Jetzt, wo die Temperaturen wieder milder werden und ein Hauch von Frühlingsduft in der Luft liegt, kommt Vorfreude auf den ersten Eiskaffee des Jahres auf. Wir möchten euch hier eine Reihe von erfrischenden Eiskaffees vorstellen – vom mit Speiseeis oder Eiswürfeln gekühltem Kaffee bis zum erfrischenden Kaffee-Cocktail mit dem gewissen Kick.

Doch zunächst zur Geschichte und Vielfalt des Eiskaffees:

Eiskaffee – Was ist das überhaupt?

Fiel das Wort Eiskaffee, habe ich lange an diese Kalorienbomben aus Vanilleeis, Sahne und Schokosoße mit etwas kaltem Kaffee gedacht, von denen man nicht recht weiß, ob man sie in die Kategorie Eisbecher oder Kaffeespezialität einordnen soll. Und obwohl es eine Vielzahl von Eiskaffee-Variationen gibt, wird man in den meisten Eiscafés genau dieses Konglomerat vorgesetzt bekommen, dass die Geschmacksvielfalt des Kaffees auf Vanilleeis mit Kaffeearoma reduziert.

Dabei wird Eiskaffee in Italien klassisch als Café Freddo getrunken, wobei nach Bedarf gesüßte Espressi in ein gut gekühltes Glas mit Eiswürfeln gegeben werden – von Vanilleeis keine Spur. Seinen Ursprung hat der Begriff des Eiskaffees daher weniger im Speiseeis als in der Tatsache, dass Eiskaffee ein eiskalt gekühltes, erfrischendes Sommergetränk ist.

Die allgemein bekanntere Version des Eiskaffees mit Vanilleeis erfuhr wohl das erste Mal in Wien einen regelrechten Hype, wodurch der bis heute beliebte Wiener Eiskaffee entstand. Der italienische Kaffeesiedler Milani bot in seinem Wiener Limonadenzelt im Jahre 1790 mit heißem Mokka übergossenes Vanilleeis an. So entstand eine süße, cremige Msichung, die mit einem Topping aus Schlagobers, Schokosträuseln und runden Eiswaffeln serviert wird.

Da ich mehr am Geschmack von Kaffee denn an Vanilleeis interessiert bin, schenkte ich dem Eiskaffee lange Zeit nur wenig Beachtung. …bis ich vor zwei Jahren in einem hippen Rotterdammer Café in den Genuss eines schlicht auf Eiswürfeln servierten Espresso, mit ein wenig Agavendicksaft gesüßt, kam. Dieser Eiskaffee war so herrlich erfrischend und erweckend, dass er für den Rest des Sommers meine gewohnte Latte Macchiato vom morgendlichen Speiseplan vertrieb – auch wenn ich gestehen muss, dass mir der Espresso zu Hause nicht so genial gelang, wie dem Barista-Künstler aus dem Rotterdammer Café.

Auf den Geschmack gekommen, begab ich mich auf die Suche nach weiteren Eiskaffee-Rezepten, die ich euch hier vorstellen möchte. Doch zuerst bleibt noch eine wichtige Frage zu klären:

Eiskaffee – Abkühlen oder kalt aufbrühen?

Kalter Kaffee steht gemeinhin für “nicht lecker”. Sicher fragt ihr euch daher, ob ihr zur Zubereitung eines Eiskaffees den Kaffee einfach abkühlen könnt oder kalt aufbrühen solltet. Tatsächlich ist beides möglich und auch erkalteter Kaffee ist weitaus besser als sein Ruf. (Er hat seinen schlechten Ruf wohl nur daher, dass es einfach nicht schmeckt, wenn man warmen Kaffee erwartet und plötzlich etwas kaltes im Mund hat – das ist in etwa so, wie wenn man Apfelschorle erwartet und versehentlich zum Bierglas greift. Es schmeckt widerlich! Obwohl das Bier doch eigentlich sehr gut schmeckt.)

Einen klaren Vorteil hat kalt aufgebrühter Kaffee im Vergleich zum abgekühlten aber doch: durch den schonenden Prozess sind weniger Bitterstoffe im Kaffee enthalten, so dass er milder schmeckt und die Aromen sich besser entfalten. Bei Rezepten mit Espressi oder wenn es mal schnell gehen soll, werdet ihr aber ums abkühlen nicht herumkommen.

