Die AeroPress und was dieser Kaffeebereiter mit Frisbeescheiben zu tun hat. Auch so hätte dieser Artikel heißen können! Denn möglicherweise kommen Frisbees, die du nachmittags im Park deinen Freunden zuwirfst, und die AeroPress, mit der du morgens Kaffee gemacht hast, aus derselben Produktionsstätte. Die dahintersteckende Firma Aerobie hat seine Produktpalette schlauerweise breit aufgestellt und bietet neben Profi-Frisbee-Scheiben seit 2005 auch den Kaffeebereiter an. Dabei hat beides irgendwie mit "Aero" - lateinisch für Luft - zu tun. Das eine fliegt durch sie durch (Frisbees) und beim anderen spielt Luft beim "Kaffeepressen" eine Rolle.

Optisch erinnert die AeroPress an ein Spielzeug und ist, seien wir ehrlich, nicht besonders schön. Es bleibt wohl für immer fraglich, ob es sich dabei um ein Gelegenheitsprodukt handelt, das sich mit den bestehenden Produktionsanlagen bei Aerobie einfach leicht herstellen ließ. Oder ob die AeroPress wirklich ein von langer Hand ausgetüftelter Geniestreich ist. Eindeutig ist aber, dass man mit diesem vielseitigen und beliebter Gerät wirklich vorzüglichen Kaffee herstellen kann. Mittlerweile ranken sich mit der "World AeroPress Championship" sogar ganze Weltmeisterschaften um den Kaffeebereiter. Hin darf, wer vorher nationale Vorentscheide - die es in fast jedem Land gibt - gewonnen hat. 

Was ist das Besondere an der AeroPress?

Besonders stilvoll kommt die AeroPress nicht gerade daher. Ihr Brühzylinder aus durchsichtigem Plastik, auf dem Zahlen an der Seite die Füllhöhe wie bei einem Messbecher zum Backen angeben, wirkt etwas unelegant. Darin steckt ein Presskolben, ebenfalls aus Plastik, und am Boden ein schnödes Filtersieb für den Kaffee. Trotzdem fangen die Augen manch eines Coffee-Nerds bei ihrem Anblick an zu leuchten. Denn mit der AeroPress kannst du deinem Kaffee ganz neue, noch ungeahnte Aromen entlocken! Anleitungen für die besten Rezepte mit der AeroPress gehen dabei weit auseinander. Denn das kleine Ding, mit dem sich keine großen Mengen Kaffee zubereiten lassen, lässt viel Raum für Experimentierfreude! 

Was hat die AeroPress mit Luft zu tun?

Noch bevor man selbst die AeroPress in ihrer Funktionsweise kennt, verrät ihr Name etwas über die Brüh-Methode: Aero = Luft. Kaffee wird also irgendwie mit Luft gepresst. Doch sie spielt eigentlich nur die zweite Geige - am wichtigsten, so wie bei French Press auch, ist der Drück-Mechanismus. Schau dir mal die nebenstehende Animation an: In dem Brühzylinder ist die Mischung aus gemahlenem Kaffee und Wasser zu sehen. Beides wird nach einiger Kontaktzeit durch einen Filter am Ende des Zylinders gepresst, indem der Presskolben nach unten gedrückt wird. Bei diesem Vorgang verdrängt die Luft - anfangs noch oben - das Kaffee-Wasser-Gemisch und schiebt es durch den Filter in die Tasse. Indem man den Presskolben vor dem Drücken etwas hochzieht, entsteht nämlich eine Art Vakuum.

Ein Kaffeebereiter für Slow Coffee Fans

Einerseits dürfte die AeroPress so beliebt sein, weil sie zum Trend der "Slow Coffee Bewegung" passt. Dazu zählen ebenfalls andere Methoden wie Handfiltern für leckeren Pour-Over-Kaffee, bei denen man sich sowohl für Zubereitung als auch für den Genuss viel Zeit lässt. Andererseits kann man mit der AeroPess erstaunlich viel experimentieren und dem Kaffee ungeahnte Aromen entlocken. So spielt es beim Geschmack z.B. eine Rolle, wie viel Wasser zum Kaffee gegossen wird, welche Härte das Wasser und welchen Mahlgrad der Kaffee besitzt, und wie lange die Mischung vor dem Pressen im Brühzylinder ruhen darf. Eine Wissenschaft für sich!

