Dem Osterhasen auf der Spur – Von Bio-Eiern, Hühnerhaltung und Färbe-Anleitungen

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Photo by PublicDomainPictures

“Der Hase legt am Osterfest
Den Kindern Eier brav ins Nest.
Denn was wäre eine Osterfeier
Ohne bunte Ostereier?“

Das Gedicht eines unbekannten Poeten bringt es auf den Punkt, auch wenn die meisten von uns höchstwahrscheinlich nicht mehr an den Osterhasen glauben: Ostern und Ostereier gehören zusammen wie Weihnachten und Tannenbaum.

Durchschnittlich 210 Eier isst der Deutsche pro Jahr pro Kopf und dabei in der Osterzeit wahrscheinlich einige mehr als an normalen Tagen. Davon ist allerdings nur jedes 13. ein Bio-Ei, der Rest stammt aus konventioneller Hühnerhaltung. Doch was bedeutet artgerechte oder konventionelle Hühnerhaltung, sind Bio-Eier wirklich besser und was hat es überhaupt mit der Tradition Osterei auf sich?

Artgerechte Haltung – wirklich tierfreundlich oder Augenwischerei?

Artgerechte Haltung ist ein Begriff, den man auf die Haltung aller domestizierten Tiere anwendet, insofern dabei die natürlichen Lebensbedingungen der Tiere und die angeborenen Verhaltensweisen der Tiere berücksichtigt werden. Die artgerechte Haltung steht im Gegensatz zur Massentierhaltung, wo die artspezifischen Bedürfnisse der Tiere ignoriert werden. Die Massentierhaltung ist lediglich darauf ausgelegt, möglichst hohe Erträge in kurzer Zeit zu erlangen, weshalb natürliche Instinkte der Tiere, wie das Bedürfnis, sich zu verstecken oder der Bewegungsdrang, keine Beachtung finden. Das ist nicht nur ethisch untragbar, sondern wirkt sich auch auf die Qualität der tierischen Erzeugnisse negativ aus. Gerade im Bereich der Hühnerhaltung sind die Zustände oft katastrophal.

Situation der Legehennen laut EU-Richtlinie

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Photo by PETA Deutschland.e.V.

Laut EU-Richtlinie 1999/74/EG (Umsetzung in nationales Recht bis 1. Januar 2002) müssen in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union folgende Kriterien bei der Hühnerhaltung eingehalten werden: Käfige müssen eine ausgestaltete Fläche von mindestens 750 Quadratzentimeter pro Huhn aufweisen. Eine veraltete Flächenangabe von 550 Quadratzentimetern pro Tier ist seit Januar 2012 verboten. Daneben sind käfiglose Systeme mit Legenestern erlaubt, wobei mindestens ein Nest für je sieben Hennen, sowie geeignete Sitzstangen vorhanden sind. Das bedeutet im Klartext, dass pro Henne 15cm Platz vorhanden sein muss und Einstreu, auf dem sie picken und scharren kann. Zusätzlich müssen die Futtertröge für jede Henne uneingeschränkt erreichbar sein und die Henne im Käfig mindestens 12 Zentimeter Platz zum Fressen haben. Wer sich einmal solch eine Hühnerhaltung in der Realität – oder im Fernsehen – angeschaut hat, dem muss klar sein, dass solch eine Haltung nur mit viel Schönfärberei als artgerecht bezeichnet werden kann. Das wirkt sich auch auf das Verhalten der Tiere aus. Der Stress, der durch die enge Haltung erzeugt wird, führt zu aggressivem Sozialverhalten und Krankheiten.

Bio-Eier aus ökologischer Hühnerhaltung: alles besser?

Skandale wie im Falle von Wiesenhof, bei dem die Tierschutzorganisation PETA im Jahr 2012 grausame Zustände bei der Hühnerhaltung aufgedeckt hat, haben die Nachfrage nach Eiern aus ökologischer Haltung verstärkt. Mittlerweile gibt es Bio-Eier in jedem Supermarkt und sogar in den Discountern. Im Jahr 2013 betrug der Anteil an Legehennen in ökologischer Haltung 8,4%, Tendenz steigend.

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Photo by AnnaER

Wenn sich ein Verbraucher also ein Bio-Ei kauft und dafür etwas tiefer in die Tasche greift, als bei einem Ei aus konventioneller Haltung, dann möchte er dabei auch das gute Gewissen haben, alles richtig gemacht zu haben. Damit Eierproduzenten ihre Eier unter dem Bio-Siegel verkaufen dürfen, müssen sie Vorschriften der EU-Richtlinie einhalten, denn die Bezeichnungen “bio” und “öko” sind geschützt.

Ob ein Ei das vom deutschen Staat vergebene Bio-Siegel erhält, wird an verschiedenen Kriterien festgemacht, die sich auf die EU-Rechtsvorschriften für ökologischen Landbau stützen.

