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Wie du mit dem Hand Kaffeefilter guten Kaffee zubereitest

Kaffeefilter, das sind doch diese kleinen muffigen Papiertüten, eingelegt in vergilbte Filter aus Plastik, die einen unspektakulären Kaffee produzieren! So dachte ich lange. Kaffeefilter assoziierte ich mit Oma’s Melitta und vor sich her tröpfelnden, ewig erhitzenden Kaffeefiltermaschinen, die in jedem Standard-Haushalt zu finden sind und auch sonst nicht viel hergeben. Standard eben.

Heute weiß ich, dass Kaffeefilter ob aus Porzellan oder Kunststoff, von Melitta oder Chemex, mit Filtern aus Stoff oder Papier in jedweder Größe weit mehr zu bieten haben. Melitta Bentz löste mit der Patentierung des Kaffeefilters im Jahre 1908 eine regelrechte Revolution aus. Bis dahin schnitten Kaffeeköche aufwendig für jeden Kaffee etwas Löschpapier als Kaffeefilter zurecht. Dank Melitta’s Erfindung wurde dann am 15. Dezember 1908 mit Melitta das erste Unternehmen gegründet, das professionelle Kaffeefilter herstellt – mit einem Startkapital von 73 Pfennigen!
Seither blüht die Aromenvielfalt des Kaffees so richtig auf. Denn im langsamen Filterprozess haben die Aromen viel Zeit, sich zu entfalten. Dagegen kann ein Espresso einpacken.

Doch warum scheint die Kaffeewelt dann noch immer in zwei Lager – das der Filterkaffee-Fans und das der Espresso-Fans – geteilt? Zum einen schaffen Filterkaffee und Espresso aus dem selben Ausgangsprodukt zwei sehr unterschiedliche Geschmackserlebnisse. Ob man mehr dem einen oder dem anderen verfällt, ist Geschmackssache.

Kaffeefilter

Zum anderen – und hier zeigt sich die Besonderheit des Kaffeefilters – liegt es in der Kunst der Zubereitung, ob eine braune koffeeinreiche “Plörre” oder ein aromatisch vielfältiger Kaffee in den Kaffeebecher gegossen wird. An dem einen Ende der Skala wird der Kaffee per Knopfdruck in einer schlechten Kaffeefiltermaschine zubereitet, in die ein Kaffeefilter in der falschen Größe eingelegt wurde. An dem anderen Ende der Skala wird der Kaffee nach allen Regeln der Kunst in einem Hand Kaffeefilter zubereitet.

1001 Aromen mit dem Hand Kaffeefilter entfalten

Kaffee ist ein faszinierendes Naturprodukt. Die Bohnen der Kaffeepflanze enthalten an die 1000 verschiedene Aromen. Die Kunst der Kaffeezubereitung ist es, möglichst viele dieser Aromen zu entfalten. Während Espresso über ein komprimierendes Verfahren hergestellt wird und so einen vollen Körper entwickelt, entfalten sich bei der langwierigen Zubereitung im Kaffeefilter eine Vielzahl von Aromen.

Die geschmackliche Diskrepanz zwischen schlechtem und gutem Filterkaffee liegt – neben der Wahl des richtigen Kaffees – hierin begründet. Wird ein Papierfilter falscher Größe in den Kaffeefilter gesetzt und dieser dann mit heißem Wasser überschwemmt, so können sich die Aromen des Kaffees nicht richtig entfalten. Das Resultat ist die verschmähte braune “Plörre”, die dem Filterkaffee seinen schlechten Ruf verpasste. Wird der Kaffee dagegen schonend aufgebrüht – etwa mit einem Hand Kaffeefilter – so können sich die vielfältigen Aromen entfalten und ein ungeahntes Geschmackserlebnis zaubern.

Was brauchst du, um mit dem Kaffeefilter die 1001 Aromen des Kaffees zum blühen zu bringen und welche Grundregeln der Zubereitung solltest du beachten?

Die Grundausstattung zu deinem Kaffeefilter

Kaffeefilter aus Porzellan oder Keramik

Zur Grundausstattung gehört natürlich zunächst ein Kaffeefilter. Wir empfehlen einen Hand Kaffeefilter aus Porzellan oder Keramik, da Porzellan geschmacksneutraler ist als Kunststoff und keine schädlichen Stoffe enthält, wie etwa das in Plastik verwendete Bisphenol A, dass durch Wärme aus dem Plastik gelöst wird.

Hochwertige Kaffeebohnen

Qualitativ hochwertige Kaffeebohnen sind ein Muss, da nur diese viele Aromen entfalten können.

Kaffeemühle

Um dem Kaffee auch das 1001ste Aroma zu entlocken mahlst du ihn frisch und brühst ihn direkt auf.

Wasserkocher

Es empfiehlt sich ein Wasserkocher mit langem schmalen Rüssel zum Ausgießen des Wassers, da du so besser die Wassermenge regulieren kannst und zielgenauer das 1001 Aroma begießen kannst

Mit dieser Grundausstattung musst du nur noch ein paar Schritte beachten, um mit dem Kaffeefilter deinen perfekten Filterkaffee zu zubereiten.

Kaffeezubereitung mit dem Kaffeefilter – Step by Step/h3>

  1. Wärme die Kanne mit heißem Wasser vor, damit die Temperatur des eingegossenen Kaffees erhalten bleibt.
  2. Setze den Hand Kaffeefilter auf die Kanne und lege ein Filterpapier der passenden Größe ein. (Du hast dann die passende Größe gewählt, wenn sich das Filterpapier im nassen Zustand an die Innenwand des Kaffeefilters schmiegt.)
  3. Wasche das Filterpapier mit warmen Wasser aus, so dass mögliche Geschmacksrückstände entfernt werden und sich die Poren des Filterpapiers öffnen. (Vergiss danach nicht, das in die Kanne gelaufene Wasser auszuschütten.)
  4. Messe ca. 6-8g frisch gemahlenen Kaffee pro 100ml Wasser ab und gebe es in den Kaffeefilter.
  5. Bloomen: Gebe eine kleine Menge ca 95 Grad warmen Wassers auf das Kaffeepulver, so dass es leicht bedeckt ist. Lasse den Kaffee ca 30 Sekunden quellen, so dass er sich öffnen und sein Aroma entfalten kann.
  6. Gebe dann das restliche Wasser in kreisenden Bewegungen hinzu. Gehe dabei langsam vor, so dass der Kaffee nicht “überschüttet” wird. Sonst “verschüttest” du noch das 1001ste Aroma

Wenn du diesem Rezept folgst, kannst du dir immer einen Filterkaffee mit bis zu 1001 Aromen zubereiten. Immer? Stell dir vor, es ist Sonntagabend und du stellst fest, dass die Papierfilter für deinen Kaffeefilter alle sind. Was tun? Die Geschäfte haben zu, der Nachbar schläft schon. Doch es gibt Ersatz für deinen Kaffeefilter, denn im Zweifel kannst du den Papierfilter aus Küchenpapier oder sogar Klopapier selber machen.

Lege dieses einfach statt des Papierfilters in den Kaffeefilter. Achte dabei nur darauf, das Papier sehr gründlich zu waschen, da es einen höheren Anteil an Papierflusen hat.

Artikelbild: Unsplash (Public Domain)

***
Über die Autorin: Mit Latte Macchiato aus dem heiß geliebten Porzellan-Espressokocher beginnt für Deva ein guter Start in den Tag. Sie hat Philosophie und performative Kunst studiert und lebt und arbeitet in Hamburg. Neben Kaffee interessiert sie gesunde Ernährung, Tanzen und Surfen. 



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