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Hurra, unser eigener Happy Coffee trägt das Bio Siegel nach der EG- Ökoverordnung! Darüber freuen wir uns immer wieder aufs Neue, bürgt das Label doch für den ökologischen Anbau unserer Kaffeebohnen. Das ist immer ein guter Grund für eine Party in unserem Office, die mindestens genauso bunt ausfällt wie unsere Verpackungen. Egal ob Happy Coffee aus Sidamo in Äthiopien, Puno in Peru oder Chiapas in Mexiko, alle sind Bio-Kaffee aus direktem Handel. Was sich hinter dem Bio Siegel verbirgt, haben wir in diesem Artikel eingehend erläutert. In diesem Artikel soll es darum gehen, wie man das begehrte Siegel eigentlich bekommt und wie du dir so eine Bio Zertifizierung vorstellen musst.

Das EU Bio Siegel: Was es aussagt und was es verschweigt

Siegel auf Verpackungen gibt es wie Sand am Meer. Und "bio" ist kein geschützter Begriff. Es sei denn, es geht um Nahrungsmittel! Denn sobald sich ein Lebensmittel "bio" oder "öko" nennen will, muss es per Gesetz das europäische Bio Siegel besitzen und die dafür notwendige Bio Zertifizierung bestehen. Zugegeben: Dieses Bio Siegel, das ebenfalls auf unserem Happy Coffee prangt, ist ein guter Anfang. Es sichert aber "nur" die Mindestanforderungen gemäß EG-Ökoverordnung ab. Die bekannteste davon ist, dass mindestens 95% von Anbau und Erzeugung "bio" sein muss, also z.B. ohne künstliche Zusatzstoffe und Dünger auskommt. Es gibt noch andere Siegel von privaten Anbauverbänden (z.B. Bioland, Demeter, Naturpark), die ein ganzes Stück weiter gehen. 

Aber im Umkehrschluss muss man auch sagen: Lässt ein Anbieter sein Produkt mit dem EU Bio Siegel zertifizieren, dann bedeutet das nicht zwingend, dass er nur die zugrundeliegenden Mindeststandards erfüllt. Er leistet vielleicht noch mehr in Sachen ökologischer und gesellschaftlicher Verantwortung, was aber nicht extra mit einem Label attestiert wird. In unserem Fall ist das z.B. der direkte Handel, durch den wir persönliche Beziehungen zu den Kaffeebauern pflegen und sie finanziell sowie in Entwicklungsprojekten vor Ort unterstützen. Wie das aussieht, kannst du z.B. in unserem Artikel über die Kaffeereise nach Chiapas in Mexiko nachlesen, wo unser beliebtester (weil säureärmster) Happy Coffee herkommt. Für den direkten Handel gibt es kein extra Siegel wie das Fairtrade Logo – wobei der Fairtrade Trend auch nicht kritikfrei ist. Dennoch gehen die Maßnahmen beim Direct Trade in eine ähnliche Richtung und manchmal sogar über Fairtrade hinaus.

Bio Zertifizierung - Kaffeebauer

Bio Zertifizierung: Anforderungen, Zielgruppe und Ablauf

Wir wollen nun an unserem Happy Coffee erläutern, was ihr zur Bio Zertifizierung wissen müsst. Alle drei Sorten in unserem Onlineshop– der milde Chiapas aus Mexiko, der mittelkräftige Puno aus Peru sowie der charakteristische Sidamo aus Äthiopien – sind Hochlandkaffees. Sie werden jeweils von Kleinbauern-Kooperativen angebaut, die ökologischen Anbau betreiben und selbst bio-zertifiziert ist. Auch unser Röster erfüllt natürlich alle Kriterien der ökologischen Weiterverarbeitung und kann die notwendige Zertifizierung nachweisen. Nun reicht es natürlich nicht aus, all das dem Kontrolleur bei einer netten Tasse Kaffee zu erzählen. Erst gegen Nachweis der biologischen Standards rückt er das Bio Siegel raus ;-)

