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Fair Trade ist Trend, aber für die Siegelinitiativen wie Transfair & Co. hagelt es seit einer Weile Fairtrade Kritik. Denn obwohl immer mehr Verbraucher zu fair gehandelten Produkten greifen und dabei den Siegeln ihr Vertrauen schenken, kann man sich nicht immer sicher sein, was sich dahinter verbirgt. Die Boulevard-Presse sprach sogar vom „Etikettenschwindel“ und prangerte vor allem die Discounter an. Andere kritische Stimmen meinen, dass Fairtrade-Produkte einfach zu teuer seien und die Anreize nicht stimmen würden.

Die Fairtrade Initiative: Eigentlich eine gute Idee…

Fairtrade steht ganz allgemein für Waren, die unter fairen Bedingungen produziert und gehandelt werden, und folgt dem Prinzip der Nachhaltigkeit. Dabei kommt es nicht nur auf ökonomische Fairness an, d.h. gerechte Löhne und angemessene Beteiligung der Produzenten an den Erlösen. Soziale Fairness, z.B. durch annehmbare Arbeitsbedingungen und Weiterbildungsmöglichkeiten, sowie ökologische Fairness – wie z.B. den Verzicht auf umweltschädigende Produktionsmethoden – fallen ebenfalls unter das Stichwort Fairtrade. Die Organisation, die hinter Fairtrade steht, nennt sich TransFair.

Gerade im Kaffeegeschäft spielt Fairtrade eine immer wichtigere Rolle. Denn die Kaffeebohnen kommen in der Regel aus Entwicklungs- oder Schwellenländern wie Äthiopien oder Papua-Neuguinea, in denen das Thema Fairness bei den Anbaubedingungen und im Handel durchaus Verbesserungsbedarf hat. Beim fairen Kaffeehandel werden die Kleinbauern auf den Plantagen durch Mindestpreise und faire Löhne, Kooperationen und Umweltstandards unterstützt. Dadurch sind sie den durch Spekulation, Einfuhrzöllen und Ernteausfällen schwankenden Kaffeepreisen am Weltmarkt weniger hilflos ausgesetzt.

Fair gehandelten Kaffee und andere fair gehandelte Produkte erkennt man an dem Fairtrade-Siegel. Natürlich sind sie etwas teurer im Einkauf, weil man ja etwas Gutes damit tut – oder etwa doch nicht?! Vorhang auf für die Fairtrade Kritik.

Fairtrade Kritik 1: Der undurchsichtige Siegelwald

Das eigentliche Fairtrade-Siegel wird von der Organisation TransFair nur an Produzenten vergeben, die strenge Auflagen erfüllen. Wie das am Beispiel von Kaffee aussieht, könnt ihr hier nachlesen. Mittlerweile ist ein regelrechter Fairtrade Trend zu verzeichnen und es sind weitere Siegelinitiativen (z.B. das Bio-Siegel, GEPA-Fair+, Naturlandzeichen) entstanden, um dem Verbraucher schon beim Einkauf als Qualitätssignale zu dienen. Hinter jedem Siegel verbirgt sich eine andere Organisation, die für bestimmte Dinge steht. Mal ist es mehr der ökologische Anbau, mal der faire Handel.

Doch eines steht fest: Gütesiegel lenken unsere Einkaufsentscheidungen, heute mehr denn je. Deswegen ist eine konstruktive Fairtrade Kritik so wichtig – und der erste Kritikpunkt bezieht sich auf die Fülle an Siegeln selbst.

Der Etikettenschwindel: Sind die Begriffe „Bio“ und „Fair“ geschützt?

Findige Unternehmer wissen, dass sich mit einem „grün“ aussehenden Siegel einfach mehr Geld verdienen lässt, doch manche wollen oder können sich den Auswahlkriterien der geprüften Siegelinitiativen nicht stellen. Kein Problem: Dann wird eben schnell ein eigenes Siegel kreiert… Wie bitte, das geht?! Leider ja.

Die Begriffe „bio“ und „öko“ sind in der EU für landwirtschaftliche Erzeugnisse rechtlich geschützt. Wir erinnern uns an den Skandal mit den als solche gekennzeichneten Bio-Eiern, die aber gar nicht aus ökologischer Landwirtschaft stammten und Prinzipien einer artgerechten Haltung mit Füßen traten. Andererseits bedeutet die Rechtslage, dass jeder sein Produkt „bio“ nennen darf, solange es nicht der Landwirtschaft zugerechnet wird oder völlig irreführend ist. Der Begriff „fair“ ist hingegen rechtlich überhaupt nicht geschützt. Aus diesen Gesetzeslücken resultieren jede Menge privater Siegel, die aber nicht mehr als Etikettenschwindel sind. Als Konsequenz stehen Konsumenten verwirrt in einem „Siegelwald“ und wissen nicht, welcher Plakette man noch vertrauen kann. 1:0 für die Fairtrade Kritik.

