Altpapier sammeln, Glas im Container entsorgen, getrennt nach Braun-, Grün- und Weißglas, Verpackungen getrennt im gelben Sack entsorgen und im Idealfall noch eine Extratonne für Bioabfälle und Elektroschrott: für uns Deutsche ist Recycling längst zur Routine geworden. Die Wiederverwertung beziehungsweise Wiederaufwertung von alten Materialien, die so nicht mehr gebraucht werden, hat bei uns schon eine lange Tradition. Gerade Eisen wurde schon seit Beginn seines Gebrauchs – und den datiert man bereits auf 1.2000 v. Chr. – eingeschmolzen um daraus etwas Neues zu schaffen. In der Renaissance wurde nicht mehr gebrauchte Kleidung in Papiermühlen wiederverwertet, Altpapier sammelte man bereits Mitte des 18. Jahrhunderts. Recycelt wurde schon immer, und nicht nur das. Oftmals wurden Materialien oder Produkte durch einfache Umarbeitung sogar aufgewertet: Upcycling statt bloßem Recycling! Der Begriff „Upcycling“ ist noch recht jung. Mitte der Neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts war es ein deutscher Ingenieur, der die Abfallrahmenrichtlinie in einer britischen Fachzeitschrift mit folgenden Worten kritisierte:

Recycling – I call it down-cycling. They smash bricks, they smash everything. What we need is up-cycling where old products are given more value, not less.

Der Begriff des Upcyclings wurde geboren. Während Upcycling in Entwicklungsländern schon seit langem praktisch umgesetzt wird, ist die Aufwertung von benutzten Materialien in unserer Wohlstandsgesellschaft noch ein recht junges Phänomen. Was genau verbirgt sich hinter Upcycling, wie kann jeder von uns Produkte upcyclen und warum ist das Thema gerade so angesagt?

Der feine Unterschied: Upcycling statt Recycling

Wer die Begriffe zum ersten Mal hört, für den mag alles recht ähnlich klingen. Der Unterschied vom Recycling zum Upcycling ist vielleicht kein großer, aber dennoch ein entscheidender: während beim Recycling – also dem eigentlichen Downcycling – Material zerstört wird, um es „noch irgendwie zu  gebrauchen“, wird das Material beim Upcycling nicht nur wieder verwertet, sondern sogar aufgewertet. Das heißt, dass aus altem Material, dass so nicht mehr genutzt werden kann, etwas entsteht, dass nicht nur mindestens genauso von Nutzen ist, sondern sogar hochwertiger als das originale Produkt sein kann. Beim Upcycling entstehen zudem, im Unterschied zum Recycling, keine belastenden Nebenprodukte: es wird nichts verbrannt oder chemisch zersetzt, es entsteht keine Treibhausemissionen, Luft- oder Wasserverschmutzung. Ein nutzloses Produkt wird lediglich, durch ein paar geschickte Kniffe, in ein nutzbares, aufgewertetes Produkt verwandelt.

Wegwerfgesellschaft ohne Gewissen?

Keine Frage, wir sind eine Wegwerfgesellschaft. Gerade weil wir Recycling-Meister sind, beruhigen wir unser Gewissen, wenn wir etwas wegwerfen, oft mit dem Gedanken daran, dass die entsorgten Güter wieder irgendwann wiederverwertet werden. Das führt dazu, dass wir heute viel schneller etwas in den Müll geben, als es zum Beispiel die Generation unserer Großeltern – oder gar Eltern – tat. Gerade bei Kleidung oder elektrischen und elektronischen Geräten kommt es einem heutzutage so vor, als würde die Halbwertszeit immer geringer. Herz auf die Hand, mal ehrlich: wer von Euch hat sich zuletzt die Zeit genommen, ein Loch im Socken zu stopfen, einen abgefallenen Knopf wieder anzunähen oder den Staubsauger auseinander zu bauen, weil er nicht mehr so gut funktioniert? Meistens ist es einfacher, praktischer und teilweise sogar günstiger, das kaputte oder schlecht funktionierende Produkt wegzuwerfen und sich ein neues zu kaufen. Dass das der Umwelt nicht gut tut und eine Verschwendung von Rohstoffen ist, die es eigentlich zu vermeiden gilt, blenden die meisten von uns aus.

