manomama – Ökologisch korrekte Kleidung made in Germany - Happy Coffee

Sina Trinkwalder produziert mit ihrem Social Business manomama fair hergestellte Kleidung mit ehemaligen Arbeitslosen und gering qualifizierten Arbeitskräften. Die Mode „made in Germany“ am Standort Augsburg ist ein kleines Wunder innerhalb der skandalumwitterten Textilbranche.

Am Sonntagabend schaut sie die Tagesschau und den Tatort, am liebsten den aus Münster. Am Montagmorgen braucht sie erst einmal einen Kaffee, um in die Gänge zu kommen. Bis hierhin unterscheidet sich Sina Trinkwalder nicht vom Durchschnittsdeutschen. Doch wenn sie kurz später zur Arbeit geht, dann wird klar, dass die 36-jährige Mutter eine außergewöhnliche Persönlichkeit ist. Ihr Arbeitsplatz, das ist die Textilfirma manomama, ein Social Business, dass die Augsburgerin im Alleingang gegründet und hochgezogen hat. Dass diese Frau weiß, was sie will und dass sie anpacken kann, dass spiegelt sich auf ihrem Twitter-Profil wider: „weniger to go, mehr to stay, Wunder muss man selber machen“, so die Eigenbeschreibung der Unternehmerin beim Kurznachrichtendienst. Und dass das eigentlich ein Wunder ist, was die Unternehmerin in nur wenigen Jahren geschafft hat, dass dürfte nicht nur Betriebswirtschaftlern klar sein.

Ökologie, Ökonomie und Soziales

Sina Trinkwalder gibt mit ihrer Firma denjenigen eine Chance, die auf dem Arbeitsmarkt eigentlich keiner haben will: Alleinerziehende Frauen, jungen Erwachsenen ohne Ausbildung oder älteren Menschen, die eigentlich schon auf dem beruflichen Abstellgleis stehen. Sie will zeigen, dass es mit fairen Löhnen, gerechten Arbeitsbedingungen und Wertschätzung der Arbeit möglich ist, ein rentables Unternehmen aufzubauen. Und zwar mitten in Deutschland. Die Werte, die der Unternehmerin dabei besonders wichtig sind: Ökologie, Ökonomie und Soziales. Während das Schlagworte sind, die auch andere Unternehmen benutzen, um damit ihr Image zu polieren, werden diese Maximen bei manomama gelebt.

manomamaPhoto by manomama

Das Besondere in der Näherei: jeder Mitarbeiter produziert einen vollständigen Artikel, das heißt vom ersten Nadelstich bis zum fertigen Kleidungsstück. Laut Marxismus lässt sich die Entfremdung der Arbeit erst durch die Vergesellschaftung der Produktionsmittel und die Abschaffung der herkömmlichen Arbeitsteilung aufheben. Auch wenn manomama weit davon entfernt ist, ein kommunistisch geführtes Unternehmen zu sein: man hat verstanden, dass es wichtig ist, wenn sich die Näherinnen und Näher mit dem Produkt, das sie anfertigen, identifizieren und das sie stolz sein können auf das Geleistete.

Markenbildung von der Pike auf

Wie man eine Idee verkauft und wie man sie vermarktet, das hat Sina Trinkwalder in ihrem früheren Leben bei dplusc, einer Agentur für Marken und Medien gelernt. Fast ein Jahr war sie dort in der Geschäftsführung für die Kreation von Marken zuständig, bevor sie sich dazu entschloss, sich mit einem Social Business im Textilbereich selbständig zu machen. Die Grundlagen des Unternehmertums hatte sie sich während ihres Studiums der Betriebswissenschaften an der Universität Augsburg angeeignet, das Handwerkszeug für Markenbildung erlernte sie an der Bayerischen Akademie für Marketing und Werbung. Die Idee eines sozial gerechten Arbeitsplatzes hatte sich vielleicht schon vorher, während ihres Politikwissenschafts-Studiums an der Ludwig-Maximilians-Universität in München gebildet. Eine Marke braucht Zeit, um sich zu bilden und eine Marke braucht eine starke Identität, damit sich die Menschen dafür interessieren. So startete Sina Trinkwalder im Jahr 2009 den manomama-Blog, in dem es um Themen wie ökologische Kleidung, Nachhaltigkeit, aber auch mal auf den bewussten Verzicht, zum Beispiel von Kleidung und Shoppen, geht.

