Wenn normaler Kaffee ein Muntermacher ist, dann ist „Bulletproof Coffee“ die Mega-Wunderwaffe für Körper, Geist und Seele. Denn wenn man den Befürwortern des neuen Szene-Getränks glaubt, fördert Bulletproof Coffee nicht nur die Konzentration, sondern macht fit und vertreibt das Hungergefühl. Was hinter dem „kugelsichere“ Kaffee steckt und ob es sich dabei tatsächlich um einen Zaubertrank handelt? Wir haben uns das mal angeschaut.

Bulletproof Coffee: Kaffee mit Butter und Kokosnussöl

Wahrscheinlich geht es Euch wie uns, wenn Ihr zum ersten Mal von Bulletproof Coffee hört: es klingt zunächst recht gewöhnungsbedürftig. Kaffee, in den Butter und Öl reingekippt wird? Da muss man schon einen starken Magen und eine gesunde Neugier haben, ums das auszuprobieren. Als Erfinder des Bulletproof Coffee gilt der Silicon-Valley Unternehmer Dave Asprey.

Die Legende, oder besser, seine Biografie besagt, dass er als Entrepreneur immer auf der Suche nach Möglichkeiten war, um seine Leistung zu steigern. Weil er aber weder seinen Körper noch seine Seele schädigen wollte, kamen für ihn die üblichen Mittelchen und Medikamente nicht in Frage. Auf seinen vielen Reisen ließ er sich inspirieren, bis er schließlich in Tibet die Initialzündung hatte: Fett ist der Schlüssel! Dort, im zentralasiatischen Hochland, trinkt man nämlich traditionell Tee, der mit Butter angereichert wird. Die Butter besteht aus Yakmilch und macht den Tee besonders protein- und fetthaltig, was ihn in einen nahrhaften Trunk mit sättigender Wirkung verwandelt. Zurück in seiner amerikanischen Heimat experimentierte Asprey weiter herum, bis er schließlich mit Bulletproof Coffee ein Getränk erfunden hatte, dass zugleich leistungssteigernd wirkt als auch den Hunger bremst und die Konzentration verbessert.

Yakbutter ist in seinem Rezept nicht enthalten, stattdessen empfiehlt er Ghee (geklärte Butter, die man aus der indischen Küche kennt), natürlich so bio wie möglich, von Weidekühen. Dazu kommt noch so genanntes MCT-Öl, ein mittelkettiges Öl, das zum Beispiel auch zum Muskelaufbau von Bodybuildern verwendet wird. Sehr beliebt ist statt Butter auch die Verwendung von Kokosnussöl – ein genaues Rezept findet Ihr am Ende des Artikels.

Bulletproof Coffee als Schlankmacher

Neue Trendgetränke werden ständig „erfunden.“ Damit ein In-Drink das Potential hat, viral zu gehen und weltweite Aufmerksamkeit zu erlangen, müssen einige Parameter erfüllt sein. Bulletproof Coffee erfüllt davon gleich mehrere. Die absolute sicherste Nummer, um sich Medienaufmerksamkeit zu sichern und Kaufinteresse zu wecken ist immer die Entdeckung einer neuen Wunderwaffe im Kampf gegen die lästigen Pfunde. Und, siehe da: Bulletproof Coffee soll den Hunger stoppen und dadurch beim Abnehmen helfen. Wie das gehen soll, klingt sehr paradox: man kippt sich Fett in den Kaffee und nimmt dabei ab? Natürlich nimmt man mit dieser Variante deutlich mehr Kalorien zu sich als mit einem bloßen, quasi kalorienfreien Espresso oder kalorienarmen Cappuccino. Doch laut Asprey und den mittlerweile zahlreichen Fans des öligen Kaffeegetränks liegen die Vorteile auf der Hand: ein Bulletproof Coffee am morgen vertreibt den Hunger für viele Stunden und dient als Garant für weise (will heißen, gesunde und kalorienarme) Essensentscheidungen den gesamten Tag hinüber. Ob das so stimmt kann ein jeder nur selber ausprobieren. Im Netzt kursieren Erfolgsgeschichten, wie man sie von jedem neuen Schlankheitsversprechen kennt: 68 Kilo in 6 Monaten! 75 Pfunde in 75 Tagen!

Solche Zahlen machen skeptisch, doch heizen den Hype um den fetten Kaffee natürlich auch weiter an.

Bulletproof Coffee als Fitmacher

Dass das im Kaffee enthaltene Koffein wach macht, ist unumstritten. Doch die Bulletproof Coffee Trinker schwören darauf, dass der „schussischere“ Kaffee noch viel mehr vitalisiert und fit macht als ein bloßer Espresso oder Filterkaffee. Verschiedene Prozesse sollen dafür verantwortlich sein, dass das ölige Getränk Geist und Körper langanhaltend belebt. Beim Original-Produkt aus dem Hause Bulletproof  sorgen laut Eigenaussage „die hochwertigsten und effektivsten Kaffeebohnen der Welt“ dafür, dass die maximal mögliche Koffeindosis enthalten ist. Durch spezielle Röstungs- und Fermentierungsvorgänge sollen Toxine entfernt werden, die als hinderlich für die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit gelten. „Upgraded Kaffee“ nennt man im Hause Bulletproof das Produkt, das vitalisierend für die Gesundheit sein soll. 