Wer jetzt aber glaubt, dass Hühner aus ökologischer Haltung auf saftigen Wiesen herumlaufen und sich ihres Lebens erfreuen, der hat sich mit der aktuellen Situation noch nicht wirklich auseinandergesetzt. Denn hohe Bestandszahlen sind auch in der ökologischen Haltung meist Realität. So kann es durchaus sein, dass auch in einem Bio-Betrieb bis zu 10.000 Legehennen gehalten werden. Etwas mehr Platz als Hühner in konventioneller haben die Öko-Hennen dennoch, erlaubt sind sechs Legehennen pro Quadratmeter und 3000 pro Stall. Zudem muss Frischluft und Tageslicht in den Ställen vorhanden sein und eine achtstündige Nachtruhe ohne Kunstlicht ist ebenso Vorschrift. Weitere Kriterien sind das Futter, dass überwiegend aus ökologischem Landbau stammen und frei von synthetischen Zusätzen sein muss.

Strengere Regeln von ökologischen Anbauverbänden

Weil die Richtlinien zwar ein kleines Zugeständnis an eine bessere Haltung von Legehennen , aber noch weit davon sind, den natürlichen Bedürfnissen der Tiere gerecht zu werden, haben ökologische Anbauverbände wie zum Beispiel demeter, Naturland oder Bioland für sich selbst strengere Regeln erstellt. So ist zum Beispiel bei Bioland das Futter für die Hühner 100% bio und es werden weder synthetische Aminosäuren noch Fischmehl verfüttert. Zudem bekommen die Hühner täglich Körner zum Scharren und Picken – auch keine Selbstverständlichkeit, auch nicht in bio-zertifizierten Betrieben. Ebenso haben die Hühner bei demeter genügend Bewegungsfreiheit, sowohl im überdachten Wintergarten als auch im nicht überdachten Grünauslauf. Dass so ein Ei mehr kostet als ein Bio-Ei aus dem Discounter, dürfte klar sein. Dass es das wert ist, eigentlich auch.

Doch die Verbraucher sind verunsichert, denn die Betrugsskandale um fälschlich deklarierte Bio-Eier die in letzter Zeit aufgedeckt wurden zeigen auf, dass im Bereich ökologischer Zertifizierung noch einiges im Argen liegt.

Der Erzeugercode – wie erkenne ich Eier aus ökologischer Hühnerhaltung?

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Eiercode App

Seit 2004 gelten in der EU Kennzeichnungsregeln für Hühnereier. Am Erzeugercode, der auf jedem Ei aufgedruckt ist, kann der Verbraucher erkennen, wie das Huhn gehalten wurde, aus welchem Land, sowie aus welchem Betrieb oder Stall das Ei stammt. Um allerdings im Supermarkt tatsächlich zu wissen, was die einzelnen Zahlen zu bedeuten haben, muss man sich entweder sehr gut auskennen, oder auf eine Liste zurückgreifen. Auf der Website was-steht-auf-dem-ei.de zum Beispiel: dort gibt man die Zahlen, die auf dem Ei stehen, in eine Suchmaske ein und erhält alle gewünschten Informationen per Klick. Noch einfacher geht’s natürlich direkt vor Ort im Supermarkt mit der Smartphone-App.

Tradition Osterei

Wer sich diesen Artikel bis hierhin durchgelesen hat, der weiß, was er tun muss, um ein Ei zu kaufen, bei dem er ein gutes Gewissen haben kann – und das genau deshalb auch gut schmeckt. Aber warum färben und verstecken wir eigentlich Ostereier? Eindeutig geklärt ist der Ursprung dieser Tradition nicht. Eine Theorie besagt, dass das Eiverstecken aus der Zeit der Konvertierung der Heiden zum Christentum stammt – weil die frühchristliche Kirche sich oft heidnische Traditionen zu Nutze machte, damit die Konvertierten trotzdem noch ein paar alte Feste und Verhaltensweisen mit in die neue Religion nehmen konnten. Im Heidentum gibt es die Ostara-Tradition, wobei man sagt, dass das Verschenken zu Eiern von Ostara von der Kirche unter Strafe gestellt wurde. Weil man zwar an dieser Tradition festhalten wollte, die drakonischen Bestrafungen der Kirche aber fürchtete, wurden die Eier fortan heimlich verschenkt – oder sogar versteckt und vergraben, so dass der Beschenkte die Eier erst suchen musste.

Das Osterei als Symbol für Geburt

In vielen Religionen steht das Ei für Wiedergeburt oder neues Leben. Bei den alten Ägyptern galt das Ei sogar als Ursprung der Welt, aus dem alles Leben schlüpft.

Ostereier färben: schon die alten Römer haben’s getan

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Photo by Gaby Stein

Den alten Römern haben wir die Tradition des Ostereier-Bemalens zu verdanken: dort wurden während der Frühlingsfeste bemalte oder gefärbte Eier an Freunde verschenkt. In Ägypten und Griechenland wurden Eiern an den Tagen der Frühlings-Tag- und Nachtgleiche als heilige Symbole verehrt und die Tempel damit festlich geschmückt. Die Art des Eierschmucks fiel dabei recht unterschiedlich aus, je nach Budget. Während die einfacheren Leute ihre Eier mit Blättern oder Blüten färbten, wickelten die Wohlhabenderen Bürger die Eier schonmal in Blattgold ein. Übrigens gibt es auch für die Tradition des Eierfärbens eine christliche Erklärung. In der Legende wollte Maria Magdalena dem Kaiser von der Auferstehung Christi berichten. Dieser hielt nichts von der Geschichte und sagte, dass Jesus genauso wenig auferstanden sei wie die frisch gelegten Eier vor ihm eine rote Schale hätten. Und just in diesem Moment färbten sich die Eier vor seinen Augen rot.

