern durch soziale Projekte.

Direct Trade statt Fair Trade Siegel

Happy Coffee setzt auf Direct Trade (Direktkauf) und verzichtet auf das klassische Fair Trade Siegel. So gut wir diese Idee hinter dem Fair Trade Siegel finden, Mindestpreise für Kleinbauern zu gewährleisten, so vernachlässigt der Fair Trade Ansatz die Qualität der Produkte und ist intransparent, was die Verwendung der Gelder für soziale Projekte vor Ort angeht. Ausserdem kostet die Aufnahme in die Fair Trade Labeling Organization (FLO) Gebühren in höhe mehrerer tausend Euro, was selbst für größere Kooperativen sehr viel Geld ist.

Niemand soll sich erst in ein System einkaufen müssen. Deshalb haben wir uns für den Direct Trade Ansatz entschieden. Wir kaufen unseren Kaffee direkt und ohne Zwischenhändler von den Kleinbauern in Mexiko ein und sorgen vor Ort durch eigene Projekte für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen der Kleinbauern und ihrer Familien. Zuletzt war das Team im November 2015 zu Besuch in Mexiko.

Hier ist ihr Reisebericht.

Herzlicher Empfang von der mexikanischen Kaffee Kooperative

Auf der Plantage Rancho Belem angekommen, erwartete uns eine schöne Überraschung, mit der wir nicht gerechnet haben. Zwanzig Bauern der Kooperative Tierra Nueva, von der wir die Kaffeebohnen für unseren Happy Coffee beziehen, sind zusammen gekommen, um uns zu empfangen. Zudem erwartete uns der für die 300 umliegenden Dörfer zuständige Regierungsverwalter – der „comissario ejidal“ – und bereitete uns eine herzliche Begrüßung. Diese Situation war für uns vollkommen unerwartet. Der Repräsentant der Regierung und die Mitglieder der Kooperative haben sich bei uns dafür bedankt, dass wir zum einen den nicht unerheblichen Teil ihrer Gesamternte abnehmen und zum anderen öffentlich ihren Namen in Deutschland vertreten und bekannt machen. Das macht sie sehr stolz. Wir unsererseits haben ihnen gesagt, wie dankbar wir dafür sind, dies tun zu können, weil sie uns mit ihrem hervorragenden Kaffee versorgen, der in Deutschland immer mehr Freunde findet.

Die Rancho

Die Rancho Belem liegt mitten im mexikanischen Hochland

Die Auswirkungen von Discounter-Preisen

Der Weg vom Strauch zur Tasse Kaffee ist lang. Allein zu sehen, wie jede einzelne Kaffeekirsche per Hand gepflückt wird, offenbart, wie wertvoll das alltägliche Getränk eigentlich ist. Schnell erkennt man, dass ein halbes Kilo mexikanischer Kaffee, das für 5€ bei Lidl im Einkaufsregal steht, nur schwerlich fair gehandelt sein kann. Und die Auswirkungen sind erschreckend!

Wanderarbeiter aus Guatemala kommen als Billig-Pflücker nach Mexiko, weil die Kinder der Plantagenbesitzer illegal versuchen in den USA Geld zu verdienen.

Kaffeeanbau ist ein mühsames Geschäft. Die Kaffee-Plantagen der Kooperative Tierra Nueva haben eine durchschnittliche Fläche von 5-6 Hektar. Der Ertrag einer solchen Plantage beläuft sich auf ca. 400€ monatlich und der Wettbewerb ist hart. Denn ähnlich wie wir es hierzulande von den Spargelpflückern kennen, die zur Erntezeit aus Osteuropa kommen, um für Niedriglöhne den Spargel zu pflücken, kommen zahlreiche Guatemalteken nach Mexiko, um den Kaffee zu ernten. Das drückt den Preis und führt zu der Erwartung, das Kaffee auch günstig in Unsummen eingekauft werden kann.

Diese Verhältnisse und Beziehungen können wir vor Ort beim Kaffee Anbau in Mexiko selbst beobachten. Darum ist es uns um so wichtiger, mit einem fairen Handel nachhaltig die Bedingungen des Kaffeeanbaus in Mexiko zu verbessern.

Für die Menschen aus dem Nachbarland Guatemala sind die Umstände und die Bezahlung im eigenen Land sogar noch deutlich schlechter. Sie versuchen sie als Wanderarbeiter in Mexiko ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Die mexikanischen Kinder hingegen versuchen illegal den USA ihr Geld zu verdienen, meist ein Job mit mehr Ertrag und weniger Belastung, als auf der Kaffeeplantage.

Diese Entwicklung betrachten wir – wie auch der Vorstand der Tierra Nueva – mit großer Sorge und ist ein Grund für den Rückgang der Kooperative von zuletzt ca. 250 Familien auf mittlerweile nur noch 200 Familien.

Unser Ziel ist es ein stabiles Einkommen für nachhaltiges Wirtschaften auf den Kaffeeplantagen zu ermöglichen!

Unser Ziel ist es, das Einkommen und die Lebensumstände der Bauern nachhaltig zu stabilisieren, damit auch nachfolgende Generationen dem (Happy Coffee) Kaffee die Treue halten.

