80% der Weltbevölkerung tut es, doch für viele von uns ist der Gedanke mindestens abwegig, wenn nicht sogar schauderhaft: Insekten gehören für einen Großteil der Menschen auf diesem Planeten zum täglichen Ernährungsplan. In der westlichen Welt werden Insekten eher als Ungeziefer angesehen, das lästig und störend ist – in großen Teilen Afrikas und Asiens gelten sie als proteinreiches und gesundes Nahrungsmittel. Dass Insekten essen aber auch bei uns, zumindest ein bisschen, in Mode gekommen ist, ist weitaus logischer als viele denken. Von der ökologischen und finanziellen und gesundheitlichen Warte aus gesehen kann es durchaus Sinn machen, Insekten in den Speiseplan mit aufzunehmen.

Entomophagie = Insekten essen

Einen offiziellen Begriff für den Verzehr von Insekten gibt es selbstverständlich auch: das Wort „Entomophagie“ ist eine Zusammensetzung aus dem griechischen „éntomos“, was sich auf den Körper eines Insekts bezieht, sowie dem Wort „phăgein“, was schlichtweg „essen“ bedeutet.

Insekten essen: normal in vielen Teilen der Welt

Während das Insekten essen in unseren Kreisen eher als neumodisches Phänomen bezeichnet werden kann, machen andere Kulturen dies seit zehntausenden von Jahren. Vor allen im Mittel- und Südamerika, Afrika und Asien ist es durchaus nicht ungewöhnlich, Insekten zu verspeisen. Wir sprechen hier übrigens nicht vom obligatorischen Wurm in der Tequilaflasche, sondern tatsächlich von einem vollwertigen Hauptgericht. Der Begriff Insekten ist hierbei relativ weit gefasst zu verstehen: neben Grashüpfern, Ameisen, Käfern, Würmern und Maden fallen durchaus auch Skorpione und gar Vogelspinnen darunter.

Fast 1.500 unterschiedliche Insektenarten gelten als essbar – bisher. Denn sicherlich werden zukünftig noch neue Arten als für den Verzehr geeignet eingestuft werden.

Insekten: Viel Nährstoffe, wenig Kalorien

Die Entomological Society of America ist die weltweit größte Organisation zur wissenschaftlichen Beforschung zu Insekten. Sie informiert über die vielen positiven Eigenschaften der Insekten, ernährungswissenschaftlich gesehen. So hat zum Beispiel eine Grille eine weitaus höhere Nährwerteinlage, prozentual gesehen, als die Tiere, die wir sonst essen – Kühe, Schweine oder Hühner. Mehr Protein, mehr Kalzium, dafür aber weitaus weniger Fett: klingt nach einer gesunden Mahlzeit.

Insekten sind umweltfreundlich

Insekten sind exothermische Lebewesen, das bedeutet, dass sie die Wärme, die sie benötigen, aus ihrer Umgebung beziehen. Im Gegensatz dazu sind Vögel und Säugetiere endothermisch, weshalb sie sich selbst aufheizen müssen, wobei viel Energie benötigt wird – die sie wiederum anderweitig zuführen müssen. Kurz gesagt: Insekten sind genügsam, verbrauchen wenig Energie und schonen somit die Umwelt. Um Insekten zu züchten, wird weitaus weniger Futter verbraucht als zum Beispiel bei der Kuh- und Schweinezucht – der ökologische Fußabdruck, wenn man diesen Begriff bei Insekten überhaupt benutzen kann, fällt also wesentlich geringer aus.

Der Einsatz von Düngemitteln für den Anbau von Tierfutter würde sich auch stark verkleinern, wenn die Bauern bei uns auf die Zucht von Insekten umsteigen würden und günstiger wäre das ganze auch, nicht zuletzt, weil viel weniger Wasser benötigt wird als beim Anbau von anderen Nutzieren. Das besagt zumindest eine Studie, die das Entomologische Institut der Universität Ohio zum Thema „Insekten essen“ durchgeführt hat.