Eier selber färben mit Pflanzenfarben

Wer heutzutage seine Eier selber färben will, der hat eine schier unbegrenzte Auswahl an verschiednen Dekorationsmöglichkeiten. Manche machen daraus richtige Kunstwerke und bearbeiten die Eierschale mit Wachs oder Ölfarben, andere sind eher minimalistisch unterwegs und verzieren die Eier mit Aufklebern. Wer selbst färben möchte, dem sei die Benutzung von Naturfarben empfohlen. Schließlich sind diese lebensmittelecht und sorgen dafür, dass das verzierte, hartgekochte Ei danach auch noch gegessen werden kann. Der NABU (Natsurschutzbund Deutschland e.V.) hat ein paar Empfehlungen für rein pflanzliche Färbemittel zusammengestellt. So empfiehlt er unter anderem Spinat, Kaffee oder Zwiebelschalen – Nahrungsmittel, die fast jeder zu Hause hat. Eine Anleitung gibt es zum Beispiel hier (PDF).

Für all diejenigen, die beim Basteln noch nie so gut waren, zwei Linke Hände haben oder einfach ungeduldig sind, hätten wir da noch eine alternative Lösung. Mit Apps wie paint-on-3-D-easter-eggs kann auch der Ungeübte ganz wunderbare Ostereier erzeugen.

Weil die Wetteraussichten für Ostern hervorragend aussehen, raten wir allerdings dazu, sich die Finger selber schmutzig zu machen – sei es beim Eierfärben oder der anschließenden Ostereiersuche. Hauptsache das Ei stammt aus korrekter Hühnerhaltung – dann ist auch der Osterhase glücklich.

manomama – Ökologisch korrekte Kleidung made in Germany

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Graphic by manomama

Sina Trinkwalder produziert mit ihrem Social Business manomama fair hergestellte Kleidung mit ehemaligen Arbeitslosen und gering qualifizierten Arbeitskräften. Die Mode „made in Germany“ am Standort Augsburg ist ein kleines Wunder innerhalb der skandalumwitterten Textilbranche.

Am Sonntagabend schaut sie die Tagesschau und den Tatort, am liebsten den aus Münster. Am Montagmorgen braucht sie erst einmal einen Kaffee, um in die Gänge zu kommen. Bis hierhin unterscheidet sich Sina Trinkwalder nicht vom Durchschnittsdeutschen. Doch wenn sie kurz später zur Arbeit geht, dann wird klar, dass die 36-jährige Mutter eine außergewöhnliche Persönlichkeit ist. Ihr Arbeitsplatz, das ist die Textilfirma manomama, ein Social Business, dass die Augsburgerin im Alleingang gegründet und hochgezogen hat. Dass diese Frau weiß, was sie will und dass sie anpacken kann, dass spiegelt sich auf ihrem Twitter-Profil wider: “weniger to go, mehr to stay, Wunder muss man selber machen”, so die Eigenbeschreibung der Unternehmerin beim Kurznachrichtendienst. Und dass das eigentlich ein Wunder ist, was die Unternehmerin in nur wenigen Jahren geschafft hat, dass dürfte nicht nur Betriebswirtschaftlern klar sein.

Ökologie, Ökonomie und Soziales

Sina Trinkwalder gibt mit ihrer Firma denjenigen eine Chance, die auf dem Arbeitsmarkt eigentlich keiner haben will: Alleinerziehende Frauen, jungen Erwachsenen ohne Ausbildung oder älteren Menschen, die eigentlich schon auf dem beruflichen Abstellgleis stehen. Sie will zeigen, dass es mit fairen Löhnen, gerechten Arbeitsbedingungen und Wertschätzung der Arbeit möglich ist, ein rentables Unternehmen aufzubauen. Und zwar mitten in Deutschland. Die Werte, die der Unternehmerin dabei besonders wichtig sind: Ökologie, Ökonomie und Soziales. Während das Schlagworte sind, die auch andere Unternehmen benutzen, um damit ihr Image zu polieren, werden diese Maximen bei manomama gelebt.

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Photo by manomama

Das Besondere in der Näherei: jeder Mitarbeiter produziert einen vollständigen Artikel, das heißt vom ersten Nadelstich bis zum fertigen Kleidungsstück. Laut Marxismus lässt sich die Entfremdung der Arbeit erst durch die Vergesellschaftung der Produktionsmittel und die Abschaffung der herkömmlichen Arbeitsteilung aufheben. Auch wenn manomama weit davon entfernt ist, ein kommunistisch geführtes Unternehmen zu sein: man hat verstanden, dass es wichtig ist, wenn sich die Näherinnen und Näher mit dem Produkt, das sie anfertigen, identifizieren und das sie stolz sein können auf das Geleistete.

