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Der Kaffeefilter ist wahrscheinlich das Utensil in der Kaffeeszene, welches seit seiner Erfindung das größte Revival erlebt hat. Ja genau, die Rede ist vom kleinen Trichter, der über eine Tasse oder Kanne gehängt wird, und in den der frisch gemahlene Kaffee zum Aufbrühen mit heißem Wasser hineinkommt! Teilweise sind Kaffeefilter auch in verschiedenen Handbereitern und Maschinen verbaut. Aber gerade die Begeisterung für das Handfiltern scheint ungebrochen zu sein – obwohl die Methode bereits über 100 Jahre alt ist. Es wurde also langsam mal Zeit für einen eigenen Kaffeefilter-Beitrag ;-)

Seit ich vor rund fünf Jahren anfing, mich mit dem Thema Specialty Coffee genauer zu beschäftigen, hat sich mein Sammelsurium an Equipment von Jahr zu Jahr erweitert. Zu meiner Filterkaffee-Ausstattung gehören neben der French Press, Chemex, American Press und AeroPress auch klassisch anmutende Kaffeefilter wie Kalita Wave und Hario V60. Ihr seht also: Ich bin ein großer Filterkaffee-Fan und probiere gern verschiedene Methoden aus. Denn je nach Utensil bzw. Brühmethode schmeckt der Kaffee immer etwas anders!

Nun will ich der Frage auf den Grund gehen, warum Filterkaffee heute ein Revival erlebt und vier beliebte Kaffeefilter mit ihren Eigenheiten und Unterschieden genauer vorstellen: Den Melitta 102 Porzellanfilter, den Kalita Wave aus Edelstahl, den Hario V60 aus Kunststoff sowie den Nel Drip Baumwollfilter. Es handelt sich also um sehr unterschiedliche Modelle aus verschiedenen Materialien. Mich hat interessiert, wie sich die Materialien und Feinheiten der vier Kaffeefilter auf das Kaffeebrühen auswirken. Ein kleiner Spoiler: Die Wahl des Kaffeefilters ist Geschmacksache – es kommt eher auf die inneren Werte an!

Kaffeefilter, die wir in diesem Beitrag vorstellen

Melitta 102

aus Porzellan

Kalita Wave

aus Edelstahl

Hario V60

aus Kunststoff

Nel Drip

aus Baumwolle

1. Filterkaffee ist nicht gleich Filterkaffee!

„Filterkaffee? Das ist doch diese schwarze Plörre, die es zum Kaffeekränzchen bei Oma gibt. Die aus muffigen Papiertüten kommt, die entweder in die alte Filterkaffeemaschine oder vergilbte Kaffeefilter aus Plastik eingelegt werden.“ So in etwa sieht das Bild aus, das leider in vielen Köpfen verankert zu sein scheint – schwarzer Filterkaffee hat offenbar noch immer seinen Ruf weg. Eigentlich völlig zu Unrecht, den beim Thema Filterkaffee gibt es große Unterschiede. Ob er gut oder schlecht schmeckt, hängt stark vom Kaffeefilter sowie von der Zubereitung ab!

Kaffeefilter haben sich weiterentwickelt 

Seit Melitta Bentz 1909 den ersten Kaffeefilter patentieren ließ, hat sich viel getan. Einerseits wurden deutlich komfortablere Kaffeemaschinen wie z.B. die Filterkaffeemaschine erfunden, die die Zubereitung vereinfachten. Frühere Varianten fabrizierten teils wirklich bitteren Kaffee. Es lag daran, dass viel zu heißes Brühwasser durch den Kaffeefilter floss, dort stagnierte und der fertige Filterkaffee in der Kanne dann endlos auf der Warmhalteplatte vor sich hin schmorte. In modernen Filterkaffeemaschinen steckt hingegen eine andere Technik und sie liefern durchaus gute Ergebnisse, was sogar der Barista unseres Vertrauens in seinem Artikel bestätigt hat. 

