Wir stehen vor einem riesigen Müllproblem. Die Bemühungen zwecks Recycling, Trennung und Wiederverwertung sorgen zwar für einen umweltgerechteren Umgang mit unserem Abfall, doch damit kümmert man sich um die Folgen, nicht aber um die Ursachen des stetig wachsenden Müllbergs. Die Gründe, warum wir immer mehr wegwerfen, die Weltmeere verdreckt sind wie nie und Fische und andere Meeresbewohner am Plastikmüll ersticken, liegen in unserem Konsumverhalten. Wir kaufen, was das Zeug hält, und zwar am liebsten das, was in seiner Verpackung möglichst attraktiv und praktisch daherkommt. Wir leben in einer Welt, wo selbst Produkte wie Obst, das ja von Natur aus schon mit einer robusten Schale ausgestattet ist, nochmal mit Plastik umwickelt wird und selbst Pioniere des bewussten Umgangs mit Lebensmitteln wie Coffee Circle auf einmal auf Plastikkapseln setzen.

Der Durchschnitts-Verbraucher, der seine Waren auch mal gerne im Supermarkt – und nicht nur im Bioladen oder auf dem Wochenmarkt – einkauft, hat meist gar keine Möglichkeit, sich gegen die überverpackten Waren zu entscheiden. In vielen Märkten gibt es zwar die Möglichkeit, die Umverpackung vor Ort zu entsorgen. Damit nimmt er den Müll zwar nicht mit nach Hause, durch seinen Einkauf hat er dennoch dazu beigetragen, dass er überhaupt produziert wurde.

Original Unverpackt

Original Unverpackt geht das Problem an der Wurzel an

Warum nicht an dem Punkt ansetzen, bevor die Verpackung überhaupt produziert wird? Das dachten sich Sara Wolf, Milena Glimbovski und Marizon Bilano und gründeten gemeinsam Original Unverpackt: der erste Supermarkt, der komplett auf Einwegverpackungen verzichtet. Als echte Alternative zu den herkömmlichen Supermärkten und Discountern soll es ein Laden werden, der vieles anders machen will. Das fängt schon beim Angebot an: ein bewusstes Konsumverhalten bedeutet auch, dass nicht jedes Produkt in gleicher Menge von morgens früh um sieben bis abends (oder gar nachts) zum Ladenschluss erhältlich ist. Die Werbepsychologie sagt, dass die Verbraucher stets volle Regale sehen wollen, damit sie beherzt zugreifen.

Den drei Gründerinnen von Original Unverpackt ist das schnuppe. Für sie zählen andere Argumente:

„Kein Verpackungsmüll nach dem Einkauf, kein Streit darüber wer den Müll runterbringt und keine Lebensmittel die weggeschmissen werden, weil man wieder zu große Packungen gekauft hat.“

Das Original Unverpackt-Team: Schlüsselkompetenzen in Fair Trade, Veganismus und BWL

Wer sind nun diese Frauen, die sich das große Ziel gesetzt haben, das Einkaufen von Lebensitteln nicht nur umweltverträglicher, sondern auch attraktiver zu gestalten? Wenn man sich die Lebensläufe der Gründerinnen und weiteren Teammitgliedern anschaut, wird klar: die Mädels sind alles, aber keine Tagträumerinnen. Mit Hintergründen in BWL, Erfahrungen im Einkauf, Tätigkeiten bei Fairtrade und der UN sind die Voraussetzungen geschaffen, die von einem überzeugenden Businessplan zur Umsetzung des ehrgeizigen Projekts geführt haben.

Mit Original Unverpackt soll Einkaufen wieder schöner werden

Original unverpackt

Photo by ORIGINAL UNVERPACKT

Der etwas andere Supermarkt soll das Einkaufen nicht nur umweltverträglicher und einfacher machen, es soll sogar „wieder schön werden“. Dazu gehören gute Produkte, und davon nicht unendlich viele, sondern eine bewusste Auswahl, die den Qualitäts- und Nachhaltigkeitskriterien der eigenen Philosophie entsprechen. Das bedeutet: möglichst regional, mit nachweisbarer Herkunft und transparentem Produktionsprozess. Dass diese Standards eingehalten werden, dafür sorgen die Unverpackungspioniere höchstpersönlich:

„Jedes Produkt wurde von uns sorgfältig ausgesucht und getestet.“

Das kann „bio“ bedeuten, muss es aber nicht. Denn „Original Unverpackt“ soll ein Supermarkt für alle sein und nicht nur für diejenigen, die für Themen wie Umweltschutz, Nachhaltigkeit und bewusster Konsum sowieso schon sensibilisiert sind. Es sollen auch Verbraucher angesprochen werden, die Vorbehalte gegen Bioläden haben oder sich ein Einkaufen dort schlichtweg nicht leisten können. Neben Bio- und konventionellen Lebensmitteln bietet Original Unverpackt auch eine Reihe an Drogerie-Artikeln an, die ebenso auf Einwegpackungen verzichten – ganz einfach zum Nachfüllen.

Ganz ohne Verpackung? Wie soll das gehen?

