Wir halten uns für umweltbewusst und denken, dass wir nachhaltig handeln. Wir kaufen unser Obst und Gemüse regional und saisonal im Bioladen oder sogar auf dem Wochenmarkt vom lokalen Bauern, wir recyceln unseren Müll indem wir Glas, Papier und Verpackung trennen, wir nutzen wiederverwendbare Leinenbeutel statt Plastiktüten und nehmen so oft es geht das Fahrrad statt ins Auto zu steigen.

Mit „wir“ sind die LOHAS gemeint. LOHAS steht für „Lifestyle of Health and Sustainability“ und beschreibt die Menschen, die versuchen, umweltbewusst zu handeln um gleichzeitig sich und Mutter Erde etwas Gutes zu tun. Doch allen Bemühungen zum Trotz: Wer in der westlichen Welt lebt, der trägt durch seinen – mehr oder weniger privilegierten – Lifestyle dazu bei, dass Umweltprobleme entstehen.

Egal wie bewusst unser Konsumverhalten oder unser Umgang mit Energie, Nahrung oder täglichen Gewohnheiten sein mag: Wir verursachen massive Umweltprobleme durch unsere Art zu leben und es ist nicht einfach, das zu reduzieren – aber auch nicht unmöglich.

Umweltprobleme durch unser Konsumverhalten

Wir kaufen, was das Zeug hält. „In Deutschland werden täglich 150 Millionen Kaufentscheidungen getroffen,“ berichtet das Naturkost-Magazin „Schrot & Korn“ und setzt gleich einen Satz dahinter, der auf ein gestiegenes verantwortungsvolles Handeln beim Einkauf von Lebensmitteln hoffen lässt: „Immer mehr Menschen berücksichtigen dabei soziale und Ökologische Kriterien“. Dennoch bedeutet das jedoch längst nicht, dass Bio-Märkte mehr Umsatz machen als die normalen Supermärkte oder Discounter. So berichtet zum Beispiel das Portal Ernährungswerkstatt über eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), nachdem Supermärkte bzw.

Verbrauchermärkte mit 89,6% an erster Stelle der Einkaufsstätten stehen, dicht gefolgt von den Discountern mit 77,4%. Logisch, schließlich kann oder will sich nicht jeder die hochpreisigen Produkte aus dem Biomarkt leisten. Doch auch wer sein Obst und Gemüse nur mit Bio-Label kauft, handelt nicht automatisch im Interesse der Natur. Auch in Bio-Läden gibt es Bio-Äpfel aus Neuseeland oder Bio-Flug-Ananas, frisch importiert aus Uganda. Die Früchte mögen unter biologischen und fairen Bedingungen angebaut und gehandelt worden sein – dennoch haben sie den Weg zu uns per Flugzeug gefunden: Stichwort „Food Miles“:

Umweltprobleme durch Food Miles

Der Begriff Food Miles beschreibt die Distanz, die ein Lebensmittel hinter sich gelegt hat, bevor es von Konsumenten gekauft wird. Von „Food Miles“ spricht man so gut wie immer im Zusammenhang mit Umweltproblemen oder globaler Erwärmung. Wir haben uns daran gewöhnt, dass wir immer und zu jeder Zeit das haben beziehungsweise kaufen können, was wir gerade wollen. Völlig egal ob Erdbeeren bei uns gerade Saison haben oder nicht: wenn wir mitten im Winter Lust auf Erdbeerkuchen haben, dann gehen wir in den Supermarkt und können davon ausgehen, dass es dieses Obst dort zu kaufen gibt. Natürlich wurde es nicht von Bauern aus der Umgebung angebaut, sondern unter Plastikfolien in Nordspanien oder Marokko angebaut – oder im Treibhaus in Holland.

Weil wir oft nicht mehr zwischen „ich brauche“ und „ich will“ unterscheiden können und weil uns die meisten Verbrauchermärkte auch nicht zwingen, auf etwas zu verzichten, das gerade keine Saison hat, schalten wir oft unseren gesunden Menschenverstand aus und kaufen etwas, das es zu dieser oder jener Zeit eigentlich gar nicht geben sollte. Doch was genau soll daran so schlimm sein, wenn man nicht den gesamten Bauernkalender auswendig kennt und sich ab und an mal etwas exotisches gönnt? Es soll hier niemand verteufelt werden, wir sind alle Menschen mit Bedürfnissen und Vorlieben, die nicht immer unbedingt im Einklang mit dem Schutz unserer Erde sind. Doch unser Konsumverhalten bezüglich importierter Lebensmittel außerhalb der Saison und die daraus entstehenden Food Miles verursachen massive Umweltprobleme. Und dies gleich auf mehreren Ebenen.

In den Anbauländern entsteht durch die intensive Monokultur eine Zerstörung der Vielfalt, durch den hohen Einsatz chemischer Düngemittel eine Verschmutzung des Grundwassers, durch die vielen Plastikdecken die Vermüllung des Meers oder anderer Gewässer und schließlich durch den Transport und die damit eingehenden CO2-Emissionen eine hohe Luftverschmutzung.