Was manuell genutzte Kaffeefilter angeht, ist ebenfalls ein enormer Fortschritt zu verzeichnen. Heute gibt es viele verschiedene Modelle – in diversen Größen sowie aus Materialien wie Porzellan, Kunststoff, Metall oder Papier – die Kaffee-Enthusiasten rund um den Globus zum Experimentieren einladen. Darum sind euch beim Handfiltern von Kaffee ­– in Fachkreisen Pour Over Coffee genannt – fast keine Grenzen gesetzt. Echte Coffee Nerds nutzen zum Aufbrühen Kaffeefilter wie Kalita Wave, Hario V60 und Co. – und setzen dabei auf verschiedene Brührezepte, um das Beste aus den Bohnen zu holen. 

Kaffeefilter Handfiltern Third Wave

Filterkaffee kann wunderbar schmecken 

Dass Filterkaffee nicht gleich Filterkaffee ist, wissen wir spätestens, seit der Third Wave Kaffeekultur. Im Mittelpunkt steht hochwertiger Kaffee, der als Naturprodukt etwa 800 verschiedene Aromen enthält, sowie die Kaffeezubereitung als Kunst, eben diese Geschmacksknospen freizusetzen. Besonders gute Ergebnisse lassen sich beim Handfiltern mit einem Kaffeefilter erzielen, weil ihr dank des langsamen und schonenden Filterprozesses eine unnachahmliche Aromenvielfalt aus den Kaffeebohnen herausholen könnt. Geschmacklich ist es ein riesengroßer Unterschied, ob man einfach auf den Knopf der Kaffeemaschine drückt, oder ob ein (Hobby) Barista mit Liebe jeden Parameter der Zubereitung selbst in die Hände nimmt. Das beginnt bei der Wahl vom Kaffeefilter und ggf. Filterpapier, geht bei der Temperierung des Brühwassers sowie dem „Brew Ratio“ (Verhältnis von Kaffeemehl zu Wasser) weiter und hört bei der Aufgusstechnik mit einem Wasserkessel auf.

Um diese feinen Details soll es im Folgenden aber gar nicht gehen – dazu könnt ihr in unserem Handfilter-Guide vom Barista mehr erfahren. Vielmehr will ich nun aufzeigen, welche Arten und Formen und Materialien von Kaffeefiltern es auf dem Markt gibt, welche Unterschiede sich erkennen lassen und was ihr beim Handling beachten müsst.

 2. Kaffeefilter: Die wesentlichen Arten

Bevor wir zum Test der momentan beliebtesten Kaffeefilter am Markt kommen, wollen wir zunächst die grundlegenden Arten vorstellen. Denn ein Kaffeefilter kann für den dauerhaften oder einmaligen Gebrauch bestimmt sein, optisch einem Trichter gleichen oder sogar in Handbereitern bzw. Maschinen verbaut sein.

Dauerfilter vs. Einwegfilter: Unterschiedliche Langlebigkeit

Als Dauerfilter bezeichnet man Kaffeefilter, die nach dem Einsatz gereinigt und wiederverwendet werden können. Dazu zählen Handfilter aus permanent haltbaren Materialien, wie beispielsweise aus...

Kaffeefilter - Dauerfilter vs Einwegfilter

Hingegen werden Einwegfilter, wie ihr Name schon sagt, nur einmal zum Kaffeeaufbrühen verwendet und danach Einsatz entsorgt. Dazu gehören prinzipiell alle Kaffeefilter, die aus Papier hergestellt werden – wie die klassische Filterpapiertüte, die in der Filterkaffeemaschine eingesetzt wird, Papierfilter für alle Handfilter oder für die Chemex. Oben siehst du Dauerfilter und Einwegfilter auf einem Bild: Eine Filtertüte im Hario V60 Dauerfilter.

Inzwischen gibt es nachhaltige Alternativen zu Einwegfiltern wie biologisch abbaubares Filterpapier und feinmaschige Metallfilter für die Chemex oder Hario V60. Fans bemängeln aber, dass die Vorzüge des Papierfilters – eine klare Tasse Filterkaffee – beim Brühen mit einem Metallfilter verloren gehen, weil die im Kaffeepulver gelösten Öle nicht herausgefiltert werden. So bekommt der Filterkaffee wegen der Bitterstoffe mehr Körper, und auch kleinere Sedimente können durch einen solchen Metallfilter in die Tasse wandern. 

