Mitte der Achtziger Jahre hatte ein fränkischer Universitätsprofessor eine zündende Idee: Könnte man nicht durch radikale Vereinfachung und Reduktion auf das Wesentliche hochwertigen Tee viel kostengünstiger anbieten? Mit dem Kauf von Großpackungen und Einsparung von Material und Logistik wurde die Teekampagne geboren, die heute als der weltweit größte Importeur von Darjeeling-Tee gilt. (Quelle: Tea Board of India). Die simple, aber geniale Idee von Prof. Günter Faltin – nämlich das Weglassen von Zwischenhändlern und den Direktimport von hochwertigen Lebensmitteln in Bio-Qualität gilt seitdem für viele Unternehmensgründer im Lebens- und Genussmittelbereich als Vorbild. Was mit Tee geht, das muss auch mit Pfeffer, Salz und Co. gehen. Das dachten sich vor ungefähr eineinhalb Jahren sechs junge Berliner. Seitdem haben sie es sich mit der Gewürzkampagne zur Aufgabe gemacht, erstklassige und fair gehandelte Gewürze zu einem erschwinglichen Preis anzubieten.

Wie funktioniert die Gewürzkampagne?

Reduktion
Bei der Teekampagne gibt es nur eine einzige Sorte Tee: Darjeeling. Diese kann man aber in verschiedenen Qualitätsstufen und Sorten kaufen: First Flush, Second Flush und grünen Darjeeling. Eine sehr schlanke Produktpalette, die dazu führt, dass die Transport- und Lagerkosten möglichst gering gehalten werden. Bei der Gewürzkampagne orientiert man sich am Vorbild der Teekampagne, aber natürlich gibt es hier nicht nur Salz und Pfeffer. Mit zehn verschiedenen Gewürzen und drei Gewürzmischungen ist das Produktportfolio dennoch sehr übersichtlich gestaltet, was es auch der Gewürzkampagne erlaubt, kostengünstig einkaufen und zu importieren. Bei den Gewürzen, die angeboten werden, orientiert man sich, laut Homepage, an den Standardgewürzen der deutschen Küche. Ingwer, Zitronengras oder Tandoori sucht man vergebens, dafür hat man die Qual der Wahl zwischen Salz (Fleur de Sel), Pfeffer, Rosmarin, Salbei, Oregano, Thymian, Majoran, Basilkum, Curry und Paprika sowie drei Gewürzmischungen.

Weniger Müll und Preisersparnis durch Großpackungen
Die Gewürze kann man sowohl in einer kleineren (60 oder 100-Gramm-) Packung als auch in einer größeren Packung mit 200 Gramm kaufen. Wer sich für die Großpackung entscheidet, wird auch noch mit Mengenrabatt belohnt. Dazu passend können passende Aufbewahrungsdosen gekauft werden. Damit lässt sich das Gewürz so gut wie luftdicht verschließen, damit das Aroma möglichst lange erhalten bleibt. Die Idee dahinter ist klar: Nachfüllen statt ständig neu kaufen. Wer eine Großpackung kauft, der produziert weniger Müll als jemand, der zwei kleinere Packungen kauft. Oder eben Wegwerfdosen aus dem Supermarkt. Und da manche Gewürze schnell ihren intensiven Geschmack und ihre leuchtende Farbe verlieren, wenn sie unsachgemäß verpackt sind, sorgt die passende Dose dafür, dass das Gewürz auch bei längerer Lagerung nichts an Qualität einbüßen muss.

Photo by Gewürzkampagne

Photo by Gewürzkampagne

Alles Bio? Aber natürlich!
Keine Kompromisse bei den Anbaubedingungen, das ist eine der Grundpfeiler, auf die die Gewürzkampagne baut. Kontrolliert biologischer Anbau soll nicht nur das Produkt für Versuchung durch Pestizide schützen, sondern auch die Produzenten sowie die Ackerböden in den Herstellungsländern. Und hierzulande freut sich der Verbraucher, wenn er weiß, dass die Gewürze unbelastet sind. Das ist übrigens viel seltener der Fall, als man vielleicht annehmen mag, wie Ökotest immer wieder berichtet und kontrolliert:

„Etwa 50 Proben pro Jahr kommen beim Pestizidexperten Dr. Michelangelo Anastassiades vom CVUA Stuttgart zusammen. Immer wieder mal wird eine Gewürzprobe als „nicht verkehrsfähig“ beurteilt. Vor ein paar Jahren war vor allem Paprika problematisch. Mehrfachrückstände, also eine Kombination mehrerer Pestizide, seien bei Gewürzen ganz normal. Zehn oder mehr Stoffe zu finden, sei nichts Ungewöhnliches.“

Direkter Handel statt Zwischenhändler
Wie auch bei der Teekampagne beziehen die Einkäufer der Gewürzkampagne ihre Gewürze direkt vor Ort. Das heißt, dem Produzenten im Herstellungsland werden die Gewürze abgekauft, zu einem fairen Preis. Durch das Weglassen der Zwischenhandelsstufe kann es sich die Gewürzkampagne leisten, einerseits einen gerechten Preis an de Hersteller zu zahlen und andererseits dennoch die Gewürze zu einem erschwinglichen Preis zum Kauf anzubieten.

