Dass sich Bio-Lebensmittel immer mehr durchsetzen, ist nichts Neues. Auch die morgendliche Tasse Kaffe lassen sich Verbraucher oftmals mehr kosten, wenn es sich dabei um Bio Kaffee handelt. Doch rechtfertigt das Bio-Siegel den meist höheren Preis? Was genau ist an Bio Kaffee anders als an konventionell hergestelltem Kaffee? Wer vergibt die Bio-Siegel, welche Kriterien müssen dafür erfüllt werden, schmeckt Bio Kaffee besser und ist Fair Trade gleichbedeutend mit Bio? Bei all den Fragen können wir dir schonmal verraten, dass wir bei unserem Kaffee auf nachhaltige und soziale Bedingungen achten, damit der Happy Coffee seinem Namen auch gerecht wird.

Anbau von Bio Kaffee

Im Unterschied zu konventionellem Kaffee wird Bio Kaffee nicht in strenger Monokultur, sondern auf so genannten Mischplantagen angebaut. Auf diesen Plantagen wachsen nicht nur Kaffeebäume, sondern auch andere Pflanzen wie zum Beispiel Kakao oder Zuckerrohr, vor allem aber Schattenbäume. Ein Schattenbaum ist keine eigene Gattung, sondern die Bezeichnung für einen Baum, der eigens dazu dient, Schatten zu spenden. Während es vor ungefähr 100 Jahren noch gang und gäbe war, Kaffeebäume durch Schattenbäume vor der direkten Sonneneinstrahlung zu schützen, sind diese vor allem auf großen, intensiven Plantagen eher eine Seltenheit. Zu unpraktische waren die Schattenbäume, standen sie doch den Erntemaschinen im Weg und behinderten die Arbeit. Zwar hat man gemerkt, dass Kaffeebäume, die im Schatten stehen, mehr Ertrag bringen als Kaffeepflanzen die direkt der Sonne ausgesetzt sind, dennoch führte das nicht dazu, die Schattenbäume im großen Stile wieder einzusetzen. Umgekehrt wird im konventionellen Kaffeeanbau ein Schuh daraus: Brasilianische Züchter haben Kaffeesorten entwickelt, die keinen Schatten brauchen, um einen großen Ertrag zu produzieren.

Beim Anbau von Bio Kaffee spielt die Mischkultur von Kaffeepflanzen und Schattenbäumen hingegen eine große Rolle. Meist werden Avocado-, Grapefruit- oder Bananenbäume neben Kaffeebäumen angepflanzt, zum Einsatz kommen aber auch Papaya-, Ananas- oder Eukalyptuspflanzen. Dabei geht es nicht immer nur um den Schutz vor Sonne. Durch die Mischkultur und den Anbau anderer Pflanzen neben den Kaffeebäumen wird der Boden aufgelockert, was wiederum vor Erosion schützt. Ein weiterer positiver Mehrwert ist der Schutz vor Schädlingen und Unkraut. Durch die natürliche Schädlingsbekämpfung wird beim Anbau von Bio Kaffee weit weniger Dünger benötigt als beim Anbau von konventionellem Kaffee. Gedüngt wird beim Anbau von Bio Kaffee übrigens nur natürlich, beispielsweise wird Kaffeekirschensatz als Dünger verwendet. Beim kontrolliert-biologischem Kaffeeanbau kommen keine chemischen Düngezusätze zum Einsatz. Ein weiterer, sehr positiver Nebeneffekt der Schattenbäume ist die Reduzierung der Verdunstung. Gerade in Gegenden, wo das Wasser knapp ist, bedeutet die geringere Bewässerungsintensität von Kaffeepflanzen einen erheblichen Nutzen.

Ernte von Bio Kaffee

Bio Kaffee wird per Hand geerntet. Während im konventionellen Anbau mehr und mehr Erntemaschinen zum Einsatz kommen (was zur vermehrten Abholzung der Schattenbäume führt, siehe oben), wird beim ökologischen Anbau auf industrielle Erntemethoden verzichtet. Die weiteren Schritte bei der Ernte unterscheiden sich beim Anbau von Bio Kaffee nicht grundlegend von der Ernte im konventionellen Anbau, wobei jedoch bei der Ernte von ökologische Kaffee mehr manuelle Arbeit erfolgt und weniger Maschinen zum Einsatz kommen. Bei beiden Methoden wird zunächst das Fruchtfleisch von den Kaffeebohnen entfernt, danach werden die Kaffeekirschen gereinigt und durch einen Fermentierungsprozess gegärt. Nach einer weiteren Waschung werden die Bohnen getrocknet und sortiert. Die Röstung findet meist erst im Zielgebiet in Europa oder den USA statt, an den die Kaffeebohnen verschifft werden.

