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Irish Coffee... Ist das nicht dieser wärmende Kaffee mit Schuss, den es schon ewig gibt?! Ja, aber der koffein- und alkoholhaltige Drink ist gerade wieder schwer angesagt und vielfältigwie nie: Es gibt ihn mittlerweile in heißen als auch kalten Varianten! Und wusstet ihr, dass es neben dem Internationalen Tag des Kaffees am 1. Oktober auch – haltet euch fest – einen International Irish Coffee Day gibt? Den feiern alljährlich am 25. Januar nicht nur die Iren, sondern auch Fans von Kaffee Cocktails. Grund genug für uns, das Phänomen Irish Coffee einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. 

In diesem Artikel erfahrt ihr, seit wann es das hochprozentige Getränk gibt und wieso es von den Iren per Zufall erfunden wurde. Natürlich wären wir nicht Happy Coffee, wenn wir nicht auch verschiedene Rezepte des irischen Klassikers parat hätten ­– gleich vier stellen wir vor! Gemeinsam mit Maria Neumann, Bar-Managerin der Green Door Bar in Berlin, haben wir zwei heiße und, voller Vorfreude auf die steigenden Temperaturen, auch zwei eisgekühlte Irish Coffee Variationen kreiert.

Außerdem beleuchten wir die Kaffeekulturder grünen Insel und klären auf, warum die irischen Coffee Shops zunehmend die allseits bekannten Pubs ablösen. Dabei hat mich eine echte Irin fachkundig unterstützt, die 2018 als Kaffee-Ambassadorin ihrer Heimatstadt sogar die irischen Cup Tasting Meisterschaften nach Cork holte ­– obwohl sie sonst immer in der Hauptstadt Dublin stattfanden. 

1. Irish Coffee: Was es ist und wer’s erfunden hat

An der Bar zählt ein Irish Coffee (Irisch: caife Gaelach) zu den sogenannten Hot Drinks und das Grundrezept besteht aus lediglich vier Zutaten: Heißer starker Kaffee, irischer Whiskey, Zucker oder Zuckersirup sowie geschlagene Sahne. Allerdings kann man das Rezept durchaus individuell abwandeln – wie genau, zeigen wir euch gleich im zweiten Kapitel. Immer wichtig bei der Zubereitung eines Irish Coffee ist die richtige Temperatur und Konsistenz der Zutaten, der passende Whiskey sowie die Wahl vom perfekten Glas zum Servieren. Das hat sich seit der Erfindung des Klassikers in Irland nicht geändert!

Das Kaffeegetränk mit Whiskey entstand in Irland per Zufall

Trotz Kaffee als Hauptbestandteil hat Irish Coffee wenig mit der irischen Kaffeekultur gemein. Denn die Ursprünge des hochprozentigen Getränks lassen sich auf einen gänzlich anderen Zwischenfall zurückführen, der – nicht ganz untypisch für Irland – mit dem Wetter zu tun hat! Es war 1943, als der Koch Joe Sheridan im Restaurant und Café auf dem Flughafen in Foynes anheuerte, einer kleinen Hafenstadt im mittleren Westen Irlands. Und genau dort erfand er den heute weltberühmten Kaffee-Drink. Wie es dazu kam?

Ein bereits gestartetes Flugzeug mit Amerikanern war auf dem Weg nach New York, musste aufgrund schlechter Wetterverhältnisse aber wieder umkehren. Daraufhin wurde Sheridan gebeten ein Getränk zuzubereiten, das die erschöpften Passagiere wieder aufwärmen sollte. Woher der Restaurant-Chef letztlich die Inspiration nahm, Kaffee mit irischem Whiskey zu mischen, ist nicht überliefert. Aber die erhoffte Wirkung erfüllte das neue Getränk allemal! Auf die Frage eines Passagiers, ob Sheridan denn brasilianischen Kaffee für seine wunderbare Kreation verwendet hätte, soll er fast empört geantwortet haben: „No, of course it was Irish coffee!“ (Nein, natürlich war das irischer Kaffee!)