Bewusstsein für die die Herkunft
Der direkte Einkauf beim Gewürzproduzenten schlägt sich nicht nur auf den Preis nieder. Man könnte es einen gesunden Kontrollmechanismus nennen, doch bei der Gewürzkampagne spricht man lieber von „Bewusstsein über dessen Herkunft.“ Logisch wenn man selbst nach Marokko, Ägypten oder Mazedonien fährt, dann sieht man, wie die Gewürze angebaut werden, unter welchen Bedingungen die Angestellten dort arbeiten und welche Düngemittel eingesetzt werden. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erlaubt die Gewürzkampagne ebensowenig Kompromisse wie bei den Arbeitsbedingungen in den Herstellungsländern:

„Wir beziehen nur von Lieferanten, die anerkannte Arbeitsstandards (menschenwürdige Arbeitszeiten, Schutz vor Kinderarbeit nach ILO Definition, u.a.) beachten.“

Eintauchen in die faszinierende Welt der Gewürze

Die vielen Inspirationen und das Wissen, das die Macher der Gewürzkampagne auf ihren Reisen erhalten haben, geben sie an ihre Kunden weiter. Bei jedem Gewürz ist beschrieben, welche Heilwirkungen den Gewürzen zugeschrieben werden, wo deren Ursprung ist und was man so alles damit anstellen kann. Wer es noch genauer wissen will, der findet im Blog der Gewürzkampagne schöne Stories rund um die Gewürze und deren Herkunft. So erfährt man zum Beispiel, „wo der Pfeffer wächst“ und wie es sich anfühlt, wenn man auf ein Pfefferkorn beißt (vorsicht, nichts für schwache Gemüter). Oder hättet Ihr gewusst, was das hochwertiges Produkt der Insel Mallorca ist? Mitnichten Sangria aus dem Eimer, so viel sei verraten. Wer mehr wissen will, der liest sich den schön geschriebenen Bericht über den Besuch der Gewürzkampagne bei Bauer Joan im Osten der Baleareninsel durch.

Mehr erfahren im Workshop

Wer sich mit dem Lesen nicht begnügen will, der hat immer mal wieder die Möglichkeit, an einem der Workshops teilzunehmen, die die Gewürzkampagne veranstaltet. Dabei kann man selbst erleben und erfahren, dass es manchmal die alltäglichsten Gewürze sind, die unsere Gerichte zu etwas ganze besonderem machen. Einfachheit, ein Credo, dass man bei der Gewürzkampagne in vielen Ebenen antrifft. Welche Workshops wann stattfinden, erfährt man auf dem Blog der Gewürzkampagne.

Und das soll wirklich billig sein?

Zugegeben, so billig wie im Discounter sind die Produkte der Gewürzkampagne nicht zu haben. Für eine 60-Gramm-Packung Rosmarin zahlt man €3, für 200 Gramm Pfeffer €11. Im Vergleich zu anderen fair gehandelten Bio-Produkten steht die Gewürzkampagne im aktuellen Vergleich dennoch kostengünstig da. Wenn man dann einmalig noch etwas mehr drauflegt und sich die passenden Aufbewahrungsdosen dazu kauft, kann man auch sichergehen, dass man relativ lange Freude an den Gewürzen haben wird.

Gewürzkampagne – Konzept mit Erfolgsaussichten?

Günter Faltin hat Mitte der Achtziger Jahre gezeigt, dass die Idee seines Unternehmens mit einem durchdachten Konzept Erfolg haben kann und tragfähig ist. Mit Tee hat das also schon gut funktioniert – die Aussichten für die Gewürzkampagne stehen, laut ihres „Proof of Concept“ nach dem ersten Geschäftsjahr ebenfalls gut:

„Die „Gewürzkampagne“ gründete sich ohne externe Finanzierung und greift auf effiziente Strukturen im Bereich Buchhaltung, Import und Abfüllung zurück. Das erste Jahr weist eine ausgeglichene Bilanz vor, und die ersten Gewürze konnten direkt vom Feld bezogen werden.“ Um sicherzugehen, ob sich die Idee der Teekampagne auch bezüglich der Erfolgsaussichten auf die Gewürzkampagne übertragen lässt, zeigt sich sicherlich erst nach einer Weile.

Gerade erst haben wir am Beispiel von Kaffee Bitte mit Bedauern zur Kenntnis nehmen müssen, dass nicht alle innovativen Geschäftsideen, bei denen Lebensmittel mit viel Liebe zum Produkt ausgesucht und vertrieben werden, von dauerhaftem Erfolg sind. Die Gewürzkampagne scheint auf einem guten Weg und wir hoffen, dass dieses Modell noch sehr viel Schule machen wird. Fade Gewürze gibt es auf dieser Welt schon mehr als genug.

Titelbild by Gewürzkampagne

***

Über die Autorin: Sandra hat Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studiert. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Leidenschaften sind Nachhaltigkeit, sowie die Unterstützung der nachhaltigen Fischräucherei ihres Bruders. Die passionierte Teetrinkerin ist seit Happy Coffee auch zu einem Kaffee-Fan geworden.


Schreiben Sie einen Kommentar

Kommentare werden vor der Veröffentlichung genehmigt.


Vollständigen Artikel anzeigen

Clean Eating
Clean Eating: Alles über die gesunde Ernährung ohne Zucker und Zusatzstoffe

Clean Eating steht für natürliche und unverarbeitete Lebensmittel. Lies hier, wieso dieser Ernährungsstil bunt ist und dein Leben verändern wird!
Vollständigen Artikel anzeigen
Grüner Tee
Wie dir grüner Tee beim Abnehmen hilft

Grüner Tee wird weltweit ein immer beliebteres Getränk, nicht zuletzt wegen seiner vielen positiven Wirkungen auf Körper und Geist. Grüner Tee ist längst nicht mehr nur im Teefachgschäft erhältlich. Ob…

Vollständigen Artikel anzeigen
Kaffee oder Tee?
Kaffee oder Tee: Welches Heißgetränk ist besser für dich?

Kaffee oder Tee sind die ewigen Rivalen. Wo trinkt man Kaffee und wo Tee? Was ist gesünder, macht schöner und wacher? Finde es heraus!

Vollständigen Artikel anzeigen

Kostenloser Brühguide