Im Trend: Do it yourself

Doch immer, wenn etwas als viel zu selbstverständlich hingenommen wird – wie die Tatsache, dass wir auf Knopfdruck Licht, Wärme und Wasser erhalten, kommt irgendwann die Ernüchterung. Mittlerweile wissen wir, dass Rohstoffe nicht endlich sind, dass wir ein riesengroßes Müllproblem haben und dass gerade unser allzu sorgloser Umgang mit Plastikabfällen dazu führt, dass unsere Umwelt immer weiter verschmutzt wird. Während dieses Wissen zumindest noch keinen direkten Einfluss auf unser Konsumverhalten im großen Stile hat, merkt man doch an einigen Stellen ein Umdenken. Initiativen, Zeitschriften, Webseiten und Blogs, die sich mit Nachhaltigkeit beschäftigen (wie auch Happy Coffee) finden immer mehr Unterstützer bzw. Leser und auch die praktische Umsetzung des einst theoretischen Begriffs Upcycling ist momentan trendy. Es scheint, als hätten viele von uns darauf Lust, im Kleinen dazu beizutragen, dass nicht nur weniger Müll entsteht, sondern, dass aus Altem oder Nutzlosem etwas Neues entsteht, dass wir nutzen und wertschätzen. Während das früher einigen sehr kreativen Köpfen vorenthalten war, scheint das Thema Upcycling mitten in unserer Gesellschaft angekommen zu sein. Mit Anleitungen in Zeitschriften wie der BRIGITTE oder diversen Webseiten und Portalen wie 30 Tage 30 Dinge kann jeder von uns ein kleiner Designer werden. Basteln war gestern, heute heißt es: do it yourself, upcycle!

Ich war einmal eine Shampooflasche: Upcycling Ideen

Wer sich durch die vielen Webseiten zum Thema Upcycling oder soziale Plattformen wie Pinterest klickt, der findet eine enorme Fülle an Ideen und Inspirationen. Von einfachen Anleitungen, zum Beispiel wie man eine alte Shampooflasche zum Brillenetui umfunktioniert bis zu sehr stylischen Upcycling-Ideen (schonmal daran gedacht, aus Altglas eine Designerlampe herzustellen?) ist von praktisch bis edel alles dabei. Manchmal fällt es einem wie Schuppen von den Augen: stimmt, aus einer alten Suppendose kann man ohne großen Aufwand einen schicken Blumentopf machen – warum bin ich da nicht selbst draufgekommen? Für den Anfänger bis zum Superbastler: wir haben ein paar besonders clevere Ideen für Euch rausgesucht.

Einrichtungsideen

In Zeiten wo sich Wohnungen von Atlanta bis Zwickau oftmals nur marginal unterscheiden – der Globalisierung und dem schwedischen Möbelhandel geschuldet – kommen ein paar Ideen zum Upcycling von Alltagsobjekten, die den eigenen vier Räumen das gewisse, unverwechselbare Etwas geben, gerade recht. Die folgenden Ideen für eine stylische Wohnung haben uns besonders gut gefallen:

Leiter als Bücherregal

Leiter als Bücherregal

Photo by minimalisti.com

Man nehme eine alte Leiter, befestige sie horizontal an der Wand und schwups, hat man ein Buchregal. Viel mehr muss man dabei eigentlich gar nicht machen, denn der Vintage-Look ist angesagt wie nie. Die Farbflecken, die beim letzten Malern auf die Leiter gekleckst wurden, sehen in der richtigen Umgebung sogar so aus, als hätte sie ein extrem angesagter Möbeldesigner extra so entworfen.

Designerlampe aus alten Flaschen

Ein bisschen geschickt muss man sich schon dabei anstellen und im Idealfall auch schonmal einen Bohrer in den Händen gehalten haben, aber eigentlich ist es gar nicht so schwer und mit ein paar wenigen Handgriffen wird aus einer alten Weinflasche eine Lampe, die so

Designerlampe aus alten Flaschen

Photo by Kare Design

aussieht, als hätte man sie direkt aus dem Manufactum-Katalog. Wie das genau funktioniert, zeigt Euch diese Schritt-für-Schritt Anleitung von wikiHow.

LEGO als Baumaterial

Absolut begeistert sind wir von den vielen Möglichkeiten, ausgediente LEGO-Steine wieder zu verwenden. Wenn die Kinder aus dem LEGO-Alter herausgewachsenen sind, werden die Plastikbausteine meist in eine Schachtel gepackt und im Schrank vergessen. Viel zu schade! Aus den bunten Teilen lassen sich im Handumdrehen Bilderrahmen, Aufbewahrungsschachteln, Lampen und sogar eine Handyhalterung oder ein Couchtisch fertigen. Wie das geht und was man sonst noch so alles aus den Steinen bauen kann, seht hier hier: LEGO-Upcycling.

Upcycling mit alten Kleidungsstücken

Krawatten

Photo by weupcycle.com

Neues aus alten Krawatten: kaum ein Kleidungsstück liegt so nutzlos herum wie eine Krawatte, deren Look aus der Mode gekommen ist. Aber andererseits gibt es auch kaum ein Kleidungsstück, dass man so vielseitig aufwerten kann. Es schadet nicht, wenn man geschickt mit Nadel und Faden umgehen kann, doch auch für Handarbeits-Unkundige gibt es im Netz viele detaillierte Anleitungen, um aus der ollen Krawatte etwas cooles Neues zu kreieren. Besonders gut gefallen hat uns dieses Video, in der aus einer Krawatte ein stylischer Gürtel entsteht. Ebenfalls sehr hübsch finden wir das kleine Täschchen, das aus alten Krawatten genäht wurde.