Cold Brewed Ice Coffee

Wie man einem guten Cold Brew Kaffee herstellt, haben wir euch bereits in diesem Artikel vorgestellt. Zwar ist die Vorbereitung zeitlich mit 12-24 Stunden Wartezeit etwas lang, doch der Aufwand lohnt sich, da sich der gewonnene Kaffee bis zu 4 Wochen im Kühlschrank hält. Einmal zubereitet braucht ihr dann nur noch ein paar Eiswürfel in ein Glas geben, den Cold Brewed hineinfüllen und nach Bedarf mit Milch und Zucker (am Besten in flüssiger Sirupform) ergänzen.

Coffee on the Rocks

Wenn es etwas schneller gehen soll, bietet sich dieses Rezept für einen frisch aufgebrühten und dennoch eiskalten Filterkaffee an.

Spült für den Coffee on the Rocks zunächst den Kaffeefilter mit etwas heißem Wasser aus, um zu vermeiden, dass sich Papieraroma in euren Kaffee schleicht. Gebt dann Eiswürfel in den Kaffeebehälter und lasst den Kaffee direkt auf die Eiswürfel tropfen, so dass dieser sich sofort abkühlt. Für das beste Aroma verwendet ihr hierzu eine Chemex. Wer diese nicht zur Hand hat, kann aber auch zur herkömmlichen Filtermaschine greifen.

Granita de Café – Crushed Ice Coffee

Dieser aus crushed Ice bestehende Eiskaffee eignet sich besonders für die ganz heißen Sommertage. Bereitet dazu einfach frischen Espresso zu, den ihr nach Bedarf mit Zucker, Vanillezucker oder alternativ auch Agavendicksaft süßt. Stellt diesen nun für 3 Stunden ins Tiefkühlfach und rührt ihn mindestens 1 x pro Stunde um, damit kein fester Eisblock entsteht. Nach den 3 Stunden das ganze kräftig crushen und genießen.

Affogato al Café – der Klassiker mit Speiseeis

Auch wenn mich die Vermengung von Vanilleeis mit Kaffee bisher nicht wirklich überzeugen konnte, möchte ich euch diesen Klassiker mit Vanilleeis vorstellen. Gebt dazu eine Kugel Vanilleeis in eine kleine Tasse und lasst einen oder zwei Espressi darüber laufen. Die Kunst beim Affogato al Café besteht darin, dass sich Espresso und Vanilleeis nur leicht vermengen, wodurch eine höhere Geschmacksvielfalt vom puren Espresso über sich langsam einziehendes Vanillearoma bis zum süßen Höhepunkt des puren Vanilleeises ergibt. Daher bitte nicht rühren, sondern Schicht für Schicht das Geschmackserlebnis genießen!

Coffee Cocktail – der besondere Party-Kick

Ein Cocktail mit Kaffee ist nicht nur lecker und erweckend sondern man wird auch leicht angeheitert. Und so ist er der perfekte Starter für die Party-Nacht. Ein leckerer, leicht zubereiteter und durch seine Marmorierung toll aussehender Drink ist der Dublin Iced Coffee. Was du dafür brauchst: 6cl Cold Brewed Coffee (stark), 6cl Stout Beer, 3cl Irish Whiskey, 2cl Zuckersirup, 3cl Konditorsahne (Sahne mit 40% Fett), Eiswürfel. Fülle alles bis auf die Sahne in ein Highball-Glas und rühre oder shake es. Gib dann vorsichtig die Sahne hinzu, so dass sich die besondere Marmor-Struktur ergibt. Du kannst den Drink noch mit einer Prise Zimt verfeinern.

Und nun Bon Appetit! Ich wünsche euch viel Freude und Geschmackserlebnisse beim ausprobieren der Rezepte. Teil uns gerne mit, welcher Eiskaffee dein ganz besonderer Favorit ist.

Titelbild by Christopher Alpizar Gaviria (CC BY-SA 2.0

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Über die Autorin: Mit Latte Macchiato aus dem heiß geliebten Porzellan-Espressokocher beginnt für Deva ein guter Start in den Tag. Sie hat Philosophie und performative Kunst studiert und lebt und arbeitet in Hamburg. Neben Kaffee interessiert sie gesunde Ernährung, Tanzen und Surfen.


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