Irish Coffee -  Foynes Flying Boat and Maritime Museum

Joe Sheridan serviert einer amerikanischen Dame Irish Coffee, die verdächtig wie Marilyn Monroe aussieht... (Photo: Foynes Flying Boat and Maritime Museum)

So wurde Irish Coffee in der Welt berühmt

Am Ort seiner Erfindung im irischen Foynes, genauer gesagt in der Irish Coffee Lounge im Flying Boat Museum, können Besucher noch heute Irish Coffee nach dem Originalrezept von Joe Sheridan probieren. Zu weltweiter Berühmtheit gelangte der Irish Coffee allerdings erst rund 10 Jahre später, als das Getränk 1952 im Café Buena Vista in San Francisco amerikanischen Kaffee-Fans vorgestellt wurde. Das geschah, weil Reise-Journalist Stanton Delaplane Irish Coffee am Flughafen in Foynes probiert, daraufhin kopiert und mithilfe des Buena Vista Cafés und dessen Inhaber Jack Koeppler nach Amerika importiert haben soll.

Nach nächtelangen Tests und Verkostungen wurden anfängliche Schwierigkeiten in den USA behoben, indem man schließlich den perfekten Whiskey und die richtige Konsistenz der Schlagsahne fand. Es heißt sogar, dass Sheridan als Erfinder des Irish Coffee höchstpersönlich ins Buena Vista zitiert wurde, um dem Café dabei zu helfen, die Sahne auf dem Kaffee-Whiskey-Mix zum Schwimmen zu bringen. Er nahm den ihm dort angebotenen Job an und verbrachte den Rest seines Lebens in San Francisco!

Irish Coffee - Buena Vista San Francisco

Irish Coffee - the buena vista cafe by Summer Park, CC-BY 2.0

2. Irish Coffee zubereiten: Das musst du beachten

Heute ist ein Irish Coffee übrigens das Pflicht-Getränk, welches jeder Teilnehmer bei der Coffee in Good Spirits Championships während seiner Performance zubereiten muss. Ende März findet die deutsche Ausgabe dieser Meisterschaft statt. Achtet bei der Live-Übertragung doch einfach mal darauf! Bestimmt wollt ihr nun aber selbst echten Irish Coffee ausprobieren. Bevor ich euch die vier unglaublich leckeren Kreationen von Maria Neumann von der Green Door Bar in Berlin vorstelle, gilt es zunächst noch ein paar kleine, aber wichtige Dinge zu klären!

Welcher Whiskey ist gut für Irish Coffee?

Für unsere Verkostung und die vier Irish Coffee Rezepte hatten Maria und ich fünf verschiedene Whiskeys zur Auswahl. Grundsätzlich empfehlen wir, einen guten irischen Whiskey zu verwenden – wegen der Tradition und weil er das Aroma vom Irish Coffee maßgeblich bestimmt. Folgende Whiskeys haben wir probiert:

  • Jameson. Ein Klassiker, den es häufig in Standard-Bars gibt und der bereits für unter 20 Euro erhältlich ist. Ein eher milder Whiskey für Einsteiger, dreifach destilliert und im Eichenfass gereift.
  • Kilbeggan. Ebenfalls günstig und vom Geschmack durchschnittlich. Der Standard Whiskey ist ein Blend aus Grain und Malt, und süßlich-mild. Aus der ältesten Destille Irlands, zweifach destilliert für mehr Aroma.
  • Roe & Co. Exklusiver und geschmeidiger Blend aus Dublin mit brotigen Roggen-Noten für jeden Anlass. Bei der World Spirits Competition 2017 wurde er sogar mit Doppel-Gold ausgezeichnet!
  • Connemara. Peated Whiskey, d.h. die Gerste wurde nach dem Mälzen über dem Torf räuchert. Daher vollmundig, besonders rauchig und mit süßlich torfigen Aromen. Die grüne Flasche ist Programm!
  • Writer’s Tears. Herrlicher Blend aus blumigem Single Malt und würzigem Pure Pot Whiskey aus dem Eichenfass. Fruchtig, karamellig, Apfel-Noten, hell und dank Dreifachdestillation schön rund und mild. 

Irish Coffee - der richtige Whiskey

Generell kann man sagen, dass die Qualität des Whiskeys natürlich mit dem Preis steigt. Und wer seinem Irish Coffee ganz besondere Noten geben möchte, der greift zu so etwas wie den drei oben zuletzt genannten Alternativen, die wir ebenfalls in unseren Rezepten verwendet haben.

Was ist das richtige Glas für Irish Coffee?

