Flat White – das bedeutet übersetzt flacher weißer und meint eine Kaffeespezialität, die sich besonderer Beliebtheit erfreut. Was ist so besonders am Flat White? Ist es nicht einfach ein Cappuccino, dem die sich aufbäumende Haube fehlt? Oder schmeckt er wirklich anders und es ist etwas dran an dem Hype um den Flat White?

Der Trend ist schon über 30 Jahre alt und doch der neuste Schrei. Seit einiger Zeit verbreitet sich der Flat White in den europäischen Großstädten und steht auch bei Ketten wie Starbucks fest mit auf der Getränke-Karte. Der Flat White überzeugt dabei geschmacklich wie ästhetisch, denn der Milchschaum vermengt sich sämig mit dem Kaffee, während sein Haupt meist schöne Latte Art ziert.

Der Hype erinnert mich an die Zeit, in der ich vor ca 15 Jahren meine Begeisterung für Kaffee entdeckte. Wie heute der Flat White zogen damals die Cappuccinos und Latte Macchiatos von den italienischen Cafés in die heimischen Küchen ein. Wer kunstvoll die Farbverläufe einer Latte Macchiato aufschichten konnte, dem wurde mit vielen Ooohs und Aaahs applaudiert. Heute ist die Latte Macchiato keine hohe Kunst mehr, sondern kommt in vielen Haushalten per Knopfdruck aus dem Kaffeevollautomaten. Die hohe und viel schwerer zu erlernende Kunst ist es nun, die Konsistenz des für den Flat White erforderlichen Milchschaumes herzustellen und daraus obendrein hübsche Latte Art zu zaubern.

Und so gib es sie nun wieder, die Ooohs und Aaaahs. Jeder, der kunstvoll einen Flat White selber zubereiten und mit Latte Art verzieren kann, wird mit Lob und Begeisterung überschüttet. Anders als bei einem Cappuccino oder einer Latte Macchiato handelt es sich beim Flat White samt Latte Art wirklich um eine ausgesprochen hohe Handwerkskunst. Doch was ist das eigentlich, ein “flacher weißer”, der Flat White? Wo wurde der Flat White erfunden? Und wie kannst du ihn selber machen? Wir geben dir hier die wichtigsten Infos zu der beliebten Kaffeespezialität.

Was ist ein Flat White?

„Flat White ist eine Bezeichnung für eine Zubereitungsvariante eines Cappuccinos, der in der Regel mit Latte Art verziert wurde” heißt es auf Wikipedia. Ist ein Flat White also einfach ein etwas anderer Cappuccino? Das Rezept eines Flat White und eines Cappuccinos ist sich tatsächlich zum verwechseln ähnlich. Beide bestehen aus einem Espresso Shot (ca 35ml) und Milchschaum (ca 110-120ml). Doch wie bei so vielen Dingen hängt der Geschmack nicht allein von den Zutaten, sondern vor allem von der Zubereitung ab. Denn bei einem Flat White verbindet sich der Milchschaum anders mit dem Espresso als bei einem Cappuccino. Hier zeigt sicher der Unterschied zwischen einem Cappuccino und einem Flat White. Um die besondere Form der Zubereitung des Flat White zu verstehen, lohnt sich ein Blick in seine Geschichte.

Die Geschichte des Flat White

Wo wurde der Flat White erfunden? Auch wenn der Flat White nicht aus Europa stammt, liegen seine Ursprünge streng genommen doch hier. Denn mit der großen Auswanderungswelle gen Australien brachten die Briten ihre Tee-Kultur mit in die neue unbekannte Welt. Tee? Ja, die Ursprünge des Flat White Kaffees rühren tatsächlich von der Tee-Kultur her. Denn als nach dem zweiten Weltkrieg viele Italiener nach Australien auswanderten, taten sie es dort schon wohnhaften Briten gleich und verließen ihre Heimat nicht, ohne ihre Kaffee-Kultur mit im Gepäck zu haben. So eröffneten nicht nur viele Italienische Cafés in Sydney, Melbourne & Co, sondern auch in den klassischen australischen Cafés gehörte eine Espresso-Maschine bald zur Grundausstattung.

Da die britischen Einwanderer besser in der Zubereitung von Tee denn Cappuccino bewandert waren, orientierten sie sich bei der Kaffee-Zubereitung an der ihnen bekannten Tee-Zubereitung. Sie gossen den Espresso auch mitMilch auf – jedoch etwas anders, so dass dieser dann nicht die klassische Milchschaum-Haube erhielt, die dem Cappuccino seinen Namen gab. (Die Legende besagt, dass die weiß-braune Milchschaumhaube des Cappuccino an die braune Zipfelmütze eines Kapuziner-Mönch erinnert und so der Name kreiert wurde.) Statt der sich aufbauenden Milchschaumhaube des Cappuccinos entstand in den Cafés britischer Einwanderer so eine flache Milchschaumschicht durch die sich braune Maserungen zogen – der Flat White.

