Für Kona Kaffee aus Hawaii bezahlen Genießer wesentlich mehr als für normale Arabica-Bohnen. Denn die Spezialität zählt zusammen mit Kopi Luwak aus Indonesien und Blue Mountain Kaffee aus Jamaika zu den teuersten Kaffeesorten der Welt. Doch woran liegt das? Wie wird Kona Kaffee angebaut und wie schmeckt er? Wir gehen dem Geheimnis auf die Spur.

Kaffeeanbau in Hawaii: Vulkanböden, mildes Wetter und Aloha

In den USA wird nur in einem Bundesstaat Kaffee angebaut, und zwar im tropischen Hawaii. Denn fast alle hawaiianischen Inseln sind vulkanischen Ursprungs und bieten ein feucht-mildes Klima, das Kaffeebohnen mögen. Heute wird sowohl Kaffee von den Inseln Oahu, Big Island und Maui verkauft – aber eine von ihnen hat sich inzwischen besonders hervorgetan.

Historisches: Wie der Kaffee nach Hawaii kam

Erstmals wurden Kaffeebohnen im 18. Jahrhundert nach Hawaii gebracht, und zwar von einem Gärtner der mit dem britischen Offizier Lord Byron per Schiff auf Oahu ankam. Er hatte die Pflänzchen in Brasilien erworben. Leider waren seine Anbauversuche nicht von Erfolg gekrönt, und doch ebnete er den Weg für erste Plantagen in der Gegend um Honolulu. Britische Missionare brachten später Kaffeesetzlinge und andere Kulturpflanzen auf die Inseln Hilo, Kauai, Maui und Big Island.

Sowohl auf Maui als auch auf Big Island gediehen die Kaffeepflanzen zunächst gut und wurden in geringem Ausmaß sogar verkauft. Allerdings wurden die Anbauflächen auf Maui und den anderen hawaiianischen Inseln erst von Schädlingen infiltriert und später für Zuckerrohranbau genutzt. Big Island, und vor allem die Region um Kona, war wegen ihrer Höhenlagen dafür weniger gut geeignet und konnte sich im Laufe der Zeit zum Hauptanbaugebiet von Kaffee entwickeln. Dazu trug ebenfalls die Annexierung von Hawaii durch die USA in 1898 bei, da aufgrund der höheren Profitabilität noch mehr Kaffeepflanzen dem leichter anzubauenden Zuckerrohr weichen mussten – nur in Kona nicht.

Erst nach dem Ende des 2. Weltkriegs und der langsamen Stabilisierung der Kaffeepreise wurde der Kaffee-Anbau auch in anderen Gegenden wieder interessant. Heute stammt ungefähr die Hälfte des hawaiianischen Kaffees von den kleinen Plantagen auf Big Island, dicht gefolgt von Kauai – wo die Anbaugebiete deutlich größer sind.

Der Anbau von Kona Kaffee auf Big Island

Nur Kaffeebohnen, die aus einem eng abgesteckten Anbaugebiet auf Big Island kommen, dürfen sich „Kona Kaffee“ nennen. Der sogenannte Kona-Kaffeegürtel ist etwa 30 Kilometer lang und 3 Kilometer breit. Er liegt an der Westküste von Big Island an den Hängen der Vulkane Mauna Loa, Hualalai und Kea auf 250 bis 850 Metern Höhe. Hier gedeihen die anspruchsvollen Arabica-Bohnen extrem gut, weil der Boden besonders fruchtbar ist. Ihr übrigens hinzu tun die milden Temperaturen und verlässlichen Wetterlagen mit Sonnenschein am Morgen und Wolken am Nachmittag, die vom Ozean aufziehen und Schatten sowie frische Schauer bringen. Vielleicht ist aber auch die extra Brise „Aloha“ das Geheimnis vom Kona Kaffee – die Liebe zur Natur als das hawaiianische Lebensgefühl.

Die Natur in HawaiiFoto „Punalu’u – Mauna Loa Foothils“ by Les Williams, used under license CC BY-SA 2.0 (cropped for size)

Der Ernte-Prozess vom Kona Kaffee beginnt im Frühling mit dem Schnee. Wie bitte?! Ja, richtig gelesen! Spätestens im März sprießen die weißen Kaffeeblüten und lassen die Plantagen aussehen, als seien sie mit Schnee bedeckt. Dieses als „Kona Snow“ bezeichnete Phänomen ist im April mit den grünen Kaffeebeeren vorbei. Ab August werden die prallen roten Kaffeekirschen handgepflückt und gewaschen. Damit sie nicht vorher von diebischen Vögeln „geerntet“ werden, pflanzen die Kaffeebauern ebenfalls Bananen an, die für das Federvieh genauso lecker sind und vom Kaffee ablenken. Nachdem die Bohnen aus den Kaffeekirschen gelöst, gesäubert und in der Sonne getrocknet wurden, werden sie je nach Größe und Form verschiedene Güteklassen sortiert.