Vielfach bekommt man in Bars einen Irish Coffee in einem Henkelglas serviert. Denn ähnlich wie bei einem Pharisäer oder einem Fiaker – verwandten alkoholhaltigen Kaffeespezialitäten – kann man ihn so gut mit einer Hand trinken, wie es wohl schon früher für die vielbeschäftigten Iren praktisch gewesen sein muss. Das Original-Rezept von Irish Coffee Erfinder Joe Sheridan wurde allerdings für ein Glas mit Stiel kreiert, das du im ersten Kapitel sehen konntest. Sheridan soll es seinem Chef mit den Worten „Weil es so schön was fürs Auge ist“ angeboten haben!

Irish Coffee Glas

Generelle Tipps zur Zubereitung von Irish Coffee

Bevor ihr euch nun zum Mixen des Irish Coffee in die Bar-Kaffee-Küche begebt und unsere leckeren Rezepte ausprobiert, hier vorab noch einige nützliche Tipps von Bar-Managerin Maria:

  • Verwendet hochwertige Zutaten: Guten Kaffee, möglichst frisch gemahlenen und frisch aufgebrüht, sowie guten Whiskey. Nur so schmeckt der Drink!
  • Wichtig ist die richtige Balance aller Zutaten: Kaffee und Whiskey sollten einander geschmacklich nicht überlagern. Idealerweise solltest du beides gut herausschmecken können!
  • Für das Sahneschlagen daheim ist nicht unbedingt ein Mixer notwendig, ein Weckglas und kräftiges Shaken tun es auch. Achtet außerdem darauf, die Sahne nicht komplett steif zu schlagen – sie sollte sich als Haube über einen Löffel auf den Kaffee gießen lassen und darauf schwimmen.
  • Bei den Cold Irish Coffees ersetzen wir die Sahne durch sahnige Eiscreme. Sie kann entweder on top auf den Kaffeedrink gegeben oder ihm Mixer mit den restlichen Zutaten vermengt werden.
  • Zum Süßen könnt ihr statt Rohrzucker-Sirup auch Alternativen wie zum Beispiel Ahornsirup oder Agavendicksaft verwenden, die allerdings nochmal eigene Noten mitbringen.
  • Wollt ihr würzigeren Irish Coffee, dann bestreut ihn mit frisch geriebenem Muskat – ein Geheimtipp der berühmten Bar „Dead Rabbit“ aus New York!

 Cold Irish Coffee mit Vanilleeis

3. Moderne Irish Coffee Rezepte: Heiß und kalt ein Genuß 

Nun wollen wir euch wirklich nicht länger auf die Folter spannen: Nachdem ihr wisst, was bei der Zubereitung von Irish Coffee zu beachten ist, verraten wir hier unsere neuen Rezepte. Zwei sind heiß, zwei sind kalt – so kann man den irischen Klassiker als edlen Drink zu jeder Jahreszeit genießen!

(1) Hot Irish Coffee: Das Standard-Rezept

Bei dieser Irish Coffee Variante stellten wir beim Verkosten fest, dass der Whiskey sich etwas zurückhält. Wer das mag bzw. einen zu starken Alkoholgeschmack gern vermeiden will, für den ist dieses klassische Rezept sehr gut geeignet.

Folgende Zutaten braucht ihr: 

  • 5 cl (= 50 ml) leichten Irish Whiskey, z.B. Jameson
  • 1,5 cl (= 15 ml) Zuckersirup
  • 100 ml heißer Kaffee, z.B. verlängerter Espresso
  • 30 ml Sahne
  • Muskatnuss

Mischt im vorgewärmten Glas Whiskey, Sirup und Kaffee. Schlagt die Sahne leicht auf, gießt sie als Haube über euren Standard Irish Coffee, und reibt zuletzt eine Prise Muskat oben drüber. Fertig!

Irish Coffee - Standard Rezept mit Sahne

(2) Hot Irish Coffee: Das aromatische Rezept

Bei dieser heißen Irish Coffee Variante spielt der Whiskey eine größere Rolle und tritt mehr in den Vordergrund. Deswegen eignet sie sich für Whiskey-Liebhaber, die gern mit Aromen experimentieren und auf speziellere Noten im Kaffee stehen. 

