Wohl kaum ein italienisches Heißgetränk ist in Deutschland so beliebt wie der Cappuccino. In Zeiten von Latte Macchiato, Flat White und Cold Brew mag der Cappuccino auf manche vielleicht etwas altbacken wirken – doch auch wenn er vielleicht nicht so in ist wie andere Trendgetränke, ein Verkaufsschlager ist er immer noch. Egal ob beim italienischen Café um die Ecke, bei der globalen Coffeeshop-Kette oder ganz gemütlich auf der Terrasse im „Oma-Café“: Cappuccino ist in Deutschland beliebt. Doch worum handelt es sich bei dem Kaffeegetränk eigentlich?

Was macht einen guten Cappuccino aus, wer hat ihn erfunden und was ist so toll daran? Und woher kommt überhaupt der Name? Antworten auf all Eure Fragen erhaltet ihr hier!

Kurz und knapp: Was ist ein Cappuccino?

Bei dem koffeinhaltigen Heißgetränk handelt es sich um eine Mischung aus Espresso, warmer Milch und warmem Milchschaum. Cappuccino wird meist in einer Porzellantasse getrunken und oftmals mit etwas Kakaopulver garniert. Gerade in Deutschland hat der Cappuccino von den 1960er Jahren (mit Ankunft der ersten italienischen Gastarbeiter) bis heute einen wahren Siegeszug hingelegt.

Woher kommt der Name „Cappuccino“?

Er ist wohl der beliebteste Kaffeeexport Italiens, doch habt Ihr Euch schonmal gefragt, was Cappuccino eigentlich bedeutet? Denn das Wort selbst ist um einiges älter als das koffeinhaltiges Heißgetränk und beschreibt eigentlich ein Kleidungsstück bzw. Accessoire. Cappuccino leitet sich vom italienischen Cappuccino ab und vielleicht könnt ihr ja schon erraten, was damit gemeint ist?

 

Das deutsche Wort klingt tatsächlich recht ähnlich: Kapuze. Der Anhang „-ino“ ist lediglich eine Verkleinerung – Cappuccino bedeutet also nichts anderes als „kleine Kapuze.“ Und genau diese Kapuzen wurden von einer bestimmten Gruppe der Franziskanermönche im ausgehenden mittelalterlichen Italien, rund um das 16. Jahrhundert, getragen – daraus formierte sich dann der Kapuzinerorden. Noch mehr unnützes Wissen gefällig? Die Kapuzineräffchen erhielten ihren Namen ebenfalls von den Mönchen, weil deren Farbgebung den Gewändern der Kapuzinermönche ähnelt!

Cappuccino – vom Kloster zum Kaffeegetränk

Ihr fragt euch jetzt sicherlich, was Mönche mit Kaffee zu tun haben. Schließlich sind die Klosterbrüder eher dafür bekannt, dass sie gerne Bier brauen als Kaffee trinken. Die Kapuzinermönche als Erfinder des Cappuccinos zu titulieren ist demnach auch schlichtweg falsch (auch wenn es dazu eine Legende gibt – doch mehr dazu später). Dennoch sind sie indirekt dafür verantwortlich, dass das beliebte Kaffeegetränk so heißt wie es heißt. Der Legende nach war es erst Mitte der Fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts, das man mit dem Wort Cappuccino nicht mehr nur einen Mönch, sondern mehr und mehr die Kaffeespezialität aus Espresso und Milch assoziierte.

Man erzählt sich, dass irgendwann zu dieser Zeit jemand spontan den Namen Cappuccino erfand, als er ein solches Kaffeegetränk vor sich stehen hatte – weil die Haube aus aufgeschäumter Milch auf dem Kaffee doch sehr an die Robe der Kapuzinermönche erinnerte. Urbane Legende oder wahrhaftige Geschichtsschreibung? Man weiß es nicht – doch sicher ist, dass sich dieser Name seitdem weltweit eingebürgert hat. Gerüchte aus noch obskureren Quellen berichten sogar davon, dass es tatsächlich ein Kapuzinermönch war, der den Cappuccino erfunden hat. Bruder Marco D’Aviano soll sich das Getränk im 17. Jahrhundert ausgedacht haben – diese Story ist jedoch mit höchster Vorsicht zu genießen.