Glückliche Kuh„Bio“ darf sich nicht jeder nennen, „fair“ hingegen schon. Und ein eigenes Logo mit glücklicher Kuh basteln sowieso 

Welche Siegel sind überhaupt etwas wert?

Nur weil sich ein Unternehmen sein Siegel selbst ausstellt, müssen nicht sofort die Alarmglocken schrillen. Dass es auch ohne eine unabhängige Organisation geht, zeigen wir später an Beispielen. Doch spätestens lose umschreibende Begriffe wie „naturnah“, „ungespritzt“, „umweltfreundlich“ oder „aus integrierter Landwirtschaft“ sollten Skepsis wecken. Denn sie sind oft nicht mehr als Schall und Rauch. In diesen Fällen gibt es in der Regel keine strenge Siegelinitiative, die die gesamte Wertschöpfungskette kontrollieren kann. Wer soll dann sicherstellen, dass an jeder Stelle zwischen Anbau und Handel die nötigen Regularien, die die Worthülsen versprechen, auch befolgt werden? Eben, niemand.

Eine fröhliche Kuh steht auf einer saftig-grünen Wiese? Daneben steht etwas von verantwortungsvoller Landwirtschaft, aber sonst ist kein allgemein anerkanntes Fairtrade oder Bio-Siegel in Sicht? Das riecht nach Etikettenschwindel…

Nun kann man als Konsument nicht bei jedem Siegel erst umständlich nachschauen, ob alle Bedingungen in Sachen Umweltfreundlichkeit und Fairness erfüllt sind. So viel Zeit hat niemand! Deswegen empfehlen wir, auf bewährte und transparent arbeitende Initiativen und ihre Siegel zu setzen. In der Textil-Industrie hat sich beispielsweise die Fairwear-Foundation hervorgetan. Und im Lebensmittel-Bereich sind zum Beispiel die folgenden Siegelinitiativen vertrauenswürdig:

  • Fairtrade Siegel
  • Bioland
  • Biopark
  • Bio-Siegel in Deutschland / von der EU
  • Demeter
  • GEPA Fair+
  • Hand in Hand
  • Naturland Fair
  • Rainforrest Alliance
  • UTZ Certified

Zu den genannten Siegeln wurde jüngst ein Testbericht veröffentlicht. Unser Happy Coffee ist beispielsweise bio-zertifiziert und hier schreiben wir, was genau dahinter steht. Statt eines Fairtrade Siegels setzen wir übrigens aus diversen Gründen auf Direct Trade.  Und wer anderen Siegeln glauben schenken mag, muss selbst recherchieren was sich hinter ihnen verbirgt – oder Unsicherheit in Kauf nehmen.

Fairtrade Kritik 2 : Ein Discounter ist immer unfair

Es ist nicht neu, dass auch Discounter zum „Fairdenken“ übergehen und sich den Verkauf fair gehandelter Produkte auf die Fahne schreiben. Das ist sicherlich nicht nur reines Gutmenschentum, sondern ebenfalls kommerziell getrieben. Eine beliebte Fairtrade Kritik ist, dass die Begriffe „Discounter“ und „Fair“ eigentlich unvereinbar seien. Denn Discounter zeichnen sich doch durch besonders niedrige Verkaufspreise aus, während fair gehandelte Produkte im Einkauf immer mehr kosten. Wie passt das zusammen?

Discounter und ihre Fair Trade-Eigenmarken auf dem Prüfstand

Wer heute einen Gang in den Discounter um die Ecke wagt, der entdeckt schnell: Von den Verpackungen lacht uns nicht nur das Fairtrade-Logo an, sondern auch andere Siegel. Was bei Lidl „Fairglobe“ heißt, nennt Aldi Süd „One World“. Doch was bedeuten die bunten Bildchen und warum sind sie oftmals neben dem bekannten TransFair-Siegel zu finden?