Besonderheiten der AeroPress

(1) Das Multitalent ist kein Entweder-Oder-Kaffeebereiter. Denn du kannst die AeroPress sowohl mit Kaffee als auch mit Espresso verwenden! So sparen sich praktisch veranlagte Menschen das teure Zweitgerät. Allerdings wird ein Espresso nicht damit nicht ganz so gut schmecken wie z.B. aus einer Siebträgermaschine, da du einfach nicht den nötigen hohen Druck aufwenden kannst.

Aeropress Set

(2) Eine AeroPress ist ein schlichtes und einfaches Produkt ohne technischen Schnick Schnack. Daher kann man sie im Vergleich zu anderen Kaffeebereitern ausgesprochen günstig kaufen! Ein handelsübliches AeroPress Set (siehe oben) aus Brühzylinder, Presskolben, Filter und den passendem Papier kostet um die 30 Euro. Und dann braucht man eigentlich nur noch eine Tasse!

(3) Viele sagen, dass die AeroPress ihrem Kaffee ungeahnte Aromen entlockt. Grund soll zum einen ihr Mechanismus sein: Das Kaffee-Wasser-Gemisch wird von oben nach unten durch einen Filter gepresst, anstelle dass die Flüssigkeit andersherum erst langsam empor steigen muss. So ist es z.B. bei Maschinen für Filterkaffee, bei denen man wichtige Faktoren wie die Wassertemperatur nicht selbst regulieren kann. Außerdem ist der Filter der AeroPress mit dem feinporigen Filterpapier besser als bei der French Press - da er selbst feinste Kaffeereste von der Flüssigkeit trennt.

(4) Die AeroPress ist aus Plastik und damit sehr robust. Selbst wenn du auf Reisen bist: Egal ob im Camping-Bus oder im Koffer - das Gerät lässt sich easy verstauen und hält einiges aus. Weitere tolle Gadgets für guten Kaffee auf Reisen findest du übrigens in diesem Artikel. Einen kleinen Nachteil an der AeroPress müssen wir aber nennen: Große Mengen Kaffee wie mit der French Press oder einer Kaffeemaschine lassen sich damit nicht herstellen. Also eher nix für die große Runde!

Los geht's: Die Funktionsweise und Methoden der AeroPress

Die AeroPress erinnert in ihrer Funktionsweise an die French Press. Doch schon beim ersten Blick erkennt man die Unterschiede. Zum einen, dass der Kaffee nicht in einer dem Kaffeebereiter selbst zugehörigen Kanne abgeseiht wird, sondern in ein gesondertes Gefäß. Zum Beispiel die Kaffeetasse oder ein Kännchen, dass man direkt darunter stellt. Zudem werden bei der AeroPress das Kaffeepulver und der zubereitete Kaffee durch einen feinen Papierfilter voneinander getrennt, so dass kein Kaffeesatz im fertigen Kaffee zurück bleiben kann.

Generell bietet sich die AeroPress für zwei Zubereitungsmethoden an: Die klassische Methode, wie sie auch vom Hersteller in der Anleitung angegeben wird, und die Invert-Methode. Beide eigenen sich wunderbar, um guten Kaffee herzustellen. Und für beide gibt es jeweils unzählige Rezepte - die z.B. in der Menge des verwendeten Kaffees, dem Mahlgrad, der Kontaktzeit mit dem Wasser usw. variieren. Und auch unter den Gewinnern sämtlicher AeroPress-Weltmeisterschaften ist man sich nicht einig: Die eine Hälfte brüht klassisch, die andere nach dem Invert-Prinzip. Darum stellen wir hier beide Methoden vor.

(1) Die Klassische Brühmethode mit der AeroPress

Hier läuft noch alles richtig herum: Der breitere Brühzylinder mit dem Filter ist unten und in ihm ist der Presskolben eingesetzt. Er muss nun während der Zubereitung nach unten gedrückt werden.