Wie muss der perfekte Cappuccino aussehen?

Einen perfekten Cappuccino zuzubereiten ist gar nicht so einfach, andererseits aber auch kein Hexenwerk. Grundlage sind Arabica Bohnen aus guter Qualität, heißes Wasser und erwärmte Milch. Wer seinen Cappuccino zu Hause so genießen möchte wie im Café, der sollt folgendermaßen vorgehen:

Ein kleines Kännchen, am besten aus Metall, etwa zu einem Drittel mit kalter Milch befüllen. Danach die Heißwasserdüse der Espressomaschine für einige Sekunden in die Milch tauchen und den Dampfstrahler betätigen. Wenn die Schaumbildung eintritt, das Kännchen auf und ab bewegen. So lange vorgehen, bis die Milch ungefähr das doppelte Volumen hat. Danach einen Espresso zubereiten. Mit welcher Methode das wie funktioniert könnt ihr hier nachlesen. Der Profi unter den Heim-Barista knallt das Milchkännchen nun einmal kurz auf eine feste Unterfläche, um die Blasenbildung in der Milch zu beseitigen.

Übrigens: je nach Art der Milch hat der Schaum eine andere Konsistenz. Besonders schönen, dichten Schaum erhält man mit Vollmilch. Bei Milch mit einem niedrigeren Fettgehalt oder Milchalternativen wie Mandelmilch oder Soja-Drinks muss man schon etwas länger mit der Düse arbeiten, um einen ähnlich dichten Schaum zu erhalten. Wer keinen Kaffeeautomaten hat bzw. keine Heisswasserdüse, der kann die Milch auch mit einem batteriebetriebenen Milchaufschäumer zubereiten – oder ganz „old school“ mit einem Schneebesen. Geht alles, ist nur etwas umständlicher!

Anschließend wird die Milch vom Kännchen direkt in die Tasse mit dem Espresso gegossen. Geübtere können hierbei versuchen, mit Latte Art besondere Muster, wie zum Beispiel Blumen oder Herzen, in den Cappuccino zu „malen“. Wer möchte, garniert seinen Cappuccino noch mit etwas Kakaopulver oder Zimt.

Wann wird Cappuccino getrunken?

Wie gern trinkt man in Deutschland Nachmittags um drei Uhr einen Cappuccino zu einem schönen Stück Kuchen. Bei jedem Italiener stellen sich bei diesem Gedanken jedoch die Nackenhaare auf. Cappuccino am Nachmittag? Ein Frevel! Es heißt, dass man in Italien nach 11 Uhr morgens keinerlei Kaffee- bzw. Espressogetränke mehr zu sich nimmt, die Milch enthalten. Kaffee am Nachmittag wird einfach nur noch schwarz getrunken, lediglich Zucker ist erlaubt. Kinder trinken Milch nachmittags, ein waschechter erwachsener Italiener wird sich hüten dies zu tun – es soll den gesamten Verdauungstrakt durcheinanderwirbeln, und das will man ja nicht. Wer sich also in Italien nach seinem Mittagessen einen Cappuccino bestellt, der bekommt ihn zwar – wird aber sofort als Tourist erkannt und mitleidig belächelt.

Artikelbild: Photo by TravelCoffeeBook / License: CC0 Public Domain

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Über die Autorin: Sandra hat Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studiert. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Leidenschaften sind Nachhaltigkeit, sowie die Unterstützung der nachhaltigen Fischräucherei ihres Bruders. Die passionierte Teetrinkerin ist seit Happy Coffee auch zu einem Kaffee-Fan geworden.


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