„Desparetly seeking Maschinenpaten“ – Crowdfunding, Methode manomama

Mit einer Community im Rücken wagte sich Sina Trinkwalder dann rund ein Jahr später an die Gründung ihrer Textilfirma. 2010 hatte sie  200.000 Euro zusammengespart und legte los. Das Anfangskapital reichte aus, um erste Investitionen zu tätigen und den Webshop einzurichten, doch schnell musste mehr Geld her. Da zahlte es sich aus, dass die Unternehmerin ein Pro in Sachen Social Media ist: via Facebook und Twitter verbreitete sie ihre Idee von fair produzierter Mode in Deutschland. „Desperately seeking Maschinenpaten“ (für popkulturell Interessierte: eine geniale Referenz zu Madonnas filmischem Frühwerk „Desperately seeking Susan“) – mit diesem Aufruf suchte manomama nach Spenden für neue Anschaffungen:

Jetzt erlebt ihr ein ganz neues Stadium mit: manomama läuft inzwischen so gut, dass wir schon wieder neue Mitarbeiterinnen einstellen müssen. Eigentlich. Uneigentlich ist es aber so, dass wir keine neuen Näherinnen einstellen können, weil wir keine Arbeitsplätze, sprich: Nähmaschinen für sie haben. Wir brauchen 30 Industrienähmaschinen, die pro Stück rund 2.500 Euro kosten.

Der Aufruf blieb nicht ohne Folgen, die Investitionen konnten getätigt werden und das Unternehmen wächst seitdem stetig.

Im Boot mit RTL

Nicht nur mit Social Media kennt sich die Self-Made-Frau aus. Während auf klassische Werbung verzichtet wird, weil das erwirtschaftete Geld besser anderweitig verwendet werden kann, setzt das Unternehmen auf Aufmerksamkeit. Die bekamen Sina Trinkwalder und ihr innovatives Unternehmenskonzept zuletzt Anfang des Jahres im Fernsehen. RTL plante ein Format, bei dem in vier Folgen Unterwäsche von Arbeitslosen und gering Qualifizierten angefertigt werden sollte. Eine gewagte Liason, die die Unternehmerin mit dem Privatsender einging. Erstaunlicherweise verlieh Spiegel Online der Sendung „made in Germany“ das Prädikat sehenswert:

Natürlich fiedeln da zwischendurch auch mal die Dramato-Geigen, wenn von schweren Schicksalen erzählt wird, selbstverständlich klimpert auch mal kurz das Jammerklavier. Dass die Sendung trotzdem nicht ins Sozialschmalzfass kippt, ist Sina Trinkwalder zu verdanken, die herzhaft losmarschiert, statt ihre gebeutelte Truppe zu betüddeln und sich länger als nötig mit ihrer Elendslage aufzuhalten.

Für das RTL-Publikum war das Format dann wohl doch nicht sehenswert genug, denn aufgrund mangelnder Quote wurde die Sendung bereits nach der Pilotfolge aus dem Hauptprogramm genommen und auf einen undankbaren Sendeplatz verschoben. Ein Verfahren, dass der Ideologie von Sina Trinkwalder grundsätzlich entgegensteht, dementsprechend äußerte sie ihre Enttäuschung darüber in einem FOCUS-Interview:

RTL hat eine sehr ehrliche, respektvolle Geschichte gedreht. Die durchweg positiven Kritiken bestätigen dies. Schade, dass immer nur die Quote zählt.

Hanfjeans in der neuen manomama-Kollektion

Lange Zeit, Groll zu hegen, hatte die Unternehmerin indes nicht. Schließlich befand man sich mitten in der Produktion der neuen Hanfjeans und um die in großer Stückzahl herstellen zu können, musste sie via Twitter zunächst die Werbetrommel rühren:

Das Twittern scheint sich gelohnt zu haben, denn Mitte Februar wurden auf Facebook stolz die ersten 1000 Meter Hanf-Denim präsentiert.

Sina Trinkwalder ist so eine Art Unternehmerin 2.0, die die sozialen Medien nutzt, um damit für ihr Anliegen zu werben und eine Community zu bilden. Ihren Morgen startet sie zuerst mit einem Kaffee aus der Tasse, dann mit einem morgendlichen Gruß an ihre Follower.

Sina Trinkwalder

Photo by RTL/Engels

Fortschritte der Kollektion, Probleme bei der Fertigung, Schnittmusterideen, neue Mitarbeiterinnen, ihre Lieblingssongs, was ihr Kind Lustiges erzählt und Weisheiten zum Tage: Sina Trinkwalder lässt die Menschen via Twitter und Facebook an ihrem Alltag als Unternehmerin und Mutter eines vierjährigen Sohnes teilhaben.

