Hochland Kaffee wird – wie es der Name schon sagt – in hohen Lagen von etwa 1000 bis 2000 Metern über dem Meeresspiegel angebaut. So auch unser Happy Coffee, der aus der Region Sierra Madre de Chiapas in Mexiko stammt. Doch was hat die hohe Lage mit der besonders guten Qualität des Kaffees zu tun?

Hochland Kaffee: Immer die beste Sorte?

Um beurteilen zu können, wie gut Hochland Kaffee wirklich ist, muss man etwas weiter ausholen. Generell liebt die Kaffeepflanze (Coffea) mild-feuchte Temperaturen, die möglichst wenig schwanken, und noch dazu etwas Schatten. Damit sind viele Gebiete für den Kaffeeanbau schlichtweg nicht geeignet. Er konzentriert sich auf die Länder nahe am Äquator („Kaffeegürtel“), da die Temperaturen hier den geringsten Schwankungen unterliegen. Am besten geeignet sind dort wiederum Höhenlagen ab 1.000 Meter, wo die Durchschnittstemperaturen eher ging sind und die Luftfeuchtigkeit gleichermaßen hoch. Hier findet die Kaffeepflanze alles, was sie benötigt.

Das Hochland, die Heimat von Arabica Kaffee

Dass Hochland Kaffee mit Qualität assoziiert wird, hat einen einfachen Grund: Hier gedeiht die beliebteste aller Kaffeesorten, Coffea Arabica, am besten. Sie wird deswegen auch Bergkaffee genannt. Die Arabica Kaffeepflanze bevorzugt das milde Klima in schattigen Höhenlagen, das meistens durch Mischkulturen erreicht wird: Verschiedene Kulturpflanzen (wie z.B. Bananenstauden, Zitrusbäume, Avocados) wachsen verschiedenen hoch und spenden den Kaffeesträuchern nicht nur Schatten, sondern auch Schutz vor zu viel Wind und Regen. Gleichzeitig lockt die heterogene Flora eine ebenso vielfältige Fauna an (z.B. Ziervögel, Insekten und Affen). Ein derartiges Biosystem ist resistenter gegen Schädlinge. Denn auf sie reagiert Arabica, das „zarte“ Pflänzchen, sehr empfindlich. Beim gefürchteten Kaffeerost, Parasiten oder auch Nachtfrost macht der Hochland Kaffee schnell schlapp und es sind Ernteausfälle zu verzeichnen.

Hochland KaffeeFeuchte Nebelschwaden hängen über dem Hochland Kaffee (Foto: Young_nvia Pixabay)

Natürlich bietet das Hochland auch einen speziellen Boden: Viele Regionen sind z.B. vulkanischen Ursprungs und daher besonders reich an Mineralien. Idealerweise muss er locker, also gut durchlüftet, sein und einen neutralen bis leicht sauren pH-Wert haben.

Arabica und Robusta mögen verschiedene Anbaubedingungen

Wie wächst Arabica genau? Im  Hochland, bei Temperaturen zwischen 18 und 22 °C, wabern meistens dichte Wolken oder Nebel. Hier gelangt also schon von Natur aus weniger Sonnenlicht an die Kaffeepflanzen. Deshalb braucht Coffea Arabica etwa 9 bis 11 Monate, um vollständig zu wachsen – damit sind er deutlich langsamer als Coffea Canephora (Robusta). Er sind schon nach 6 bis 8 Monaten erntebereit und erträgt selbst heiße Temperaturen im Tiefland. Robusta ist insgesamt, wie der Name schon sagt, etwas robuster. Hier die Unterschiede zwischen den beiden beliebtesten Kaffeesorten nochmal im Überblick:

  • Arabica: Hochland-Kaffee (1.000 bis 2.000m Höhe), wächst 9 – 11 Monate, liebt mildes, feuchtes und schattiges Klima bei durchschnittlichen Temperaturen von 18 – 22 °C
  • Robusta: Tiefland-Kaffee (deutlich < 1.000m Höhe), wächst 6-8 Monate, kommt selbst mit heißen Temperaturen und viel Niederschlag klar, durchschnittliche Temperaturen von 22 – 26 °C

Übrigens gibt es mittlerweile auch die „Arabusta“ – eine Kreuzung aus Arabica und Robusta Kaffeebohnen. Sie sollte den oft als besser empfundenen Geschmack des Hochland Kaffee mit der Widerstandsfähigkeit der Coffea Canephora kombinieren. Bis heute hat sich diese Kombination, die versuchsweise in den USA und an der Elfenbeinküste angebaut wurde, allerdings nicht wirklich durchsetzen können.

Hochland Kaffee: Ist höher gewachsen gleich besser?