Bulletproof Coffee: schmeckt das überhaupt?

Die Frage der Fragen: Kann man das überhaupt trinken? Zumindest gewöhnungsbedürftig ist das fettige Getränk. Unterschiedliche Meinungen kann man sich in den vielen Gesundheits-, Beauty- und Abnehmforen holen, doch natürlich gilt auch hier das allseits bewährte Sprichwort: Probieren geht über Studieren. In den Communities wird die Zubereitung mit Kokosöl leicht favorisiert, weil sie dem Getränk das gewisse Extra gebe, und eben nicht nur puren Fettgeschmack wie bei der Zubereitung mit Butter.

Das sagt der Ernährungswissenschaftler

Außerhalb der Befürworter des Bulletproof Coffee geht man mit den Lobeshymnen etwas vorsichtiger um. Ernährungsexperten begegnen dem „Wundergetränk“ mit einer gesunden Portion Skepsis. Harald Seiz, der Pressesprecher des „Aid Infodienst für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz“ in Bonn geht sogar so weit und nennt die Versprechungen des Zaubertranks schlichtweg für „Humbug“. „Es ist wie immer“, so der Experte: Es komme darauf an, was man danach noch zu sich nehme und wie viele Kalorien man insgesamt am Tag verbrauche, so der Wissenschaftler im Interview mit der Frankfurter Rundschau.

Ist Bulletproof Coffee gesundheitsgefährdend?

Andere Experten gehen sogar noch weiter. Sie verneinen nicht nur die positiven Eigenschaften des Koffein-Butter-Getränks, sie warnen auch vor den negativen Folgen exzessiven Konsums. Stoffwechsel ist nicht gleich Stoffwechsel, deshalb könne bei manchen Menschen sogar genau das Gegenteil eintreten. Statt des erhofften Schlankheitseffekts kann sogar eine Gewichtszunahme folgen. Kein Wunder, denn eine Tasse Bulletproof Coffee hat über 400 Kalorien. Zum Vergleich: Dafür könnte man zwei Nutellabrote essen!

Das gab’s doch schonmal? Stichwort Atkins-Diät

Dass man abnehmen kann, obwohl man viel Fett zu sich nimmt, ist keine neue Idee. Die bekannteste Ernährungsweise nach dieser Methode ist die Atkins Diät. Auch hier soll, wie beim Bulletproof Coffee, die Stoffwechselfunktion verändert werden. Angeblich wird, wenn man morgens Fett zu sich nimmt, der Körper von Beginn des Tages an auf Fettverbrennung umgestellt. Hinzu kommt das Koffein, das besonders lange im Körper bleibt, weil es durch das Fett gebunden wird. Eine umstrittene Logik, auf die viele schwören – und andere verteufeln.

Im Trend: Kokosöl

Während in den Original Bulletproof Coffee zwangsläufig Butter gehört, haben die Veganer eine tierfreie Variante des Getränks für sich erfunden. Statt Butter oder Ghee wird in der veganen Variante Kokosöl verwendet. Hier sollen die mittelkettigen Fettsäuren (MCT Oil) dafür verantwortlich sein, dass die Energie dem Körper den ganzen Tag lang zugeführt wird. Kokosöl ist derzeit das Superfood schlechthin. In vielen Lifestyle-Blogs und auch in der Beauty-Community auf Youtube wird viele über Kokosöl gesprochen und geschrieben. Neben dem Einsatz in der veganen Küche zum Braten oder Verfeinern gilt es auch als natürlicher Schönmachet für Haut, Haare und Nägel. Was die Brasilianerinnen schon lange wissen, ist jetzt auch hier ganz groß im Kommen. Da ist es kein Wunder, dass das ungesättigte Öl auch seinen Weg in das Trendgetränk Bulletproof Coffee gefunden hat.

Bulletproof Coffee selbermachen: ein schusssicheres Rezept

Neugierig geworden? Bulletproof Coffee lässt sich relativ einfach selbst herstellen.

Man nehme:

  • 1 Tasse Filterkaffee (möglichst Bio)
  • 2 Esslöffel Butter (Asprey schwört auf Weidebutter, das heißt Butter von Kühen, die regelmäßig Gras essen)
  • 2 Esslöffel MCT-Öl (Kokosöl, Rapsöl oder im Handel erhältliches, als MCT gekennzeichnetes Öl)

Alle Zutaten vermischen, fertig!

Wir sind gespannt, was Ihr von Bulletproof Coffee haltet. Schonmal probiert? Wir freuen uns auf Erfahrungsberichte!

***

Über die Autorin: Sandra hat Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studiert. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Leidenschaften sind Nachhaltigkeit, sowie die Unterstützung der nachhaltigen Fischräucherei ihres Bruders. Die passionierte Teetrinkerin ist seit Happy Coffee auch zu einem Kaffee-Fan geworden.


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