November 06, 2017

Zwei junge Unternehmer haben in Berlin Neukölln das StartUp „Kaffee Bitte“ gegründet, das frisch gerösteten und fair gehandelten Kaffee an Kaffeeliebhaber versendet. Und zwar innerhalb kürzester Zeit nach der Röstung, in kleinen Verpackungen, die bequem in den Briefschlitz passen.

Das Problem: Kaffee aus dem Supermarkt schmeckt langweilig

Wer einmal in den Genuss eines frisch aufgebrühten Kaffees aus frisch gerösteten Bohnen kam, der kann meist nicht mehr mit dem leben, was einem die üblichen Supermärkte oder Kaffeeröster-Multikonzerne bieten. Denn im Lebensmittelhandel liegen die Bohnen – gemahlen oder nicht – oft lange im Lager oder in den Regalen.

Das ist im Sinne der Haltbarkeit zwar gesundheitlich unbedenklich, stellt für passionierte Kaffeetrinker dennoch oft ein Problem dar. Kaffee, dessen Röstung schon eine Weile her ist (oder noch gravierender: Kaffee, der schon vor Längerem geröstet wurde) büßt einen Großteil seines Geschmacks ein. Das Ergebnis: Kaffee aus dem Supermarkt oder von industriellen Kaffeeröstern schmeckt langweilig und fad.

Viele kleine Kaffeeröstereien verwöhnen deutsche Großstädte

Lebt man aber zum Beispiel in Berlin, Hamburg oder München, dann kann man sich zu den Glücklichen zählen, die es meist nicht weit bis zur nächsten handwerklich versierten Kaffeeröstereihaben.

Viele kleine Röstereien bieten beste Ware, beziehen ihre Bohnen nach fairen Kriterien und verarbeiten sie lokal vor Ort. Mittlerweile ist es sogar zu einem Trend geworden, dass Cafés ihren eigenen Kaffee rösten. Ein Paradies für Freunde des dunklen Gebräus!

Übrigens: Passionierte Kaffeetrinker stehen Weinkennern in nichts nach. Wer heute als „Foodie“ was auf sich hält, der kennt sich mit den unterschiedlichsten Geschmacksnuancen verschiedener Kaffeebohnen aus, erkennt die Herkunft des Kaffees am Geschmack und „ertastet“ mit seiner Zunge die feinen Aromen verschiedenster Kaffeeröstungen.

Lieferservices für fairen Kaffee boomen

Kaffee Bitte

Bild: Kaffee Bitte

Hat man seinen Lebensmittelpunkt aber nicht in die Großstadt gelegt oder hat man schlicht und ergreifend keine Zeit, regelmäßig für frischen und guten Kaffee zu sorgen, dann schaut man meist betrübt in die leere Kaffeedose. Genau diese Nische nutzt  jetzt ein neues Berliner StartUp zu seinem Vorteil: Bei „Kaffee Bitte kann man frisch gerösteten Kaffee bestellen, der per Post geliefert wird.

Bis hierher ist das noch nichts Neues. Der Kaffee-Lieferservice Coffee Circleaus Berlin hat sich in den letzten Jahren auf dem Markt etabliert und steht für exzellenten Kaffee, der unter fairen und transparenten Bedingungen hergestellt und vertrieben wird. Sowohl Endverbraucher als auch mehr und mehr Firmen wissen das innovative, nachhaltige Konzept zu schätzen und das StartUp wächst und wächst. „Kaffee Bitte“ ist aber nicht bloßer Nachahmer, sondern wählt einen anderen Ansatz.

„Kaffee Bitte“ liefert frisch aus der Rösterei in den Briefkasten

Während andere Kaffee-Lieferservices meist Kaffeepakete anbieten, deren kleinste Menge bereits ein Kilo wiegt, kann man bei „Kaffee Bitte“ kleine 250-Gramm Päckchen mit Kaffee bestellen. Das entspricht 30 Shots Espresso oder ungefähr 20 Tassen aus einer Handfilterkanne.

Der Clou dabei? Der Kaffee ist so flach gepackt, dass das Paket bequem durch den Briefkastenschlitz passt. Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Erstens ist in dem Paket nur so viel Kaffee, wie man innerhalb weniger Tage wegtrinken kann. So ist garantiert, dass der Kaffee nie lange lagert und erst vor kurzem geröstet wurde.  Das ist neben der Herkunft der Bohnen ein sehr wichtiges Geschmackskriterium für wahre Kaffeefreunde.
  • Zweitens scheint „Kaffee Bitte zu wissen, wie gestresst und „busy“ wir alle sind. Denn seien wir ehrlich: Es ist schon sehr frustrierend, wenn ein freudig erwartetes Paket nicht ankommt. Man bestellt etwas, zählt sehnsüchtig die Tage bis zur Lieferung  – und findet dann nur einen gelben Zettel vor. Weil man zufällig zum Lieferzeitpunkt nicht zu Hause war oder keiner der Nachbarn Lust hatte, das Päckchen anzunehmen. So etwas passiert nicht, wenn die Sendung wie bei „Kaffee Bitte“ in den Briefkasten passt!

Afrikanische Kaffeesorten mit klangvollen Namen

Vier Kaffeesorten hat „Kaffee Bitte“ momentan im Angebot, davon fast alle aus Afrika (Äthopien und Kenia.) Sie hören auf so klangvolle Namen wie Worka, Konga Sedie oder Gatomboya. Sehr schön ist die transparente, nachvollziehbare Beschreibung. So erfährt man nicht nur, wo genau der Kaffee herkommt, sondern auch, wo er geröstet wurde.

