Hipper geht’s nicht: Skateboards aus Plastikmüll - Happy Coffee

Unsere Ozeane gleichen einer riesigen Müllhalde. Dort treiben alte Fischernetze neben Flaschen und Verpackungen. Schifffahrtstourismus und die Berufsfischerei hinterlassen ihre Spuren aus nichtabbaubarem Abfall und Treibstoffresten, die das Wasser verschmutzen. Schätzungen gehen von Hunderten Millionen Tonnen Abfall aus!

Doch für die meisten Menschen ist dieser Müll erst dann sichtbar, wenn er an den Strand gespült wird und den schönen Ausblick stört. Auf hoher See sammelt er sich in immensen Strudeln, die gigantische Ausmaße annehmen. Einer der Wirbel im Nordpazifik heißt Great Pacific Garbage Patch und ist ungefähr viermal so groß wie Deutschland. Der Müll wird jahrzehntelang umhergewirbelt – er zersetzt sich dabei nicht, sondern die Müllteile zerfallen in immer kleinere Partikel. Durch UV-Strahlung, Salzwasser und Reibungskräfte werden giftige Chemikalien freigesetzt, die auch bei Menschen schwere körperliche Schäden hervorrufen können. Dieser Umweltkatastrophe fallen jährlich mehr als eine Million Seevögel und 100000 Säugetiere zum Opfer. In den Mägen gestrandeter Wale findet man kiloweise Plastikmüll.

The Ocean Cleanup – wie ein niederländischer Student das Meer aufräumen will

Es gibt viele Vorschläge, um die Verschmutzung der Meere einzudämmen und damit das Problem in den Griff zu bekommen. Leider wurde bis jetzt keine praktikable und funktionierende Lösung für gefunden. Nun meint der Niederländische Student Boyan Slat der Lösung auf die Schliche gekommen zu sein. Er nennt sein Konzept Ocean Clean Up. Die Idee ist simpel: Das Meer soll sich – mit ein wenig Hilfe von außen – selbst aufräumen.
Anstatt den Müll von Schiffen aus einzusammeln, will Slat riesige Filteranlagen installieren, die wie Fangarme funktionieren und auf der Wasseroberfläche treiben. Sie sollen schlauchförmig aussehen, bis zu 50 Kilometer lang sein und alle vier Kilometer am Meeresgrund befestigt werden. Sie nutzen dabei die Meeresströmungen aus, um den Plastikmüll zu sammeln.

An den „Fangarmen“ soll der Abfall auf seiner Bahn durchs Meer hängenbleiben. Laut Theorie treiben der Wind und die natürliche Meeresströmung den Müll auf eine Art Auffang-Plattform zu, die am Ende des Trichters befestigt ist. Der Müll müsste dann in regelmäßigen Abständen mit einem Schiff abgeholt und anschließend verarbeitet werden Delfine, Wale und andere Meeresbewohner jedoch könnten angeblich unter den Barrieren hindurchschwimmen.

MIt Crowdfunding für ein sauberes Meer ohne Müll

Slat hat für seine Idee Preise, viel Anerkennung und einiges an Aufmerksamkeit bekommen. Jetzt könnte sie Realität werden. Zunächst hatten viele Überzeugte Geld für eine Machbarkeitsstudie gespendet gehabt. Nun sind sogar die veranschlagten zwei Millionen Dollar, die er für den Bau eines Prototype benötigt, zusammen. Mehr als 37000 Menschen haben sein Projekt bislang per Crowdfundig unterstützt.

Im Internet hat es Slat, der sein Luft- und Raumfahrtstudium im Moment pausiert, zu einer gewissen Prominenz bebracht. Er gestaltet sein Auftritte bewusst mit viel Pathos, lässt knackige Sprüchen los und übt sich in großen Versprechungen. Er erwarte sogar, dass der Müll aus den Meeren recycelt werden kann. Seine Apparatur, die zehn Jahre lang halten soll, ließe sich so zumindest teilweise selbst finanzieren. Innerhalb dieses Zeitraums könne er die Hälfte des Plastiks aus dem Great Pacific Garbage Patch herausfiltern.

Bei einer TEDx-Veranstaltung 2012rief er selbstbewusst in den Raum „Warum können wir das nicht einfach sauber machen?“ Er antwortete darauf mit: Wir können. Das Video ist ein Riesenerfolg bei Youtube: mittlerweile über 1,5 Millionen wurde der Clip angeklickt.

Nicht jeder ist von der toll klingenden Idee überzeugt. Stephan Haufe, Mitarbeiter im Umweltbundesamt, bewertet Aufräumaktionen im Meer zunächst als heikel: „Müll aus dem Meer zu holen, ist nicht automatisch gut,“ so der Experte im Interview mit der ZEIT. Zum einen sei das Abfallaufkommen der letzten Jahrzehnte in den Ozeanen derart angestiegen, dass dieses nicht mehr ohne weiteres entfernt werden könnte. Nicht nur das; zum anderen sei der Müll in manchen Milieus des Meeres zum festen Bestandteil des Ökosystems geworden. Man bedenke den Meeresboden, wo die Plastikabfälle nicht der Sonne oder den Wellen ausgesetzt seien, somit nicht schnell angegriffen werden und manchen Fischen und Krebsen als Höhle oder Unterschlupf dienten.

Deswegen gelangte das Umweltbundesamt zu der Einschätzung, dass Ocean Clean Up „das erste durchdachtere Projekt“ darstellt. Es fischt das Meer an der Oberfläche ab. Ein Schleppnetz oder dergleichen würde über den Grund des Ozeans gezogen werden und dabei unter Umständen genauso viel Müll wie Lebensraum mit sich reißen.