Wir wissen nun, wie Hochland Kaffee wächst, und dass in größerer Höhe vor allem Arabica-Bohnen gut gedeihen. Also ist das eine wirklich zwangsläufig immer das andere, wie man im Supermarkt denken könnte? Denn auf gefühlt jeder zweiten Packung wir der duftende Inhalt als „100% Arabica“ beschrieben und direkt daneben steht „Hochland Kaffee“. Die Hersteller möchten damit bezeugen, das ihr Kaffee von besonders guter Sorte ist, da er in hohen Lagen reifte. Trotzdem wäre der Schluss, dass Hochland Kaffee immer Arabica ist, so nicht richtig:

Reiner Hochland Kaffee darf sich erst so nennen, wenn er in einer Höhe ab 1.500 m aufwärts wächst. Manche Arabica-Sorten wachsen aber bereits auf einer Höhe ab 1.000 Meter!

Und was bedeutet das nun? Ist der höher wachsende Kaffee automatisch immer der bessere? Zumindest machen uns das die Marketing-Experten in der Kaffeeszene weiß, die erst ab 1.500 Meter von „Spitzenkaffee“ sprechen wollen. Wir meinen: Es kommt ganz auf deinen persönlichen Geschmack an!

Je weiter oben im Hochland Kaffee angebaut wird, um so langsamer wächst er – da es dort weniger Sauerstoff, niedrigere Temperaturen und meistens auch weniger Sonnenlicht gibt. So haben die Kaffeekirschen Zeit, ganz spezielle Aromen zu entwickeln. Man beschreibt den Geschmack von Hochland Kaffee als komplexer, runder, weicher und ausgewogener als es z.B. beim kräftigen Robusta (dem Tiefland Kaffee) der Fall ist. Grüne Arabica-Bohnen aus dem Hochland enthalten weniger Chlorogensäure als Robusta-Bohnen. Sie sind somit milder und weniger bitter. Dafür besitzen sie aber weniger Koffein. Ob Hochland-Kaffee deinen Geschmack trifft, kann man trotzdem nicht pauschal sagen. Dann es gibt immer noch große Unterschiede zwischen den einzelnen Anbaugebieten.

 Kaffeekirschen in ÄthiopienSortieren von Kaffeekirschen in Äthiopien (Foto: ningxin23minor via Pixabay)

Entscheidend ist das Anbaugebiet

Auf Qualität der geernteten Kaffeebohnen wirken sich viele Faktoren aus: Zum Beispiel das Anbaugebiet mit seinem spezifischen Boden und dessen Nährstoffgehalt, das Klima und wie sich die Kaffeepflanzen in die übrige Vegetation einfügen. Man kann es sich ähnlich vorstellen wie beim Wein, wo bestimmte Regionen für bestimmte Weine stehen und der Anbau selbst eine hohe Kunst ist. Und so fein wie das Händchen beim Anbau sein muss, so fein ist am Ende auch der Genuss selbst. Kaffee ist ein genauso sensibles Produkt, das nur durch das Zusammenspiel aller Faktoren seine besondere Qualität erhält. Zwischen günstigem Hochland Kaffee als Massenprodukt im Supermarktregal und exklusivem Hochland Kaffee einer kleinen kleinen Fairtrade Farm aus einem renommierten Anbaugebiet können geschmacklich Welten liegen. 

Anbaugebiete für Hochland Kaffee

Besonders hochwertig ist Hochland Kaffee, der günstige Wachstumsbedingungen hat. Zum Beispiel wilde Wälder als eine Umgebung, in der Arabica-Bohnen von Natur aus gut gedeihen, besonders große Höhenlagen oder ein ganz spezieller Boden. Darum sind einige der Anbaugebiete des Kaffee-Gürtels („Bean Belt“), der sich um den Äquator spannt, für Hochland Kaffee sehr bekannt.

Der Kaffee-Gürtel mit den wichtigsten AnbaugebietenDer Kaffee-Gürtel mit den wichtigsten Anbaugebieten (Grafik: jonkerz via Wikimedia)

Hochland Kaffee aus Afrika: Äthiopien & Co.

Äthiopien ist der Ursprungsort der Kaffeepflanze. Als zweihöchstes Land Afrikas – nur der kleine Staat Lesotho liegt höher – bietet es optimale Bedingung für ein schonendes Wachstum der Coffea Arabica. Kaffeebohnen aus dieser Gegend überzeugen mit einem ausgereiften Aroma. Dank der langen Kaffee-Tradition verfügen die äthiopischen Bauern über ein tiefes Wissen für hoch qualitativen Kaffeeanbau – ähnlich der Weinbauern von Bordeaux. Immer wieder erhalten die äthiopischen Hochland Kaffees Auszeichnungen für ihre besonders guten Sorten.

Auch andere afrikanische Länder wie etwa Kenia sind berühmt für ihren Hochland Kaffee. Die Plantagen des ostafrikanischen Staates stehen auf Höhenlagen von bis zu 2100 Metern. Der Kaffee, der auf Kaffeebäumen rund um den Mount Kenia angebaut wird, ist würzig und kräftig, aber dennoch sehr ausgewogen. 

