Kaffee aus Indien? Viele assoziieren das Land wahrscheinlich eher mit dem Anbau von Tee. Was nicht falsch ist, schließlich gilt Indien als eine der Teetrinker-Nationen der Welt. Allerdings spielt der Kaffeeanbau eine ebenfalls sehr große Rolle. Der Großteil der Kaffeebohnen wird allerdings ins Ausland exportiert. Im weltweiten Vergleich ist Indien unter den Top 10 der kaffeeproduzierenden Länder.

Kaffee aus Indien: Wie das Tee-Trinkerland zum Kaffee kam

So richtig weiß keiner, wie der Kaffee erstmals nach Indien kam. Eine Legende besagt, dass ein indischer Pilgerfahrer im 17. Jahrhundert Kaffeebohnen aus Arabien mitbrachte und fortan in Karnataka, einer Provinz in Südindien, anpflanzte. Andere Menschen sind sich sicher, dass die britischen Kolonialherren im 18. Jahrhundert die in Europa beliebte Bohne ins Land brachten und die ersten Plantagen anlegten.

Trotzdem fristete der Kaffee gegenüber dem Tee in Indien lange ein Schattendasein, da niemand mit dem dunklen Gebräu so richtig etwas anfangen konnte. Das änderte sich spätestens mit dem 1942 ins Leben gerufenen Coffee Board of India. Diese Regierungsbehörde förderte den Kaffeeanbau und verkaufte fortan die Kaffeebohnen kleiner Bauern aus einem gemeinsamen Pool. Seit 1995 wurde die Vermarktung von Kaffee aus Indien im Zuge der wirtschaftlichen Liberalisierung wieder verstärkt privatisiert. Seitdem wächst der Kaffeeanbau in Indien wesentlich stärker an als die Exportquote. Das zeigt, dass die Inder den Koffeinklassiker mittlerweile selbst gern konsumieren.

Anbaubedingungen und Kaffeeregionen in Indien

Kaffeepflanzen mögen ein feucht-warmes Klima mit Temperaturen unter 30 °C und etwas Regen. Stauwasser, zu starke Sonne und Dürre sind hingegen nichts für die anfälligen Kaffeepflanzen, weswegen sie am besten im Halbschatten gedeihen. All diese Bedingungen erfüllt das indische Hochland perfekt! Darin sind sich viele Kaffeekenner einig. Nicht ohne Grund erfreut sich Kaffee aus Indien großer Beliebtheit und wird in alle Welt exportiert.

Indiens Kaffeesorten und Plantagen

Aufgrund des historischen Erbes wird Kaffee aus Indien vor allem in den südindischen Provinzen Karnataka, Kerala und Tamil Nadu gewonnen; allerdings werden auch immer mehr neue Anbaugebiete z.B. im Osten des Landes erschlossen. In unterschiedlichen Höhenlagen werden verschiedene Kaffeearten angebaut.

Arabica und Robusta – hier gedeiht beides

Indien ist eines der wenigen Länder, in denen sowohl Arabica-Kaffee als auch Robusta-Kaffee wächst. Arabica-Sorten fühlen sich in in kühleren Höhenlagen wohl. Dazu zählt z.B. Kents, der ursprüngliche und nach dem englischen Bauern benannte Arabica Kaffee. Leider ist Kents sehr anfällig für den gefürchteten Kaffee-Rost, so dass Arabica-Varianten wie S.795 Kaffee gezüchtet wurden, die heute beliebteste und qualitativ sehr hochwertige Kaffeesorte Indiens. Darüber hinaus gibt es weitere Arabica-Sorten wie z.B. den resistenten Cauvery (Catimor) Kaffee oder Selection 9 Coffee.Darüber hinaus wächst in Indien auch der als weniger hochwertig geltende Robusta-Kaffee, der aber im Gegensatz zu Arabica heiß-feuchte Temperaturen und niedrigere Höhenlagen toleriert.

Bekannte indische Kaffeeplantagen

Es gibt unglaublich viele Kaffee-Plantagen in Indien, die meisten sind allerdings sehr klein. Wer einmal eine Kaffeereise antreten will, besucht am besten Coorg in Karnataka. Dort gibt es gleich mehrere Plantagen. Zum Beispiel Tata Coffee, die mit zahlreichen weiteren Plantagen zur größten Kaffeegruppe Indiens gehört. Oder das kleinere Silver Brook Estate mit einem netten Homestay direkt neben den Feldern, über die manchmal sogar die in Indien und Sri Lanka typischen wilden Pfaue flattern. Ebenfalls bildschön ist die Plantage von MSP Coffee in den Bergen von Yercaud in Tamil Nadu.