Folgende Zutaten braucht ihr: 

  • 5 cl (= 50 ml) aromatischen Whiskey, z.B. Roe & Co
  • 1,5 cl (= 15 ml) Zuckersirup, z.B. Demerarasirup aus Rohrohrzucker
  • 100 ml heißer Kaffee, z.B. verlängerter Espresso
  • 30 ml Sahne
  • Muskatnuss

Mischt im vorgewärmten Glas Whiskey, Sirup und Kaffee. Schlagt die Sahne leicht auf, gießt sie als Haube über euren aromatischen Hot Irish Coffee, und reibt zuletzt eine Prise Muskat oben drüber. Fertig!

Irish Coffee - Aromatisches Rezept mit frischem Muskat

(3) Cold Irish Coffee: Das fruchtig-milde Rezept

Ja, richtig gelesen: Irish Coffee funktioniert auch als kalte Variante für den Sommer, und zwar mit Cold Brew und leckerem Eis! Dabei richtet sich die Eissorte danach, welchen Whiskey du einsetzt. In diesem Rezept verwenden wir einen fruchtigen, milderen Whiskey mit Karamellnoten – er verträgt ebenfalls „leichter“ schmeckende Eiscreme wie Sahne-Eis, klassisches Vanille-Eis, Orangen-Sorbet oder Karamell-Eis. Wir haben eine noch etwas exotischere Variante ausprobiert.

Folgende Zutaten braucht ihr:

  • 5 cl (= 50 ml) milder, heller Whiskey, z.B Writers Tears
  • 100 ml Cold Brew
  • Etwas Zuckersirup (optional, weglassen wenn die Eiscreme süß genug ist)
  • 1 Kugel mild-fruchtige Eiscreme (unser Tipp: Safran-Eis!) 

Mischt im gefrosteten Glas Whiskey, Cold Brew und optional den Zuckersirup. Toppt euren fruchtig-milden Cold Irish Coffee zuletzt mit einer Kugel Eiscreme und serviert ihn mit einem Löffel und Strohhalm. Kleiner Tipp: Strohhalme aus Glas oder Metall sind wiederverwendbar und schonen die Umwelt!

Cold Irish Coffee - Fruchtiges Rezept mit Safraneis

(4) Cold Irish Coffee: Das vollmundige Rezept

Bei diesem kühlen Irish Coffee kommt ebenfalls Cold Brew zum Einsatz, aber ein deutlich kräftigerer und dunklerer Whiskey. Solche Sorten schmecken vollmundiger, brotiger, würziger und (falls sie peated sind) ein wenig torfig. Sie mögen klassisches Vanille-Eis, passen aber auch zu kräftigeren Sorten als Gegenspieler, zum Beispiel Walnuss, Haselnuss, oder Schokolade. 

Folgende Zutaten braucht ihr:

  • 5 cl (= 50 ml) kräftiger dunkler Whiskey, z.B. Connemara
  • 100 ml Cold Brew
  • etwas Ahornsirup (optional, weglassen wenn die Eiscreme süß genug ist)
  • 1 Kugel Vanille-Eiscreme (oder Schoko- / Nusseiscreme)
  • Kardamom

Mischt im gefrosteten Glas Whiskey, Cold Brew und optional den Ahornsirup. Toppt euren vollmundigen Cold Irish Coffee zuletzt mit einer Kugel Eiscreme, reibt etwas Kardamom oben drüber und serviert ihn mit einem Löffel und Strohhalm. Auch hier: Der Umwelt zuliebe am besten Strohhalme aus Metall oder Glas verwenden!

Cold Irish Coffee - aromatisches Rezept mit Kardamom

4. Mehr als Irish Coffee: Irische Kaffeekultur gestern und heute 

Nun wisst ihr, wie ein guter Irish Coffee zubereitet wird. Aber wie kann es eigentlich sein, dass nur ein einziges irisches Kaffeegetränk die internationale Kaffee- und Barwelt so geprägt hat, aber von der irischen Kaffeekultur kaum etwas bekannt ist? Liegt es etwa an der dominanten Pubkultur im Land? Oder sind die Iren, ähnlich wie die Engländer, eher dem Tee verhaftet? Diese Fragen habe ich Caroline O’Keeffe gestellt, Gründerin der Cork Coffee Community und Organisatorin diverser Kaffee-Events – wie dem Cork Coffee Weekend, Latte Art Throwdowns, lokalen AeroPress Meisterschaften und Public Cuppings. Sie sagt:

