Den Begriff Fairer Handel oder auch Fair Trade hat sicherlich fast jede(r) schon einmal gehört. Fair Trade ist dabei die Englische Bezeichnung, die sich dank der Organisation Transfair.

Was bedeutet fairer Handel?

In erster Linie bedeutet Fairer Handel die Zahlung von Mindestpreisen für Kaffeebohnen an die Kleinbauern in den Anbaugebieten. Dadurch ermöglicht Transfair, die Organisation hinter dem Fairtrade Siegel, eine Menschenwürde Existenz aus eigener Kraft. Die Bauern bekommen eine gerechte Entlohnung für ihr Produkt.
Eine berechtigte Frage in diesem Zusammenhang ist, wie der faire Handel überhaupt funktionieren kann. Was ist überhaupt unfair an „normalem“ Kaffee? Und wer bestimmt, welcher Bauer Kooperationspartner des Fairen Handels werden kann? Und wer garantiert, dass das Geld wirklich bei den Erzeugern ankommt? Fragen, die das Fair Trade Siegel hinterfragen .

So funktioniert der herkömmliche Handel

christian_häfner_kaffeepflanze

Christian beim Besuch der Don Juan Kaffeeplantage in Costa Rica

Der Kaffee Weltmarktpreis ist ein an Börsen gehandeltes Produkt und unterliegt dem volkswirtschaftlichen Grundprinzip von Angebot und Nachfrage. Das hat zur Folge, dass der Preis stetigen, teilweise extremen, Schwankungen unterliegt. Diese Preisschwankungen wiederum wirken sich auf die Erzeugerpreise aus, die durch verschiedene Mechanismen stark gedrückt werden können. Im Kaffeehandel bestimmen nicht die Erzeuger die Preise, sondern die Händler. Die Verhandlungsmacht ist also letztlich einseitig und zu Ungunsten derer, die die Kaffeebohnen anbauen und ernten. Wir – die Konsumenten – bekommen diese Schwankungen nicht immer mit, bzw. nur latent durch eine geringfügige Anpassung der Preise für die Kaffeebohnen.  Reden wir nicht vom fairen Handel, dann werden die Preisschwankungen meist im voraus durch fixierte Preise für einen bestimmten Zeitraum aufgefangen. Ist der Preis auf dem Weltmarkt niedrig, so werden große Kaffeemengen aufgekauft und eingelagert – für den Fall, dass der Preis mal hoch sein sollte. Der Bauer selbst bekommt in der Regel von den Vorgängen auf dem Weltmarkt nichts mit. Bei ihm steht dann nur eines Tages ein Kaffeeexporteur vor der Tür, der ihm einen bestimmten Preis für seinen Kaffee anbietet.

Nach fairem Handel hört sich das nicht an. Denn, der Bauer hat keine Handlungsmöglichkeit: Nimmt er das Angebot nicht an, geht der Zwischenhändler einfach zum nächsten Kaffeebauern. Der Exporteur im Anbauland wiederum verschifft die aufgekauften rohen und getrockneten Bohnen zu dem verarbeitenden Unternehmen nach Übersee.
Ein großer Teil des herkömmlichen Kaffees wird auf Plantagen angebaut. Dabei werden zwar keine Kleinbauern ausgebeutet, allerdings ist diese Produktionsweise alles andere als umweltfreundlich. Um eine Plantage zu schaffen, werden i.d.R. viele Hektar Regenwald gerodet. Die freigewordene Fläche ist nur wenige Jahre nutzbar, dann ist der Boden ausgelaugt und bringt keinen Ertrag mehr. Ein einmal gerodeter Regenwald kann nicht wieder aufgeforstet werden, er ist unwiederbringlich weg – und damit auch der Lebensraum für unzählige Tiere, Pflanzen und Menschen.

Beispiel Kaffee: Warum fairer Handel so wichtig ist

In erster Linie bedeutet fairer Kaffeehandel die Zahlung von Mindestpreisen zur Unterstützung der Kaffeeproduzenten in Entwicklungsländern, um ihnen eine menschenwürdige Existenz aus eigener Kraft zu ermöglichen. Gerechte Handelsbeziehungen sollen die Lebensbedingungen der Menschen in diesen Ländern verbessern, die Binnenwirtschaft stärken und langfristig ungerechte Weltwirtschaftsstrukturen abbauen.

 Festgelegte Mindestpreise auf die Produktionskosten sichern das Existenzminimum der Bauern und die Entwicklung der Umgebung. Der faire Handel fördert gezielt die besonders benachteiligten kleinbäuerlichen Familien und deren Selbsthilfeinitiativen. Dazu zählen auch die nachhaltige Entwicklung von Ökologie, Bildung und Frauenförderung. In demokratischen Strukturen sind die Bauern an allen wichtigen Entscheidungen ihrer Genossenschaften direkt beteiligt.


Die Preisentwicklung des Kaffeeweltmarktpreises in den letzten Jahren zeigt, wie wichtig der faire Handel ist!

preisentwicklung-für-rohkaffeeDie Preisentwicklung des Weltmarktpreises über die letzten Jahre zeigt den Mehrwert von fair gehandeltem Kaffee.  Mehr als 100% Mehrwert durch Fairtradepreise allein in den Jahren 2001 bis 2003 zeigen, wie stark der Effekt sein kann! 

In einer Industrienation wie Deutschland kaum denkbar, leben mehr als 85% der Bevölkerung von typischen kaffeeproduzierenden Ländern wie Papua Neuguinea in ländlichen Gebieten. Landwirtschaft ist daher nicht selten der größte und wichtigste Industriezweig. Der Lebensunterhalt der Kleinbauern ist hauptsächlich abhängig von Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei. Der gewinnbringende Teil der Landwirtschaft und der Forstwirtschaft ist auf die Märkte in Übersee ausgerichtet, wobei Kaffee zu den wichtigsten Exportgütern zählt.

Welche Vorteile das Fair Trade Siegel bringt, lesen Sie hier.

***

Über den Autor: Christian ist Gründer von Happy Coffee. Neben gutem Kaffee interessiert er sich für fairen Handel, Surfen und die Startup Szene.


Schreiben Sie einen Kommentar

Kommentare werden vor der Veröffentlichung genehmigt.


Vollständigen Artikel anzeigen

Kaffee im Büro
Guter Kaffee im Büro macht Mitarbeiter happy

Guter Kaffee im Büro macht Mitarbeiter und Kunden glücklicher und leistungsfähiger. Wir zeigen wir, welche Kaffee-Regeln es zu beachten gibt.

Vollständigen Artikel anzeigen
Kaffee Flatrate
Kaffee Flatrate: So geht dir der frische Kaffee nie mehr aus

Mit einer Kaffee Flatrate hast du immer frischen Kaffee zur Hand, egal ob unterwegs oder zu Hause. Hier stellen wir die besten Arten vor.

Vollständigen Artikel anzeigen
Berliner Startup Chido´s Mushrooms macht Edelpilze aus Kaffeesatz-Müll
Berliner Startup Chido´s Mushrooms macht Edelpilze aus Kaffeesatz-Müll

7,5 Millionen Tonnen Kaffee werden jedes Jahr gehandelt. Mit Chidos Kaffee landen nur 0,2% des Kaffees in der Tasse, während 99,8% auf dem Müll. 

Vollständigen Artikel anzeigen

Kostenloser Brühguide