Sean Edwards (Cafe Culture Magazine) führt in eine neue Welt des Kaffees ein

Kaffee aus Indien: Genug Schatten und Mischkulturen

Kaffee aus Indien wächst unter ganz bestimmten Bedingungen. Relativ einzigartig ist aus Sicht der indischen Kaffeebehörde das „well-defined two-tier mixed shade canopy“.Damit ist ein ausladendes zweistöckiges Blätterdachgemeint, das den Kaffeepflanzen ausreichend Schatten gewährt. Kein Wunder, der Kaffeeanbau erfolgt in einer tropischen und dschungelgleichen Umgebung. Auf indischen Kaffeeplantagen wachsen bis zu 50 verschiedene Baum- und Pflanzenarten in unterschiedlicher Höhe, z.B. Silbereichen, Feigen- und Jambulbäume. Sie sorgen nicht nur für Schatten, sondern reichern den Boden mit Nährstoffen an und schützen vor Bodenerosion.

Eine wesentliche Rolle beim Kaffeeanbau in Indien spielt ebenfalls das sogenannte „Inter-Cropping“ bzw. der Einsatz von Mischkulturen. So wachsen auf den Plantagen nicht nur Kaffeepflanzen, sondern auch Bananen, Mango, Jackfruit, Orangen oder Gewürze wie Kardamom, Zimt, Nelke und Muskat. Das dient hauptsächlich der Effizienz, um die Anbaufläche bestmöglich auszunutzen. Ein angenehmer Nebeneffekt sollen die besonders feinen Noten sein, die dem Kaffee verliehen werden. Ob da etwas dran ist, kann nur ein Geschmackstest zeigen.

Kaffee aus Indien: Wie er schmeckt

Beliebt ist Kaffee aus Indien unter anderem wegen der von Natur aus geringen Säure. Das hebt ihn von den wesentlich stärkeren Verwandten aus z.B. Costa Rica ab und macht ihn besonders magenschonend. Trotzdem ist er sehr würzig und aromatisch. Eine besondere Spezialität ist der sogenannte Monsun-Kaffee.

Monsooned Malabar: Die indische Kaffee-Spezialität

Manchmal entstehen tolle Produkte völlig ungeplant. Das war auch bei Indiens mittlerweile bekanntester Kaffeespezialität der Fall! Früher mussten die Kaffeebohnen auf dem Weg nach Europa noch eine lange Seereise zurücklegen und waren dabei dem starken, warmen Monsunregen ausgesetzt. Durch die damit verbundene Luftfeuchtigkeit veränderten sich die rohen Kaffeebohnen in Aussehen und Geschmack. Sie wurden heller, färbten sich gelb und quollen etwas auf. Dazu bekamen sie ein sanft-mildes Aroma. Für die einen ist das der beste Kaffee überhaupt, für die anderen vielleicht etwas muffig. Geschmäcker sind eben verschieden!

Jedenfalls fand der Monsun-Kaffee so starken Anklang, dass man ihn heute trotz fortschrittlicherer Transportmöglichkeiten mittels des sogenannten „Monsooning“ immer noch herstellt. Die rohen Kaffeebohnen werden dabei nach der Ernte für bis zu 4 Monate absichtlich der hohen Luftfeuchtigkeit ausgesetzt und in einfachen Jutesäcken gelagert, bis sie die gewünschten Veränderungen annehmen.  Voila – das ist der berühmte Monsooned Malabar Kaffee! Er heißt so, da er vor allem an der Malabarküste in Südindien gewonnen wird. Am besten ist der in der Güteklasse AA.

Kaapi: Wie Inder ihren Kaffee am Liebsten mögen

Langsam aber sicher ist Kaffee in Indien selbst zum Genussmittel geworden. In den 40er Jahren trank man noch gern Kaffee mit Chicorée, heute genießen die Inder ihren als „Kaapi“ bekannten Filterkaffee. Er wird meistens mit Milchschaum und Zucker serviert. Eine beliebte Spielerei ist „Metering“, bei z.B. Milchschaum aus großer Höhe in den Kaffee gegossen wird. Und die Inder lieben mittlerweile Kaffeeketten wie Starbucks & Co., die ihre Bohnen von Indiens Plantagen beziehen.

Interessierst du dich für weitere ungewöhnliche Anbaugebiete in Asien? Dann könnte dich unser Artikel über Vietnam Kaffee ebenfalls interessieren! Wenn du Fragen oder Anmerkungen hast, schreibe uns!

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Über die Autorin: Heidi liebt Kaffee, vor allen in Kombination mit einen gesunden Frühstück. Wenn Sie gerade keine Beiträge auf Happy Coffee schreibt, berichtet die Weltenbummlerin auf ihrem Blog meerdavon.com über Ihre Reisen.


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