„Traditionell ist Irland eine teetrinkende Kultur. Schwarztee mit Milch, dazu Scones, wurde besonders in den ländlichen Gegenden in jedem Coffee Shop serviert. Erst in den letzten 15 bis 20 Jahren erobern heiße Schokolade, Americano und Cappuccino die Cafés der grünen Insel.“

Irish Coffee - Irland

Vom ersten Kaffeehaus zu internationalen Coffee Shops 

Die Kaffeekultur der Iren begann mit dem ersten Kaffeehaus in Dublin, das bereits im 17. Jahrhundert unter der Herrschaft von Charles II. eröffnete. Ab dann breiteten sich Coffee Shops im ganzen Land aus – nicht nur in den größeren Städten wie Belfast und Waterford, sondern auch in Cork, Kilkenny und Limerick. Sie galten als beliebte Orte für die arbeitenden Männer, um Geschäfte zu machen. Später traf man sich nicht etwa in Tavernen, sondern auf einen Kaffee in Gentleman’s Clubs – wie man Coffee Shops auch nannte – für politische Debatten bis spät in die Nacht.

Das Interesse an Kaffee war in Irland also durchaus früh da, nur dauerte es bis ins 21. Jahrhundert, als mit Cappuccinos und Lattes eine neue Kaffeekultur aus großen Städten wie London auf die grüne Insel schwappte. Besonders in den letzten 15 Jahren stieg der irische Kaffeekonsum stark an. Der Markt begann sich zu öffnen, als die Iren anfingen, mehr zu reisen: Amerikanische Filme und Serien wie Friends, die ein Stück New Yorker Kaffeeszene ins Wohnzimmer importierten, sowie Social Media beeinflussten die Menschen. Fortan suchten die Iren auch im täglichen Leben nach vergleichbaren Kaffee-Erfahrungen. 

Irish Coffee und irische Kaffeekultur

Irische Kaffeegewohnheiten: Wer hätte es gedacht!

Schaut man in die Küchenschränke der Iren, befand sich lange Zeit in fast jedem Haushalt – neben dem obligatorischen Tee – ein Gefäß mit Instant-Kaffee. „Für den Fall, dass sich ein Besucher aus Übersee ankündigt oder für den komischen Verwandten, der Kaffee mag“, erzählt mir Caroline mit einem Augenzwinkern.

Wie die Irish Times berichtet, änderte sich aber auch das: Einem Artikel von März 2018 zufolge trinken 70 Prozent der Iren mindestens einen Kaffee am Tag. Dabei kauft sich eine von drei Personen diesen Kaffee sogar in einem der vielen Coffee Shops, die in Irland gerade wie Pilze aus dem Boden sprießen. Inzwischen spricht man sogar von einem Wandel beim irischen Kaffeekonsum: Weg vom Instant Kaffee hin zu Premium-Optionen! Kaffee wird also nicht mehr nur als Koffein-Quelle genutzt, sondern auch als Genusserlebnis. Caroline weiß:

„Zuhause geschieht die Kaffeezubereitung bei den meisten Iren mithilfe der French Press, auch Instant Kaffee ist nach wie vor zu finden. Wie vielerorts haben auch Pad-Maschinen Einzug in die Haushalte gehalten, werden aber selten benutzt. Denn die Iren sind sehr sozial, das Treffen in einem Café ist für sie viel wünschenswerter!“

Irish Coffee Culture - French Press

Darum ist selbst in ländlichen Gegenden ein Wandel spürbar: Jahrzehntelang drehte sich das Leben in den Gemeinden um Kirche, Postamt, Bank und die Pubs – die wegen des Rauchverbots und strikten Fahrverbots unter Alkoholeinfluss aber sukzessive verschwanden. Nun hofft man, dass die Coffee Shops ihren Platz einnehmen, wo es vielleicht einen Irish Coffee statt lokalem Bier gibt. Aber in den Städten floriert die Pub-Kultur sicherlich nach wie vor.

