Das Warten hat ein Ende: endlich wird in Deutschlands Gärten wieder der Grill angeschmissen! Was für Fleischliebhaber oft ein Fest ist, konnte früher für Vegetarier zu einer stressigen Pflichtveranstaltung ausarten. Einerseits wollte man das gesellige Beisammensein nicht missen, andererseits wurde man oft als Außenseiter belächelt, wenn man keinen Platz auf dem Rost bekam und sich stattdessen am Beilagensalat sattessen musste. Mittlerweile ist es gang und gäbe, dass es bei Grillparties einen extra Grill gibt, der nur für Vegetarier reserviert ist. Die Möglichkeiten, Gemüse, Tofu oder Käse zu grillen sind heute so vielfältig und schmackhaft, dass manch ein Fleischesser neidisch auf die fleischlosen Alternativen schaut. Wir haben für euch die schönsten Gemüse- und Tofu-Rezepte sowie Beilagen rausgesucht, damit dem vegetarisch Grillen nichts mehr im Wege steht.

Der Klassiker: Tofu-Rezepte zum vegetarisch Grillen

Tofu gilt, unter NIcht-Vegetariern, oft als „langweilig“. Dabei ist das aus Sojabohnenteig hergestellte Produkt alles andere als fad, wenn man es richtig vorbereitet. Um Erfolg beim Tofu grillen zu haben, muss man einige Faktoren beachten. Los geht’s mit der richtigen Auswahl des Tofus. Nicht nur im Bio-Markt, auch im normalen Supermarkt erhält man heutzutage problemlos Tofu. Dabei ist es für den Tofu-Laien nicht immer einfach, die richtige Sorte auszuwählen. Als erstes und wichtigstes sollte man darauf achten, dass der Tofu aus gentechnikfreien Sojabohnen hergestellt wurde. In der EU herrscht Kennzeichnungspflicht für gentechnisch manipuliertes Soja. Doch, selbst das Greenpeace-Magazin gibt zu:

Den Tofu gentechnik- und pestizidfrei zu halten, ist eine Herausforderung.

Ein zu 100% genfreier Tofu kann unter Umständen nicht mal unter dem Bio-Siegel garantiert werden – um sicherzugehen, sollte man sich auf dem Laufenden halten, die Stichproben von Öko-Test bieten hierfür eine zuverlässige Quelle.

Welcher Tofu ist der richtige?

Nachdem die richtige Tofu-Marke ausgewählt wurde, geht es nun an die Sorte. Zum Grillen eignet sich der feste Tofu, nicht aber der Seiden-Tofu. Denn letzterer ist zu weich und wird gerne für die Verarbeitung zu Cremes, Desserts und Kuchen genommen. Schnittfest sollte der Tofu sein, damit er gut gegrillt werden kann. Aber auch fester Tofu kann manchmal etwas auseinanderbröcklen, wenn man ihn für den Grill aufschneidet. Die User im Vegetarierforum haben da eine clevere Idee: sie frieren den Tofu erst ein, um ihn dann vor dem Grillen wieder aufzutauen. Dann kann der Tofu problemlos geschnitten werden und behält seine Form.

Die perfekte Marinade zum Tofu-Grillen

Doch noch immer nicht darf unser Tofu auf den Grill. Denn der Geschmack von gegrilltem Tofu steht und fällt mit der richtigen Würze. Doch damit Tofu nicht nur ein weniger interessantes Grillprodukt wie die fleischlichen Alternativen ist, sondern damit er so gut schmeckt, dass er als eine echte Abwechslung auch für Fleischesser gilt, reicht das Würzen mit Salz und Pfeffer bei Weitem nicht aus. Der Trick, um aus gegrilltem Tofu eine wahre Delikatesse zu machen, ist, ihn vor dem Grillen einzulegen. Alles steht und fällt mit der richtigen Marinade – und mit der Dauer des Marinierens. Damit die Mischung richtig in den Tofu einziehen kann, muss er mindestens vier Stunden eingelegt werden, am besten sogar über Nacht. Um den Tofu richtig zu marinieren, muss er erst getrocknet werden, schließlich liegt er in der Packung in einer Lake. Das macht man am besten mit einem Baumwolltuch, alternativ kann er auch mit Küchenkrepp trockengetupft werden. Das wichtigste bei der Marinade: das Öl. Aufgepasst: Für’s Grillen, und das gilt auch für’s Tofu-Grillen, ist nicht jedes Öl geeignet. Manche Öle, vor allem die mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren, setzen bei zu hohen Temperaturen krebserregende Stoffe frei. Öle mit mehrheitlich einfach ungesättigten Fettsäuren hingegen machen keine Probleme beim Grillen. Für eine gute Marinade zum Tofu-Grillen wird daher Raps- oder Olivenöl empfohlen.

