Städte: Dreh- und Angelpunkt für die Entwicklung von Ideen, die Entstehung von Kultur, Wissenschaft, Produktivität, soziale Entfaltung und viele weitere Projekte, Initiativen, Bewegungen. In einer Zeit wo wir mit Umweltverschmutzung, globaler Erwärmung, sozialem Gefälle, dem Problem bezahlbarer Wohnungen und Kommerzialisierung konfrontiert sind, gewinnt nachhaltige Stadtentwicklung immer mehr an Bedeutung.

Um den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts entgegenzutreten müssen Städte einen ganzheitlichen Ansatz bei der Planung und Weiterentwicklung verfolgen. Wichtige Parameter einer nachhaltigen Stadtentwicklung ist die Sicherstellung des Zugangs zu Grundversorgung, Wohnungen und Mobilität für alle Bewohner einer Stadt. Die Bereiche, die bei solch einer nachhaltigen Stadtplanung berücksichtigt werden müssen, sind vielfältig: Das Transportsystem, die Trinkwasserversorgung, Abfallmanagement, Zugang zu Information und Bildung sowie die Minimierung von Risiken für die Stadtbewohner.

„Nachhaltige Stadtentwicklung“ ist das Schlüsselwort, das dafür sorgen will, dass das Leben in den Städten dauerhaft verbessert wird. In einer nachhaltigen Stadt werden alle Entscheidung daraufhin getroffen, ob die daraus resultierenden Folgen positiv für eine nachhaltige Stadtentwicklung sind.

Nachhaltige Stadtentwicklung – Leitbild aus der Charta von Aalborg

Bei der derzeitigen nachhaltigen Stadtentwicklung richtet man sich am Leitbild der Aalborg Charta (Charter of European Cities & Towns Towards Sustainability). 1994 wurde die Charta im dänischen Aalborg verabschiedet und bis dato von über 2.5000 Städten und Gemeinden in 40 Ländern unterzeichnet. Wer unterschreibt, steht dafür, sich zu einer zukunftsorientierten, nachhaltigen Politik zu verpflichten. Die Charta beinhaltet verschiedene Unterpunkte, darunter verantwortungsvoller Konsum, Verbesserung der Mobilität, nachhaltige lokale Ökonomie und soziale Gleichheit und Gerechtigkeit.

Nachhaltige Stadtplanung auf Quartiersebene

Während man früher von einer zentralistischen Stadtplanung ausging, wird heute das Hauptaugenmerk auf eine nachhaltige Stadtentwicklung auf Quartiersebene gelegt. So werden Modellprojekte, Initiativen und Pläne in Stadtvierteln oder Stadtteilen gefördert und vorangetrieben. Die Konzentration auf eine Entwicklung kleiner urbaner Einheiten ermöglicht es, effektiv zu arbeiten und auch die Bürger und Bewohner mit einzubeziehen.

Lokale Agenda 21

Ein wichtiges Programm innerhalb der nachhaltigen Stadtentwicklung ist die Lokale Agenda 21. Der Name erinnert nicht von ungefähr an die „Agenda 21“, ein globales Programm das 1992 von Mitgliedsstaaten der UNO verabschiedet wurde. Wie auch die Agenda 21 handelt es sich auch bei der Lokalen Agenda 21 um ein Handlungsprogramm zur nachhaltigen Entwicklung, nur eben auf lokaler Ebene. Mit Hilfe der Lokalen Agenda 21 sollen Gemeinden oder Regionen auf den Weg in Richtung Nachhaltigkeit gebracht werden. Wie auch beim Vorbild, der Agenda 21 gilt der Leitsatz „Global denken – lokal handeln!“

European Sustainable Cities Platform für nachhaltige Stadtentwicklung

Was kann also getan werden, um Städte ressourcenschonend zu sanieren, sie erneut mit Leben zu füllen und sie zu einem lebenswerten Ort für alle Bewohner werden zu lassen? Hinweise, wie eine nachhaltige Stadtentwicklung erreicht werden soll, gibt die European Sustainable Cities Platform. Das Gemeinschaftsprojekt des weltweiten Verbands ICLEI – Local Governments for Sustainability und der Stadt Aalborg bietet eine Plattform für europäische Städte und Gemeinden, die ihre Projekte auf dem Weg zur nachhaltigen Stadtentwicklung darstellen möchten – oder aber sich von anderen Initiativen und Projekten inspirieren lassen möchten. Einige Beispiele besonders gelungener Maßnahmen aus den verschiedenen Untergebieten möchten wir euch im Folgenden aufzeigen.