Full Immersion, Drip oder Perkolator: Verschiedene Brühmethoden

Auf den ersten Blick hat die Full Immersion Methode, wie sie bei der French Press und American Press angewendet wird, nichts mit einem Kaffeefilter zu tun. Der Schein trügt: Kaffeemehl wird im Brühwasser eingeweicht und anschließend vom fertigen gebrühten Kaffee getrennt, indem es auf den Boden der Kanne gepresst wird. Dazu drückt man den Pressstempel herunter, in dem ein metallenes Sieb bzw. Kaffeefilter-Einsatz verbaut ist. Aufgrund seiner Grobmaschigkeit erwischt er aber keine feinen Kaffeepartikel. Außerdem neigt die French Press zur Überextraktion, weil das Kaffeepulver (anders als bei der American Press) nach Ende des Brühvorgangs in der Kanne bleibt.

Direkt erkennbar ist der Kaffeefilter beim Pour Over Coffee, auch als Drip bzw. Tropf-Methode bezeichnet. Auf das Kaffeepulver im Kaffeefilter wird heißes Wasser aufgegossen, tropft bzw. sickert anschließend durch die Kaffeepartikel und gelangt als Filterkaffee in das darunter stehende Auffangbehältnis. Dazu zählen alle Handfiltermethoden – Hario, Kalita, Melitta und Nel Drip – aber auch die Chemex und im weitesten Sinne die Karlsbader Kanne. Sofern beim Aufbrühen alles gut geht, ist das Ergebnis ein schöner, klarer und komplexer Filterkaffee – vor allem wenn Filterpapier zum Einsatz kommt.  

Full Immersion vs Drip - French Press vs. Chemex

Full Immersion vs. Drip: French Press (links) vs. Chemex (rechts)

Der Vollständigkeit halber erwähnt sei die sogenannte Perkolator-Methode, die bei der Mokka-Kanne und dem Syphon zum Einsatz kommt. Brühwasser wird erhitzt, steigt über ein Steigrohr im Kaffeebereiter nach oben durch einen Metallfilter und zirkuliert mehrmals durch das Kaffeemehl. Kritiker dieser Methode bemängeln, dass dieser Vorgang zu einer Überextraktion führen kann.

Nerd-Fakt: Es gibt Mischmethoden, die Full Immersion mit Drip kombinieren. So tropft bei der AeroPress Kaffee durch das Filterpapier, wenn man sie auf eine Tasse setzt, oder man erhält einen Immersion Brew, falls man sie für die sogenannte Inverted Method umdreht. Ebenfalls ein 2-in1-Bereiter ist der Clever Dripper – weil der gebrühte Kaffee erst beim Aufsetzen auf eine Tasse durchläuft, der Brühvorgang zuvor aber mittels Immersion stattfand.

3. Die beliebtesten Kaffeefilter im Vergleich

Kommen wir endlich zu den Kaffeefiltern, die ich für euch genau unter die Lupe genommen habe: Den Melitta 102 Porzellanfilter, den Hario V60 aus Kunststoff, den Kalita Wave aus Edelstahl, sowie den Nel Drip Baumwollfilter mit Hario Woodneck Kanne. Was unterscheidet sie optisch, im Handling und letztlich im Ergebnis – dem aufgebrühten Kaffee? Lasst es uns herausfinden!

Kaffeefilter Test

3.1 Melitta Kaffeefilter aus Porzellan: Der Klassiker

Den Namen Melitta hat wohl jeder schon gehört, egal ob nun Kaffeetrinker oder nicht. Kennt ihr aber die Geschichte hinter dem ersten Kaffeefilter, der auf dem deutschen Markt überhaupt erhältlich war? Er wurde nämlich von den "Kaffeesachsen" erfunden, genauer gesagt im Jahr 1908 von der damals 35-Jährigen Melitta Bentz aus Dresden! 

