Das Berliner StartUp TRY FOODS möchte die Neugier an hochwertigen Lebensmitteln wecken. Mit Probiersets sollen Lebensmittel sinnlich und informativ entdeckt werden können.

Zum Verkosten kann man ein Weinglas nehmen. Das Glas sollte auf jeden Fall einen breiten Boden haben und nach oben gewölbt sein. Idealerweise erwärmt man das Glas etwas in den Händen. Beim Verkosten gibt es dann drei Phasen. Zuerst riechen Sie. Wichtig ist, nicht nur ein bisschen zu schnuppern, sondern richtig mit der Nase ins Glas zu gehen. In der zweiten Phase wird die Flüssigkeit in einem kleinen Schluck mit viel Sauerstoff in den Mund geschlürft. Die frischen Töne vom Geruch sollte man auch erschmecken können, dann auch gewisse Bittertöne, die aber nicht die Frucht überdecken, sondern ein harmonisches Gesamtbild ergeben sollten. Im Abgang kommt, bei guten Produkten, eine Schärfe durch, die aber nicht brennen darf.

TRY FOODS gibt Anleitungen zum bewussten Genießen

TRY FOODS – Probiersets für Genießer

Photo by TRY FOODS

Was wir hier – zugegebenermaßen von uns etwas verkürzt dargestellt, um nicht gleich die Katze aus dem Sack zu lassen – lesen, ist eine Anleitung für eine Geschmacksprobe. Allerdings handelt es sich hier weder um eine Weinprobe noch ein Whisky- oder Gin-Tasting und wer glaubt, dass es sich hierbei um ein Kaffee-Cupping handelt, liegt auch daneben: Die Anleitung erklärt uns, wie man Olivenöl richtig probiert. Doch auch wie beim Kaffee, Wein oder Spirituosen geht es hier genauso um das Herausschmecken verschiedener Aromen, dem Erkennen an Farbe, Geruch und Geschmack, ob ein Produkt hochwertig ist oder nicht, ob es mild oder stark, fruchtig oder bitter ist – und vielleicht sogar, aus welcher Region es stammt. Die Anleitung stammt von TRY FOODS, einem Berliner StartUp, das sich dem Entdecken neuer Lebensmittel verschrieben hat und Probiersets mit hochwertigen Produkten verschickt.

Berlin ist hungrig nach neuen Geschmackserlebnissen

Bewusstes Genießen wird immer mehr zum Thema. In einer Stadt wie Berlin, die noch vor Kurzem als Elektroparty-Hochburg des Easyjetsets galt, scheint sich das Augenmerk von Besuchern und Einheimischen mehr und mehr weg von der Absturz-Party und hin zur Foodszene zu bewegen. Während die New York Times und der Tagesspiegel behaupteten, dass Berlin nicht mehr die coolste Stadt der Welt sei erkannte das Onlinemagazin Mit Vergnügen dagegen: „Berlin ist nicht out. Nur hungrig“.

In der Stadt, die bis vor Kurzem nur mit Currywurst, Bulette und Döner aufwarten konnte, hat sich in den letzten zwei Jahren sehr viel getan. Supper Clubs schießen aus dem Boden, Mikrobrauereien stellen hochwertige Craft Biere her, das New Yorker StartUp Kitchensurfing, mit dem man sich den Koch nach Hause holen kann, fasste erfolgreich Fuß und mit Veranstaltungen wie dem Street Food Thursday oder dem Bite Club kann man zu Recht behaupten, dass in Berlin gerade eine kulinarische Revolution stattfindet.

Aufbruchstimmung in der StartUp Szene

Diese Aufbruchstimmung spiegelt sich auch in der StartUp Szene wieder. Es scheint, als seien Foodies die neue Zielgruppe für Gründer. Mit dem StartUp Weekend „Food Innovation“ fand Mitte letzten Jahres sogar eine Veranstaltung statt, die sich nur den Neugründungen im Bereich Food widmete und mit der Next Organic Berlin etabliert sich eine Messe fernab althergebrachter Veteranen wie der Grünen Woche.  Man sieht hier wohl jede Menge an Nachholbedarf – und Potential. Dabei spielt besonders das Thema „kuratiertes Food“ eine große Rolle. Kochboxen, Rezept-Apps, Ökokisten und Probiersets sind auf dem Vormarsch und wollen frischen Wind in die deutschen Küchen bringen.

Im Trend: kuratierte Lebensmittel

In die Reihe der Food-StartUps, die in Berlin entstanden sind, gesellt sich nun auch TRY FOODS. In Berlin-Mitte, keine 10 Gehminute vom berühmt-berüchtigten Hipster-Entrepreneur-Hotspot „St. Oberholz“ entfernt, ist das StartUp ansässig, das mit Lebensmittel-Probiersets erfolgreich werden möchte. Im Gegensatz zu anderen Unternehmen, (wie zum Beispiel brandnooz) die Probierboxen versenden, bei denen der Nutzer nicht weiß, was er sich da ins Haus holt, wird bei TRY FOODS immer nur ein bestimmtes Lebensmittel verschickt. Jedes Produkt kommt in fünf verschiedenen Ausführungen nach Hause, dazu gesellt sich ein kleines Booklet, in dem ausführlich beschrieben ist, welche Geschmacksnuancen im jeweiligen Produkt zu erkennen sind, woher die Produkte stammen, wie sie hergestellt wurden und noch einige Hintergrundinfos mehr.

