Gibt man bei der Google-Suche „vegan“ ein, spuckt die Suchmaschine über 34 Millionen Ergebnisse aus: von Informationsportalen für Interessierte und Anhänger über Rezeptideen bis hin zu Onlineshops. Hollywoodstars wie Brad Pitt und Natalie Portman preisen die Vorteile eines veganen Lebensstils an und in Deutschland machen sich gerade vegane Köche wie Björn Moschinskieinen Namen. Das Buch Vegan for fit – Die Attila Hildmann 30-Tage-Challenge steht bei Amazon auf Platz 1 der Bestsellerliste im Bereich „gesunde Ernährung.“ Während früher selbst Vegetarier oft für Exoten gehalten wurden, scheint sich Veganismus mehr und mehr zum Trend zu entwickeln. Doch was genau bedeutet eigentlich vegane Ernährung und was steckt dahinter?

Was bedeutet eigentlich vegan leben?

Der Begriff „vegan“ wurde 1944 von dem Engländer Donald Watson erfunden, als Abkürzung von „Total Vegetarian“. Als solcher sah er sich nämlich. Denn jemanden, der als Vegetarier zwar kein Fleisch aß, dafür aber Milch und Eier zu sich nahm, den konnte er nicht ernst nehmen. Konsequent trat er aus der Vegetarian Society aus, der er bis dahin angehört hatte und gründete die Vegan Society. Donald Watson kann man daher also als den Urvater des Veganismus bezeichnen.

Was genau ein Veganer ist, darüber streiten sich selbst die Anhänger noch manchmal. Grundsätzlich ist ein Veganer jemand, der eine Nutzung von Tieren und tierischen Produkten ablehnt. Wenn man also entschieden hat vegan leben zu wollen, dann nimmt man keine Nahrungsmittel tierischen Ursprungs zu sich – dazu gehören neben Milchprodukten (Butter, Sahne, Joghurt, Quark etc.)  und Eiern auch Honig, und, natürlich, wie beim Vegetarier auch, Fleisch.

Vegange Lebensmittel finden und schätzen

Allerdings ist es nicht immer so offensichtlich erkennbar, in welchen Nahrungsmitteln tierische Produkte enthalten sind. Um zu wissen, dass selbst Limonade oder Wein nicht vegan sein kann, muss man sich schon gut informieren. Das kann man in einer der vielen Online-Communities wie zum Beispiel vegan.eu oder vegan.de. Hier erfährt man, dass eine bestimmte Limonade auf der „schwarzen Liste“ steht, weil sie Milchzucker (Laktose) enthält, oder viele Weine nicht vegan sind – denn der Weinmost wird oft mit Gelatine oder Fischbestandteilen geklärt.

Vegan leben bedeutet für echte Veganer allerdings mehr, als lediglich bei der Ernährung auf tierische Produkte zu verzichten. Ethisch motivierte Veganer lehnen in allen Bereichen ihres Lebens tierische Erzeugnisse oder Produkte, die durch Tierversuche getestet wurden, ab. Dass sich das teilweise ganz schön kompliziert gestaltet, kann man sich vorstellen: ist der Pullover frei von Wolle? Ist die Tasche aus Kunst- oder Echtleder und woraus bestehen überhaupt die Borsten aus meinem Kosmetikpinsel? Eine weitere, unter Veganern sehr umstrittene Frage: Ist das Halten von Haustieren erlaubt? Und falls ja, ist es okay, dass im Tierfutter Fleisch enthalten ist? Es scheint nicht wenige Veganer zu geben, die eine Katze oder einen Hund haben, denn wofür sonst sollte es sonst Onlineshops geben, die veganes Hunde- und Katzenfutter vertreiben?

Vegane Schuhe aus der Hauptstadt

Um sicher zu gehen, dass wirklich kein Tier enthalten ist, muss man sich auf dem Laufenden halten – oder man macht es sich einfach und kauft im speziellen Supermarkt ein. Die vegane Supermarktkette veganz hat in Deutschland schon sieben Filialen, daneben eine in Prag und eine weitere in Wien – und baut weiter auf Expansion. Wenn man nicht gerade in einer Großstadt lebt, hat man zumindest die Möglichkeit, in einem veganen Onlineshop, wie zum Beispiel VeganWonderland zu bestellen. Für beide Varianten gilt: man sollte bereit sein, etwas mehr für seinen täglichen Bedarf auszugeben, denn günstig sind die Produkte meist nicht.