Melitta Bentz als Erfinderin von Kaffeefilter und Filterpapiertüten

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es natürlich noch keine Kaffeemaschinen und so brühte man damals die morgendliche Tasse Kaffee noch per Hand. Dazu wurde das Kaffeemehl mit Wasser aufgegossen und der Kaffeesatz anschließend durch einen Stoffbeutel oder ein Metall- bzw. Keramiksieb abgeseiht. Für Melitta Bentz oft mit einem nicht zufrieden stellenden Ergebnis: Der Stoffbeutel verstopfte und wurde irgendwann muffig; und die Siebe ließen entweder zu viel oder zu wenig vom Kaffeesatz hindurch.

Was tat Melitta also? Sie zweckentfremdete einen Messingbecher – manche Quellen behaupten auch, es sei eine alte Konservendose gewesen ­– indem sie mit Nagel und Hammer kleine Löcher hineinschlug. Dann legte sie ein Löschblatt aus dem Schulheft ihres Sohnes hinein, den Vorläufer der heutigen Filterpapiertüte. Ihren Kaffeefilter Marke Eigenbau setzte Melitta auf eine Kanne, schüttete Kaffeepulver hinein und goss Wasser auf. Das Ergebnis: Kaffeesatzfreier Kaffee! Als angenehmer Nebeneffekt dieses Experiments wurden die Bitterstoffe des damals sicherlich sehr dunkel gerösteten Kaffees mit herausgefiltert. So wurde der Kaffee angenehm und bekömmlich.

Melitta ließ sich ihre Erfindung patentieren und startete 1909 gemeinsam mit ihrem Mann Hugo in der eigenen Dresdner Wohnung einen Familienbetrieb – mit einem Startkapital von 73 Pfennig. Die ersten Kaffeefilter aus Porzellan bzw. Keramik wurden 10 Jahre später hergestellt; seine bekannte konische Form erhielt der Melitta-Porzellanfilter (siehe unten) allerdings erst 1936. Passend dazu bot das Haus Melitta die heute gebräuchlichen Papierfiltertüten an. Seit 1963 ist der Begriff sogar ein geschütztes Warenzeichen, der es in den Duden geschafft hat: Ein aus Filterpapier bestehender tütenförmiger Einsatz!

Übrigens wurde die Nummerierung der Kaffeefilter und der Filtertüten, die heute noch auf der Verpackung steht, bereits 1960 entwickelt: 1x1, 1x2, 1x4 usw. steht für die Größe bzw. die mögliche Anzahl an Tassen, die damit bei Verwendung der entsprechenden Kaffeemenge gebrüht werden kann. Synonym wird heute die Nummerierung 101, 102 und 104 verwendet – 101 steht also für eine kleine Tasse, 102 für 2 Tassen und 104 für vier Tassen Kaffee. 

Melitta 102 Kaffeefilter aus Porzellan

Melitta 102 Kaffeefilter aus Porzellan: Viele Design-Eigenheiten

Den Melitta-Kaffeefilter gibt es in verschiedenen Größen entsprechend der gewünschten Anzahl an Tassen, die damit gebrüht werden. Je nach Größe enthält jeder Kaffeefilter zudem eine unterschiedliche Anzahl an Löchern, durch die der gebrühte Kaffee fließt. Bei dem von mir zum Vergleich herangezogenen Modell für zwei Tassen – den Melitta Porzellanfilter 102 – befindet sich am Boden lediglich ein Loch. Hingegen hätte ein 104 Kaffeefilter (für vier Tassen) zwei Löcher am Boden und lässt sich somit über zwei Tassen hängen, die beim Aufbrühen gleichzeitig befüllt werden.

Laut Hersteller sollen die Längsrillen im Melitta-Kaffeefilter eine schnelle Extraktion der Aromen aus dem Kaffeepulver begünstigen und gleichzeitig Bitterstoffe besser herausfiltern. Im Vergleich dazu setzen moderne Kaffeefilter aus dem Hause Hario (siehe unten) auf geschwungene Rillen, die das Brühwasser besser zirkulieren lassen. Wer einen Vergleich zwischen Melitta und Hario sucht, der wird z.B. bei Daily Coffee fündig. Und es gibt weitere Design-Eigenheiten:

Der Melitta Kaffeefilter hat einen flachen Boden sowie ein besonders kleines Tropfloch. Beides erhöht die Kontaktzeit vom Wasser zum Kaffeemehl, und der gebrühte Kaffee kann nur sehr langsam durch den Filter tropfen. Darum sollte man unbedingt auf einen sehr langsamen und kontrollierten Aufguss des Brühwassers achten, da sonst Stagnation bzw. Über-Extraktion droht!

