Ein Schweizer Unternehmen hat mit MyCoffeeStar etwas erfunden, was es endlich möglich macht, Kapselkaffee ohne schlechtes Gewissen zu genießen: die erste wiederverwendbare Kaffeekapsel. Wie das funktioniert und ob sich das Produkt am Markt durchsetzen kann zeigen wir in diesem Artikel.

Kaffeekapseln boomen – Tendenz steigend

Kaffee, der portionsweise verkauft wird, boomt. Nachdem die Kaffeepad-Maschinen gefühlt etwas ins Hintertreffen zu geraten scheinen – moniert wird von Kaffeeliebhabern meist der fehlende, intensive Geschmack – ist der Siegeszug der Kapselmaschinen unaufhaltbar. Nestlé revolutionierte mit seinem Nespresso-Kapselkaffee die Art und Weise, wie heute in modernen Haushalten Kaffee getrunken wird: Kaffee, der in einer Aluminiumkapsel verschlossen ist und pro Tasse aufgebrüht wird. Natürlich mit einer eigens dafür kreierten Kapselkaffee-Maschine. Dass die Tasse Kaffe locker bis zu 38 Cent kosten kann (während man mit einer Tasse aus fair gehandeltem Bio Kaffee umgerechnet nur auf ca. 10 bis 12 Cent kommt), scheint dabei die wenigsten zu stören. Ebensowenig, dass durch die Kaffeekapseln ein riesiges Müllproblem entsteht. Wir berichteten bereits davon: Wer Kaffee aus Kaffeekapseln trinkt, schadet der Umwelt.

Kaffeekapseln: Scheinbar geht kein Weg daran vorbei

Trotz dieses Makels sind Kaffeekapseln gefragt wie nie. 5,8 Millionen Deutsche trinken Kaffee aus Kaffeekapseln, Tendenz steigend.

Die enorme Beliebtheit des Lifestylekaffees hat nicht nur dazu geführt, dass viele Kaffeekonzerne als Mitbewerber um die Gunst der deutschen Verbraucher buhlen. Auch Pioniere der Third Wave Coffee Bewegung wie Coffee Circle, die früher einen genussvollen Umgang mit Kaffee propagierten und für Umweltbewusstsein standen, kapitulierten und bieten seit Kurzem Kaffeekapseln an. Auch wenn die Kapseln von Coffee Circle nicht aus Aluminium, sondern aus Plastik gefertigt sind: Eine sehr umstrittene Entscheidung, die im Netz und auf der Facebookseite des Unternehmens kontrovers diskutiert wird. Coffee Circle mag durch diese Entscheidung einige treue Kunden verlieren. Es wird aber wohl auch welche dazu gewinnen. Denn, so berichtet die Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung:

„Auch in Deutschland hält der große Wachstumstrend für Pad-und Kapselsysteme nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes weiter an. Vor allem der Absatz von Kaffee in Kapseln stieg 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 27 Prozent auf 12.700 Tonnen an.“

Wer sich mit Themen wie Nachhaltigkeit, Plastikmüll, Verschmutzung der Weltmeere und verantwortungsvollem Konsum auseinandersetzt wie wir das tun, dem treiben solche Zahlen Tränen in die Augen. Was soll man also tun?

Third Wave Coffee: Zeit & Genuss als Gegenbewegung zum Fast Food Kaffee

Die Vertreter der Third Wave Coffee Bewegung versuchen mit viel Herzblut und Passion, die Kaffeetrinker davon zu überzeugen, dass man Kaffee als Genussmittel seine Zeit widmen soll. So bekommt man in den zugehörigen Cafés wie z.B. The Barn Berlin Espresso- und Kaffeegetränke, die aus eigens dafür geschaffenen Maschinen gebrüht werden. Gerne wird dort auch einmal per Handfilter aufgegossen, eine fast schon Zen-artige Prozedur, die von Barista und Kunde viel Geduld erfordert. Selbstverständlich werden die Bohnen – meist fair gehandelt und in kleinen Röstereien mit schonenden Methoden zur Perfektion geröstet – erst direkt vor dem Aufbrühen gemahlen. Das garantiert maximale Frische und einen intensiven Geschmack. Viele Koffeinliebhaber wissen das zu schätzen.

Vor allem in Großstädten entstehen immer mehr Coffee Shops und Mikro-Röstereien. Weil viele der Third Wave Kaffeegeschäfte auch online gut vertreten sind, werden auch immer mehr Kaffeebohnen und Zubereitungsgeräte für die Zubereitung zu Hause verkauft. Kaffeebitte, Five Elephant, CUPS: Kaffeeanbieter versuchen durch Kaffeeabos und Kaffee-Flatrates, es dem Verbraucher so bequem wie möglich zu machen.

Kapitulation oder Pakt mit dem Teufel? Coffee Circle und Kaffeekapseln

Dass das Zelebrieren echter Kaffeekultur nicht immer ausreichend funktioniert, ist eine Erkenntnis, die Coffee Circle dazu bewogen haben mag, vom Anti-Kapselkaffee-Dogma abzuweichen und sich den Verbraucherwünschen zu beugen. Denn anders ist es kaum zu erklären, dass der Online Kaffeeanbieter nun selbst den von ihnen zuvor so geschmähten Kapselkaffee zum Kauf anbietet.

Der Post, warum Coffee Circle Kapselkaffee für schädlich hält, ist mittlerweile auf dem Coffee Circle Blog gelöscht. Ehemalige Links führen nun auf einen veränderten Artikel, der die Beweggründe des Kaffee-Lieferservices erklärt, Kaffee nun auch in Kapseln anzubieten.