Markenbildung von der Pike auf

Wie man eine Idee verkauft und wie man sie vermarktet, das hat Sina Trinkwalder in ihrem früheren Leben bei dplusc, einer Agentur für Marken und Medien gelernt. Fast ein Jahr war sie dort in der Geschäftsführung für die Kreation von Marken zuständig, bevor sie sich dazu entschloss, sich mit einem Social Business im Textilbereich selbständig zu machen. Die Grundlagen des Unternehmertums hatte sie sich während ihres Studiums der Betriebswissenschaften an der Universität Augsburg angeeignet, das Handwerkszeug für Markenbildung erlernte sie an der Bayerischen Akademie für Marketing und Werbung. Die Idee eines sozial gerechten Arbeitsplatzes hatte sich vielleicht schon vorher, während ihres Politikwissenschafts-Studiums an der Ludwig-Maximilians-Universität in München gebildet. Eine Marke braucht Zeit, um sich zu bilden und eine Marke braucht eine starke Identität, damit sich die Menschen dafür interessieren. So startete Sina Trinkwalder im Jahr 2009 den manomama-Blog, in dem es um Themen wie ökologische Kleidung, Nachhaltigkeit, aber auch mal auf den bewussten Verzicht, zum Beispiel von Kleidung und Shoppen, geht.

“Desparetly seeking Maschinenpaten” – Crowdfunding, Methode manomama

Mit einer Community im Rücken wagte sich Sina Trinkwalder dann rund ein Jahr später an die Gründung ihrer Textilfirma. 2010 hatte sie  200.000 Euro zusammengespart und legte los. Das Anfangskapital reichte aus, um erste Investitionen zu tätigen und den Webshop einzurichten, doch schnell musste mehr Geld her. Da zahlte es sich aus, dass die Unternehmerin ein Pro in Sachen Social Media ist: via Facebook und Twitter verbreitete sie ihre Idee von fair produzierter Mode in Deutschland. “Desperately seeking Maschinenpaten” (für popkulturell Interessierte: eine geniale Referenz zu Madonnas filmischem Frühwerk “Desperately seeking Susan”) – mit diesem Aufruf suchte manomama nach Spenden für neue Anschaffungen:

Jetzt erlebt ihr ein ganz neues Stadium mit: manomama läuft inzwischen so gut, dass wir schon wieder neue Mitarbeiterinnen einstellen müssen. Eigentlich. Uneigentlich ist es aber so, dass wir keine neuen Näherinnen einstellen können, weil wir keine Arbeitsplätze, sprich: Nähmaschinen für sie haben. Wir brauchen 30 Industrienähmaschinen, die pro Stück rund 2.500 Euro kosten.

Der Aufruf blieb nicht ohne Folgen, die Investitionen konnten getätigt werden und das Unternehmen wächst seitdem stetig.

Im Boot mit RTL

Nicht nur mit Social Media kennt sich die Self-Made-Frau aus. Während auf klassische Werbung verzichtet wird, weil das erwirtschaftete Geld besser anderweitig verwendet werden kann, setzt das Unternehmen auf Aufmerksamkeit. Die bekamen Sina Trinkwalder und ihr innovatives Unternehmenskonzept zuletzt Anfang des Jahres im Fernsehen. RTL plante ein Format, bei dem in vier Folgen Unterwäsche von Arbeitslosen und gering Qualifizierten angefertigt werden sollte. Eine gewagte Liason, die die Unternehmerin mit dem Privatsender einging. Erstaunlicherweise verlieh Spiegel Online der Sendung “made in Germany” das Prädikat sehenswert:

Natürlich fiedeln da zwischendurch auch mal die Dramato-Geigen, wenn von schweren Schicksalen erzählt wird, selbstverständlich klimpert auch mal kurz das Jammerklavier. Dass die Sendung trotzdem nicht ins Sozialschmalzfass kippt, ist Sina Trinkwalder zu verdanken, die herzhaft losmarschiert, statt ihre gebeutelte Truppe zu betüddeln und sich länger als nötig mit ihrer Elendslage aufzuhalten.

Für das RTL-Publikum war das Format dann wohl doch nicht sehenswert genug, denn aufgrund mangelnder Quote wurde die Sendung bereits nach der Pilotfolge aus dem Hauptprogramm genommen und auf einen undankbaren Sendeplatz verschoben. Ein Verfahren, dass der Ideologie von Sina Trinkwalder grundsätzlich entgegensteht, dementsprechend äußerte sie ihre Enttäuschung darüber in einem FOCUS-Interview:

RTL hat eine sehr ehrliche, respektvolle Geschichte gedreht. Die durchweg positiven Kritiken bestätigen dies. Schade, dass immer nur die Quote zählt.