Ganz einfach, wie auf der Website nachzulesen ist. Ein wenig Mitarbeit wird vom Konsumenten allerdings schon verlangt: er muss seine Behältnisse selber mitbringen. Egal ob Tupper, Karton oder Blechdose, in diese kann er dann vor Ort die Lebensmittel oder Drogerieartikel abfüllen, die im Supermarkt in so genannten „Bulk Bins“ aufbewahrt werden. Wer gerade keinen geeigneten Behälter zu Hause hat oder spontan am Original Unverpackt Markt vorbeikommt muss nicht mit leeren Händen nach Hause gehen. Behälter können gegen ein Pfand ausgeliehen werden und für die ganz spontanen gibt es recycelte Papiertüten.

Die Ziele: Schluss mit Einwegverpackungen, Zero Waste!

Original unverpackt

Photo by ORIGINAL UNVERPACKT

Original Unverpackt soll kein einmaliges Projekt sein. Das Ziel ist ein weitaus größeres. Original Unverpackt leistet die Pionierarbeit, daraus hervorgehen sollen in ganz Deutschland Supermärkte, die auf Einwegpackungen verzichten und in denen sorgfältig ausgesuchte, regionale und gute Produkte angeboten werden. Einkaufen soll wieder zu einer sinnlichen Erfahrung werden, wo man Produkte richtig sehen und riechen kann. Dabei steht Original Unverpackt im Einklang mit den Kriterien von Slow Food, eine Synergie, die in der näheren Zukunft sicherlich noch weiter ausgebaut wird. Das ultimative Ziel, und da scheuen sich die Macher von Original Unverpackt nicht, mit ganz große Worten um sich zu werfen: Zero Waste.

Es gibt nur einen kleinen Haken…

Der Haken ist wirklich winzig klein und kann bald schon abgehakt werden. Denn: den Supermarkt gibt es noch nicht! Doch was einst als bloßes Konzept begann, ist schon einen riesengroßen Schritt in Richtung reale Umsetzung weiter. Mit einer Crowdfunding Kampagne bei startnext wurde die Idee eines verpackungslosen Supermarkts im letzten Jahr präsentiert und Spender und Unterstützer wurden gesucht. Nicht zuletzt durch das große Medienecho und eine Art Umdenken, die man angesichts des Erfolgs von ähnlichen Ansätzen wie zum Beispiel Slow Food in letzter Zeit erkennen kann, verlief die Kampagne überaus erfolgreich. Über 4.000 Unterstützer spendeten innerhalb der 40 Crowdfunding-Tage knapp €115.000.

Das war sogar mehr, als man angepeilt hatte:

„Der Erfolg übertrifft alle Erwartungen“

Der nächste Schritt: Umsetzung!

Nicht mehr lange wird es dauern, dann wird mit „Original Unverpackt“ der erste Supermarkt, der komplett auf Einwegpackungen verzichtet, eröffnen. Im Spätsommer soll der Laden in Berlin-Kreuzberg aufgemacht werden. Die Location steht also, was man jetzt noch braucht, ist ein Büro in der Nähe. Wer da also etwas weiß, der kann sich mit den OU-Mädels gerne in Verbindung setzen.

Es gibt nicht nur Original Unverpackt: Kiezladen Blank

Wer war zuerst da, die Henne oder das Ei? Neben Original Unverpackt gibt es derzeit noch das Projekt „Kiezladen Blank“. Ein ähnliches Konzept, ebenfalls aus Berlin, mit der Idee eines gemütlichen Kiezladens mit integriertem Café, in dem man Lebensmittel und mehr unverpackt einkaufen kann. Doch wer jetzt denkt, dass sich Original Unverpackt und „Kiezladen Blank“ ein Rennen um die meiste Aufmerksamkeit liefern: weit gefehlt. Statt Konkurrenzdenken unterstützen sich die beiden Projekte, wo es geht. Da warb der eine für die Crowdfunding-Kampagne des anderen und die Anstrengungen und innovativen Ideen werden auf beiden Seiten gleichermaßen
geschätzt. Denn eins ist beiden klar: nicht ein Gegeneinander, sondern ein Miteinander ist notwendig, um das Müllproblem anzugehen und für ein Umdenken zu sorgen.

Prognose: Weltverbesserung!

Wir können es kaum erwarten, bis Original Unverpackt zum ersten Mal seine Türen öffnet. Wir finden den Ansatz der Gründerinnen nicht nur mutig und innovativ, sondern in allererster Linie auch ein Schritt in die richtige Richtung. Wenn dem Verbraucher es leichter gemacht wird, sich gegen Einwegverpackungen zu entscheiden und mit seinem Einkaufsverhalten aktiv dazu beizutragen, dass sich eine neue Denkweise durchsetzt, dann kann das nur von Nutzen für unsere gesamte Gesellschaft sein.

Wir wünschen Original Unverpackt einen tollen Start und sind uns sicher, dass dieser neue, alternative Supermarkt ein Modell ist, dass sich im größeren Stile durchsetzen wird

***

Über die Autorin: Sandra hat Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studiert. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Leidenschaften sind Nachhaltigkeit, sowie die Unterstützung der nachhaltigen Fischräucherei ihres Bruders. Die passionierte Teetrinkerin ist seit Happy Coffee auch zu einem Kaffee-Fan geworden.


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