(1) Anforderungen bei einer Bio Zertifizierung

Gemäß EG-Ökoverordnung stellt das EU Bio Siegel bestimmte Anforderungen an Lebensmittel, die "bio" bzw. "öko" sein wollen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um abgepackte Nahrungsmittel oder loses Schüttgut handelt. Bei Kaffee handelt es sich um ein rein pflanzliches, landwirtschaftliches Produkt. Daher waren für Happy Coffee unter anderem folgende Kriterien relevant, um die Bio Zertifizierung zu erhalten:

  • mindestens 95% der Zutaten stammen aus ökologischer Erzeugung
  • keine Geschmacksverstärker, künstliche Aromen oder Farbstoffe 
  • keine synthetischen Pflanzenschutzmittel 

Natürlich gibt es noch viele weitere Kriterien, von denen manche (z.B. Nutztierhaltung) für unser Produkt nicht ausschlaggebend sind. Wer es ganz genau nachlesen will, kann sich die EG Basisverordnung zu Gemüte führen.

(2) Zielgruppe der Bio Zertifizierung

Grundsätzlich muss sich jedes Unternehmen, das mit ökologischen Lebensmitteln handelt, einer Bio Zertifizierung unterziehen, um das vorgeschriebene EU Bio Siegel zu erhalten. Dazu zählen Großhändler genauso wie Internethändler, also unsere Zunft. Selbst unser Kaffeeröster ist bio- und für bestimmte Produkte obendrein demeter-zertifiziert. Und weil die Kaffeebohnen, wie die meisten Handelsprodukte in Deutschland, aus den Anbauländern importiert werden, müssen die Kaffeebauern bzw. Kooperativen natürlich auch bio-zertifiziert sein. Auf jeder Stufe der Wertschöpfungskette steht also eine Bio Zertifizierung an, die jeweils die zuständigen örtlichen Kontrollinstanzen übernehmen Für Drittländer pflegt die EU eine Liste mit den anerkannten Instituten, die diese Aufgabe durchführen dürfen.

Reine Speditionen sind befreit – genauso wie bestimmte Einzelhändler, die direkt an den Endkunden verkaufen und ihre Waren weder selbst umbereiten noch an einem anderen Ort als dem Verkaufsort lagern. Alle anderen Händler unterliegen der Kontroll- und damit der Zertifizierungspflicht.

Bio Zertifizierung - Kaffeehandel

(3) Ablauf einer Bio Zertifizierung 

Für uns von Happy Coffee ist klar: Nur ein Kaffee, der auf allen Stufen der Wertschöpfungskette – vom Anbau bis zum Endprodukt – ökologisch und sozial produziert wurde, kann ein glücklicher Kaffee sein. Daher wollten wir unsere Produkte nicht ohne die entsprechende Überprüfung durch die Bio-Kontrollstelle und das zugehörige Bio Siegel der EU auf den Markt bringen. Dafür mussten wir wie jedes andere Unternehmen den Prozess der Bio Zertifizierung durchlaufen.

Der erste Schritte war das Stellen eines Antrags bei einer unabhängigen Kontrollstelle wie etwaOekop.de. Sobald dieser geprüft und angenommen ist, müssen verschiedene Formblätter ausgefüllt und Dokumentationen erbracht werden: Zum Beispiel eine Betriebsbeschreibung, umfassende Informationen zu den Ökoprodukten sowie wie das System zum Qualitätsmanagement aussehen soll. 