Insekten essen: Gefahren

Wie bei allen Lebensmitteln muss man auch beim Verzehr von Insekten auf bestimmte Faktoren achten. Darunter fallen gewisse toxikologische Eigenschaften mancher Insekten: wie man sich zum Beispiel eine Fischvergiftung zuziehen kann, so kann man sich auch eine Insektenvergiftung einfangen. Weil die meisten essbaren Insekten zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht gezüchtet, sondern wild gefangen werden, weiß man auch nicht immer, wo sich die Tiere zuvor aufgehalten haben und unter welchen Bedingungen sie gelebt haben. Es ist durchaus möglich, dass sie mit ihrer Nahrung Pestizide aus Pflanzenschutzmitteln und Düngern aufgenommen haben.

Insekten essen? Macht ihr doch eh schon alle!

Grasshopper

Photo by cocoparisienne / License: CC0 Public Domain

Wer sich trotz der vielen Vorteile einer insektenhaltigen Ernährung immer noch nicht damit anfreunden kann, der sollte wissen, dass er vielleicht schon öfter Insekten gegessen hat, als ihm lieb ist. Wie der FOCUS weiß, sind zum Beispiel Schildläuse im Speiseeis und sogar in M&Ms enthalten – das in den Läusen enthaltene Karmin sorgt für eine schöne rote Färbung der Produkte.

Insekten essen für Anfänger: 3 wesentliche Tips

Haben wir euch überzeugt? Wer zumindest neugierig geworden ist und sich tatsächlich auf das Abenteuer Insekten essen einlassen will, der sollte sich an unseren Anfängertipps orientieren, die einen einen unkomplizierten Einstieg in die Welt der Entomophagie garantieren:

1. Insekten kaufen

Wer jetzt nicht gerade den Insektenverkäufer seines Vertrauens um die Ecke hat, der findet online eine breite Auswahl an Shops, die Insekten, die zum Verzehr geeignet sind, anbieten. Für Anfänger lohnt es sich, es erst einmal mit bereits fertigen Snacks zu versuchen: die Ekel-Hemmschwelle ist hier deutlich geringer als wenn man es mit lebenden Maden zu tun hat. Onlineshops wie „Trau Dich Snacks“ oder „Yummy Food Shop“ bieten Knabbereien wie frittierte Heuschrecken oder Schokoladen-Ameisen an, die sich auf den ersten Blick nur unwesentlich von gerösteten Erdnüssen oder Schokopralinen unterscheiden.

Für die ganz Unerschrockenen unter euch: Lebende Insekten wie Mehlwürmer oder Heuschrecken führen die meisten Zoohandlungen. Bevor sie zubereitet werden, sollten sie allerdings für mehrere Stunden in das Gefrierfach.

2. Insekten kochen

Wer sich tatsächlich getraut hat und sich frische Insekten nach Hause geholt hat, der findet im Internet Rezepte und Zubereitungstips. Wer noch etwas Ermutigung braucht, für den ist eventuell ein Insektenkochkurs das richtige. Beim Erlebnisportal Jochen Schweizer wird man fündig.

3. Sich mit Insekten bekochen lassen

Noch einfacher macht man es sich mit einem Insektenkoch. Frank Ochmann (http://www.insektenkoch.com) aus Berlin ist einer der wenigen Köche in Europa, die sich auf Insekten spezialisiert haben. Die Gerichte auf seiner Menükarte können sich sehen lassen: „In einem Kokos-Knuspermantel frittierte Heuschrecken auf Ananas-Carpaccio mit Chilidip“ oder „Trocken geröstete Heuschrecken im Schokomantel“ klingen auf einmal überhaupt nicht mehr abwegig.

Insekten essen für Fortgeschrittene

Wer das Anfängerstadium hinter sich gelassen hat und zu einem richtigen Insektenfan gemausert hat, für den sind die folgenden Vorschläge vielleicht interessant.