Übrigens gibt’s den Melitta Kaffeefilter nicht nur aus Porzellan, welches ja gern als besonders geschmacksneutral verkauft wird, sondern auch deutlich günstiger aus Kunststoff. Wofür ihr euch entscheidet ist nicht so relevant wie die Wahl der passenden Filtertüte, die ebenfalls von Melitta angeboten wird.

Mein Tipp: Spült die Filtertüte vor der Verwendung einmal mit warmem Wasser durch, um den Papierbeigeschmack zu beseitigen! Das gilt nicht nur für Melitta, sondern für jede Art von Filtertüte bzw. für alle Marken. Ich bevorzuge chlorfrei gebleichtes Filterpapier, weil besonders ungebleichte Modelle einen unschönen Beigeschmack im Kaffee hinterlassen!

3.2 Hario V60 Kaffeefilter aus Kunststoff: Der Moderne 

Die japanische Marke Hario, die 1921 als Glasmanufaktur gegründet wurde, erfand 1990 den beliebten V60 Kaffeefilter – der sogar mit dem Good Design Award des Japan Institute of Design Promotion ausgezeichnet wurde. Seit einigen Jahren zählt der Hario V60 aus Kunststoff samt Glaskanne zu meiner Standard-Ausstattung zum Handfiltern. Wer nun beim Wort „Kunststoff“ bereits zusammenzuckt: Ich werde gleich erklären, wieso dieses Material völlig ok ist. Unabhängig davon sinddie typischen Design-Elemente der Grund, warum viele Heimbrüher den Hario V60 Kaffeefilter so lieben. Sie sorgen für eine optimale Durchlaufzeit und bestmögliche Extraktion der Aromen. 

Cleveres Design macht den Hario V60 so beliebt

Auf das erste wichtige Merkmal von diesem Kaffeefilter stößt man bereits, wenn man sich mit seinen Namen „V60“ genauer befasst. Das „V“ steht für die konische Form des Kaffeefilters und die Zahl „60“ zeigt an, wie groß sein Neigungswinkel ist, nämlich exakt 60 Grad. Manche behaupten, die 60 würde zusätzlich für das klassische Hario-Brührezept stehen: 60 Gramm Kaffee auf einen Liter Wasser. Bestätigt ist das allerdings nicht. Trotzdem halte ich mich fast immer an dieses Grundrezept! Jedenfalls soll die Kegelform des Hario V60 Kaffeefilters dem Wasser dabei helfen, immer ins Zentrum des Filters zu laufen, und dem Kaffee mehr Tiefe verleihen.

Eine weitere wichtige Eigenschaft des Hario V60 Kaffeefilters – egal ob aus Kunststoff, Edelstahl, Glas oder Porzellan – ist die vergleichsweise große Bodenöffnung, durch die der gebrühte Kaffee in die Kanne oder Tasse fließt. Sie verhindert, dass sich der Kaffee im Filter anstaut. Die Öffnung ist auch deshalb so groß, damit die Spitze der eingesetzten Papierfiltertüte ein kleines Stück hindurch ragt (siehe unten). Damit läuft der Brühprozess ähnlich wie beim Nel Drip Filter ab, den ich als nächstes vorstelle: Das heißt, die Wände des Filters haben weniger Einfluss auf das Brühverhalten und die Durchlaufzeit.

Hario V60 Kaffeefilter mit Papierfiltertüten

Ebenfalls charakteristisch sind die geschwungenen bzw. spiralförmigen Rillen an der Innenwand des Hario V60 Filters. Sie sorgen dafür, dass das Brühwasser gleichmäßig zirkulieren kann und das Kaffeepulver beim Aufbrühen in Bewegung bleibt: Denn Stillstand würde Überextraktion bedeuten, weil der Kaffeesatz dann zu lange mit dem Brühwasser Kontakt hätte.