Um der Ölbasis den richtigen Pfiff zu geben, müssen nun Gewürze zugegeben werden. Und hier sind der Fantasie fast keine Grenzen gesetzt.

Tofu grillen asiatisch: Teryaki

Ein Favorit auf vegetarischen Barbecues ist die asiatische Variante, vor allem die köstliche Teryaki-Marinade. Die klassische Teryaki-Sauce wird aus Sojasauce, Hühnerbrühe, Zucker und Reiswein hergestellt. Damit die Teryaki-Sauce aber auch wirklich vegetarisch ist, kann man die Hühnerbrühe durch Gemüse ersetzen. Den besondern Kick gibt die Zugabe von etwas Ingwer oder Ingwersaft. Extra gesalzen werden muss die Teryaki-Marinade nicht, da in der Sojasauce schon Salz enthalten ist.

Mediterran und vegetarisch Grillen: Tofu a la Kräuter der Provence

Kräuter und Gewürze

Photo by Raging Wire

Wer es lieber mediterran mag, dem sei die Zubereitung der Marinade mit Kräutern der Provence ans Herz gelegt. Die beliebte Kräutermischung gibt es fertig im Supermarkt oder Bioladen um die Ecke zu kaufen, kann aber auch leicht selbst hergestellt werden, in dem man die getrockneten Kräuter mischt. In die klassische ‚Herbes de Provence‘ Mischung gehören Rosmarin, Basilikum, Majoran, Thymian, Salbei, Bohnenkraut, Estragon, Lorbeer, Fenchel und Lavendel. Eine frische Knoblauchzehe gibt der Marinade den typischen Mittelmeer-Geschmack.

Tofu grillen mit Chili: hot & spicy

Some like it hot: Mit Chili und verschiedenen Pfeffersorten kann eine schön scharfe Marinade hergestellt werden. Besonders erfrischend und passend zum Sommer ist eine Marinade, bei der frische Chilischoten sowie Chilipulver mit dem Saft von Limetten vermischt werden.

Es gibt nicht nur Tofu: Sojawürstchen und Fleischersatzprodukte

Von verschiedenen Anbietern gibt es eine Vielzahl an Tofu-Würstchen, „falschen“ Schnitzeln und Koteletts aus Soja, die zum Grillen geeignet sind. Die Unterschiede sind groß und wenn man Pech hat, gerät man an ein Produkt, dass fad und nach gar nichts schmeckt. Die Devise heißt hier: Probieren geht über Studieren! Während ein selbst marinierter Tofu bestimmt besser schmeckt, können diese Convenience-Produkte eine Alternative sein, wenn man spontan zum Grillen eingeladen wird und keine Zeit hat, zu Hause etwas vorzubereiten.

