Viele große Unternehmen setzen auf Fairtrade, um soziale Verantwortung zu übernehmen und natürlich: Um darüber zu sprechen. Dennoch stellt sich in diesem Zusammenhang stets die Vertrauensfrage: Wie viel Geld erhalten die Bauern und wie viel die Zwischenhändler? Was verstehen Organisationen überhaupt unter „fairen Preisen“? Und kann ein „fairer Preis“ überhaupt objektiv ermittelt werden?

Fehlende Informationen über die Zusammensetzung des Kaffeepreises

Bereits diese Fragen verdeutlichen, dass Fairer Handel nur schwer zu realisieren ist, da jeder Beteiligte in der Wertschöpfungskette vom boomenden Fartrade-Markt profitieren möchte. Im Supermarkt oder Feinkostladen ist es dann der Kunde, der auf das verantwortungsbewusste Handeln der Importeure und Händler vertrauen muss. Wie viel Cent des Endpreises tatsächlich an die Kaffeebauern gehen, ist meist nicht ersichtlich.

Das TransFair-Siegel garantiert lediglich einen festgelegten Mindestpreis sowie eine Fairtrade-Prämie, die Gemeinschaftsprojekten in der Region der Produzentenfamilien zugute kommt.

Eine etwaige Preiskalkulation für fairen Biokaffee aus Mexiko findet sich zum Beispiel auf Homepage des größten europäischen Importeurs, der „GEPA“. Eine derartige Offenlegung der Preiszusammensetzung ist jedoch von Seiten der Unternehmen meist nicht gegeben.

Fairtrade als Vorwand

Besonders die Vergangenheit lehrte uns Verbraucher, dass die Profitgier oftmals größer ist, als der Wunsch, tatsächlich soziale Verantwortung zu übernehmen. Als Beispiel kann hier die Preispolitik von „Costa Coffee“ im Jahr 2004 genannt werden. Das Unternehmen warb mit der Einführung von Fairtrade-Kaffee in ihren Coffee-Shops und erhöhte die Preise um 10 Pence. Doch die Kunden wurden getäuscht.

Das Geld kam weder den Produzenten noch deren Familien zugute, sondern lediglich „Costa Coffee“ selbst. Die Löhne, die das Unternehmen an die Bauern zahlte, waren bereits im Preis an „Cafedirect“, einem Kaffeehandelsunternehmen von dem „Costa Coffee“ beliefert wurde, enthalten. Erst nachdem die Öffentlichkeit auf diesen Missstand aufmerksam wurde, senkte das Unternehmen die Preise auf das vorherige Niveau.

Wer garantiert die Zahlung fairer Preise?

Das Fazit des heutigen Beitrages ist eher ernüchternd: Der Konsument muss größtenteils Vertrauen schenken, denn die Kontrolle der Kaffeepreiszusammensetzung ist nur schwer zu realisieren. Zwar garantiert das TransFair-Siegel, dass ein bestimmter Preis an die Kaffeebauern gezahlt wird, doch weitere Garantieeinrichtungen gibt es nicht.

Besonders große Unternehmen, die mit der Zahlung fairer Preise regelrecht für sich werben, entziehen sich teilweise der Forderung nach Transparenz. Der Verbraucher kann hier nur immer wieder nachhaken und auf Kontroll- und Überwachungsinstanzen hoffen – sei es durch Organisationen wie TransFair, die durch Kooperationen und Zertifizierungen die Umsetzung vertraglicher Vereinbarungen überwachen oder auch schlicht und einfach die Medien, die wie im Fall von „Costa Coffee“ Missstände öffentlich machen.

Eine Frage, die mit großer Wahrscheinlichkeit nie beantwortet werden kann, ist die nach einem objektiv festgelegten Preis. Denn Objektivität kann sich auf diesem Markt, innerhalb dessen verschiedenste Interessen und vor allem verschiedene kulturelle Standards zusammentreffen, nicht einstellen. Schließlich können wir nicht wissen und schon gar nicht festlegen, was die Kaffeebauern in den Anbauregion wirklich benötigen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.

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Über den Autor: Christian ist Gründer von Happy Coffee. Neben gutem Kaffee interessiert er sich für fairen Handel, Surfen und die Startup Szene.


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