Oje, die Kaffeepreise steigen wieder an. Erst Ende des Jahres 2016 hatte Tchibo, einer der größten Kaffeehändler in Deutschland, den Preis einer 500g-Packung von 30 bis 50 Cent angehoben. Begründet wurde diese Entscheidung mit teurer gewordenem Rohkaffee, und andere große Einzelhändler wie ALDI zogen prompt nach. Auch kleinere Kaffeeanbieter sind von den steigenden Kosten für Kaffeebohnen betroffen und müssen sie zwangsläufig in Form höherer Preise an den Verbraucher weitergeben. „Wucher“ schreien die einen. „Längst überfällig“ meinen die anderen. Ja was denn nun? Und wie kommen höhere Kaffeepreise wirklich zustande?

Kaffee ist das Lieblingsgetränk der Deutschen

Die Frage „Kaffee oder Tee“ist in Deutschland eher theoretischer Natur. Denn wir Deutschen lieben unseren Kaffee zu jeder Tageszeit! Laut Statista lag 2015 der Kaffeekonsum eines jeden Deutschen bei 129 Liter im Jahr. Damit sind wir weltweit auf Platz 5 der größten Kaffeetrinker und in guter europäischer Gesellschaft. Auf Platz 1 liegen momentan übrigens die Niederlande. Kaffee ist das liebste Getränk der Deutschen, sogar noch vor Bier!

Bevor das schwarze Gold bei den kaffeeverrückten Europäern auf den Frühstückstisch kommt, muss er allerdings eine weite Reise und einige Verarbeitungsschritte antreten. Denn der Kaffeeanbau erfolgt vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern. Zu den größten Kaffeeproduzenten zählen momentan Brasilien, Vietnam, Kolumbien, Indonesien, Äthiopien, Indien und Honduras.

Kaffee und sein Preis

Kaffeebohnen auf einer Plantage

Der Kaffeepreis: Wer bekommt das größte Stück vom Kuchen?

Bei der steigenden Beliebtheit von Kaffee ist es nicht verwunderlich, dass Kaffeebohnen – nach Erdöl – das zweitwichtigste Exportprodukt der Entwicklungs- und Schwellenländer sind. Weltweit verdienen sich etwa 100 Millionen Menschen ihren Lebensunterhalt mit dem Anbau, der Veredelung und dem Verkauf von Kaffee. Allerdings gibt es hier ein großes Machtgefälle zwischen den Erzeugern und den verkaufenden Kaffeekonzernen.

Kaffeeanbau und Kaffeeernte erfolgen zwar in den Entwicklungs- und Schwellenländern, die Weiterverarbeitung und Veredelung finden jedoch in Industrieländern statt. Dadurch verbleibt nur ein winzig kleiner Teil des Gewinns bei den Kaffeebauern, das größte Stück vom Kuchen schöpfen die Konzerne ab. Soziologisch gesehen haben die ungleichmäßig aufgeteilten Erträge an der Kaffeeproduktion zur Folge, dass die Erzeugerländer wirtschaftlich gesehen unterdurchschnittlich wachsen können. Sie liefern nur Kaffeebohnen als Rohstoff und werden so der Möglichkeit beraubt, selbst den Markt und die Preise zu beeinflussen. Insgesamt ist ihre Abhängigkeit von den weiterverarbeitenden Konzernen sehr groß.

Katalysatoren der Kaffeepreise: Einfuhrzölle und Spekulation

Okay, dann sollten Kaffeebauern ihre Kaffeebohnen nicht nur selbst ernten, sondern auch eigenständig zu Qualitätskaffee weiterverarbeiten! Das wäre doch eine denkbare Lösung des Problems!

So einfach ist das leider nicht. Zum einen erheben fast alle Industrieländer hohe Importzölle auf fertige Produkte, während die Einfuhrkosten für Rohstoffe relativ gering sind. Auch wenn diese Regelung für die deutsche Wirtschaft positiv anzusehen ist – für Erzeugerländer ist sie fatal, so auch für die Herstellerländer von Kaffeebohnen!

Des Weiteren setzen die Konzerne alles daran, den Alleingang der Kaffeebauern in Richtung Markt zu unterbinden. Denn das würde doch den eigenen Gewinn schmälern. In Deutschland teilen sich sechs große Konzerne etwa 85 Prozent des Kaffeemarktes! Aber nicht nur exogene Gründe hindern die Kaffeebauern daran, eigene Kaffeemarken zu etablieren. Ihnen fehlen oftmals sowohl das Know-How als auch schlicht die finanziellen Mittel, um beispielsweise große Werbekampagnen zu starten.

Ein wesentlicher Motor der Kaffeepreise ist außerdem die Börse. Kaffeebohnen sind ein wertvoller Rohstoff und so wird mit Kaffee, wie mit anderen Rohstoffen auch,  gehandelt. Rohkaffee (grüne Kaffeebohnen) ist beispielsweise als Anlage bei Termingeschäften und Hedge-Fonds ein beliebtes Spekulationsobjekt. Weiterhin bestimmt das Verhältnis von Angebot und Nachfrage den Preis. Man kennt ja die alte Wirtschaftsregel: Bei einer hohen Nachfrage und kleinem Angebot steigt der Preis. Verhält es sich andersherum, so ist der Preis niedrig. Kaffeebohnen sind keine Ausnahme von der Regel. Obwohl die Kaffeenachfrage sehr hoch ist, so wird in der Regel trotzdem mehr Kaffee produziert, als eigentlich gebraucht wird. Das schiebt dem Kaffeepreis einen Riegel vor.

