Es ist ein schöner, sonniger Tag in einer mediterran anmutenden Stadt. Plötzlich bleiben die Menschen stehen und schauen gen Himmel. Was sie da sehen? Viele bunte Luftballons, die zu den Wolken fliegen. Doch damit nicht genug: an jedem Ballon hängt ein kleines Körbchen, darin Frozen Yoghurt. Wer auf der Straße steht, hat Pech gehabt, wer auf der Dachterasse wartet, bis der Heliumballon bei ihm ankommt, freut sich: denn gleich kann er „einfach unbeschwert genießen.“ Der TV-Werbespot für „frozen yoghurt“ von Mövenpick, ein neues Produkt aus dem Hause Nestlé (leider nicht mehr online).

Was die Reklame suggeriert, scheint auch im allgemeinen Bewusstsein verankert: „Gefrorener Joghurt“ ist viel fett- und kalorienärmer als sein gewichtiger Verwandter, das Speiseeis. Doch ist Frozen Yoghurt wirklich so leicht wie wir glauben oder verbirgt sich hinter dem vermeintlichen Diät-Dessert eine wahre Kalorienbombe? Wir wollten wissen: Was genau hat es mit der angeblich leichten Alternative zum Eis auf sich? Was ist drin im Frozen Yoghurt, woher kommt er überhaupt und wie kann ich ohne Reue genießen?

Die wilden Siebziger

Frozen Yoghurt ist ein Kind der wilden Siebziger Jahre. Dort nämlich konnte man an der amerikanischen Ostküste den ersten Frozen Yoghurt essen, der unter dem Namen „Frogurt“ erhältlich war. In den letzten zwei Jahrzehnten wurden die Frozen Yoghurt Shops oder Frozen Yoghurt Cafés in den USA und in Korea immer beliebter. Die großen Player unter den Franchise Ketten heißen Pinkberry, Red Mango oder Yogin Früz, das sicherlich nicht von ungefähr so klingt wie der Eiscrème-Gigant Häagen Dasz.

Erst seit ungefähr fünf Jahren ist das Phänomen Frozen Yoghurt auch im größeren Stil nach Deutschland vorgedrungen. Vor allem in Großstädten gibt es mehr und mehr Frozen Joghurt Shops und auch im Supermarkt ist mittlerweile eine Auswahl an Frozen Yoghurt vorhanden.

Frozen Yoghurt – was ist das überhaupt?

Die Verbraucherzentrale Sachsen hat mit dieser Aussage sicherlich bei manchen für einen Schock gesorgt:

„Auch gefrorener Joghurt kann viel Energie enthalten.“

Das klingt erst einmal ganz schön gemein. Schließlich essen viele von uns Frozen Yoghurt nicht nur, weil er so lecker schmeckt und sich so schön dekorieren lässt, sondern auch weil wir denken, dass wir damit weniger sündigen als zum Beispiel mit einer dicken Kugel Schokoladeneis. Deshalb stellt sich die Frage: Frozen Yoghurt, was ist das überhaupt? Die gute Nachricht zuerst: im Frozen Yoghurt ist tatsächlich Joghurt drin. Das klingt zwar auf den ersten Blick logisch, aber bei unseren Lebensmittelgesetzen ist ja immer nicht so ganz eindeutig absehbar, was in einem Produkt enthalten ist. Meist ist der Joghurt sogar aus fettarmer oder Magermilch hergestellt, aber eben nur meist.

Denn, und hier liegt das Problem: die Zusammensetzung von Frozen Yoghurt ist nicht verbindlich festgelegt. Ganz im Gegensatz übrigens zum Speiseeis: dafür gibt es festgelegte Kriterien. Im Deutschen Lebensmittelbuch steht geschrieben, wieviel Milch oder Milchfett bzw. wieviel Fruchtanteil die verschiedenen Eisarten, von Cremeeis bis Wassereis enthalten dürfen bzw. müssen. Beim Frozen Yoghurt hat der Hersteller also die Wahl: er kann selbst festlegen, ob er für die Joghurt-Basis eine fettarme oder fetthaltige Milch wählt. Eine weitere Grundzutat ist meist das Frozen-Yoghurt-Pulver. Inhaltsstoffe wie verschiedene Zuckersorten und Milchpulver sorgen dafür, dass der Frozen Yoghurt besonders cremig wird. Gerade bei industriell hergestelltem Frozen Yoghurt werden noch Aromen und andere Zusatzstoffe beigemischt. Die Masse wird in eigens dafür gefertigten Maschinen aufgeschlagen, wodurch der Joghurt besonders luftig-locker wird.

Fettarm, aber zuckerreich

Während wir uns noch freuen, dass (angeblich) die meisten Frozen Yoghurts mit fettarmer Milch hergestellt werden, erreicht uns die nächste Hiobsbotschaft. Wieder ist es die Verbraucherzentrale Sachsen, die informiert, dass Frozen Yoghurt meist viel Zucker enthält. Oft sogar mehr als Speiseeis! Zum Vergleich: Bis zu 24 Gramm Zucker pro 100 Gramm kann in Frozen Yoghurt enthalten sein, in einem handelsüblichen Vanilleeis sind dagegen nur ungefähr 21 Gramm Zucker enthalten. Und dass übermäßiger Konsum von Zucker dick macht, ist in der heutigen Zeit kein Geheimnis mehr. Wer sich jetzt schon darüber ärgert, dass etwas, dass so gut schmeckt wie Frozen Yoghurt wohl kaum Bikinifigur-freundliche sein kann, der sollte jetzt nicht weiterlesen. Alle anderen: Augen auf und durch!