Hanfjeans in der neuen manomama-Kollektion

Lange Zeit, Groll zu hegen, hatte die Unternehmerin indes nicht. Schließlich befand man sich mitten in der Produktion der neuen Hanfjeans und um die in großer Stückzahl herstellen zu können, musste sie via Twitter zunächst die Werbetrommel rühren:

Das Twittern scheint sich gelohnt zu haben, denn Mitte Februar wurden auf Facebook stolz die ersten 1000 Meter Hanf-Denim präsentiert.

Sina Trinkwalder ist so eine Art Unternehmerin 2.0, die die sozialen Medien nutzt, um damit für ihr Anliegen zu werben und eine Community zu bilden. Ihren Morgen startet sie zuerst mit einem Kaffee aus der Tasse, dann mit einem morgendlichen Gruß an ihre Follower.

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Photo by RTL/Engels

Fortschritte der Kollektion, Probleme bei der Fertigung, Schnittmusterideen, neue Mitarbeiterinnen, ihre Lieblingssongs, was ihr Kind Lustiges erzählt und Weisheiten zum Tage: Sina Trinkwalder lässt die Menschen via Twitter und Facebook an ihrem Alltag als Unternehmerin und Mutter eines vierjährigen Sohnes teilhaben.

Unternehmensstandort in der Textilstadt Augsburg

Doch die Powerfrau ist, bei aller Modernität und Affinität zur digitalen Welt, durchaus verwurzelt und der Tradition verbunden. Dass sich manomama Augsburg als Unternehmensstandort ausgesucht hat, passt in doppelter Hinsicht. Zum einen ist da die jahrhundertelange Tradition Augsburgs als Textilstadt. Früher war die Textilindustrie der größte Arbeitgeber in Augsburg, bis Ende des 20. Jahrhunderts der Niedergang eingeläutet wurde und Fabriken zu Ruinen verfielen. Zum anderen hat die Stadt Augsburg eine lange Tradition sozialen Engagements. Die 1521 von Jakob Fugger gegründete Fuggerei ist die älteste bestehende Sozialsiedlung der Welt. Mit monoman verbinden sich diese charakteristischen Eigenschaften: Social Business in der Textilstadt Augsburg.

Besser für alle

“Besser für alle” steht auf dem Firmenlogo. Das heißt für das sozial orientierte Unternehmen, dass es nicht nur den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besser gehen soll in einer Branche, die für ihre unwürdigen Arbeitsbedingungen und die Produktion in Billiglohnländern verrucht ist. Ein gerechter Stundenlohn (von 12 Euro ist die Rede) und Arbeitszeiten von maximal sechs Stunden sollen dafür sorgen, dass sich die Näherinnen und Näher von manomama wohl fühlen und ihrer Tätigkeit gerne nachgehen. Besser soll es auch den Kunden von manomama gehen: die weichen, fließenden Stoffe, die sehr angenehm auf der Haut zu tragen sind, bestehen zu 100% aus ökologischen Materialien, man richtet sich nach den strengen Richtlinien des internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft. Besser gehen soll es zudem der deutschen Wirtschaft, dabei vornehmlich der regionalen. Laut eigenen Angaben stammt der Großteil der verarbeiteten Ware von Lieferanten aus der Umgebung, mit einem maximalen Entfernungsradius von 250 Kilometern. Und natürlich soll es auch der Umwelt gut gehen. Bei der Herstellung wird auf ökologische Produktion geachtet und auch darauf, dass die Kleidungsstücke möglichst lang erhalten bleiben. Wenn ein Artikel dann doch irgendwann nicht mehr tragbar ist, kann er getrost im Biomüll entsorgt werden.

Sina Trinkwalder, der FC Bayern der Textilunternehmer

Viel Lob hat Sina Trinkwalder mit ihrem sozialen Unternehmenskonzept und ihrem „made in Germany“-Kredo geerntet. Viele Auszeichnungen hat die Unternehmerin erhalten, darunter den 1. Deutschen Sozial Media Preis “Wirtschaft” bei “Land der Ideen” 2010, 2011 den Titel als “Social Entrepreneur der Nachhaltigkeit” beim “Deutschen Nachhaltigkeitspreis” und noch einige Ehrungen mehr. Dass es da auch Neider gibt, dass man da hin und wieder mal Gegenwind zu spüren bekommt, das kratzt die Unternehmerin nur am Rande: “Mein Mann sagt immer, ich sei wie der FC Bayern: 50 Prozent hassen mich, 50 Prozent lieben mich. Diese zweiten 50 Prozent reichen mir”, verriet sie in einem Interview mit der Mainpost.

Wunder muss man selber machen

Eine faszinierende Persönlichkeit mit einer gesunden Portion Selbstbewusstsein, diese Frau Trinkwalder. Wer sich über den “Schrecken des Arbeitgeberverbandes” (Zitat Verlagsgruppe Droemer Knaur) ein besseres Bild machen will, wer erfahren möchte, wie sie ihr soziales Unternehmen aus dem Nichts aufgebaut hat, der kann das in ihrem Buch “Wunder muss man selber machen” nachlesen. Und wer sich jetzt am liebsten gleich ein Original manomama-Kleidungsstück zulegen will, dem sei der Besuch im Onlineshop empfohlen. Wer weiß, vielleicht hat der ein oder andere unter Euch Lesern schon einen manomama-Artikel zu Hause, ohne es zu wissen. Die Stofftaschen aus dem DM-Drogeriemarkt zum Beispiel, denn die sind ein Manoma-Produkt. Aus Bio-Baumwolle, hergestellt in Augsburg, erhältlich in ganz Deutschland. Eine Erfolgsgeschichte wie aus dem Märchen.