Hochland Kaffee aus Latein- und Südamerika: Mexiko bis Brasilien

Die Höhenlagen der Anden oder die Berghänge der Sierra Madre bieten sehr gute Voraussetzungen für qualitativen Hochland Kaffee. In Mexiko etwa wird an dem 200km langen Gebirgszug Chiapas im Bundesstaat Sierra Madre hochwertiger Arabica Kaffee angebaut. Das fanden auch die Juroren der Goldmedaille für Spitzenkaffee, die die von dort stammenden Bohnen damit auszeichneten. Und genau die verwenden wir für unseren Happy Coffee.

Auch Brasilien und Kolumbien verfügen über ausreichende Höhenlagen, um Hochland Kaffee der besten Sorten anzubauen. In Brasilien wird übrigens der meiste Kaffee weltweit produziert! Um diese Exportmenge zu erreichen, muss effizient angebaut werden – aus Brasilien mit seinem weitläufigen Tiefland kommt daher vor allem Robusta. Den meisten Arabica weltweit liefert derzeit Kolumbien.

Hochland Kaffee aus Asien: Papua-Neuguinea und Indien

Der mineralische, vulkanische Boden der Hochlandregion Purosa in Papua Neuguineabietet sehr gute Vorraussetzungen für exzellenten Hochland Kaffee. Lange blieb diese Region unerschlossen, da sie sehr abgelegen ist. Deshalb fanden die Kaffeebauern kaum Wege, ihren Kaffee auf den Markt zu bringen. Durch eine Fair Trade Förderung konnte die nötige Infrastruktur gebaut werden, so dass der exzellente Hochland Kaffee nun den weltweiten Markt erreichen kann.

Auch sonst gedeiht eine vielfältige und qualitative Kaffeekultur in Asien. Besonders sticht der India Monsooned Malabar hervor. Er wird wochenlang dem feuchten Monsun-Klima ausgesetzt und entwickelt so ein einzigartiges, an Whisky erinnerndes Aroma. Eine besondere Sorte Hochland Kaffee für besondere Gaumen!

Hochland Kaffee aus der Karibik

Hättest du es gewusst? In der Karibik kann man nicht nur prima Urlaub machen. Sondern auch richtig guten Karibik-Kaffeegenießen! Die Sorte „Blue Mountain Coffee“ aus Jamaica zählt zum besten und teuersten Hochland Kaffee der Welt. Blue Mountain ist eine Gebirgskette, die sich über ganz Jamaica zieht und an deren Hänge Kaffeebäume wachsen. Dort ist es oft neblig, was den Kaffeekirschen besonders viel Zeit zum Wachsen und Reifen gibt. Der mineralienhaltige Boden sorgt für eine ausgewogenes süß-saures Aroma. Bis zu 70 Euro muss man für ein halbes Kilo Blue Mountain Kaffee zahlen!

Hochland Kaffee vom Pazifischen Ozean: Hawaii

Auch auf der hawaiianischen Inselkette herrschen traumhafte Bedingungen für Kaffeebäume. Hohe Lagen an den Vulkanen sorgen für gutes Wachstum und die Ausbildung eines sehr gehaltvollen, fruchtigen Aromas. Kona-Kaffee, die bekannteste Sorte Hochland Kaffee aus Hawaii, wächst an den Hängen der Vulkane Mauna Kea, Hualalei und Mauna Loa. Aufgepasst beim Kauf: Die Bezeichnung „Kona“ ist nicht gleichbedeutend mit sortenreinem Kona-Kaffee. Aus Marketinggründen nennen sich oft Kaffeemischungen („Blends“) so, die lediglich einen geringen Anteil der Kona-Bohne enthalten. Deshalb solltest du beim Kauf genau auf die Bezeichnung „100% Kona“ achten.

RohkaffeebohnenRohkaffeebohnen nach dem Waschen und Trocknen (Foto: shulaweiningvia Pixabay)

Besichtigung einer Kaffee Plantage im Hochland

Nicht überall, wo Hochland Kaffee drauf steht ist auch eine gute Sorte Hochland Kaffee drin. Der beste und abenteuerlichste Weg sich von der Qualität des Kaffees zu überzeugen, ist der Besuch einer Kaffeeplantage. Bei der Besichtigung gewinnst du einen tiefen Einblick in die biologischen, ökologischen und auch sozialen Anbaubedingungen des Hochland Kaffees.

Christian, der Gründer von Happy Coffee, hat vor einigen Jahren eine Kaffeeplantage in Costa Rica besucht und dabei vieles über die verschiedenen Faktoren gelernt, die den Geschmack guten Kaffees beeinflussen. Und eines nimmst du ganz sicher von der Besichtigung einer Hochland Kaffee Plantage mit: Den besten Kaffee, den du je getrunken hast. Denn wenn du selbst durch die Kaffeepflanzen im mild feuchten Klima gestreift bist, wird dir das Endprodukt gleich nochmal so gut schmecken.

Artikelbild: vandelinodias (Public Domain)

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Über die Autorin: Heidi liebt Kaffee, vor allen in Kombination mit einen gesunden Frühstück. Wenn Sie gerade keine Beiträge auf Happy Coffee schreibt, berichtet die Weltenbummlerin auf ihrem Blog meerdavon.com über Ihre Reisen.


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