1. Insektenmehl herstellen

Aus Insekten lässt sich eine Art Mehl herstellen, die man als nährstoffreichen Zusatz für Müslis, Kuchen, Suppen oder Salate verwenden kann. Hierzu müssen die Insekten (idealerweise Heuschrecken oder Grashüpfer) im Ofen bei 200-250 Grad für ungefähr zehn Minuten geröstet und dann im Mixer zerkleinert werden.

2. Insekten züchten

Tomaten auf dem Balkon sind out, das neue Ding ist das Züchten von Insekten! Viel nachhaltiger und umweltfreundlicher geht die Herstellung von Nährmitteln nicht. Alles was dazu benötigt wird, ist ein kleines Terrarium, etwas Essen und Wasser – und selbstverständlich paarungswillige Insekten. Vor allem Mehlwürmer pflanzen sich gerne und häufig fort, aber auch Grashüpfer eignen sich gut dafür. Das Gute daran: als Nahrung benötigen die Dinge, die wir sowieso meist in die Biotonne werfen würden: Essensreste wie Kartoffelschalen oder Gemüseabfall.

Insekten: Nahrungsmittel der Zukunft?

Für die Fans von essbaren Insekten ist klar: Insekten sind das Nahrungsmittel der Zukunft – viele Nährstoffe und gut für die Umwelt sind nur einige der Faktoren, die für diese These sprechen. Doch ob sich die Zucht von Insekten tatsächlich so weiter entwickelt, dass irgendwann alle davon ernährt werden können, ist noch nicht gegeben. Während in Thailand viele kleine und mittlere Betriebe sich auf die Insektenzucht spezialisiert haben, gibt es in Deutschland noch kein Unternehmen, dass Insekten für den menschlichen Verzehr herstellt. Wissenschaftler befürchten Probleme, wie sie auch in der konventionellen Züchtung von anderen Nutztieren bestehen:

„Wenn man Insekten im industriellen Maßstab züchtet, bedeutet das Abermillionen von Tiere auf engstem Raum – was den Einsatz von Medikamenten sehr wahrscheinlich macht. Wir wissen nicht, von welchen Krankheiten diese Tiere alle befallen werden und welche Hygieneprobleme wir uns bei einer Massenproduktion einfangen“

Professor Dr. Wilhelm Windisch vom Lehrstuhl für Tierernährung an der TU München im Interview mit der WELT.

Ob Insekten also tatsächlich in nicht allzu ferner Zukunft auch zu unserem täglichen Speiseplan gehören werden oder nicht, kann noch nicht mit absoluter Sicherheit gesagt werden. Wer hierzulande Insekten isst, der gilt (noch) als Exot. Bist du mutig genug?

***
Über die Autorin: Sandra hat Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studiert. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Leidenschaften sind Nachhaltigkeit, sowie die Unterstützung der nachhaltigen Fischräucherei ihres Bruders. Die passionierte Teetrinkerin ist seit Happy Coffee auch zu einem Kaffee-Fan geworden.


Schreiben Sie einen Kommentar

Kommentare werden vor der Veröffentlichung genehmigt.


Vollständigen Artikel anzeigen

Clean Eating
Clean Eating: Alles über die gesunde Ernährung ohne Zucker und Zusatzstoffe

Clean Eating steht für natürliche und unverarbeitete Lebensmittel. Lies hier, wieso dieser Ernährungsstil bunt ist und dein Leben verändern wird!
Vollständigen Artikel anzeigen
Grüner Tee
Wie dir grüner Tee beim Abnehmen hilft

Grüner Tee wird weltweit ein immer beliebteres Getränk, nicht zuletzt wegen seiner vielen positiven Wirkungen auf Körper und Geist. Grüner Tee ist längst nicht mehr nur im Teefachgschäft erhältlich. Ob…

Vollständigen Artikel anzeigen
Kaffee oder Tee?
Kaffee oder Tee: Welches Heißgetränk ist besser für dich?

Kaffee oder Tee sind die ewigen Rivalen. Wo trinkt man Kaffee und wo Tee? Was ist gesünder, macht schöner und wacher? Finde es heraus!

Vollständigen Artikel anzeigen

Kostenloser Brühguide