Generell ist es für Großstädter einfacher, einen veganen Lifestyle zu führen: mittlerweile gibt es in vielen europäischen Metropolen vegane Cafés oder Restaurants, und in Berlin gibt es mit avesu sogar ein veganes Schuhgeschäft. Und natürlich ist es wahrscheinlicher, im Alltag auf Gleichgesinnte zu treffen.

Jesuslatschen, Jutebeutel und Strickhose – Sind Veganer die neuen Ökos?

A propos Gleichgesinnte: wer sich jetzt vorstellt, dass ein Veganer so aussieht wie man sich in den Achtziger Jahren den „Öko“ vorgestellt hat – also mit Stricksocken, Jutebeutel und Jesuslatschen: weit gefehlt. Wie in jedem Bereich unserer Gesellschaft gibt es auch unter Veganern die unterschiedlichsten Menschen mit unterschiedlichen Lebensstilen und Motivationen. Neben den politisch motivierten Veganern, die sich für Tierrechte oder den Umweltschutz einsetzen und sich mit der Welternährungsproblematik beschäftigen gibt es mindestens genauso viele, die sich aus reinem Eigennutz vegan ernähren. Auf Youtube gibt es unzählige Videos von Fashion- und Lifestylebloggerinnen, die den Veganismus für sich entdeckt haben, weil sie sich damit fitter und gesünder fühlen oder ihre Bikinifigur halten wollen. Auch unter den Anhängern der Hardcore-Musik gibt es viele, die sich dem veganen Lebensstil verschrieben haben und dies auch nicht selten durch großflächige Tätowierungen bezeugen.

Ernährungswissenschaftlich ist das immer noch nicht eindeutig geklärt. Erwiesen ist, dass immenser Fleischkonsum ungesund ist. Ob es aus rein gesundheitlicher Sicht besser ist, sich vegetarisch oder vegan zu ernähren, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Schließlich kann man sich auch als Veganer ungesund ernähren: Burger, Chips und & Co. gibt es schließlich auch in der veganen Variante. Im veganz stand neulich sogar die Spezi-Limonade im Regal: ohne tierische Produkte, klar! Somit kann auch mit einem häufigen Missverständnis aufgeräumt werden: vegan ist nicht gleichbedeutend mit Bio.  Mittlerweile gibt es auch einige Studien, die vor übermäßigem Tofu-Konsum warnen, denn Stoffe in der Sojabohne können angeblich Krebs verursachen. Vegan zu essen, heißt also nicht automatisch, gut zu essen. Denkbar ist aber, dass Veganer oft Menschen sind, die sich für gesunde Ernährung interessieren und sich dementsprechend besser ernähren.

Vegane Ernährung als Viagra-Ersatz

Veganer nennen als Motivation auch häufig den Nachhaltigkeitsaspekt: schließlich ist die Fleischproduktion für einen großen Teil unserer Umweltprobleme verantwortlich. Aber auch hier gibt es eine Kehrseite der Medaille: vielerorts leidet die Umwelt auch unter dem Tofuanbau, wie zum Beispiel in Südamerika.

Wenn man vegan leben möchte, um nicht nur sich, sondern auch der Umwelt etwas Gutes zu tun, sollte man also zudem darauf achten, unter welchen Bedingungen die Tierersatzprodukte, die man zu sich nimmt, hergestellt wurden.

Wer sich jetzt immer noch nicht sicher ist, ob ob er sich zu den mittlerweile über 82.000 Veganern in Deutschland zählen will oder oder nicht – Buchautor Attila Hildmann zumindest hat ein schlagendes Argument:

Vegan ist das neue Viagra

… prophezeite er unlängst in einem Interview.

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Über den Autor: Christian ist Gründer von Happy Coffee. Neben gutem Kaffee interessiert er sich für fairen Handel, Surfen und die Startup Szene.


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