TRY FOODS – Probiersets für Genießer

Photo by TRY FOODS

Die Idee entstand vor ungefähr zwei Jahren, mit einem prägenden Moment des Gründers Jörn Gutowski. Nach seinem Marketingstudium in den USA und einem Jahr bei einer PR Agentur in Boston arbeitete er zehn Jahre im Bereich des internationalen Bildungs- und Kulturaustauschs in verschiedenen Rollen. Dabei ist er viel gereist durch Asien, Nordamerika und Europa. Reisen bildet nicht nur, es schärft auch den Sinn für Geschmackserlebnisse. Die Initialzündung für TRY FOODS kam, als er, zurück in Berlin, ein Weihnachtsgeschenk für seinen Bruder suchte. Dabei erinnerte er sich an ein Probierset der Scotch Whisky Association, das ihm im Gedächtnis geblieben war. Etwas ähnliches wollte er nun auch für seinen Bruder – fand aber keine guten Produkte, die hochwertige Lebensmittel zum Probieren anbieten. Flugs war die Idee für ein StartUp geboren, das sich auf das Entdecken von Lebensmitteln konzentriert.

TRY FOODS Kaffeesets aus fünf verschiedenen Anbauregionen

Momentan sind bei TRY FOOD fünf verschiedene Lebensmittelsets erhältlich. Probieren kann man sich durch Kaffee, Olivenöl, Salz, Pfeffer und Schokolade.

TRY FOODS – Probiersets für Genießer

Photo by TRY FOODS

Naturgemäß interessieren wir bei Happy Coffee uns besonders für Kaffee. Der Blick in den Online-Shop lässt Gutes erahnen: fünf gemahlene Kaffeesorten aus fünf verschiedenen Ländern sind im TRY Kaffee-Set enthalten, alles single-origin Kaffees, die nur aus einer bestimmten Anbauregion stammen. Ein wichtiger Aspekt für die Transparenz und Nachvollziehbarkeit bei Produktion sowie Anbau- und Aufbereitungsmethoden. Das TRY Kaffeeset setzt sich zusammen aus Fazenda Bossa Senhora de Fatima aus Brasilien (mild, säurearm mit feinen nussigen Noten), Hazienda Sonora aus Costa-Rica (fein und fruchtig mit süßen Karamellnoten), Nagambike Estate aus Indien (säurearm, mit Noten von Bitterschokolade), Hazienda Horizontes aus Kolumbien (wohl balanciert, mit Noten von Rosinen und frisch gebackenem Brot) und Sidamo Kebado aus Äthiopien (floral und fruchtig). Von jeder Kaffeesorte sind 50 Gramm im Probierset enthalten, die perfekte Menge, um sich allein oder zu mehrt beim so genannten „Cupping“ durch die verschiedenen Anbaugebiete zu schlürfen.

TRY FOODS – Probiersets für Genießer

Photo by TRY FOODS

Bei der Auswahl und der Beschreibung der jeweiligen Produkte setzt TRY FOODS auf Experten. Partner für das Kaffeeset ist Tres Cabezas, eine Berliner Erpressobar mit angeschlossener Kaffeerösterei. Die Partner beraten bei der Auswahl der besten Produkte, geben ihr Expertenwissen zum Besten und Garantieren somit dich Hochwertigkeit der angebotenen Lebensmittel.

Wo der Pfeffer wächst? Erfährt man im TRY FOODS Blog

Schön ist, dass bei TRY FOODS nicht nur ein Shop zum Kauf animieren soll. Wer sich einfach erst nur mal informieren will, der kann auf dem dazugehörigen Blog jede Menge Informationen sammeln. So erfährt man hier nicht nur, wo der Pfeffer wächst, sondern auch wie Salz schmeckt oder wo man in Berlin vietnamesische Wurst kaufen kann. TRY FOODS möchte die Neugier in den Menschen wecken. Bei uns haben sie das bereits geschafft. Wir sind neugierig geworden und haben Gründer Jörn Gutowski ein paar Fragen gestellt, die er uns zwischen dem-Kind-in-die-Kita-bringen und Gründer-Arbeitsalltag beantwortet hat.


TRY FOODS – Probiersets für GenießerPhoto by TRY FOODS

Die Idee von Try Foods entstand mit einem Weihnachtsgeschenk für Deinen Bruder. Wie lange nach besagtem „Whisky-Moment“ dauerte es, bis Try Foods an den Markt ging?
Der „Whisky-Moment“ war vor ca. zehn Jahren. Ich habe mich an diesen Moment im Dezember 2011 erinnert, als ich ein Weihnachtsgeschenk für meinen Bruder suchte, der auch gern genießt. Da ich weder im KaDeWe noch online eine Firma gefunden habe, die sich mit dem Probieren von unterschiedlichen Produkte beschäftigt und Probiersets anbietet, reifte die Idee von TRY FOODS. Im Sommer 2012 fing die Londoner Designagentur konkret an der Umsetzung (sprich der Entwicklung der Corporate Identity und dem Verpackungsdesign) zu arbeiten. Die Firma wurde offiziell im Januar 2013 gegründet und Ende Juni 2013 sind wir dann mit der Webseite und den ersten drei Sets an den Markt gegangen.