Der lange Weg der Kakaobohnen – in 7 Schritten von der Bohne zur Schokolade

Kakao Der lange Weg der Kakaobohnen   in 7 Schritten von der Bohne zur Schokolade

Photo by AlternativInvest

Schon die Maya und Azteken wussten Schokolade zu schätzen. Die edlen Kakaobohnen waren damals vornehmlich dem Adel vorbehalten, dienten als Zahlungsmittel oder Grabbeilage und wurden als Getränk eingenommen. Obwohl Schokolade damals hauptsächlich in flüssiger Form oder als Gewürz benutzt wurde und im Vergleich zur heutigen bekannten Schokolade sehr bitter schmeckte, hat sich der Herstellungsprozess seitdem nicht wesentlich geändert.

Bis aus den Kakaobohnen Schokolade – oder Kakaopulver – wird, hat die Bohne einen langen Weg vor sich. Vom Kaffeebaum bis zur fertigen Schokolade müssen sieben Schritte durchlaufen werden,  wobei jeder Schritt wesentlich für das anschließende Geschmackserlebnis ist. Auf jeder dieser Stufen kann der Kakao so verarbeitet werden, dass dabei die Umwelt geschont oder aber geschädigt wird. Mit Kakaobohnen aus Fair Trade ist die Transparenz bei allen sieben Schritten weitestgehend gewährleistet.

1. Anbau der Kakaobohnen

Während Kakao ursprünglich im Amazonasgebiet beheimatet war, wird er heute hauptsächlich im Tropischen Regenwald, in Südamerika und Afrika, angebaut. Wichtig für das Gedeihen des Kakaobaumes ist ein feucht-warmes Klima. Kakao braucht aber nicht nur hohe Temperaturen und genügend Niederschlag, sondern auch ausreichend Schatten. Direkte Sonneneinstrahlung schadet der Entwicklung des Kakaobaumes. Deshalb wird in Plantagen oft eine so genannte Mischbepflanzung mit anderen Bäumen und Sträuchern vorgenommen. Der Kakaobaum erhält somit den dringend benötigten Schatten, zum Beispiel durch Kokospalmen, Kautschuk oder Bananenstauden. Eigentlich wächst ein Kakaobaum bis zu 15 Meter in die Höhe, was allerdings die Ernte erschweren würde. Deshalb erreicht man durch die Mischbepflanzung auch einen Windschutz, der dafür sorgt, dass der Kakaobaum nur ungefähr sechs Meter hoch wird.

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Photo by Martin Fisch

Die Früchte des Kakaobaums sind der Ursprung jeglichen späteren Schokoladengenusses. Dabei blüht der Kakaobaum ganzjährig und trägt das ganze Jahr über Früchte. Diese sind je nach Sorte gelb, orange oder violett. Auch die Kakaofrüchte müssen bestäubt werden, damit sich die Samen übertragen können, doch das übernehmen hier nicht wie sonst die Bienen, sondern kleine Mücken.  Dabei dauert es meist über fünf Jahre, bis ein Kakaobaum zum ersten Mal blüht. In jeder Kakaofrucht sind Samen im Fruchtfleisch enthalten. Diese Samen sind das, was wir, biologisch nicht ganz korrekt, als Kakaobohnen bezeichnen.

Interessanterweise stammen ungefähr 90% des weltweit produzierten Kakaos aus kleinen Familienbetrieben – nur ein geringer Anteil des Kakaos wird auf großen Plantagen produziert. Da die Kleinbauern teilweise nicht wissen, was ihr Kakao eigentlich wert ist, akzeptieren sie viel zu geringe Preise von Zwischenhändlern. Mit Fair Trade und Direct Trade soll diesen und anderen Missständen, wie zum Beispiel Kinderarbeit, vorgebeugt werden. Der Weg zum verantwortungsvollen Kakaogenuss beginnt also schon beim Anbau der Kakaobohnen.

2. Ernte der Kakaobohnen

Zweimal im Jahr kann Kakao geerntet werden, zum Ende der Regenzeit und zu Beginn der nächsten Regenzeit.

 Der lange Weg der Kakaobohnen   in 7 Schritten von der Bohne zur Schokolade

Photo by Aargauer Zeitung

Die Kakaobohnen werden, wie von jeher, von Hand geerntet. Dabei muss der Plantagenarbeiter mit höchster Sorgfalt vorgehen: er muss prüfen, welche der Schoten schon reif genug für die Ernte sind und sie vom Baum schneiden, ohne dass er dabei die Blüte oder noch unreife Samen zerstört. Traditionell werden die Früchte mit Macheten vom Baum gehauen.