Dagegen ist Lars Gutow, Meeresbiologe am Alfred-Wegener-Institut weniger optimistisch. Seiner Meinung nach schöpfen die Fangarme die Kleinstpartikel nicht ausreichend ab. Hinzu kommen Slats Plattformen. Sie sollen sich selbst über Solaranlagen mit Energie versorgen. Sie bedeuten nicht nur eine anspruchsvolle biologische Aufgabe, sondern auch eine physikalische Die schwimmenden Stationen sollen am Meeresgrund verankert werden, mitunter in bis zu 4500 Meter Tiefe. Gutow sieht darin die größte Herausforderung des Ocean-Clean-Up-Projekts. Die Anlage sei dem nicht gewachsen: „Da draußen herrschen Kräfte, die sich kaum beherrschen lassen.“ Doch er lasse sich gerne vom Gegenteil überzeugen.

Hipper geht’s nicht: Skateboards aus Fischernetzen

Gleiches Problem, anderer Lösungsansatz: Für die meisten Unternehmen besteht eine der Hauptaufgaben in der Generierung der benötigten Ressourcen, um ihr Produkt zu produzieren. Man stelle sich vor wie viel praktischer es wäre, wenn man Die Ressourcen einfach finden könnte, wenn sie zum Beispiel einfach an den Strand gespült würden und man sie nur einsammeln müsste? Drei amerikanische Unternehmer, die in Chile arbeiten, tun offenbar genau das.

David Stover und Ben Kneppers Businesssidee umfasst die Fertigung von Skateboards aus chilenischen Kunststoffabfall. Sie haben dafür jüngst ihr Unternehmen, Bureo Skateboards, gegründet. Ben R. Kneppers, David M. Stover und Kevin J. Ahearn produzieren Skateboards aus Kunststoffmüll, den sie in Chile gesammelt haben und starten zudem im Frühjahr 2014 eine Produktlinie nachhaltiger Artikel.

Das neue Unternehmen erhielt 50000 Dollar Finanzierung von der Northeastern University und von „Start Up Chile“ in Santiago. Kneppers, ein Umweltberater, und Stover, ein Finanzberater, trafen sich das erste Mal in Sydney und waren während ihrer Arbeit für diverse andere Projekte sogar Mitbewohner. Sie beide teilen neben dem Wohnraum auch die Liebe zum Surfen, Skaten und ganz allgemein zum Outdoor-Lifestyle.

Die Idee für ihr nachhaltiges Start Up kam während einiger Brainstorming-Sessions im Dezember des vergangenen Jahres, als sie sich über Möglichkeiten austauschten, wie die Plastikverschmutzung ihrer geliebten Ozeane verhindert oder zumindest eingedämmt werden könnte. Denn „Geisternetze“, also verlassene Fischernetze, die im Ozean umhertreiben, stellen ein großes Problem dar. Zum einen tragen sie zur Verhüllung der Weltmeere bei, zum anderen verfangen sich darin Fische und kleinere Meeressäuger wie Schildkröten, die ersticken und dabei elende zu Grunde gehen. Kneppers trat alsbald eine Stelle bei einer NGO in Santiago de Chile an, die Innovationen und Nachhaltigkeit in dem südamerikanischen Land fördert. Im Zuge dessen sah er sich mit einer Menge Plastik konfrontiert. Was sollte man damit nur anstellen?

„Wegen der Kosten von Recycling-Maßnahmen und wegen Problemen der Konsistenz von gebrauchtem Kunststoff, wählen viele Hersteller neuproduziertes Plastik“, erklärt Stover. „Es ist relativ billig, es ist leicht zugänglich und es gibt nicht wenige Probleme bei einigen der Recycling-Projekte. Wir haben uns gesagt, wir müssen ein Produkt schaffen, bei dem die Gewinnspanne diese Kosten decken kann,“ so der clevere Entrepreneur im Gespräch mit dem Forbes Magazin. Apropos Gewinne, Bureo glaubt auf die Weise könnte man Skateboards für unter 10 Dollar produzieren.

Bis zu 50 Tonnen Kunststoff vor Chiles Küsten

Kneppers und Stover sehen großes Potential in ihrer Idee: 30 bis 50 Tonnen Kunststoff von Chiles Küsten können sie für ihre Produktion verwenden. Gute Kontakte zu Herstellern der Wheels und anderer Komponenten in Südamerika sind ebenso vorhanden, ein guter Ruf in der Skaterszene ist sowieso gegeben. Über ihre genauen Herstellungsverfahren schweigen die zwei sich aus, da es sich um einen zum Patent angemeldeten Prozess handelt. Die Produktion wird in Chile durchgeführt und über die Webseite Bureos werden die Boards und andere Produkte verkauft. Die Finanzierung per Crowdfunding war ein voller Erfolg. Statt der anvisierten 25.000 USD wurden über 64.000 USD eingesammelt. Die Boards im stylischen Fischdesign sind im Onlineshop erhältlich und finden, wie es erste Berichte aussagen, reißenden Absatz.

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Über die Autorin: Sandra hat Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studiert. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Leidenschaften sind Nachhaltigkeit, sowie die Unterstützung der nachhaltigen Fischräucherei ihres Bruders. Die passionierte Teetrinkerin ist seit Happy Coffee auch zu einem Kaffee-Fan geworden.


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