Faire Siegel

Bekannt: Fairtrade (Quelle: TransFair), Fairglobe (Quelle: Lidl) & One World (Quelle: Aldi Süd)

Lidl und Aldi Süd sind Vertragspartner von TransFair

Einerseits setzen manche Discounter in bestimmten Produkt-Segmenten auf Kooperationen mit TransFair.  Sowohl Lidl als auch Aldi Süd sind Vertragspartner und haben mit dem Verein einen Lizenzvertrag abgeschlossen. Darin verpflichten sie sich, die internationalen Fair Trade-Standards einzuhalten. Im Gegenzug erlaubt ihnen TransFair, bestimmte Produkte mit dem Fair Trade-Siegel auszeichnen zu dürfen. Deswegen finden sich bei Lidl und Aldi Süd mittlerweile einige Fairtrade-Produkte in den Regalen, so z.B. Bananen, Basmati-Reis, Tee, Kaffee oder Wein.

Andererseits sind „Fairglobe“ (Lidl) und „One World“ (Aldi Süd) eigene Namenskreationen. Diese Eigenmarken der Handelsketten werden zusätzlich auf den fair gehandelten Lebensmitteln angebracht, sei es zu Zwecken der Kundenbindung oder zur Bereitstellung unverwechselbarer Produkte. Lidl war 2006 einer der ersten Discounter, der regelmäßig fair gehandelte Artikel anbot. Bei Aldi Süd handelte es sich anfangs eher um fair gehandelte Aktionsware wie z.B. Kleidung, die zu bestimmten Zeiten sehr intensiv beworben wurde. Seit 2014 hat der Discounter aber immer mehr solcher Produkte im festen Programm aufgenommen.

Macht TransFair die Discounter wirklich fairer?

Insbesondere für die Kooperation mit Lidl wurde TransFair von verschiedenen Seiten sehr heftig beschossen. Die Fairtrade Kritik Fraktion monierte, dass „Fair Trade“ und „Discountpreis“ in einem Satz einfach paradox seien. Hinzu kam das angekratzte Image der Handelskette, die vor einigen Jahren wegen schlechter Arbeitsbedingungen und Mitarbeiterüberwachung in die Schlagzeilen geriet. TransFair konterte mit dem Argument, dass man nur durch die Öffnung gegenüber Discountern mehr Fairtrade-Produkte realisieren könne. Außerdem, so argumentierte der Verein damals, wurden während der Verhandlungen mit Lidl keine preislichen oder markenrechtlichen Zugeständnisse gemacht.

Faire Produkte aus dem Aldi SüdFaire Produkte von Aldi Süd (Quelle: obs / Unternehmensgruppe ALDI Süd / ALDI Süd)

Fakt ist: Lidl und Aldi Süd müssen sich an die Bedingungen von TransFair halten, sobald das Fairtrade Logo für Produkte verwendet wird und ihre Eigenmarken treten immer gemeinsam mit dem renommierten Siegel auf. Zudem ist das Argument von TransFair mit der Marktöffnung nicht von der Hand zu weisen – denn es ist kein leichtes Unterfangen, Fairtrade-Produkte an die breite Masse zu bringen.  Allerdings machen fair gehandelte Produkte nur einen kleinen Bruchteil im Sortiment der Discounter aus. Ob sie die Prinzipien des fairen Handels wirklich verinnerlichen? Das darf man bezweifeln, wenn neben Fair Trade-Kaffee Turnschuhe für 12,99€ stehen, die eventuell aus einem Sweatshop stammen. Und wer zur fairen Banane greift, findet vielleicht direkt in der Stiege nebenan Tropenobst, dass von Plantagen mit Hungerlöhnen stammt. So etwas hatte die Organisation Oxfam jüngst bei den Discountern kritisiert.

Versuchen die Discounter also nur, mit ein paar fairen Produkten „Greenwashing“ zu betreiben und das eigene Image aufzupolieren? Vielleicht. Und besitzen die großen Ketten nicht genügend Marktmacht, um einen entsprechenden Preisdruck auf die Produzenten auszuüben? Definitiv, und inwiefern sie dies ausnutzen, wird nicht für jedes Produkt transparent. Allerdings macht TransFair die Discounter auch mit wenigen Produkten zumindest ein bisschen fairer. Das ist doch schonmal ein guter Anfang!