Vorsichtig werden die Schoten aufgebrochen, um die Kakaobohnen aus dem feuchten, faserigen Fruchtfleisch herauszulösen. Danach werden die Kakaobohnen in einem Haufen auf Bananenblätter oder Matten ausgelegt, oder aber in eine verschlossene Box gepackt. Denn jetzt beginnt der Fermentierungsprozess, wobei das Fruchtfleisch, dass die Kakaobohnen umschließt, zu Alkohol verwandelt wird. Dabei werden die Bohnen immer wieder gerüttelt, damit sichergestellt ist, dass etwas Sauerstoff hinzugelangt. Durch diese Maßnahme wird der Alkohol in Milchsäure und Essigsäure verwandelt und der Restalkohol kann entweichen. Übrig bleiben die puren Kakaobohnen. Der Fermentierungsprozess dient nicht nur dazu, Keime zu beseitigen, sondern ändert auch den Geschmack der Kakaobohnen. Bereits in diesem Schritt wird die Bitterkeit der Bohnen abgemildert und neue Geschmacksnuancen können sich bilden. Die Fermentation dauert ungefähr einer Woche, je nach Art der Bohne. Je länger die Bohnen fermentieren, desto kürzer muss man sie später rösten, bis das gewünschte Aroma erreicht ist.

3. Trocknung, Lagerung, Verschiffung der Kakaobohnen

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Photo by Klaus Ottes

Eigentlich darf man die Kakaobohnen erst jetzt, nach der Fermentierung, überhaupt Kakaobohnen nennen. Nach dem Fermentierungsprozess sind die Bohnen noch feucht. Damit sie gelagert oder verschifft werden können, muss man sie trocknen. Traditionell werden die Kakaobohnen in der Sonne luftgetrocknet, in manchen Anbaugebieten, wie in den sehr feuchten Subtropen, ist aufgrund des Klimas aber eine Trocknung in Trockenöfen vonnöten. Herkömmliche Trockenöfen haben aber oft noch das Problem, dass Rauchgeschmack erzeugt wird, der das feine Aroma der Kakaobohnen zerstört und sie damit unbrauchbar für die Schokoladenherstellung macht. Mit moderneren Trockenöfen die mit einer Wärmetauscheranlage ausgestattet sind, kann dieses Problem umgangen werden. Erst wenn der Feuchtigkeitsgehalt der Kakaobohnen nur noch sechs bis maximal sieben Prozent beträgt, werden sie sortiert und in Säcke verpackt. Die Bohne ist zu diesem Zeitpunkt nur noch halb so groß als vor der Trocknung. Die Sortierung spielt eine wesentliche Rolle bei der Klassifikation der Kakaobohnen, die je nach Größe und Qualität unterschiedlich bewertet werden. Sobald die Bohnen verpackt sind, sind sie bereit für die Verschiffung, hauptsächlich in schokoladenproduzierende Länder in Europa und Nordamerika.

4. Rösten, brechen, schälen

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Photo by Tippito

Sobald die Kakaobohnen beim Schokoladenproduzenten angekommen sind, durchlaufen sie wiederum mehrere Schritte. Zunächst werden die Bohnen diversen Tests unterzogen. Zuerst wird die Größe inspiziert und nach eventuellen Schädigungen an der Bohne geschaut, wie zum Beispiel Schimmel oder Insektenbefall. Bestehen die Kakaobohnen diese erste Inspektion, wird die Bohne zum ersten Mal heiß geröstet und danach die Schale der Kakaobohne entfernt. Dafür werden die Bohnen “gebrochen” – das heißt, nicht gemahlen, sondern nur in kleinere Stücke gebrochen. Das geschieht in Brechmaschinen. Weil die Bruchbohnen nun wenig wiegen und trocken sind, kann die Schale leicht entfernt werden – fertig ist der so genannte “Kakaonibs”.

5. Mahlen und Raffinnierung

Jetzt ist der Kakaonibs fertig für die erste Mahlung. Dabei wird das, was von den Kakaobohnen übrig ist, so vermahlen, dass die Kakaobutter austritt. Dabei entsteht die Kakaomasse.  In einem weiteren Raffinierungsprozess wird in einer Walzenreibungsmaschine weiter gemahlen, damit die Kakaobutter gleichmässig verteilt wird und die Masse gleichmässig flüssig und cremig wird. Bei diesem Schritt werden meist schon die weiteren Zutaten, wie zum Beispiel Zucker, Milchpulver oder Vanille, zur Masse hinzugefügt.

6. Conchierung der Kakaomasse

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Photo by dustybones

Ein gewisser Robert Lindt erfand Ende des 19. Jahrhunderts den Conchierungsprozess und trug damit wesentlich zur Veredelung der Schokoladenmasse bei. Bei der Conchierung wird das gewalzte Gut stark erhitzt und somit entfeuchtet und entgast, die krümelige Struktur verwandelt sich in eine glatte, leicht schmelzende Masse und weitere, feine Aromen werden ausgebildet. Die Schokoladenmasse wird in der Conchierugsmaschine konstant geknetet – das kann, je nach Schokoladenhersteller, Stunden oder Tage dauern. Übrigens: die ersten Conchierungsmaschinen hatten die Form einer Muschel, und das gab dem Gerät seinen Namen, denn “concha” ist das spanische Wort für Muschel.