Eine Step-by-Step-Anleitung

Legt die einzelnen Bestandteile der AeroPress parat (Brühzylinder, Presskolben, Filter und Filterpapier). Außerdem benötigt ihr noch einen Rührlöffel, einen Wasserkocher , eventuell einen Trichter zum Einfüllen des Kaffees sowie natürlich einen Kaffeebecher. Vollzieht nun dieses Schritte, die ihr in unserem AeroPress Youtube Tutorial nachvollziehen könnt:
  • Kaffeebohnen frisch mahlen. Ein mittelfeiner Mahlgrad (3-5) ist gut, damit sich die Aromen gut lösen und Partikel später vom feinen Filter gut aufgefangen werden.
  • Filterpapier in den Filter einsetzen. Spüle das runde Filterpapier kurz mit heißem Wasser durch, um dessen Eigengeschmack auszuwaschen.
  • Wasser kochen. Ideal ist normalerweise eine Wassertemperatur um die 90°C. Bei der AeroPress dürfen es sogar "nur" 80 °C sein, wie in der Anleitung empfohlen. Denn das Wasser umgibt den Kaffee später komplett, und zu heiße Temperaturen lösen unerwünschte Bitterstoffe heraus. Lasse das Wasser nach dem Kochen etwas abkühlen oder nutze einen speziellen Wasserkessel.
  • Kaffee zugeben. Setze den Brühzylinder mit der Filterunterseite auf deinen Kaffeebecher und gib etwa 2 EL Kaffee hinein. Das entspricht ungefähr 15-17g; Mutige nehmen etwas mehr.
  • Wasser aufgießen. Gieße den Kaffee zu 3/4 mit dem Wasser auf. Die Markierungen am Rand des Brühzylinders helfen dabei. Gut ist kreisförmiges, langsames Gießen.
  • Umrühren. Rühre das Kaffee-Wasser-Gemisch gleichmäßig um. Dafür wird in AeroPress Sets meistens ein langstieliger Rührlöffel mitgeliefert.
  • Auffüllen. Fülle die AeroPress vollständig bis zur obersten Markierung mit Wasser auf. Insgesamt benötigst du etwa 220 ml. Lass deinen Kaffee nun für eine halbe bis ganze Minute ziehen. Je länger, desto stärker wird er.
  • Pressen. Setze den Presskolben in den Brühzylinder und drücke ihn langsam nach unten, so dass der Kaffee in deinen Becher darunter rinnt.

📷 @fikavis #aeropress #thirdwave

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Achtung: Experimentieren ist erwünscht!

Dies ist nur ein mögliches Rezept für die AeroPress. Du kannst gerne experimentieren, um deinen persönlichen Geschmack zu finden! Mögliche Stellschrauben sind z.B. der Mahlgrad, die Wassertemperatur, das Kaffee-Wasser-Verhältnis oder die Ziehzeit. Schaut z.B. mal auf der Website der World AeroPress Championship vorbei. Dort sind unter anderem tolle Rezepte der amtierenden Meister zu finden!

(2) Die Invert-Methode mit der AeroPress

Bei der Invert-Methode läuft, wie der Name schon sagt, alles umgekehrt. Doch nicht etwa in umgekehrter Reihenfolge der Schritte - denn dann würden wir ja Kaffee zu Pulver machen ;) Nur der Aufbau des Kaffeebereiters selbst ist verkehrt herum. Anstelle die AeroPress mit der Filterseite nach unten auf den Becher aufzusetzen, wird sie mit der Filterseite nach oben aufgestellt. Der Presskolben ist also unten und der Brühzylinder oben drauf gesteckt, so wie im folgenden Bild. Kaffeepulver und Wasser werden wie bei der klassischen Methode den Brühzylinder gegeben, umgerührt und ziehen gelassen. Dann bringst du den Filter mit dem eingesetzten Filterpapier an, drehst die AeroPress um und setzt sie auf den Becher. Schon fangen die ersten Kaffee-Tröpfchen mit etwas Pressen an, in das Gefäß zu tröpfeln. Einfach den gesamten Kaffee mit dem Presskolben in den Kaffeebecher pressen - fertig!

#aeropress 📷 @pilgrimcoffee #thirdwave

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Ob diese Methode sich geschmacklich von der klassischen Methode unterscheidet, bleibt fraglich. Darüber scheiden sich die Geister der Kaffee-Nerds ;) Doch egal welches Verfahren ihr nun bevorzugt: Es lohnt sich auf jeden Fall, die AeroPress selbst einmal auszuprobieren. Aber eins sollte immer stimmen: Die Qualität der Kaffeebohnen!

Artikelbild: "Norwegian Championship in AeroPress 2014"by Pal-Kristian Hamre (used under license CC BY-SA 2.0)

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Über die Autorin: Heidi liebt Kaffee, vor allen in Kombination mit einen gesunden Frühstück. Wenn Sie gerade keine Beiträge auf Happy Coffee schreibt, berichtet die Weltenbummlerin auf ihrem Blog meerdavon.com über Ihre Reisen.


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