Biodiversität & Ökosysteme: Dachfarmen in Dublin und Berlin

Auf dem Dach einer Schokoladenfabrik im irischen Dublin wird auf innovative und nachhaltige Art und Weise Obst und Gemüse angebaut. Gerade in einer Stadt mit einer hohen Einwohnerdichte wie Dublin ist „urban farming“ ein wertvoller Beitrag zu einer verbesserten Lebensqualität. Das besondere an der Dachfarm sind die verschiedenen, nachhaltigen Herangehensweisen: ökologischer Kompost, Bienenzucht, Zucht von Pilzen auf gebrauchtem Kaffeepulver. In Berlin sind ähnliche Projekte geplant, Stichwort Aquaponic: Gemüse vom Dach mit integrierter Fischzucht. Besonders spannend ist das Projekt „Containerfarm“, die eine gleichzeitige Produktion von Gemüse und Fisch mitten in der Stadt ermöglicht.

Neue Stadtmodelle als Mittel im Kampf gegen den Klimawandel: CAT-MED

CAT-MED ist eine Plattform für nachhaltige städtische Modelle. 2008 ins Leben gerufen, nehmen seitdem elf mediterrane Städte daran teil, darunter Malaga, Sevilla, Barcelona, Genau und Rom. Das Programm fokussiert sich auf die Entwicklung nachhaltiger urbaner Projekte, die sich aber gleichzeitig am typischen mediterranen Design orientieren. Um eine Stadt aktiv im Kampf gegen den Klimawandel zu wappnen, werden Pilotprojekte wie „Green Apple“ gestartet. Mit Green Apple sollen neue Wohngebiete entstehen, in denen erneuerbare Energien, nachhaltiges Abfall-Management sowie umweltschonende und soziale Faktoren eine Rolle spielen.

Grüner Transport: Die dänische „Fahrradbotschaft“ und Wiener Elektrobusse

The Cycling Embassy“ in Dänemark ist ein Netzwerk aus Unternehmen, lokalen Behörden und Nichtregierungsorganisationen. Das Ziel der „Fahrradbotschaft“ ist es, die ohnehin schon Fahrradliebenden Dänen noch mehr zum Umsteigen auf das umweltfreundliche Zweirad zu bewegen. Die unterschiedlichen Kampagnen und Arbeitskreise setzen sich für den Bau sicherer Fahrradwege ein, bringen Kleinkindern das Radfahren bei und setzen sich dafür ein, dass Fahrradfahren ein stetiger Punkt auf der politischen Agenda ist.

Elektrobusse gibt es mittlerweile in nicht wenigen europäischen Städten in Europa, doch Wien gilt immer noch als Trendsetter, was diese umweltfreundliche Methode des öffentlichen Personennahverkehrs betrifft. Wien ist die erste Stadt, die ihre gesamte städtische Busflotte aus elektrobetriebenen Bussen bildet. Dabei musste das Rad noch nicht einmal neu erfunden werden: die Busse erhalten die benötigte Elektrizität von den Kabeln der Straßenbahnen, die ohnehin schon vorhanden waren. Weniger Abgasemissionen, weniger Smog, bessere Luft: das Wiener Modell birgt viele Vorteile und dient anderen Städten als Vorbild auf dem Weg zu einem grüneren Transportsystem.

Grüne Energie: Die Klima-Initiative der Stadt Rotterdam

Die Stadt Rotterdam hat sich ein hehres Ziel im Kampf gegen den Klimawandel gesteckt: bis 2025 sollen die CO2 Emissionen um 50% gesenkt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, will Rotterdam seine Strategien einer starken Wirtschaft nutzen, um die nachhaltigste Hafenstadt der Welt zu werden. Ein Welthafen, der sauber, grün, sicher und gesund für seine Bewohner ist. Mit der Förderung grüner Energien und dem daraus erhaltenen Wissen will Rotterdam auch dazu beitragen, dass andere Städte dem Beispiel folgen. Maßnahmen auf dem Weg zu einer nachhaltigen Stadt sind die Herstellung und Nutzung von Dachfarmen, Windenergie, Solarenergie sowie von Biomasse und Biokraftstoffen. Ahmed Aboutaleb, der Bürgermeister von Rotterdam, beschreibt seine Vision auf der Sustainable Cities Plattform.