Specialty Coffee in Irland: Die Zeit war reif

Ein Vorreiter der neuen Specialty Coffee Shops in Irland war definitiv The Ground Floor in Belfast, 1998 von Karl Purdy eröffnet. Obwohl keiner daran glaubte – nicht einmal Purdys Bank, die ihm zunächst keinen Kredit für die Eröffnung geben wollte – wurde der Coffee Shop buchstäblich über Nacht zum Erfolg. Inzwischen gibt es das Café zwar nicht mehr, aber dafür gilt Purdy seitdem bei vielen als Vater der irischen Specialty Coffee Szene. Er vertrat Irland bei den Barista Meisterschaften und startete 2004 mit Coffeeangel seinen Siegeszug in Dublin: Was als Coffee Cart am Howth’s East Pier begann, sind heute fünf florierende Läden.

In den Anfangsjahren galt das Coffeeangel auch als inoffizielle Schmiede für eine neue Barista-Generation: Kreative, weitgereiste und karrierebewusste Menschen mit einer Leidenschaft für Kaffee, die bereit waren, eine neue irische Kaffeekultur aufzubauen – die sich von vielen anderen Ländern inspirieren ließ. Dazu gehört auch Colin Harmon, vierfacher irischer Barista Champion, der heute in Dublin 3fe betreibt: Rösterei, Coffee Shop und Trainingszentrum in einem. 

Irish Coffee - Coffee Angel - Karl Purdy

Karly Purdy, Vorreiter der irischen Specialty Coffee Szene (Foto: Coffeeangel)

Viele irische Mikro-Röstereien, Third Wave Cafés und Coffee Shops folgten. Besonders in ländlichen Regionen, weil ehemalige Angestellte von Läden wie 3fe in ihrer Heimat die Kaffeequalität und Kaffeekultur der größeren Städte vermissten. So eröffneten sehr gute Cafés auf dem Land, wie zum Beispiel 2018 das Thrive Cafe in Tullow von Lorraine Whelan, 3fe Mitarbeiterin der ersten Stunde. In kleineren und unabhängigen Coffee Shops wird heute der kommunikative und gemeinschaftliche Aspekt fortgeführt, der traditionsgemäß den Pubs zugeschrieben wurde. Inzwischen gibt es um die 40 Mikroröstereien und 120 unabhängige Coffee Shops in Irland – die natürlich auch Irish Coffee Varianten servieren. 

5. Same same but different: Die Verwandten vom Irish Coffee

Irish Coffee bleibt also Trend, ob als klassisches Rezept oder moderner Signature Drink. Die Iren haben ihr Kultgetränk allerdings nicht für sich allein gepachtet. Bereits viel früher gab es in Österreich und Deutschland Kaffeegetränke mit fast derselben Zutatenliste! Wer beispielsweise einmal in einem Wiener Kaffeehaus war, der hat sicherlich einen Pharisäer oder Fiaker auf der Getränkekarte entdeckt. Auch in Deutschland gibt es ein ähnliches Kaffeegetränk namens Rüdesheimer Kaffee. Sie alle bestehen aus heißem starken und gesüßten Kaffee sowie einer cremigen Sahnehaube. Einzig der verwendete Alkohol unterscheidet sich vom Irish Coffee. 

Der Pharisäer: Sahnehaube aus taktischen Gründen

Der Überlieferung nach soll der Pharisäer in Nordfriesland erfunden worden sein. Er enthält stark gebrühten Kaffee, der mit Würfelzucker gesüßt, mit braunem Jamaica-Rum gemixt und anschließend mit Sahne getoppt wird. Heute wird das Getränk optional noch mit bunten Streuseln oder Schokoraspeln dekoriert.

Allerdings soll der Pharisäer unter den strengen Augen des asketischen Pastors bereits im 19. Jahrhundert auf der Insel Nordstrand die Runde gemacht haben. Aus gutem Grund: Es heißt, die Sahne habe das Verdunsten des beigemischten Alkohols verhindert und obendrein den Geruch der „geheimen Zutat“ verschleiert – bei den Friesen war es nämlich Brauch, in Gegenwart des Pastors keinen Alkohol zu trinken. Der bemerkte die hochprozentige Täuschung seiner Gemeinde irgendwann aber doch und soll daraufhin „Oh, ihr Pharisäer“ gerufen haben. So nannte man im Neuen Testament Heuchler, und nun eben diese Abwandlung vom Irish Coffee.