T-Shirt Upcycling

Gute Nachrichten für Alle, die nicht so gut Nähen können, denn um aus einem alten T-Shirt ein neues, trendiges Kleidungsstück zu machen, reicht manchmal schon eine Schere. Mit dem richtigen Schnitt und ein paar Flechtereien kann man aus dem ausgedienten Shirt zum Beispiel einen der gerade sehr angesagten Schlauchschals herstellen. Die genaue Anleitung findet ihr hier.

Der Klassiker: Jeans

Auch wenn es den meisten von uns oft schwerfällt, sich von der Lieblingsjeans zu trennen: irgendwann hat auch dieses robuste Kleidungsteil seinen Zweck erfüllt. Doch meist ist es ja nicht der ganze Stoff, der nicht mehr gut ist, sondern nur ein kleiner Teil. Und aus dem noch gut erhaltenen Rest lässt sich wunderbar etwas Neues herstellen. Der Kreativität sind dabei fast keine Grenzen gesetzt, für den Nähprofi bis zum Bastelphobiker ist zum Beispiel auf Pinterest für jeden etwas zu finden. Dort finden sich Anleitungen, um aus alten Jeans neue Shorts herzustellen, aber auch weniger offensichtliches, wie ein Handyhülle, eine Einkaufstasche und sogar Christbaumschmuck!

Erfolgreich mit Upcycling

Freitag Umhängetasche

Photo by FREITAG

Ein paar findige Köpfe haben das Upcycling schon zu ihrer Geschäftsidee gemacht. In Berlin zum Beispiel stellt die Designerin Katja Werner ungewöhnliche Gebrauchsgegenstände aus alten Fahrradschläuchen her. Vom Kronleuchter bis zum Schlüsselanhänger: faszinierend, was sich aus dem Gummischläuchen, die sonst im Müll landen sobald sie ein Loch haben, so alles fertigen lässt! Als Pioniere des Upcyclings kann man die Schweizer Freitag-Brüder getrost bezeichnen. Ihre Kuriertaschen, gefertigt aus alten LKW-Planen, wurden bereits mannigfach kopiert und gehören zur Grundausstattung junger, urbaner Menschen.

Die amerikanische Plattform Hipcycle verkauft die dort angebotenen Designobjekte, die aus alten Materialien gefertigt wurden, zu hohen Preisen und möchte damit nicht nur die Kreativität von Kleinunternehmern fördern, sondern für ein Umdenken sorgen: gerade weil ein Produkt durch Upcycling kreiert wurde, gilt es als besonders hochwertig – und dafür soll auch ein gewisser Preis gezahlt werden. In Berlin, Stadtteil Prenzlauer Berg, verkauft der Designer Benjamin Rüggeberg Objekte, die aus altem Material aus seiner Heimat Südafrika stammen. Vor allem altes Holz und Keramik hat es Rüggeberg angetan, der mit seiner Geschäftsidee soziale Projekte verknüpft: das Altholz lässt er von Obdachlosen sammeln und entlohnt sie dafür gerecht.

Andrea Noelle und Annika Busse upcyceln alte Sofas zu neuen Designerhandtaschen. Für eine Umhängetasche zahlt man dort schonmal um die 200 Euro, es ist also klar: hier geht es nicht um bloßes Second Hand, hier geht es um Aufwertung. Das waren nur ein paar Projekte und Initiativen von so vielen, die sich gerade von der kleinen Idee zum profitablen Business mausern. Ob am heimischen Küchentisch, auf dem Laufsteg oder am Arbeitsplatz: Upcycling scheint gerade in allen Bereichen der Gesellschaft enorm angesagt zu sein. Eine begrüßenswerte Entwicklung, die sogar von hoher Stelle unterstützt wird: die Hochschule für Künste Bremen hat letztes Jahr einen Upcycling Innovationspreis ausgeschrieben und drei Projekte prämiert, die sich besonders hervorgetan haben mit der kreativen, nachhaltigen Wiederverwendung und Aufwertung von Materialien und Produkten. Um aus alten Materialen etwas neues, hochwertiges zu schaffen, muss man allerdings nicht studiert haben: selbst für Kindergartenkinder und Vorschüler gibt es Ideen zum Upcycling. Früh übt sich – Vorhang auf für eine neue Art des Bastelns!

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Über den Autor: Christian ist Gründer von Happy Coffee. Neben gutem Kaffee interessiert er sich für fairen Handel, Surfen und die Startup Szene.


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