Der Geschmack hängt nicht vom Material des Filters ab...  

... sondern vom Filtereinsatz bzw. der Filterpapiertüte! Tatsächlich solltet ihr bei Verwendung vom Hario V60 unbedingt darauf achten, möglichst die vom Hersteller zur Verfügung gestellten Filterpapiertüten zu wählen. Handelsübliche Standard-Filtertüten mögen beim klassischen Kaffeefilter wie z.B. von Melitta funktionieren, aber beim V60 halten sie dem Wasserdruck meistens nicht stand.

Es gibt den Hario V60 Kaffeefilter aus Kunststoff, Porzellan, Edelstahl oder Glas. Die Wahl des Materials ist zwar „Geschmacksache“ – hat aber auf das Aroma des Kaffees letztlich keine Auswirkung. Einzig der Filtereinsatz entscheidet über den Geschmack, also ob ihr Filterpapiertüten oder einen feinmaschigen Dauerfilter aus Metall bzw. Kunststoff nehmt.

Was spricht gegen so einen Filtereinsatz? Nun, Papier filtert neben dem Kaffeesatz nahezu alle (unerwünschten) Stoffe heraus, auch die Öle und Bitterstoffe. Dafür wird die im Kaffee enthaltene Säure betont – genau genommen die Fruchtsäure, denn Kaffeebohnen sind ja quasi die "Kerne" der Kaffeekirsche, und das ist eine Frucht. Ich kann also alle verstehen, die aus Gründen der Nachhaltigkeit auf einen Dauerfilter aus Metall oder Kunststoff zurückgreifen. Allerdings wird bei mir wegen des hervorragend klaren Brühergebnisses in der Tasse vermutlich immer ein Papierfilter zum Einsatz kommen. 

Hario V60 Porzellan Kaffeefilter und Gooseneck-Kannee

Ich habe noch einen Tipp, der für alle Kaffeefilter, aber vor allem für den Hario V60 mit seinem relativ großen Loch im Boden relevant ist – welches den Wasserdurchfluss beschleunigt. Der Schlüssel für das beste Brühergebnis ist langsames Aufgießen, das dank einer Gooseneck-Kanne wunderbar klappt! Allerdings solltet ihr ein klein wenig Geduld beim Aufbrühen mitbringen. Je schneller ihr gießt, desto klarer wird eure Tasse, je langsamer, desto mehr intensiviert ihr den Geschmack. 

3.3 Kalita Wave: Der kultige Kaffeefilter aus Metall 

Ebenfalls eine japanische Erfindung und inzwischen ein Designkultobjekt ist der Kalita Wave. Das dahinterstehende Unternehmen (Kalita Co. Ltd.) wurde 1959 gegründet und stellt bereits seit seinen Anfangsjahren Kaffeezubehör und allen voran (Papier)Filter her. Den Kalita Wave Kaffeefilter gibt es in zwei Größen: Nummer 155 für eine Tasse und Nummer 185 für bis zu drei Tassen Kaffee.

Ein smarter Kaffeefilter für Pour Over Einsteiger

Namensgebendes Hauptmerkmal vom Kalita Wave ist nicht etwa der Kaffeefilter selbst, sondern die Filtertüte. Sie ist mit 20 Längsrillen bzw. Wellen versehen, die beim Aufbrühen zu viele Turbulenzen verhindern, und hat zwar mit den Außenwänden des Filters Kontakt, jedoch nicht mit seinem flachen Boden. Der eigentliche Kaffeefilter besitzt hingegen mehrere Querrillen, deren Anzahl sich nach seiner Größe richtet. Ähnlich zu den bereits vorgestellten Kaffeefiltern ist der Kalita Wave ebenfalls aus verschiedenen Materialien wie Glas, Metall und Porzellan erhältlich.