„Bis 2025 wollen wir die CO2 Emissionen um 50% reduzieren, und somit sichergehen, dass wir für den Klimawandel gewappnet sind und zudem für Wirtschaftswachstu sorgen können – gemeinsam können wir dieses Ziele erreichen, wenn wir als Unternehmen, Bürger und Behörden unsere Ressourcen gemeinsam nutzen. Unser Wille und Fähigkeit, uns voll und ganz dafür einzusetzen macht die es innovative Zusammenarbeit zu einem Exempel für die ‚Rotterdamer Mentalität‘.“

Green Economy: Lisbon Incubators Network

In Portugal haben sich mit dem Lisbon Incubators Network sechs Inkubatoren zusammengeschlossen, die kleineren und mittleren Unternehmen dabei helfen sein wollen, in unsicheren Zeiten, vor allem zu Beginn der Firmengründung, zu überlegen. Das Netzwerk stellt dafür Ressourcen auf den unterschiedlichsten Ebenen zur Verfügung, darunter Know-How in den Bereichen best practice, Problemlösung und, natürlich, finanzielle Unterstützung. Mit dem Projekt „Start-Up Lisboa“ werden historische Stadtteile im Viertel Baixa wiederbelebt und restauriert, damit sie von Start-Ups als Geschäftsräume genutzt werden können. Damit soll der anhaltenden Krise in Portugal entgegengewirkt werden und junge Unternehmer dazu ermutigt werden, ihre Geschäftsidee in ihrer eigenen Stadt umzusetzen. Denn wenn den kreativen Entrepreneuren Portugals die Umstände erleichtert werden, dann sind sie nicht darauf angewiesen, ihr Land zu verlassen und somit für einen weiteren Brain Drain zu sorgen.

Dies sind nur einige wenige Beispiele aus einer Vielzahl an Modellen, Projekten und Initiativen für nachhaltige Stadtentwicklung. Nachhaltige Stadtentwicklung ist von immenser Bedeutung, um das Leben in den Städten auch im 21. Jahrhundert zukunftsorientiert zu gestalten und qualitativ hochwertig zu machen. Der Bedarf an nachhaltigen Stadtplanern, die dafür sorgen wollen, dass Städte intelligent, umweltfreundlich und sozial gerecht werden, steigt. Während viele Angestellte, die sich mit „Smart Cities“ beschäftigen, studierte Wirtschaftswissenschaftler oder Ingenieure sind, gibt es mittlerweile eigene Studiengänge im Bereich nachhaltige Stadtentwicklung. Kürzlich erst hat die Universität Duisberg-Essen den Masterstudiengang „Sustainable Urban Technologies“ ins Leben gerufen:

„Der Studiengang befähigt die Studenten, sich mit anderen Fachdisziplinen zu verständigen und die Herausforderungen von Metropolen und urbanen Systemen anzugehen“, so Studiengang-Leiterin Elke Hochmut im Gespräch mit der FAZ.

Auch an der TU Berlin gibt es einen ähnlich gearteten Master namens „Urban Management“. Smart Cities oder „lebenswerte Städte“ sind ein Zukunftsmodell, dem sich eine neue Generation an Stadtentwicklern und -Planern mit Hochdruck und Leidenschaft widmet. Aber auch ohne passendes Studium kann jeder Bewohner seinen Teil dazu beitragen, die Lebensqualität seiner Stadt zu verbessern. Anlaufstellen für freiwilliges Engagement sind das örtliche Stadtplanungsbüro oder das Quartiersmanagement.

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Über die Autorin: Sandra hat Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studiert. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Leidenschaften sind Nachhaltigkeit, sowie die Unterstützung der nachhaltigen Fischräucherei ihres Bruders. Die passionierte Teetrinkerin ist seit Happy Coffee auch zu einem Kaffee-Fan geworden.


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