Was bedeutet es für Dich, bewusst zu Genießen?
Für mich ist es das Gegenteil von blindem Genuss, d.h. man isst etwas und mit dem Satz: „Mmmh, ist das lecker“, hört die Beschäftigung mit dem Produkt auf. Ich möchte hingegen dann auch wissen, was esse ich gerade: wie wird es gemacht, wo kommt es her und welche Menschen stehen hinter dem Produkt. Sobald man anfängt, diese Fragen zu stellen, verändert sich auch das Bewusstsein dem Essen gegenüber.

Wer ist für Dich „gut im Genießen“, d.h. wen bewunderst Du wegen seiner oder ihrer Genussfähigkeit?
Natürlich fallen mir ganz klassisch die Italiener als erstes ein. Ich war vor eineinhalb Jahren auf der Slow Food Messe in Turin, auf der kleine Produzenten aus aller Welt ihre Spezialitäten vorstellen. Die Messe war in vier riesigen Messehallen, von denen drei von italienischen Produzenten und nur eine vom „Rest der Welt“ bespielt wurde. Die schiere Vielfältigkeit an gutem und oft sehr einfach gehaltenen Spezialitäten und der dazugehörige Stolz der Verkäufer haben mich begeistert. Ich finde aber auch, dass viele asiatische Kulturen, wie die chinesische, japanische oder auch thailändische, einen sehr würdevollen Umgang mit Essen haben. Bei einzelnen Personen bewundere ich Menschen, die sich ganz einem Produkt (Olivenbauern, Kaffeeröster, Chocolatiers, etc.) verschrieben haben und mit voller Leidenschaft über Jahre daran arbeiten, wie man den Genuss dieses Produktes noch perfektionieren kann.

Es gibt ja auch Try Kaffee. Wie muss für Dich ein guter Kaffee schmecken?
Ich kann nicht pauschal sagen, dass ich ein ganz bestimmtes Geschmacksprofil bevorzuge. Dies ist oft tageszeitabhängig. Zurzeit mag ich morgens gern einen recht kräftigen Kaffee mit schokoladigen, erdigen Tönen und nachmittags einen fruchtigen. Generell kann ich sagen, dass ich Kaffees mag, die charaktervoll sind, die etwas „zu erzählen“ haben.

Was war das Ausgefallenste, was Du je gegessen hast – und was würdest noch gern probieren?
Bei den Dingen, die ich gegessen habe, würde ich in zwei Kategorien unterscheiden: 1. kuriose Dinge, die man in Deutschland einfach nicht isst, die mich geschmacklich aber nicht unbedingt vom Stuhl gehauen haben (wie z.B. Balut aus den Philipinen – halb ausgebrütete Entenembryos, frittierte Insekten in Thailand oder Rocky Mountain Oysters in den USA – frittierter Rinderhoden) und 2. geschmackliche Erlebnisse, von denen ich immer noch träume, wie z.B. Sushi morgens um 6:30 auf dem Tokioer Fischmarkt, frischer Burrata Käse in Italien oder Dim Sum in Chinatown in San Francisco. Wenn mich meine Neugierde in den nächsten Jahren nicht verlassen sollte, möchte ich noch so viele Dinge probieren, dass es mir schwerfällt, diese zu benennen.

Glaubst Du, dass in Deutschland ein Umdenken passiert? (Wir geben ja immer noch viel weniger Geld für Essen aus als z.B. die Franzosen) – wird sich das Deiner Meinung nach in der näheren Zukunft ändern?
Ich glaube schon, dass es bei vielen Menschen ein Umdenken gibt. Ich bin aber auch nicht so naiv zu glauben, dass Essen in Deutschland in den nächsten Jahren den Stellenwert einnimmt wie in Frankreich. Ich finde es z. B. verrückt, dass hier eine Diskussion entbrennt, wenn der Kanzlerkandidat der SPD sagt, er trinke in Restaurants nur Weißweine ab 5 Euro. Darüber regt man sich auf. Es regt sich aber keiner darüber auf, dass die Politiker die größten Autos (oft mit sehr hohem Spritverbrauch) für zig tausend Euros fahren.

Bei den Lebensmitteln glaube ich, dass das mittlere Preissegment mehr und mehr wegfällt und der Markt sich noch stärker in Discounter und gehobenen Preissegment (Märkte, Spezialitätenhändler etc.) unterscheiden wird.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

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Über den Autor: Christian ist Gründer von Happy Coffee. Neben gutem Kaffee interessiert er sich für fairen Handel, Surfen und die Startup Szene.


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