Röstung von Bio Kaffee

Organic Coffee

Photo by i could sleep through a world war

Wer Bio-Kaffee importiert, der muss tiefer in die Tasche greifen als beim Kauf von konventionellem Kaffee. Die hohe Qualität von Bio-Rohkaffee soll also nicht durch die falsche Röstung zerstört werden. Konventioneller Kaffee, den man im Supermarkt kaufen kann, wird durch eine schnelle Röstung schockgeröstet, bei Temperaturen bis zu 800°C. Das führt dazu, dass solch ein Kaffee oft bitter schmeckt, denn die Fruchtsäuren, die im Kaffee enthalten sind, werden erst nach einer längeren Zeit während der Röstung abgebaut. Doch bei dieser Turboröstung ist es der Preis und nicht der Geschmack oder die Magenverträglichkeit, die im Vordergrund steht. Kaffee-Lieferservices wie Coffee Circle aus Berlin achten bei ihrem Bio Kaffee auf eine schonende Röstmethode:

„Unsere Kaffees werden innerhalb der sich drehenden Rösttrommel für 16 bis 20 Minuten schonend bei rund 200°C geröstet. Die hierfür nötige Energie erhält der sich ständig drehende Kaffee indirekt durch Kontakt mit der von außen beheizten Trommel und der aufgeheizten Luft. Wir rösten unsere Kaffees so lange, dass sich die Geschmacksaromen deutlich ausprägen können. Nur die gewollten, feinen Fruchtsäuren, die zum Charakter unseres Kaffees beitragen, bleiben erhalten. Unseren Espresso rösten wir noch etwas länger. So verschwinden ungewollte Säuren fast vollständig und machen dem für Espresso typisch, kräftigen Geschmack Platz.“

Obwohl Coffee Circle durch seine Vorgehensweise und Philosophie den Bio Anbau in Äthiopien fördert und unterstützt, lassen sie ihren Kaffee immer noch in Hamburg, und nicht in Äthiopien rösten. Kaffee schmeckt nur gut, wenn er frisch geröstet ist. Der lange Transportweg eines gerösteten Kaffees von Äthiopien nach Europa (über drei Monate) über den Seeweg würde sich negativ auf den Geschmack auswirken. Ein Transport per Flugzeug wäre weder preislich realisierbar noch würde das mit dem ökologischen Anspruch von Coffee Circle korrespondieren.

Bio Kaffee: Zertifizierung und Bio-Siegel

Wie wir bereits mehrfach berichteten, ist das mit dem Bio-Siegel nicht immer so einfach. Verschiedene Label suggerieren dem Verbraucher, der sich nicht zu 100% mit den verschiedenen Zertifikaten auskennt, manchmal „bio“ wo nicht wirklich „bio“ drin ist. Wer wirklich sicher sein möchte, dass es sich bei seinem Kaffee um einen Bio Kaffee handelt, der sollte auf das Bio-Siegel der Europäischen Union achten: Seit Juli 2010 müssen verpackte Bio-Lebensmittel, die nach EU-Vorschriften für den ökologischen Landbau produziert wurden, mit dem Bio Siegel gekennzeichnet werden. Bei der Bio Zertifizierung gibt es Kriterien, die einhalten werden müssen. Auch beim Kaffee darf das Bio-Siegel nur angebracht sein, wenn der Kaffee laut entsprechender EU Verordnung produziert wurde. Im Falle von Bio Kaffee bedeutet was: ein extensiver Anbau mit möglichst wenigen negativen Folgen für die Umwelt sowie der komplette Verzicht auf chemische Düngezusätze. Der Einsatz von Wachstumsregulatoren wie zum Beispiel Trijodbenzoesäure sowie Gentechnik ist strengstens verboten. Lediglich zwei offizielle Bio-Siegel können die Standards der Europäischen Union garantieren. Das deutsche, sechseckige Bio-Siegel ist mit den Worten „Bio“ und „nach EG-Öko-Verordnung“ gekennzeichnet, das europäische Bio-Siegel ist ein angedeutetes Blatt, mit weißen Sternen auf grünen Grund. Augen auf beim „Bio“-Kaffee Kauf: weil das Bio-Siegel oftmals verkaufsfördernd ist, versuchen auch Anbieter von Kaffee, der nicht nach den europäischen Bio-Richtlinien angebaut wurde, davon zu profitieren. Oftmals werden Siegel angebracht, die den beiden offiziellen Bio-Siegeln ähneln, den Kriterien aber nicht gerecht werden. Mehr darüber erfahrt ihr in unserem Lexikon-Eintrag „Bio Siegel“.