Der Teufel steck im Detail: die Frozen Yoghurt Toppings

So ein Frozen Yoghurt klingt per se also noch gar nicht so schlimm. Wenn die Basis aus fettarmer Milch hergestellt wurde und nicht allzuviel Zucker enthalten ist, warum soll die Nascherei dann eine Kalorienbombe sein? Ganz einfach: Frozen Yoghurt isst man eigentlich so gut wie nie pur. Das besondere an dem Sommerdessert sind die so genannten Toppings, zum Beispiel Nüsse oder Schokostreusel, die zum Schluss über den Joghurt gestreut werden. Bis zu 25 verschiedene Toppings haben Frozen-Yoghurt-Cafés im Angebot, darunter so leichte Alternativen wie frische Erd- oder Himbeeren, aber auch Gehaltvolleres wie Karamelsauce, Schokolinsen oder, auch schon gesehen, geschmolzene Butter. Das kann sich eigentlich jeder denken: egal wie fettarm mein Joghurt sein mag, wenn ich ihn mit einer guten Portion Schokolade oder einer Handvoll kandiertern Nüssen verspeise, dann ist aus dem „Diät-Dessert“ mal eben eine sündige Süßigkeit geworden.

Frozen Yoghurt, ein Etikettenschwindel?

Nachdem wir jetzt all das gelesen haben, fragen wir uns natürlich, warum Frozen Yoghurt als leichte Alternative zu Speiseeis beworben wird. Wieso wird uns suggeriert, dass wir Frozen Yoghurt essen und dabei so schlank bleiben können als würden wir auf einer Stange Sellerie kauen? Zur Verteidigung des gefrorenen Joghurts muss gesagt werden, dass das Grunderzeugnis tatsächlich meist weniger Fett enthält als das Eis von der Eisiele oder aus dem Supermarkt, das mit Sahne hergestellt ist. Hier gewinnt der Frozen Yoghurt eindeutig mit einem viel niedrigeren Milchfettanteil (3% im Vergleich zu Rahmeis mit mindestens 18% Milchfettanteil). Gerade aber die Frozen Yoghurt Produkte aus dem Supermarkt sind schon mit einer Menge an Zusatzstoffen und kalorienhaltigen Toppings angereichert, was sie zu allem anderen, nicht aber einer Diät-Süßigkeit macht.

Zum Vergleich: 100 Gramm „frozen Yogurt honet walnut“ von Mövenpick enthalten 190 Kcal, 100 Gramm „Mövenpick Amerena Kirsch“ Eis 181 kcal. In diesem Falle wäre man also, kalorientechnisch, mit dem Eis besser bedient als mit den Frozen Yoghurt.

Genießen ohne Reue mit Frozen Yoghurt: so geht’s

Falls ihr jetzt denkt, dass wir euch das Essen von Frozen Yoghurt ausreden wollen: mitnichten. Wir sind selbst Fans von der köstlichen Sommerspeise. Wer die Bikinifigur halten will, der muss auf einen Frozen Yoghurt ab und an sicherlich nicht verzichten. Er sollte, wie bei allem, Maß halten. Wer dann noch einen natürlichen Frozen Yoghurt, der nicht mit Aroma angereichert ist wählt und bei den Toppings auf gesündere Alternativen, wie zum Beispiel frisches Obst, achtet, der macht eigentlich nichts falsch. Statt Verzicht sollte man also besser auf gute Produkte achten.

Guter Frozen Yoghurt: eine Produktauswahl

Es gibt mittlerweile sogar Bio Frozen Yoghurt. Hier hat sich in den letzten Jahren Wonderpots einen Namen gemacht. Gute Zutaten, Transparenz und ein stylisches Branding, das an die Milchbars der Fünfziger Jahre erinnert. Nach drei Stores in Berlin gibt es Wonderpots jetzt auch in Zürich, weitere Expansion nicht ausgeschlossen. Hauptsächlich im Norden Deutschlands ist Yoguru vertreten. In den Shops gibt es Bio-Joghurt mit Bio-Früchten. Vorreiter der Frozen Yoghurt in München ist Top It, direkt am Viktualienmarkt gelegen. Bei Yooboo in Dortmund gibt es sogar veganen Frozen Yoghurt. Und in Köln ist Foxberry eine gute Wahl.

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Titelbild (CC BY 2.0) by Jonathan Pincas

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Über die Autorin: Sandra hat Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studiert. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Leidenschaften sind Nachhaltigkeit, sowie die Unterstützung der nachhaltigen Fischräucherei ihres Bruders. Die passionierte Teetrinkerin ist seit Happy Coffee auch zu einem Kaffee-Fan geworden.


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