Nachdem die letzte Ernte bereits um 40% geringer ausgefallen war, ist diese Ernte noch einmal um knapp 10% auf 4.200 Sack gesunken. Erschwerend hinzu kommt der Roja, eine Erkrankung der Pflanzen durch einen Kaffeepilz, der durch täglichen starken Regen verursacht wird. Ungewöhnlich, da wir uns eigentlich nicht in der Regenzeit befinden. Der Regen macht die vollreifen Kaffeekirschen so schwer, dass sie vom Strauch fallen und dann durch den einsetzenden Fermentationsprozess für die Ernte nicht mehr benutzt werden können. Das bedeutet Ernteausfall und weniger Einkommen.

Die Kaffee-Ernte in Chiapas, Mexiko

Wir sind zu Besuch auf der mexikanischen Finca San José von Señora Martha und Señor Manuel, die auf ihrem Land aus der Kaffeeernte einen Ertrag von 21 Sack á 69 kg erwirtschaften. Bei der Kaffeeernte dürfen wir sind selbst aktiv dabei sein und pflücken zunächst die Kaffeebohnen per Hand. Anschliessend sammeln wir sie in einem großen, um den Bauch geschnallten Korb. Um die Kaffeebohnen von der Kaffeekirsche zu trennen (jede Kaffeekirsche enthält zwei Kaffeebohnen), werden die Kirschen dann über einen Trichter in eine Maschine gegeben, die per Handkurbel bedient wird.

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Christian und Birthe Haase bei der Kaffeeernte in Mexiko

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Durch das Drehen der Kurbel gelangen die Kaffeekirschen zwischen Zahnräder, die säuberlich die Bohnen von dem Fruchtfleisch trennen und zur einen Seite die Bohnen in ein Gefäß fallen lassen. Nun werden die Bohnen gewaschen und in einem Fermentationsbecken aufbereitet. Unter ständigem Wenden werden sie anschliessend in der Sonne auf dem Patio (ebene Betonfläche) etwa 3 bis 4 Tage getrocknet. Da es während unseres Besuchs fast jeden Tag ab dem Nachmittag regnet, müssen die Kaffeebohnen immer rechtzeitig vor Einsetzen des Regens zusammengeschoben, in Säcke gefüllt und ins Haus getragen werden. Sobald es wieder trocken ist, werden die Kaffeebohnen wieder zum Trocknen auf dem Patio ausgebreitet, bis sich der nächste Regen ankündigt. Dieses Prozedere ist wichtig, denn wenn die Kaffeebohnen feucht gelagert werden, fangen sie leicht an zu schimmeln.

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Besonders gefreut haben sich die mexikanischen Bauern auch darüber, dass der von ihnen angebaute Kaffee mit der Auszeichnung Gold der Deutschen Röstergilde bewertet wurde. Das sahen sie – zu Recht – auch als Anerkennung für ihre tägliche Arbeit. So hat die Verkostung vor Ort gleich noch besser geschmeckt.

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Neue Arbeitsmittel und Werkzeuge

Bei den Besuchen auf den Plantagen haben wir festgestellt, dass es oft am Nötigsten fehlt. Insbesondere die täglichen Arbeitsmittel wie Macheten und Hacken sind in sehr schlechtem Zustand. Deshalb haben wir uns entschieden jeweils 100 Machten und Hacken zu kaufen und der Kooperative zur Verfügung zu stellen. Im nächsten Jahr werden wir weitere 100 Pakete für die restlichen Plantagen zur Verfügung stellen, so dass dann alle Mitglieder neu ausgestattet sind.

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Neues Projekt: Kaffeeplanzen für mehr und besseren Kaffee

Um künftig mehr Qualität und Quantität bei Happy Coffee zu erreichen, möchten wir ein weiteres Projekt namens „para una mejor vida por mas café“ ins Leben rufen, was „Für ein besseres Leben und für mehr Kaffee“ bedeutet. Die Kaffeepflanzen auf den Plantagen bringen in den ersten 20 Jahren die besten Erträge. Danach nimmt Qualität und Menge deutlich ab. Das bedeutet, dass die alten Pflanzen ausgetauscht werden müssen. Weil hierzu jedoch meist die Mittel fehlen, starten wir ein Projekt. Mehr dazu dann im nächsten Bericht.

Schulprojekt in Lampocoy in Guatemala

Seit einiger Zeit unterstützen wir ein Schulprojekt in Lampocoy in Guatemala. Wir freuen uns sehr, dass die letzten Vorhaben erfolgreich realisiert wurden und die rund 220 Kinder nun von einer sanierten und renovierten Toiletteneinrichtungen, sowie von einer Kochstelle samt Essensausgabe profitieren können.

Du hast Fragen zu unserer Reise oder dem Kaffee? Schreib uns per WhatsApp an 0151 70388338 oder per E-Mail an [email protected].

Wenn du jetzt einen Happy Coffee selbst probieren möchtest, kannst du diese hier direkt versandkostenfrei einkaufen.

Viele Grüße.

Christian und Birthe Haase

 


Besucht selbst Kaffeeplantagen!

Unser ganzes Team reist gerne auf Kaffeeplantagen (nicht nur nach Mexiko). Jeder Kaffeefreund, der die Chance hat eine Kaffeeplantage zu besuchen, sollte die Chance nutzen. Hier findest du z.B. einen Reisebericht von Happy Coffee Gründer Christian Häfner während seines Besuch der Kaffeeplantage Don Juan in Costa Rica. Gerne veröffentlichen wir auch deinen Besuch hier bei Happy Coffee. Melde dich einfach bei uns.

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