Ebenfalls werden die Aromen und Eigenschaften aufgeführt. Während zum Beispiel der Roaster’s Blend cremig daherkommt und mit Aromen von dunkler Schokolade, Nüssen und Karamell aufwartet, ist der Gatomboya sehr fruchtig mit Aromen von roter Grapefruit und schwarzer Johannisbeere.

Nicht unwichtig: die perfekte Zubereitungsmethode

Wahre Kaffeeliebhaber können sich stundenlang über die perfekte Zubereitungsmethode unterhalten. Da gibt es die Verfechter von handgefiltertem Kaffee, andere schwören auf die Espressokanne, wieder andere mögen ihren Kaffee nur aus der so genannten „French Press“.

Kaffee Bitte

Bild: Kaffee Bitte

Bei „Kaffee Bitte“ weiß man um die vielfältigen Möglichkeiten. Zu jeder Kaffeesorte wird gleich die passende Zubereitungsmethode empfohlen. Und weil auch dem hartgesottensten Kaffee-Geek klar sein dürfte, dass nicht jeder auf Anhieb weiß, was eine Aeropress, eine Chemex oder eine V60 ist, gibt es auf der Website Brühtipps. Mit Bildern wird in einer Schritt-für-Schritt-Anleitung gezeigt, wie man zu Hause den perfekten Kaffee zubereitet. Sozusagen eine Mini-Ausbildung zum Barista!

„Kaffee Bitte“ weiß: Wer viel arbeitet, der braucht guten Kaffee

Die Gründer von „Kaffee Bitte“ haben ihr StartUp laut eigener Aussage aus purem Eigennutz gegründet. Die Kaffee-Aficionados hatten nach langen Arbeitstagen keine Zeit und Lust mehr, auf die Suche nach gut geröstetem Kaffee zu gehen.

Beide kommen aus der StartUp Branche, die den Ruf hat, für besonders hohen Kaffeeverbrauch zu stehen. Stephen Schouten ist gebürtiger Niederländer, in England aufgewachsen und ist dann dem Ruf Berlins als neues „Silicon Valley“ gefolgt. Zuerst hat er beim Community Marktplatz für private Wohnungsvermietungen airbnb gearbeitet und kam dann zu gidsy, einer Online-Plattform für Aktivitäten und Erlebnisse, die zunächst viel Presse und Aufmerksamkeit erfuhr und dann von einer großen Buchungsplattform geschluckt wurde.

Der Ruf von gidsy als attraktivem Arbeitsplatz mit großem Zusammenhalt im Team scheint zu stimmen, denn dort haben sich Stephen und „Kaffee Bitte“-Mitgründer Hannes Struß kennen gelernt. Sie schätzen einander, weil beide mit Leidenschaft an das Thema Genuss herangehen: Hannes braut zu Hause sein eigenes Bier und kennt sich gut mit Whisky aus, Stephen ist ein Weinliebhaber. Und selbstverständlich sind beide passionierte Kaffeetrinker.

Drei kurze Fragen an Stephen, Gründer von „Kaffee Bitte“

Wir wollten genauer wissen was es mit „Kaffe Bitte“ auf sich hat und haben uns mit einem der beiden Gründer unterhalten.

Stephen, warum habt Ihr Kaffee Bitte gegründet?

Hannes und ich sind logischerweise Kaffeeliebhaber, und in Berlin gibt es viele gute Röstereien. Aber es war trotzdem nicht einfach, guten Kaffee immer vorrätig zu haben. Denn Frische ist extrem wichtig. Deshalb ist es eher unpraktisch, große Packungen zu kaufen. Und wir alle wissen, wie schnell ein Tag gelaufen ist, wenn man morgens keinen anständigen Kaffee bekommt! Also haben wir einfach das gemacht, was wir eigentlich gerne für uns selber hätten!

 

Was genau unterscheidet Euch von anderen Kaffee-Lieferdiensten?

Was uns sehr wichtig ist, ist Flexibilität und ein einfacher, bequemer Bestellvorgang für unsere Kunden: Man zahlt pro Packung, muss also nicht bei jedem Kauf eine große Summe hinblättern. Der Kaffee wird innerhalb einer Woche nach der Röstung – meist sogar innerhalb von drei Tagen – verschickt. Frische garantiert! Und wir mögen unsere Idee, dass die Verpackung so gestaltet ist, dass sie in 90% der Briefkästen in Deutschland passt. Du musst also nie mehr auf den Paketzusteller warten!

 

Warum habt Ihr Euch bei Eurem Kaffeeröster fürBonanza Kaffee entschieden und wie könnt Ihr garantieren, dass der Kaffee fair gehandelt ist?

Wir lieben diesen Kaffee einfach! Bonanza war schon immer eine meiner Lieblingsröstereien in Berlin, sie haben sich  gut etabliert und Jahre damit verbracht, Beziehungen mit Kaffeeimporteuren und Plantagen aufzubauen. Der Preis, den sie für die Bohnen bezahlen liegt immer über dem Fairtrade-Preis, weil sie eben auf Qualität und faire Bedingungen bei den Farmern achten. Zwei unserer Kaffees (Worka und Konga Sedie) sind auch Teil eines speziellen Projekts des Importeurs Trabocca. Es hilft den Farmern dabei, die Qualität ihres Kaffees dauerhaft zu erhöhen, um ihnen damit einen besseren Preis zu sichern. Ein wirklich sehr inspirierendes Projekt!

 

Vielen Dank Stephen für das Interview, und viel Erfolg mit „Kaffee bitte“!

Update 2016: „Kaffee Bitte“ gehört seit Kurzem zur Kaffeerösterei „Sonntagmorgen“. Am Lieferservice und der Qualität der Kaffeebohnen soll sich nichts geändert haben. 

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Über den Autor: Christian ist Gründer von Happy Coffee. Neben gutem Kaffee interessiert er sich für fairen Handel, Surfen und die Startup Szene.


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