Ansonsten enthält der flache Boden des Kalita Wave Kaffeefilters gleich drei kleine Löcher, was zusammen mit dem flachen Boden unerwünschtes „Channeling“ des Kaffees beim Aufgießen verhindern soll. Channeling kann in einem Kaffeefilter wie dem Hario V60 durch unsachgemäßes Aufgießen entstehen. Damit ist die ungleichmäßige Verteilung des Brühwassers auf dem Kaffee-Bett gemeint, was zur Über- bzw. Unterextraktion der Aromen an bestimmten Stellen im Filter führen kann – und somit zu einem instabilen Brühergebnis.

Kalita verspricht, dass besonders Einsteiger in das Thema Pour Over Coffee diesen Kaffeefilter lieben werden. Denn egal ob ihr zu langsam oder zu schnell Brühwasser aufgießt – der Filter arbeitet quasi mit und das Ergebnis in der Tasse soll immer gleichbleibend lecker sein!

Trotzdem verändert euer Brühverhalten den Geschmack des Kaffees, ähnlich wie beim Hario V60 Kaffeefilter. Je langsamer und kontrollierter ihr das Kaffeepulver im Kalita Wave aufgießt, desto gleichmäßiger extrahiert ihr die Aromen und desto besser wird euer Brühergebnis ausfallen.

Eine intensive Tasse Kaffee und die Vorzüge des Metallfilters

Beim Brühen mit dem Kalita Wave Kaffeefilter erhaltet ihr dank des flachen Bodens mit den drei Löchern eine sehr gleichmäßig extrahierte und klare bzw. „saubere“ Tasse Kaffee. Geschmacklich ist das Ergebnis vom Kalita Wave mit anderen Pour Over Methoden, die mit Papierfiltern arbeiten – z.B. Hario V60 oder Chemex – vergleichbar. Allerdings soll sich die Geschmacksintensität und Komplexität der Aromen beim Abkühlen des frisch gebrühten Kaffees sogar noch erhöhen, da die Kontaktzeit zwischen Kaffeemehl und Wasser beim Kalita Wave vergleichsweise höher ist.

Offensichtlich scheint beim Kalita Wave das Modell aus Edelstahl (siehe oben) besonders beliebt zu sein. Es steht auch bei mir Zuhause! Entscheidet ihr euch ebenfalls für das metallene Modell, so könnt ihr damit rechnen, dass es die Wärme länger hält als beispielsweise die Variante aus Glas. Das ist vor allem dann von Vorteil, wenn ihr euren Kaffee eher von der heißeren Sorte mögt! 

3.4 Nel Drip Kaffeefilter: Die Alternative aus Baumwolle

Ebenfalls von der japanischen Firma Hario produziert ist der Nel Drip Kaffeefilteraus Baumwolle, der nach dem englischen Begriff für Baumwollflanell (cotton flannel) benannt wurde. Er kommt zusammen mit dem Drip Pot Woodneck – einer Glaskanne mit Holzmanschette, die optisch ein wenig an die Chemex erinnert. Tatsächlich ist beim Nel Drip, ähnlich wie bei der Chemex, die Glaskaraffe bereits Teil des Filters, da sie den Baumwollfilter an Ort und Stelle hält. Das Set ist in zwei Größen erhältlich, für 1 bis 2 Tassen (240 ml) oder 3 bis 4 Tassen (480 ml) Kaffee.

Ganz neu ist die Idee mit dem Baumwollfilter allerdings nicht. Ihr erinnert euch: Bevor Melitta Bentz den ersten Papierfilter erfand, wurde Kaffee entweder mit einem Sieb oder eben mit einem Stoffbeutel gefiltert. Dennoch fand die Idee in vielen Ländern Anklang – vor allem in Asien, Lateinamerika und Spanien wird noch heute mit wiederverwendbaren Stofffiltern gearbeitet. 

Die Krux am Baumwollfilter ist die Reinigung!