Gemüse grillen: lecker, leicht und gesund

Grüner Spargel

Photo by woodleywonderworks

Tofu ist schon fettarm, aber ganz besonders leicht wird die Grillparty mit gegrilltem Gemüse. Damit das Gemüse auf dem Grill gut schmeckt, sollte etwas Fett aber trotzdem nicht fehlen, denn schließlich ist es Geschmacksträger. Wie auch beim Tofu kann Gemüse zum Grillen vorbereitet werden, indem es in eine Marinade eingelegt wird. Besonders gut zum Grillen eignen sich die südländischen Gemüse Zucchini, Paprika und Aubergine. In feine Streifen geschnitten sollten sie ebenso wie derTofu mehrere Stunden marinieren, damit die Marinade richtig einziehen kann. Auf dem Spieß grillt das Gemüse besonders schön durch. Richtig gut auf dem Grill macht sich auch die Artischocke. Ihr herb-bitteres Aroma harmoniert besonders schön mit einer Marinade aus Öl und Limette oder Zitrone. Sehr beliebt, auch bei Nicht-Vegetariern, sind gegrillte Pilze. Dafür eignen sich Riesenchampignons besonders gut. Weil sie zum Großteil aus Wasser bestehen, bleiben sie auch besonders lange saftig, auch wenn sie mal länger auf dem Grill liegen. In eine Knoblauch-Kräuter-Marinade eingelegt erhalten sie ein köstliches, mediterranes Aroma. Einen Extra-Pfiff erhalten die Pilze, wenn sie mit Frischkäse oder Ziegenkäse gefüllt werden. Damit auf dem Grill aber nichts verläuft empfiehlt es sich, beim Grillen eine Folie auf den Rost zu legen. Der vegetarische Klassiker auf jeder Grillparty ist und bleibt natürlich die Folienkartoffel. Am besten vorgekocht, damit es nicht zu lange dauert, in Alufolie eingehüllt und mit verschiedenen Kräutern, Käse oder Gemüse gefüllt: das ist nicht nur eine leckere Beilage zum Grillen, das geht glatt als Hauptgericht durch. Ein Gemüse, dass gerade Saison hat, und besonders gut gegrillt werden kann, ist der grüne Spargel. Anders als sein weißer Verwandter ist er viel unkomplizierter vorzubereiten, da grüner Spargel nicht geschält werden muss. Einfach mit etwas Olivenöl bepinseln, salzen, pfeffern und grillen. Fertig ist ein zartes und sehr gesundes Grillgemüse.

Halloumi grillen: knusprig und mediterran

Der halbfeste Käse, der ursprünglich aus der Türkei und aus Griechenland kommt, eignet sich perfekt zum Grillen. Meist ist sogar der fertig gewürzte Grillkäse, den man im Supermarkt kaufen kann, ein Produkt aus Halloumi. Besser wird es natürlich mit der eigenen Marinade, hier können die gleichen Rezepte wie für das Tofu-Grillen verwendet werden. Halloumi kann aber auch ganz pur, ohne dass er vorher in eine Marinade eingelegt wird, gegrillt werden. Das Ergebnis ist ein knuspriger, zart gebräunter Käse, der nur einen leichten Eigengeschmack hat, weshalb ihn erst die richtigen Beilagen zu einer Delikatesse machen.

Beilagen zum Grillen

Das Salatbuffet

Nicht nur beim Grillen von Wurst, Kotelett und Co. kommt es auf die richtigen Beilagen zum Grillen an. Das Salatbuffet bei einem Grillfest ist meist mindestens so beliebt wie das Grillgut an sich. Was auf keiner Grillparty fehlen darf, sind natürlich die beiden Klassiker Kartoffelsalat und Nudelsalat. Hierfür hat jeder sein eigenes Lieblingsrezept. Mal wird der Kartoffelsalat mit Mayonnaise oder Salatcreme, manchmal mit Essig und Öl und, im süddeutschen Raum, sogar mit Brühe zubereitet. Manche meinen, dass Gurken und Dill zwingend in den Kartoffelsalat gehören, andere favorisieren Radieschen oder sogar Äpfel – Rezeptforen bieten hunderte verschiedene Varianten von Kartoffelsalat an. Ähnlich verhält es sich beim Nudelsalat. Wer mit einem etwas anderen Salat punkten möchte, der könnte es mit einem Gnocchi-Pesto-Salat versuchen. Der ist einfach, geht schnell und ist sicherlich der Star auf jeder Grillparty. Hierzu werden Gnocchi kurz aufgekocht, abgegossen und anschließend mit etwas Pesto, Oliven, Tomaten, Feta, Salz und Pfeffer vermischt. Dieser Pasta-Salat wird schneller aufgegessen als es dauert, ein Nürnberger Würstchen zu grillen!

Unverzichtbar: Dips

Leckere Dips!