Kona Kaffee Arten: Typ 1, Typ 2 und Mischungen

Kona Kaffee vom Typ 1 sind pralle Bohnen, flach auf der einen und rund auf der anderen Seite – weil sie zu zweit in der Kaffeekirsche herangereift sind. Er wird unter Namen wie „Kona Extra Fancy“, „Kona Select“ oder „Kona Prime“ verkauft. Kona Kaffee vom Typ 2 sind Perlbohnen (Peaberries), die als einzelne Bohnen in der Kaffeekirsche reifen und daher eine runde Form haben. Er wird z.B. als „Peaberry Prime“ verkauft. Übrigens sind die Perlbohnen vom Typ 2 keinesfalls Kona Kaffee von schlechterer Qualität, im Gegenteil: Sie sind besonders selten und haben einen ganz speziellen Geschmack.

Nur wenn auf dem Kaffee-Päckchen „100% Kona Coffee“ draufsteht, ist auch wirklich reiner Kona Kaffee drin. Das schreibt das Gesetz vor. Auf dem Markt sind unter Namen wie „Kona Style“ oder „Kona Roast“ allerdings auch Kaffeemischungen zu finden. Diese „Kona Blends“ müssen zumindest 10% Kona Kaffee enthalten – die restlichen 90% sind Kaffeebohnen aus anderen Ländern wie z.B. Brasilien oder Kolumbien.

Ist der Kona Kaffee seinen Preis wirklich wert?

Ein Kilogramm Kona Kaffee kostet um die Hundert Euro. Doch warum ist das so, und vor allem: Ist dieser Preis wirklich gerechtfertigt, für das was man bekommt?

Preisfaktoren vom Kona Kaffee

Ausschlaggebend für den hohen Preis vom Kona Kaffee sind erstens die hohen Produktionskosten. Ein hawaiiaischer Kaffeebauer erklärt:

Hawaiian coffee is being priced at a true cost of production + enough „profit“ to make a living. It’s not that Hawaiian coffee is „expensive“ – it’s that the rest of the world’s coffee is extremely undervalued. Everyone is just used to paying dirt cheap prices for their cup because most of the people that produce it are living in abject poverty.

In Hawaii kostet der Kaffeeanbau weitaus mehr als beispielsweise in Afrika oder Indonesien. Das Bestellen des Lands ist teurer, genauso wie die Löhne der Arbeiter auf den Plantagen. Hinzu kommt, dass für den Anbau notwendige Dinge wie Dünger und Equipment nach Hawaii verschifft werden müssen, was den Preis ebenfalls in die Höhe treibt.

Zweitens ist Kona Kaffee trotz der vergleichsweise hohen Anbaupreise sehr exklusiv und selten. Insgesamt werden in Hawaii pro Jahr laut Kaffeezentrale etwa 55.000 Säcke (a 60 kg) produziert. Im Vergleich dazu liefert Brasilien, das Kaffeeanbau-Land Nummer 1, fast 1000 Mal so viel! Und alles was so knapp ist wie Kona Kaffee, hat eben einen entsprechenden Preis.

Royal Kona CoffeeFoto „Royal Kona Coffee“ by Prayitno, used under license CC BY 2.0 (cropped for size)

Qualität und Geschmack von Kona Kaffee

Den hohen Preis sind Kaffeegenießer aus aller Welt  – unter anderem das Weiße Haus, Luxus-Hotels und sogar die NASA – durchaus bereit zu zahlen! Einerseits hat Kona Kaffee eine hohe Qualität, da die Arabica-Bohnen besonders groß sind. Großen Kaffeebohnen spricht man eine hohe Qualität zu. Ein Maß dafür ist die Siebgröße, die auf einer Skala bis maximal 20 ermittelt wird. Die prallen Kona Kaffeebohnen erzielen eine unglaubliche Siebgröße von 18 bis 19, was sehr selten ist. Außerdem sind sie wohlproportioniert und glänzen nach der Röstung besonders schön.

Und wie sieht es mit dem Geschmack aus? Kaffee Kenner beschreiben Kona Kaffee als vollmundig, sanft, mit Noten von Zimt, Schokolade, Karamell und Beeren. Da läuft einem nur vom Hören das Wasser im Munde zusammen! Am besten schmeckt der Kona Kaffee übrigens mit der guten alten French Press, doch Kaffee-Nerds aus aller Welt bereiten ihn auch gern als Cold Drip zu. Und hier kannst du dir die delikate Spezialität bestellen:

Ansonsten empfiehlt es sich, bei einem Urlaub in Hawaii bei einer der Kaffee-Plantagen in Kona zu einer Verkostung zu gehen. Oder gleich das Kona Coffee Festival zu besuchen, bei dem man viel über den Anbau und Kaffeerezepte lernt – und natürlich den legendären Kona Kaffee probieren kann.

Title Foto: „Big Island 9406“ by CucombreLibre, used under license CC BY 2.0 (cropped for size & foto filter used)

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Über die Autorin: Heidi liebt Kaffee, vor allen in Kombination mit einen gesunden Frühstück. Wenn Sie gerade keine Beiträge auf Happy Coffee schreibt, berichtet die Weltenbummlerin auf ihrem Blog meerdavon.com über Ihre Reisen.


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