Die Alternative: Unabhängige Eigenmarken

Ein Siegel, das nicht mit TransFair in Zusammenhang steht, ist „Hand in Hand“ von der Rapunzel Naturkost AG. Sie wählte diesen selbstbestimmten Weg und versichert, dass Produkte der Eigenmarke zu mindestens 50 Prozent aus fairem Handel stammen. Die Begründung von Rapunzel Naturkost, warum nicht auf TransFair gesetzt wurde: Der Verein hinter dem Fairtrade Siegel verlange bestimmte Unternehmensformen für die Zertifizierung. Dadurch hätten Handelsbeziehungen zu manchen ökologischen Betrieben nicht aufrecht erhalten werden können. Es musste eine unabhängige Marke kreiert werden, deren Standards trotzdem hoch sein und regelmäßig kontrolliert werden sollten.

Eigenständige GütesiegelEigenständige Gütesiegel sind „Hand in Hand“ (Quelle: Rapunzel Naturkost AG) und „Pro Planet“ (Quelle: Rewe Group); ein staatliches Siegel ist das Deutsche Bio-Siegel nach EG-Öko-Verordnung (Quelle: BMEL)

Tatsächlich ist es Rapunzel Naturkost gelungen, selbst ein vertrauenswürdiges Siegel zu schaffen, das mehr als reines „Greenwashing“ ist. Die Stiftung Warentest attestierte dem Lebensmittelproduzenten, „bio“ und „fair“ zu sein, starke ökonomische Kriterien anzulegen und eine gute Rückverfolgbarkeit der Produkte zu gewährleisten.

Ebenfalls nicht die schlechtesten Noten bekam das Label „Pro Planet“ der REWE Group, zu der auch Penny gehört. Damit verfolgt der Lebensmittel-Riese ausgewählte Produkte entlang der Wertschöpfungskette nach und arbeitet dabei mit Partnern wie dem NABU zusammen. Über Kennziffern erhält der Endverbraucher viele Informationen über Produkte, z.B. woher sie konkret stammen.

Fairtrade Kritik 3: Falsche Anreize & Mischkalkulation

Wie fair ist ein Produkt mit dem Fairtrade Siegel wirklich? Sind alle Zutaten zu 100% fair angebaut und gehandelt? Nö, schreit die Fairtrade Kritik Fraktion. Und macht Fairtrade unsere Welt wirklich besser? Auch hier findet man Nörgler.

Die Mischkalkulation: Nicht immer sind 100% der Zutaten fair

Schaut man sich die Regularien an, dann ist festzustellen: Bei Produkten mit nur einer Zutat muss diese zu 100% fair produziert und gehandelt sein. Das trifft zum Beispiel auf fairen Kaffee zu, denn er besteht nur aus Kaffeebohnen. In Mischprodukten wie z.B. Schokolade und Keksen müssen allerdings nur 20% der Zutaten fair sein, die restlichen Rohstoffe dürfen konventionell gewonnen werden. Früher lag dieser Mindestanteil für Mischprodukte noch bei 50% und wurde aber 2011 von TransFair auf die heute geltenden 20% abgesenkt.

Als Folge kann ein Mischprodukt mit dem Fairtrade-Siegel zwischen 20% und 100% an fairen Zutaten enthalten. Trotzdem dürfen keine Versprechen geweckt werden, die nicht stimmen: Als ein Orangensaft-Hersteller seinen O-Saft als „100% fair“ kennzeichnete, rückte ihm die Verbraucherzentrale auf den Pelz, und entlarvte die wesentlich geringere Mischkalkulation. Auch TransFair e.V. stellt auf seiner Website mittlerweile deutlich klar, dass für ein Fairtrade-Mischprodukt grundsätzlich auf faire Rohstoffe zurückgegriffen werden muss, sofern diese fairen Optionen verfügbar sind. Deshalb, so argumentiert man seitens des Vereins, würden auch viele Mischprodukte die Schwelle der geforderten 20% an fairen Zutaten überschreiten.

Kritik an Fair Trade Bananen: In Deutschland bio-zertifiziert und ein 100% faires Produkt (Quelle: obs / TransFair e.V. / James Rodriguez)

Sind die Preise für Kaffee mit Fairtrade wirklich gerechter?