Photo by kitchenplate

Unverzichtbar für das Grillen von Tofu oder Gemüse sind die richtigen Saucen und Dips. Auf Quarkbasis lassen sich viele leckere Dips zaubern, indem man verschiedene Kräuter untermischt. Besonders cremig wird ein Quark-Dip, wenn etwas zerdrückter Feta hinzugegeben wird. Für Vegetarier oder Menschen, die an einer Laktose-Intoleranz leiden, eignen sich Quark- oder Joghurt-Ersatzprodukte aus Soja genauso gut. Besonders gut zu Tofu oder Halloumi, aber auch zum Gemüse, passen Cremes auf der Basis von Nussmus. In der Spezialitäten-Abteilung im Supermarkt oder im Bioladen gibt es meist eine Auswahl an verschiedenen Nusscremes. Mus aus Erdnüssen, Haselnüssen oder Mandeln wird zu einem exotischen Grilldip, wenn es mit Joghurt und verschiedenen Gewürzen verrührt wird. Warum nicht mal ein Mus aus Erdnüssen, Joghurt und Kokosmilch herstellen? Noch ein bisschen Ingwer und Zucker zugegeben und fertig ist eine Art Saté-Sauce, die hervorragend zu Gemüse-Spießen passt.

Grill-Geheimtipps

Eigentlich gelten für das Grillen von Gemüse, Tofu oder Käse die gleichen Regeln wie für das Grillen von Fleisch. Wer sich schon ein- oder mehrmals als Grillmeister betätigt hat, der weiß, worauf es ankommt. Dennoch gibt es gerade beim Tofu und Gemüse grillen ein paar Tricks, die ein gutes Gelingen garantieren. Meist verhält es sich nämlich so, dass (ausgenommen beim Kartoffel grillen) die vegetarischen Alternativen empfindlicher auf Hitze als Fleisch reagieren. Das heisst, vegetarisches Grillgut wird schneller durchgegrillt. Damit der Tofu oder das Gemüse nicht verbrennen, sollten die Zutaten nicht direkt in die Mitte, sondern eher an den Rand des Rosts gelegt werden.

Wer den Geschmack von Fleisch mag, aber keines essen will, der kann sich mit ein paar einfachen Tricks behelfen. Den festen Tofu, der sich zum Grillen eignet, gibt es manchmal auch als Räuchertofu zu kaufen. Der geräucherte Tofu ruft die typische „Umami“-Geschmackssensation hervor, ein vollmundiger Geschmack, der meist Fleisch zugeschrieben wird. Um Gemüse oder Grillkäse diesen besonderen Geschmack hinzuzufügen, kann man auch mal zu Räuchersalz statt normalem Salz greifen, das Ergebnis ist überraschend anders!

Mit unseren Tipps steht der perfekten vegetarischen Grillparty nichts mehr im Wege. Jetzt muss nur noch das Wetter stimmen, dann heißt es: Gemüse und Tofu her, an den Grill, fertig los! Wir wünschen gute Appetit!

***

Über den Autor: Christian ist Gründer von Happy Coffee. Neben gutem Kaffee interessiert er sich für fairen Handel, Surfen und die Startup Szene.


Schreiben Sie einen Kommentar

Kommentare werden vor der Veröffentlichung genehmigt.


Vollständigen Artikel anzeigen

Clean Eating
Clean Eating: Alles über die gesunde Ernährung ohne Zucker und Zusatzstoffe

Clean Eating steht für natürliche und unverarbeitete Lebensmittel. Lies hier, wieso dieser Ernährungsstil bunt ist und dein Leben verändern wird!
Vollständigen Artikel anzeigen
Grüner Tee
Wie dir grüner Tee beim Abnehmen hilft

Grüner Tee wird weltweit ein immer beliebteres Getränk, nicht zuletzt wegen seiner vielen positiven Wirkungen auf Körper und Geist. Grüner Tee ist längst nicht mehr nur im Teefachgschäft erhältlich. Ob…

Vollständigen Artikel anzeigen
Kaffee oder Tee?
Kaffee oder Tee: Welches Heißgetränk ist besser für dich?

Kaffee oder Tee sind die ewigen Rivalen. Wo trinkt man Kaffee und wo Tee? Was ist gesünder, macht schöner und wacher? Finde es heraus!

Vollständigen Artikel anzeigen

Kostenloser Brühguide