Irish coffee vs Pharisäer

Ob die Sahnehaube nur aus taktischen Gründen auf dem hochprozentigen Pharisäer war, ist nicht überliefert. Eine weitere Theorie, besonders aus der Barwelt, besagt, dass der Kaffee mit Sahne on top einfach länger heiß bleibt. Egal was letztlich der Grund für das Häubchen ist: Die Sahne und den Kaffee vor dem Trinken zu verrühren wäre ein Fauxpas! Traditionsgemäß wird der Kaffee nämlich durch die kühle Sahnehaube getrunken, die das heiße Getränk somit herunter kühlt.

Der Fiaker: Hält nicht nur Kutscher warm 

Die aus Wien stammende Kaffeespezialität erhielt ihren Namen von den Wiener Kutschern, die sich damit (bzw. dem darin enthaltenen Alkohol) in ihren Fiakern (Kutschen) warmhielten. Meistens besteht ein Fiaker aus einem großen Mokka (Österreichisch für Espresso), Zucker sowie 1 bis 2 cl Kirschwasser – statt letzterem kann aber auch mal der als „Sliwowitz“ bekannte Pflaumenschnaps oder Rum verwendet werden. Auch hier rundet ein ordentlicher Klecks Schlagobers das Ganze ab. Und fürs Auge kommt als Deko noch eine (Cocktail-)Kirsche obendrauf! 

Maria Theresia (ner) oder Café Maria Theresia 

Ebenfalls aus Österreich stammt ein Maria Theresia(ner): Dabei handelt es sich um mit flüssigem Rohrzucker gesüßten Mokka (entspricht pro Glas in der Menge etwa einem doppelten Espresso) mit 2 cl Orangenlikör sowie Schlagsahne. Teilweise wird zur Espresso-Likör-Mischung auch Milch hinzugegeben und sie dann erst mit Sahne bedeckt. Abgerundet wird diese Kaffeespezialität entweder mit Kakao, Schokoraspeln oder Zuckerstreuseln.

Rüdesheimer Kaffee: Traditionell mit Weinbrand

Ähnliche Zutaten wie im Irish Coffee befinden sich auch im Rüdesheimer Kaffee: Neben dem obligatorischen heißen starken Kaffee (etwa 125 ml) gibt man bis zu drei Stück Würfelzucker hinzu und 4 cl Weinbrand, traditionsgemäß Asbach Uralt. Das Ganze wird in einem passenden Trinkgefäß serviert und mit Vanillezucker gesüßter Schlagsahne getoppt und feinherben Schokoraspeln dekoriert. 

Holländischer Kaffee: Lecker mit Eierlikör 

Einen holländischen Kaffee bereitet man sogar mit Eierlikör zu. Dazu wird eine halbe Tasse starker Kaffee mit 1/3 Tasse Eierlikör vermischt, mit Schlagsahne bedeckt (wer mag kann sie mit Vanillezucker süßen) und mit Kakaopulver bestreut. Bekannt ist diese Kaffeespezialität vor allem im Rheinland, sicherlich aufgrund der geographischen Nähe zu Holland.

Irish Coffee vs. Bicerin

Kaffeespezialitäten ohne Alkohol

Wer es genauso fancy wie Irish Coffee & Co. mag, auf den Alkohol aber verzichten möchte, der sollte unbedingt einen Bicerin (siehe Foto oben) ausprobieren! Diese Variation ohne Alkohol, dafür mit Trinkschokolade, stammt aus Turin und wird traditionell mit geschäumter Milch serviert oder teilweise auch mit Schlagsahne. Alle drei Schichten – Espresso, Schokolade und Sahne – werden sorgfältig in einem kleinen Glas (Italienisch bicerin) geschichtet serviert und mit Kakaopulver bestäubt. 

Wir hoffen, ihr habt nun Lust auf einen Irish Coffee oder einen verwandten Drink bekommen – und etwas über die irische Kaffeekultur lernen können. Viel Freude beim Ausprobieren der Rezepte daheim – und lasst uns gern wissen, welches euer Favorit ist!

***

Über die Autorin: Melanie liebt Specialty Coffee und reist dafür um die Welt. Sie trinkt nicht nur gern Kaffee, sondern schreibt und bloggt auch darüber auf melscoffeetravels.com. Begleite sie auf ihren Kaffeereisen!



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