Kaffee und sein Preis

Begehrt: Grüne Kaffeebohnen vor der Ernte

Wirtschaftliches Auf und Ab: Schwankende Kaffeepreise

Bis 1989 wurde im Rahmen diverser internationaler Kaffeeabkommen die Produktion von Rohkaffee gedrosselt, um die Preise stabil zu halten. Aus verschiedenen Gründen wurden diese Verträge mit dem Ende des Kalten Krieges aber nach und nach aufgelöst – mit dem Ergebnis, dass viel zu viel Kaffee erzeugt wurde. 2001 kam es schließlich zu einem drastischen Verfall der Kaffeepreise und damit zu dramatischen Folgen für die Kaffeearbeiter: Hunderttausende Landarbeiter verloren ihre Arbeit, viele verhungerten.

Unzählige Kinder konnten in von der Überproduktion betroffenen Entwicklungs- und Schwellenländern auf einmal keine Schule mehr besuchen, weil ihre Eltern das Schulgeld nicht mehr aufbrachten. In den Folgejahren wurde als Konsequenz immer weniger Kaffee angebaut, so dass seit 2006 die Kaffeepreise wieder kontinuierlich steigen. Doch auch hierin liegt eine Gefahr: Mit den steigenden Kaffeepreisen finden sich auch wieder mehr Produzenten. Und der Teufelskreis beginnt von Neuem…

Aktuell legen die Kaffeepreise übrigens weiterhin zu. Schuld sind zum einen zunehmende Spekulationen mit Rohbohnen, an denen sich vermehrt chinesische Investoren beteiligen. Zum anderen wurden in 2015 und 2016 größere Ernteausfälle verzeichnet, die das Angebot an Rohkaffee gedrosselt haben. Gleichzeitig entdecken immer mehr Menschen ihre Liebe zum Kaffee, gerade in den Anbauländern und in der jüngeren Generation. Das Angebot wird derzeit knapper, die Nachfrage höher und die Kaffeepreise durch Börsen weiter in die Höhe getrieben.

Stabiler Kaffeepreis durch Fairen Handel?

Wie kann man dem ewigen Auf und Ab der Kaffeepreise begegnen? Den Kaffeehandel an der Börse verbieten? Das wäre eine Idee – aber nein, es gibt effektivere Methoden.

Fairer Handel und Öko-Kaffee: Tritt auf die Preisbremse?

Zu diesen gehört beispielsweise der Faire Handel für Kaffeebohnen: Die Preise sind nicht von der Börse abhängig und schwanken schon allein deshalb nicht so stark. Außerdem bieten faire Handelsgesellschaften den Erzeugern langfristige Verträge mit garantierten Abnahmemengen und festen Preisen an. Das bedeutet, dass die Bauern  eine gerechte Entlohnung für ihre Produkte bekommen und nicht befürchten müssen, auf ihren Kaffeebohnen sitzen zu bleiben. Sollte der Weltmarktpreis für Kaffeebohnen über dem Mindestpreis liegen, erhalten die Produzenten eine Fairtrade Prämie von ca. 0,08€ pro Pfund. Den aktuellen Weltmarktpreis kann man bei The ICE finden.

Kritiker problematisieren den Fairen Handel, da durch die bessere Entlohnung der Erzeuger ein Anreiz zur vermehrten Produktion gegeben sei. Damit steuere man wieder auf ein Überangebot und sinkende Kaffeepreise zu. Dieser Kritik kann jedoch durch Angebothöchstmengen und Exklusivitätsvereinbarungen begegnet werden. Spannend zum Pro und Contra von fairem Kaffeehandel und dem Alltag der Kaffeebauern ist das folgende Video.

Eine weitere Möglichkeit ist der Anbau von Ökokaffee. Bedingt durch internationale Richtlinien wie beispielsweise der Anbau in Mischkulturen wird automatisch weniger Kaffee produziert, da die Anbauzeiten des Rohkaffees nicht künstlich beschleunigt werden können. Aus diesem Grund schmeckt Bio Kaffee meistens auch anders. Den fairen Handel schmeckt man hingegen nicht

Happy Coffee: Fair gehandelt und lecker!

Die Kaffeebohnen von Happy Coffee sind sowohl fair gehandelt als auch bio. Durch den derzeit hohen Kaffeepreis gibt es zwischen Kaffees aus konventionellem und fairem Handel kaum noch preisliche Unterschiede. Teilweise ist der faire Kaffee sogar günstiger! Kaffee aus Fairem Handel hat obendrein den Vorteil, dass die Bauern bedingt durch den Mehrpreis  eine höhere Entlohnung erhalten. Bei konventionellem Kaffee landet dieses Premium vor allem bei den Konzernen und den Börsenhändlern.

Ach ja: Zum hohen Endverbraucherpreis trägt in Deutschland die Kaffeesteuer erheblich bei. Pro Kilogramm verlangt der Staat 2,19 Euro, das sind pro 500 Gramm Packung gemahlenen Kaffees 0,99 Euro!

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Über den Autor: Christian ist Gründer von Happy Coffee. Neben gutem Kaffee interessiert er sich für fairen Handel, Surfen und die Startup Szene.


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