Kapselkaffee ohne Müll? Mit MyCoffeeStar ist das möglich

Genau dieses Dilemma hat sich ein Schweizer Unternehmen zunutze gemacht. Swiss Innovation Products produziert mit MyCoffeeStar die erste, wiederverwendbare Kaffeekapsel. Ja, richtig gelesen: die Kapsel eignet sich für handelsübliche Kapselmaschinen, wird aber nicht nur einmalig genutzt und fliegt dann in den Müll.

MyCoffeeStar ist die erste wiederbefüllbare Kapsel für Nespresso-Kaffeemaschinen. Die Schweizer haben es geschafft, eine Lücke am Markt zu füllen. Auf der einen Seite der Kaffeekonsument, der es so bequem wie möglich haben möchte, der seine Kapselmaschine liebt und dem der Kaffee genau daraus so gut schmeckt. Auf der anderen Seite das LOHAS-Bewusstsein, das sich nicht mit dem Müll, der durch Kaffeekapseln entsteht, vereinbaren lässt. Nun kann man also Kaffee aus Kapseln genießen, ohne ein schlechtes Gewissen dabei haben zu müssen.

Wie funktioniert MyCoffeeStar?

Ein gewisses Maß an Mitarbeit wird vom Verbraucher verlangt. Zugegeben, ganz so einfach wie „Packung aufreißen, Kapsel entnehmen, in die Maschine legen und draufdrücken“ ist es nicht. Allerdings aber auch nicht viel komplizierter. Stahlkapsel aufdrehen, gemahlenen Kaffee einfüllen, Kapsel einsetzen, runterdrücken, fertig. Wer eine etwas detailliertere Erklärung benötigt, wird bei MyCoffeeStar selbst fündig. In einer Videoanleitung wird gezeigt, wie die Kapsel gefüllt wird:

Es gibt ebenfalls ein Video dazu, wie man die MyCoffeeStar Kapsel in de Nespresso-Maschine einlegt.

Vorteile von MyCoffeeStar

Die augenscheinlichen Vorteile liegen auf der Hand: Freunde der Kapselkaffeemaschine können ihr geliebtes Gerät weiterhin nutzen, ohne sich dadurch für den Plastik- bzw. Aluminiummüllberg verantwortlich machen zu müssen. Denn, so schreibt es MyCoffeeStar auf der eigenen Homepage:

„Nestlé produzierte 2012 mehr als 6 Milliarden Nespressokapseln.
6200 Tonnen Aluminiumabfall sind dabei entstanden.“

Und es werden jedes Jahr mehr!“

MyCoffeeStar Kapseln hingegen sind aus Edelstahl und halten laut Angaben des Herstellers ein Leben lang. Das gefiel übrigens auch Ökotest: Im Gesamturteil des ÖKO-TEST Magazins wurde MyCoffeeStar mit „Sehr gut“ bewertet, während andere Anbieter stark kritisiert wurden.

Einen weiteren Vorteil hat MyCoffeeStar gegenüber den üblichen Kapselkaffeeanbietern auch noch: Der Verbraucher muss sich nicht mehr vorschreiben lassen, welchen Kaffee er trinkt. Zwar kann er einerseits in der „Nespresso-Boutique“ so wie auch bei zahlreichen Mitbewerbern aus einem breiten Kaffeeangebot wählen. Wer aber wirklich frischen Kaffee möchte, den er vielleicht sogar selbst mahlen will oder wer genau diesen einen fair gehandelten Biokaffee auch zu Hause trinken möchte, aber nur eine Kapselmaschine hat: mit MyCoffeeStar ist das jetzt endlich möglich.

Wie teuer ist MyCoffeeStar?

Ein Schweizer Produkt aus Edelstahl, das ein Leben lang halten soll – dass das nicht für den schmalen Taler zu haben ist, kann man sich denken. Ein Preis von €34,90 pro Kapsel scheint aber gerechtfertigt anhand des Geldes, das man durch seinen Gebrauch spart. Schließlich zahlt man dann nicht mehr 35-39 Cent pro Kapsel wie bei Nespresso oder Coffee Circle, sondern eben jeweils nur so viel, wie man auszugeben bereit ist für seine favorisierte Kaffeesorte. MyCoffeeStar rechnet selbst vor:

“Mit Nespresso Kapseln zahlen Sie für Ihren Kaffee im Jahr: €750. Mit MyCoffeeStar zahlen Sie für Ihren Kaffee im Jahr: €185“

Uns gefällt die Idee von MyCoffeeStar sehr gut. Wir denken, dass diese eine gute Alternative zu herkömmlichen Einwegkapseln ist. Eine wiederverwendbare Kaffeekapsel kann sich am Markt durchaus erfolgreich durchsetzen. Alles hängt jedoch davon ab, inwieweit die Verbraucher bereit sind, sich die Mühe zu machen und den Kaffee selber einzufüllen. Und natürlich muss die Kapsel danach gereinigt werden. Das geht zwar sehr unkompliziert mit Wasser, dennoch ist es ein klein wenig Mehraufwand, anstatt eine Kapsel einfach in den Müll (oder gelben Sack) zu geben.

Auch die Kosten für die Kapsel rechnen sich schnell. Wir hoffen, dass mit MyCoffeeStar dem Kaffeekapsel-Wahn etwas Einhalt geboten wird und dass die Kapselkaffeetrinker erkennen, wie sie durch das Umschwenken auf die wiederverwendbare Kapsel ihrer Verantwortung für unsere Umwelt wieder bewusst werden.

Hier kannst du die Kapseln übrigens kaufen.

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Über den Autor: Christian ist Gründer von Happy Coffee. Neben gutem Kaffee interessiert er sich für fairen Handel, Surfen und die Startup Szene.


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