Danach folgt der erste Kontrollbesuch vom Kontrolleur der Öko-Kontrollstelle. Ja, der Wortlaut sagt es schon: Hier wird viel kontrolliert ;-) Erstens sollte man alle eigenen Unterlagen parat haben, die auf Plausibilität geprüft werden. Ebenfalls sehen will der Kontrolleur alle weiteren Unterlagen für die vorhergehenden und eventuell nachfolgenden Schritte der Wertschöpfungskette, die ebenfalls bio-zertifziert sein müssen. In unserem Fall sind das alle Parteien vom Kaffeebauern, über den Röster bis zu uns als Händler. Ansonsten wird der jeweilige Betrieb auf Herz und Nieren geprüft: Der Kontrolleur sieht sich vor allem den Warenfluss und das Lager ganz genau an.

Bio Zertifizierung - Bio Siegel

Eventuelle Abweichungen von den EU-Rechtsvorschriften werden im Kontrollbericht niedergeschrieben. Und erst wenn ein klarer Nachweis über alle Anforderungen erbracht wird, gibt der Kontrolleur grünes Licht bzw. stellt einen  positiven Bescheid aus. Juhu! Dann erhältst du dein Bio Zertifikat und damit das Recht, dein Produkt mit dem Bio Siegel der EU zu versehen. Nach einem Jahr steht wieder ein Kontrollbesuch an und das Spiel beginnt von vorn.

(4) Wie sieht das Bio Siegel aus?

Ihr kennt es sicher alle das 6-eckige grüne Logo auf dem dick “Bio” steht. Dabei handelt sich um das 2001 eingeführte deutsche staatliche Bio Siegel, welches ausschliesslich in Deutschland verwendet wurde. Heute hat es alleine aber keine Aussagekraft mehr, denn es wurde 2012 verpflichtend durch das europaweit geltende EU Bio Siegel (siehe oben) abgelöst. Dieses ist hellgrün, vier-eckig und stellt ein Blatt dar.

Allerdings wird das "alte" deutsche Bio Siegel teilweise weiterhin und zusätzlich zum EU Bio Siegel verwendet, einfach weil es sich in die Köpfe der Verbraucher eingeprägt hat. Das geschieht allerdings nur aus Marketing-Gründen bzw. weil das deutsche Bio Siegel nach wie vor eine positive Signalwirkung für den Verbraucher hat, beherzt zugreifen zu können. Pflicht bleibt allein das grünblättrige Logo der EU. 

Bio Zertifizierung: So hoch sind die Kosten

Die Kosten für die Bio Zertifizierung setzen sich zusammen aus einer Grundgebühr und dem Kontrollaufwand. Natürlich fällt der Kontrollaufwand von Produkt zu Produkt unterschiedlich hoch aus – deswegen ist eine eindeutige Angabe zu den Kosten schwer. Zudem können die verschiedenen unabhängigen Kontrollstellen ein unterschiedliches Preis-Leistungsspektrum abdecken. Es macht also Sinn, sich vorab gut über die Kontrollstelle zu informieren, mit der du für die Bio Zertifizierung deines Produktes einen Vertrag abschließt.

Nach der Erst-Zertifizierung folgt die jährliche Kontrolle, ob die biologischen Standards weiter eingehalten werden und das Bio Zertifikat dementsprechend weiter verwendet werden darf. Auch diese Folgekontrollen sind nicht kostenfrei und richten sich nach dem Umsatz des Produktes. Mit steigendem Umsatz steigt also auch die Gebühr für die Bio Zertifizierung.

Bio Zertifizierung - Happy Coffee

Auch wenn die Bio Zertifizierung nicht ohne organisatorischen und finanziellen Aufwand möglich ist, sind wir von Happy Coffee doch glücklich, diesen Schritt gegangen zu sein. Denn so wissen nicht nur wir, einen guten und glücklichen Kaffee anzubieten, sondern können auch euch als Kunden zeigen, dass wir Wert auf ein nachhaltiges Bio-Produkt legen.

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Über die Autorin: Heidi liebt Kaffee, vor allen in Kombination mit einen gesunden Frühstück. Wenn Sie gerade keine Beiträge auf Happy Coffee schreibt, berichtet die Weltenbummlerin auf ihrem Blog meerdavon.com über ihre Reisen.



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