Für die Nachhaltigkeitsfanatiker unter euch: Ja, der Nel Drip Baumwollfilter ist im Gegensatz zu Filterpapiertüten wiederverwendbar. Das Handling und Reinigen ist aber nicht ganz einfach, weil sich ganz leicht Kaffeesatz oder sogar Aromen und Öle aus vorangegangen Brüh-Sessions im Stoff verfangen! Daher gilt es, den Nel Drip wirklich nach jeder Anwendung gut auszuspülen. Einige Experten behaupten sogar, dass der Kaffeefilter aus Baumwolle länger hält, wenn er immer feucht gehalten und im Kühlschrank gelagert wird. Eine Methode, die sicherlich nur für den täglichen Gebraucht des Nel Drip taugt.

Ich halte es mit der Reinigung so: Den Baumwollfilter gut ausklopfen und unter warmem, klaren Wasser ausspülen, damit die letzten Kaffeesatzreste und Öle entfernt werden. Anschließend lasse ich ihn lufttrocknen und spüle ihn vor dem nächsten Brühvorgang nochmal durch. Wer mag, kann den Filter auch kurz in kochendem Wasser reinigen.

Kaffeegeschmack mit dem Nel Drip Baumwollfilter: Anders!

Das Brühen eines Nel Drip Kaffees verhält sich eigentlich ähnlich zu anderen Pour Over Methoden. Jedoch müsst ihr damit rechnen, dass der Kaffee deutlich langsamer durch den Stofffilter tropft, als es bei einem klassischen Kaffeefilter mit Filterpapier der Fall ist. Daher empfiehlt es sich, den Kaffee für den Nel Drip etwas grober zu mahlen, damit es nicht zum Verstopfen des Stofffilters und einer eventuellen Überextraktion kommt.

In seiner Heimat Japan findet man den Nel Drip Filterin fast jedem Kissaten, so wie die lokalen traditionellen Kaffeehäuser heißen. Obwohl dort gern sehr dunkle Röstungen verwendet werden, ist mit dem Nel Drip gebrühter Kaffee angenehm mild und durchaus gut trinkbar! Geschmacklich unterscheidet sich ein Kaffee, der mit so einem Baumwollfilter gebrüht wurde, also deutlich von anderen Kaffeefiltern. Ihr könnt eine intensive und komplexe Tasse mit einem vollen Körper sowie einem volleren Mundgefühl erwarten, weil der Baumwollfilter im Vergleich zum Papierfilter auch Kaffeeöle durchlässt!

 4. Fazit: Die Wahl vom Kaffeefilter bleibt Geschmacksache

Nach Testen der klassischen Kaffeefilter – Melitta 102 Porzellanfilter, Hario V60 aus Kunststoff sowie Kalita Wave aus Metall ­ – kann ich sagen, dass der Hauptunterschied nicht darin besteht, aus welchem Material sind. Einzig der Nel Drip nimmt als Baumwollfilter eine Sonderrolle ein. Ansonsten kommt es vor allem auf die Qualität der Filterpapiertüten an! Ob ihr einen Kaffeefilter aus Porzellan, Edelstahl, Glas oder Kunststoff verwendet, bleibt also reine Geschmacksache. Ihr entscheidet nach persönlicher Vorliebe, wonach ihr greift. Lediglich einen Unterschied gibt es: Metall heizt sich deutlich mehr auf als andere Materialien, und hält somit den Kaffee länger warm.

Kaffeefilter im Test - Materialien

Letztlich entscheiden bei der Wahl vom Kaffeefilter auch die Einsatzmöglichkeiten: Ein schwer kaputtbarer Edelstahl- oder Kunststofffilter eignet sich besser für ein sommerliches Picknick oder den Campingurlaub, als die Varianten aus Glas und Porzellan. Dafür kannst du sie passend zum Kaffeeservice auswählen – was eher für den Hausgebrauch eine Rolle spielt. Mein liebstes Reise-Utensil bleibt aufgrund seiner Größe und des Leichtgewichts der Kalita Wave Edelstahlfilter Nummer 155 für eine Tasse – und hat mich in den letzten Jahren überall hin begleitet.

***

Über die Autorin: Melanie liebt Specialty Coffee und reist dafür um die Welt. Sie trinkt nicht nur gern Kaffee, sondern schreibt und bloggt auch darüber auf melscoffeetravels.com. Begleite sie auf ihren Kaffeereisen!



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