Flat White und Latte Art

Mit der Third Wave Bewegung Ende der 80er Jahre wurde die Kunst des “flachen Cappuccinos” zunächst in Australien, dann weltweit verfeinert – der Flat White war geboren. Im Zuge der Third Wave Bewegung wurde die Kaffeezubereitung mehr und mehr zu einem professionellen Handwerk. Das machte sich nicht nur in der Qualität des Kaffees, sondern auch in seiner Ästhetik bemerkbar. Wahre Kaffeekünstler begannen, die Maserungen, die beim eingießen des Milchschaums auf den Espresso entstehen, nicht mehr dem Zufall zu überlassen. In den angesagten Cafés Australiens servierten sie ihren Gästen Kaffeegemälde von Blumen über Herzen bis zu Schwänen.

Der Gast hätte seinen Flat White in diesem Moment wohl am liebsten Schockgefroren, und so die Latte Art vor der Vergänglichkeit bewahrt. Um doch noch in den Genuss seines Flat White zu kommen, griff er stattdessen zum Fotoapparat und so war es nur eine Frage der Zeit, bis der geschmacklich wie optisch bestechende Flat White dank Instagram und Co die weite Welt eroberte.

Milchschaum – der feine Unterschied

Worin besteht nun der Unterschied zwischen einem Flat White und einem Cappuccino? Die Kunst des Flat White ist eine Frage des richtigen Milchschaums und der Eingießhöhe. Während ein Cappuccino aus einer Schicht Espresso, einer Schicht flüssigen Milchschaums und einer Schicht trockenen Bauschaums besteht, wird ein Flat White ohne die dritte Schicht des sich hervorhebenden festen Schaums serviert.

Hier zeigen wir euch den Unterschied anhand der Rezepte für einen Cappuccino und einen Flat White Kaffee:

Rezept Cappuccino

  • Espresso (35 ml)
  • Milchschaum (110-120 ml)
    • eine Schicht feinporiger, flüssiger Milchschaum
    • eine Schicht trockener Milchschaum (Die “Kapuziner-Haube”)

Rezept Flat White

  • Espresso (35 ml)
  • Milchschaum (110-120 ml)
    • nur eine Schicht feinporiger, flüssiger Milchschaum

Ein kunstvoller, mit Latte Art verzierter Flat White entsteht dann, wen man einen feinporigen (also keine großen Luftblasen enthaltenden) Milchschaum schräg in die Tasse mit dem Espresso eingießt und dabei schwenkend die Eingießhöhe variiert. Schön beobachten kannst du das in diesem Video:

Flat White aus dem Vollautomaten

Einen Flat White zu kreieren ist eine Handwerkskunst, für die man mindestens 5 Dinge braucht: eine Siebträgermaschine, guten Kaffee, Milch, eine Dampfdüse, einen erfahrenen Barista (vor allem, wenn Latte Art den Flat White krönen soll). Kann es das auch auf Knopfdruck geben? Ja kann es! (Abgesehen von der Latte Art.) DeLonghi hat einen Vollautomaten auf den Markt gebracht, der den je passenden Milchschaum für die gewünschte Kaffeespezialität produziert.

Damit erhält nun auch der Flat White mit Leichtigkeit Einzug in die heimischen Küchen. Doch ob der Vollautomat auch mit so viel Aaah und Oooh gelobt wird, wie der gute Freund, der einem einen nach langer Übung kunstvoll verzierten Flat White serviert? Wahrscheinlich nicht. Der Applaus gebührt nur nur den wahren Flat White Künstlern

Erlernen könnt ihr die Kunst übrigens in einem der vielen Barista Seminare. Oder ihr probiert es autodidaktisch mit den vielen Videos, die ihr dazu auf Youtube finden könnt. Um den Flat White kunstvoll zu Hause machen zu können, solltet ihr in dem Besitz einer Siebträgermaschine mit Dampfdüse sein, denn nur mit einer Dampfdüse lässt sich der passende Milchschaum herstellen.

Artikelbild: Drew Coffman (CC0 1.0) 

***
Über die Autorin: Mit Latte Macchiato aus dem heiß geliebten Porzellan-Espressokocher beginnt für Deva ein guter Start in den Tag. Sie hat Philosophie und performative Kunst studiert und lebt und arbeitet in Hamburg. Neben Kaffee interessiert sie gesunde Ernährung, Tanzen und Surfen. 


Schreiben Sie einen Kommentar

Kommentare werden vor der Veröffentlichung genehmigt.


Vollständigen Artikel anzeigen

Türkischer Kaffee
Türkischer Kaffee: Mehr als Mokka aus dem Orient

Ein türkischer Kaffee ist mehr als nur eine Kaffeespezialität. Wir zeigen euch die Tradition, Geschichte und Liebe hinter diesem Getränk.

Vollständigen Artikel anzeigen
Entkoffeinierter Kaffee
Entkoffeinierter Kaffee: Altmodisch oder der Kaffee der Zukunft?

Entkoffeinierter Kaffee wird mit verschiedensten Verfahren gewonnen. Wir klären auf, welche schonend sind und wieviel Koffein übrig bleibt.

Vollständigen Artikel anzeigen
Kaffee Eis
Unser Tipp für heiße Tage: Kaffee Eis selber machen

1 Kommentar

Perfekt für den Sommer: Kaffee Eis mit und ohne Eismaschine selbst zubereiten. Wir zeigen euch leckere Rezepte, die kinderleicht gelingen.

Vollständigen Artikel anzeigen

Kostenloser Brühguide