Eine gern vorgebrachte Fairtrade Kritik lautet, dass von den Premium-Preisen nur wenig beim Produzenten ankommt. Dahinter steckt der Irrglaube, dass der Kaffeebauer prozentual am Enderlös beteiligt wird. Dem ist natürlich nicht so, denn er erhält von der nächstverarbeitenden Stufe einen Mindest-Abnahmepreis, der nur nach unten begrenzt ist. Über weitere solcher Fairtrade Irrtümer kannst du hier nachlesen. Ebenfalls ein gängiges Argument ist, dass der Marktmechanismus letztlich effektiver sei als Fairtrade-Löhne. So hatte ein Professor an der University of London in einer Studie über Kaffeeplantagen in Äthiopien und Uganda herausgefunden:

„Wages in other comparable areas and among comparable employers producing the same crops but where there was no Fairtrade certification were usually higher and working conditions better. In our research sites, Fairtrade has not been an effective mechanism for improving the lives of wage workers, the poorest rural people.“ (The Guardian)

Wow, das klingt hart! Fairtrade Organisationen setzten sich gegen diesen Report zur Wehr und argumentierten, dass kommerzielle und eigenständige Großplantagen mit unterstützten Kleinbauern-Kollektiven in den ärmsten Gegenden verglichen worden seien. Die resultierenden Lohnunterschiede hingen von gänzlich anderen Absatzmengen ab und würden nicht berücksichtigen, dass in Fairtrade-Betrieben z.B. Überstunden und Mahlzeiten bezahlt würden. Zudem unterstütze TransFair zusätzlich die Finanzierung neuer Technik und Weiterbildungsmaßnahmen.

TransFair organisiert SchulungenEine Schulung für Kakao-Bäuerinnen an der Elfenbeinküste – auch für Weiterbildung setzt sich TransFair ein (Quelle: obs / TransFair e.V. / TransFair e.V. /Nabil Zarkot)

Das Incentive Problem: Schafft Fairtrade falsche Anreize?

Wie fair die diskutierten Kaffeepreise wirklich sind, kann an dieser Stelle schwer beurteilt werden. Fakt ist aber, dass selbst große Organisationen wie TransFair mit der Kontrolle ihrer Betriebe hinterher sein und die hohen Zertifizierungskosten transparent begründen müssen. Spannend finden wir das Argument von US-amerikanischen Wissenschaftlern, dass Fairtrade aufgrund der beschränkten Abnahmemengen zur Anreizverzerrung führen würde:

Ein Bauer hat zwei Säcke mit Bohnen, von denen Fairtrade nur einen abnimmt. Für Sack A (gute Qualität) bekommt er auf dem freien Markt 1,70 Dollar pro Pfund, für Sack B (schlechtere Qualität) nur 1,20 Dollar. Der Anreiz ist offensichtlich: Der gute Sack wird für 1,70 Dollar verkauft. Der schlechte geht zu Fairtrade, wo man 1,40 Dollar bekommt. Es ist gar nicht so unwahrscheinlich, dass er irgendwann in einer deutschen Kaffeetasse landet. (Die Zeit)

In dem Fall könnte sich der Kaffeebauer sogar entscheiden, den Kaffeebohnen für den freien Markt besondere Aufmerksamkeit bei Anbau und Ernte zu schenken, während er den Fairtrade-Anteil eher verkümmern lässt. Düstere Szenarien für Kaffeefreunde, die so sicher weiterer Forschung bedürfen. Und zeigen, dass TransFair das eigene Preis-Mengen-Modell jederzeit überprüfen und auch Qualitätskontrollen nicht vernachlässigen darf.

Fairtrade Kritik: Berechtigte Denkanstöße

Auch in Zukunft wird es weiterhin Fairtrade Kritik hageln. Wir setzen bei Happy Coffee ebenfalls nicht auf das Fairtrade Siegel, sondern auf fairen Handel ohne ein solches Zertifikat – mittels Direct Trade. Allerdings sind wir durchaus der Meinung, dass sich große Ideale und Ideen wie fairer Handel solch kritischen Stimmen stellen und konstruktiv agieren müssen, um ihre Standards zu halten oder sogar noch besser zu werden. Was ist deine Meinung zur Fairtrade-Debatte?

Update vom 24.6.2019: Als Reaktion auf diesen Artikel wurden wir von der Organisation TransFair e.V. kontaktiert, die uns versicherte, dass die hinter dem Fairtrade Siegel stehenden Standards weiterentwickelt und regelmäßig überarbeitet werden. Außerdem setze man auf Partizipation aller Beteiligten und vor allem der Produzenten am System, sowohl was Entscheidungen als auch die Verwendung der Fairtrade Prämien angehe. 

Titelbild: obs / TransFair e.V.

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Über die Autorin: Heidi liebt Kaffee, vor allen in Kombination mit einen gesunden Frühstück. Wenn Sie gerade keine Beiträge auf Happy Coffee schreibt, berichtet die Weltenbummlerin auf ihrem Blog meerdavon.com über Ihre Reisen.



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