Unternehmensstandort in der Textilstadt Augsburg

Doch die Powerfrau ist, bei aller Modernität und Affinität zur digitalen Welt, durchaus verwurzelt und der Tradition verbunden. Dass sich manomama Augsburg als Unternehmensstandort ausgesucht hat, passt in doppelter Hinsicht. Zum einen ist da die jahrhundertelange Tradition Augsburgs als Textilstadt. Früher war die Textilindustrie der größte Arbeitgeber in Augsburg, bis Ende des 20. Jahrhunderts der Niedergang eingeläutet wurde und Fabriken zu Ruinen verfielen. Zum anderen hat die Stadt Augsburg eine lange Tradition sozialen Engagements. Die 1521 von Jakob Fugger gegründete Fuggerei ist die älteste bestehende Sozialsiedlung der Welt. Mit monoman verbinden sich diese charakteristischen Eigenschaften: Social Business in der Textilstadt Augsburg.

Besser für alle

„Besser für alle“ steht auf dem Firmenlogo. Das heißt für das sozial orientierte Unternehmen, dass es nicht nur den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besser gehen soll in einer Branche, die für ihre unwürdigen Arbeitsbedingungen und die Produktion in Billiglohnländern verrucht ist. Ein gerechter Stundenlohn (von 12 Euro ist die Rede) und Arbeitszeiten von maximal sechs Stunden sollen dafür sorgen, dass sich die Näherinnen und Näher von manomama wohl fühlen und ihrer Tätigkeit gerne nachgehen. Besser soll es auch den Kunden von manomama gehen: die weichen, fließenden Stoffe, die sehr angenehm auf der Haut zu tragen sind, bestehen zu 100% aus ökologischen Materialien, man richtet sich nach den strengen Richtlinien des internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft. Besser gehen soll es zudem der deutschen Wirtschaft, dabei vornehmlich der regionalen. Laut eigenen Angaben stammt der Großteil der verarbeiteten Ware von Lieferanten aus der Umgebung, mit einem maximalen Entfernungsradius von 250 Kilometern. Und natürlich soll es auch der Umwelt gut gehen. Bei der Herstellung wird auf ökologische Produktion geachtet und auch darauf, dass die Kleidungsstücke möglichst lang erhalten bleiben. Wenn ein Artikel dann doch irgendwann nicht mehr tragbar ist, kann er getrost im Biomüll entsorgt werden.

Sina Trinkwalder, der FC Bayern der Textilunternehmer

Viel Lob hat Sina Trinkwalder mit ihrem sozialen Unternehmenskonzept und ihrem „made in Germany“-Kredo geerntet. Viele Auszeichnungen hat die Unternehmerin erhalten, darunter den 1. Deutschen Sozial Media Preis „Wirtschaft“ bei „Land der Ideen“ 2010, 2011 den Titel als „Social Entrepreneur der Nachhaltigkeit“ beim „Deutschen Nachhaltigkeitspreis“ und noch einige Ehrungen mehr. Dass es da auch Neider gibt, dass man da hin und wieder mal Gegenwind zu spüren bekommt, das kratzt die Unternehmerin nur am Rande: „Mein Mann sagt immer, ich sei wie der FC Bayern: 50 Prozent hassen mich, 50 Prozent lieben mich. Diese zweiten 50 Prozent reichen mir“, verriet sie in einem Interview mit der Mainpost.

Wunder muss man selber machen

Eine faszinierende Persönlichkeit mit einer gesunden Portion Selbstbewusstsein, diese Frau Trinkwalder. Wer sich über den „Schrecken des Arbeitgeberverbandes“ (Zitat Verlagsgruppe Droemer Knaur) ein besseres Bild machen will, wer erfahren möchte, wie sie ihr soziales Unternehmen aus dem Nichts aufgebaut hat, der kann das in ihrem Buch „Wunder muss man selber machen“ nachlesen. Und wer sich jetzt am liebsten gleich ein Original manomama-Kleidungsstück zulegen will, dem sei der Besuch im Onlineshop empfohlen. Wer weiß, vielleicht hat der ein oder andere unter Euch Lesern schon einen manomama-Artikel zu Hause, ohne es zu wissen. Die Stofftaschen aus dem DM-Drogeriemarkt zum Beispiel, denn die sind ein Manoma-Produkt. Aus Bio-Baumwolle, hergestellt in Augsburg, erhältlich in ganz Deutschland. Eine Erfolgsgeschichte wie aus dem Märchen.

***

Über den Autor: Christian ist Gründer von Happy Coffee. Neben gutem Kaffee interessiert er sich für fairen Handel, Surfen und die Startup Szene.


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