Hier gilt: der Verbraucher hat die Macht. Vielleicht kann man sich das ein oder andere Mal, bevor man im Winter zu Erdbeeren oder Himbeeren greift kurz bewusst machen, welchen Weg das Obst zurückgelegt hat. Und ob es vielleicht dieses eine Mal stattdessen nicht doch ein Apfel auch tut. Das gute daran ist nicht nur das gute Gewissen, weniger Umweltprobleme verursacht zu haben, sondern auch die Freude auf die verschiedenen Jahreszeiten mit ihrem typischen saisonalen Obst und Gemüse.

Umweltprobleme durch „Luxus“

Luxus – ein vielschichtiger Begriff. Für Menschen in Entwicklungsländern mag das ein Zugang zu Trinkwasser sein, für die Unternehmergattin ein Trip durchs Mittelmeer mit der eigenen Yacht oder für einen überarbeiteten Geschäftsmann schlicht mehr Zeit für sich selbst. Dass ein luxuriöser Lifestyle Umweltprobleme verursacht, kann man sich denken. Schließlich braucht niemand drei Sportwägen oder einen Privatjet, doch wenn an sie besitzt, trägt das zur Verschmutzung der Umwelt bei. Doch selbstverständlich sind nicht nur die Reichsten der Reichen unter uns für Umweltprobleme verantwortlich.

Der normale Lebenswandel in der westlichen Welt trägt dazu bei, dass wir der Natur einiges zumuten. Annehmlichkeiten wie eine angenehm warme Wohnung auch bei eisigen Außentemperaturen, heißes Wasser und Licht auf Knopfdruck sind nicht mehr von unserem Lifestyle wegzudenken – haben aber natürlich ihren Preis. Auch wenn grüne Energien und Energie aus nachwachsenden Rohstoffen auf dem Vormarsch sind: fossile Energieträger wie Erdöl, Erdgas und Kohle werden lange noch für Umweltprobleme sorgen.

Umweltprobleme durch Elektroschrott

Auch unser Konsumverhalten was Technik betrifft trägt zur Verschmutzung der Umwelt vorbei. Während die Generation unserer Eltern jahrelang die gleichen Geräte nutzten, wollen wir heute schnell etwas Neues. Früher wurde der Küchenmixer repariert, heute fliegt er in die Tonne. Eine Mobilfunkanbieter wirbt sogar damit, dass man durch einen Vertrag jedes Jahr ein neues Handy erhält. Die Kurzlebigkeit vieler elektronischer Geräte und unser oftmals sorgloser Umgang damit bringt schwere Umweltprobleme mit sich. Elektroschrott sorgt, wenn er nicht fachgemäß entsorgt wird, für eine massive Umweltverschmutzung. Schwermetalle wie Blei, Arsen oder Quecksilber sowie Dioxine und andere giftige Stoffe sind nur schwer oder gar nicht natürlich abbaubar. Bei einer Menge von geschätzten 1,1 Millionen Tonnen Elektroschrott in Deutschland (in 2005, Quelle: ZVEI) mag man sich kaum vorstellen, welche verheerenden Folgen das für unsere Umwelt hat.

Umweltprobleme verhindern durch verantwortungsvolles Handeln

Sicherlich wollen wir hier nicht propagieren, dass wir alle Selbstversorger werden, auf Elektrizität verzichten oder auf einem Einsiedlerhof wohnen, wo wir möglichst wenig Müll produzieren. Unser Lifestyle bringt es automatisch mit sich, dass wir Umweltprobleme verursachen. Man kann nicht immer alles beeinflussen und manchmal muss man sich eben einfach den Gegebenheiten anpassen. Andererseits haben wir durchaus, und das nicht selten, die Möglichkeit, durch verantwortungsvolles Handeln für weniger Umweltprobleme zu sorgen. Es ist schon ein guter Schritt, wieder öfter mal das Fahrrad oder die öffentlichen Transportmittel zu nehmen, auch wenn es mit dem Auto bequemer wäre.

Oder sich darüber klar zu sein, dass es im Winter auch mal reicht, einen wärmeren Pulli anzuziehen, anstatt bei tropischen Temperaturen im T-Shirt auf der Couch zu liegen. Vielleicht lässt sich die kaputte Kaffeemaschine doch noch reparieren und wenn nicht, dann sollte sie wenigstens zum Recyclinghof gebracht werden, anstatt in der Restmülltonne zu landen. Und wer auf die Erdbeere im Januar verzichtet, der freut sich umso mehr auf sie im Juni. Schmeckt eh besser.

Photo by JD Hancock / Flickr (License CC BY 2.0)

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Über die Autorin: Sandra hat Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studiert. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Leidenschaften sind Nachhaltigkeit, sowie die Unterstützung der nachhaltigen Fischräucherei ihres Bruders. Die passionierte Teetrinkerin ist seit Happy Coffee auch zu einem Kaffee-Fan geworden.


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