Neben dem Bio Siegel und weiteren, teilweise vorsätzlich täuschenden Siegeln und Zertifizierenden gibt es verschiedene weitere Label, die darauf hinweisen möchten, dass ein bestimmter Kaffee in einer Mischkultur mit Schattenbäumen angebaut wurde. So wird zum Beispiel die Bezeichnung „shade-grown coffee“ gern verwendet, was aber nicht zwangsläufig bedeutet, dass ein Kaffee ökologisch angebaut wurde – Schattenbäume gibt es schließlich auch (noch) im konventionellen Kaffeeanbau, wenn auch immer seltener. Das Smithsonian Migratory Bird Center (SMBC) verleiht das Zertifikat „Bird Friendly“, wenn ein Kaffee unter einer besonders hoher Schattenbaumdichte angebaut wurde. Allerdings ist das Label insofern umstritten, da die Vergabepolitik mit hohen Kosten für die Kaffeebauern verbunden ist und im Endeffekt vielleicht dem Kaffeehändler, nicht aber dem Kaffeebauern Profite bringt.

Bio Kaffee versus Fair Trade Kaffee

Auch wenn es verwirrend sein mag: Bio Kaffee ist nicht gleich Fair Trade Kaffee. Damit Kaffee die rechtmäßige Bezeichnung „Bio“ tragen darf, muss er nach den festgelegten ökologischen EU-Standards produziert worden sein. Wie bereits erwähnt bedeutet das den möglichst umweltschonenden Anbau. Was das Bio-Siegel nicht beinhaltet, sind die Arbeitsbedingungen für die Menschen: die Kaffeebauern, die Erntehelfer, die Sortierer und alle weiterem Beschäftigten im Kaffeeanbauprozess. So kann es also durchaus sein, dass Bio Kaffee unter menschenunwürdigen Bedingungen angebaut wurde. Denn nur, weil ein Produkt ökologisch korrekt angebaut wurde, heißt das nicht automatisch, dass es sich dabei auch um ein faires Produkt handelt. Das Fair Trade Siegel wiederum garantiert faire Bedingungen für die Kaffeeproduzenten, beinhaltet aber nicht automatisch den biologischen Anbau. Die FLO, die für die Vergabe des Fair Trade Labels zuständig ist, verlang zwar die Einhaltung bestimmter ökologischer Standards, beharrt aber nicht auf den biologischen Anbau. Mehr Details zum Fair Trade Siegel erfahrt ihr in unserem Lexikon Eintrag. Wer also seinen Kaffee mit wirklich gutem Gewissen genießen möchte und dabei sichergehen will, dass beim Anbau sowohl die Umwelt geschont als auch die Bedingungen für die Menschen berücksichtigt wurden, der sollte nur Kaffee kaufen, der sowohl das Bio-Siegel als auch das Fair Trade Siegel trägt.

Wo kaufe ich Bio Kaffee?

Am besten hier bei Happy Coffee. Unsere Kaffeebohnen und auch unsere Espresso Bohnen sind Bio zertifiziert.

Neben den strengen Kriterien der Bio Zertifizierung und des fairen Handels ist der Kaffee auch geschmacklich ein Genuss.

Viele Bio Kaffees werden ausschließlich in kleinen Anpflanzungen unter Schattenbäumen angebaut. So kann der Kaffeestrauch in seiner natürlichen Umgebung wachsen, was sich besonders auch im Aroma bemerkbar mach. Dass die Kaffeebauern dabei fair bezahlt werden, ist eine Selbstverständlichkeit.

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Über die Autorin: Sandra hat Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studiert. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Leidenschaften sind Nachhaltigkeit, sowie die Unterstützung der nachhaltigen Fischräucherei ihres Bruders. Die passionierte Teetrinkerin ist seit Happy Coffee auch zu einem Kaffee-Fan geworden.


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