7. Eintafelung der Schokolade

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Photo by Lebensmittelfotos

Die Schokolade ist nun schon fast fertig. Doch zunächst musst die flüssige Masse in Formen gegossen werden. Durch Vibration werden Luftblasen, die bei Eingießen entstehen, wieder entfernt. Wenn sich die Masse abkühlt, ziehen sich die Formen zusammen und die Schokolade kann leicht aus der Form entfernt werden. Fertig ist die Schokolade, wie wir sie heute kennen. Natürlich gibt es heutzutage eine Vielzahl an Formen, Zutaten und Geschmacksvariationen bei Schokolade. Damit zum Beispiel Nougat oder Marzipan hinzugefügt werden kann, greift man zu einem kleinen Kniff. Zwar wird die Schokolade ebenfalls in die Form gegossen, die Form wird danach aber von innen nach außen gekehrt. So bleibt nur ein kleiner Teil der Schokoladenmasse in der Form zurück. Nachdem diese abgekühlt ist, wird die gewünschte Masse an Marzipan, Nougat oder sonstigem hinzugefügt und eine deckende Schicht Schokolade aufgetragen.

Verantwortungsvoller Konsum mit Fair Trade

Nach diesen sieben Schritten – vom Kakaobaum über die Kakaobohne bis hin zur Eintafelung – ist die Schokolade zum Verzehr bereit.

Wer Schokolade mit gutem Gewissen genießen will, der sollte auf das Fair Trade Siegel achten. Auch beim Kakaopulver und Trinkschokoladen gibt es immer mehr Produzenten, denen nicht nur die eigene Gewinnmarge wichtig ist, sondern die Förderung eines verantwortungsvollen Genusses. Probiersets mit Fair hergestellter und gehandelter Schokolade hat zum Beispiel TRY FOODS im Angebot, verantwortungsvoll gehandelte Trinkschokolade gibt es in der Berliner Kaffeerösterei zu erstehen.

The Barn Berlin – Kaffeegenuss ohne Ablenkung

the barn logo The Barn Berlin   Kaffeegenuss ohne Ablenkung

Graphic by The Barn

The Barn Berlin gehört zu den Pionieren des so genannten “Third Wave Coffee” – einer Kaffeebewegung, bei der die Geschmacksvielfalt verschiedener Kaffeesorten im Mittelpunkt steht. Seit 2010 hat sich The Barn Berlin als Treffpunkt für Kaffeeliebhaber etabliert, 2012 kam mit The Barn Roastery ein zweites Café mit angeschlossener Kaffeerösterei hinzu. Doch nicht nur mit dem perfekten Kaffee, auch mit einem “Kinderwagenverbot” machte The Barn Berlin eine Welle. Höchste Zeit für eine Bestandsaufnahme.

Kaffee spielt die Hauptrolle in The Barn Berlin

Ein großer Raum, dezent in grau, schwarz und hellem Holz gehalten. Ein paar kleine Tische mit Stühlen, ein großer Tresen – sonst nichts, nur Kaffee. So in etwa könnte man das minimalistische Interieur von The Barn Roastery in Berlin-Mitte beschreiben. Wobei es natürlich ein Frevel wäre, den Kaffee als Einrichtungsgegenstand zu beschreiben. Kaffee ist der Protagonist in diesem Café, das Besitzer Ralf Rüller vor zwei Jahren mit dem Ziel eröffnet hat, den Berlinern zu zeigen, wie richtig guter Kaffee schmecken muss.

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Photo by The Barn Berlin

Pioniere des Third Wave Coffee

Die Geschichte von The Barn Berlin geht aber noch etwas weiter zurück. Zu einer Zeit, als in Berlin noch die großen Milchkaffeeschalen regierten und man froh war, wenn überhaupt irgendwie der Kaffee frisch gemahlen wurde, bevor er in die Siebträgermaschine kam, machte sich The Barn einen Namen als Pioniere des Third Wave Coffee. In der Auguststraße in Berlin-Mitte, einem Viertel wo sich besonders viele Galerien mit zeitgenössischer Kunst angesiedelt hatten, eröffnete Ralf Rüller 2010 seinen Coffeeshop.

KR351 The Barn Berlin   Kaffeegenuss ohne Ablenkung

Photo by The Barn Berlin

The Barn stach schon zu Beginn aus dem Heer anderer Cafés in der Umgebung heraus. Statt gemütlichem Berliner Vintage Charm mit zusammengewürfelten Stühlen und Kunst an den Wänden setzte Rüller auf New Yorker Minimalismus. The Barn sollte ein Ort sein, an den man kommt, um sich eine Auszeit zu nehmen, etwas kleines, gutes, handgefertigtes zu essen und einen Kaffee zu trinken, der seinen Namen verdient. Einziges, echtes Schmuckstück in The Barn ist eine handgefertigte, italienische Espressomaschine. Und in diese Maschine kommen nur die besten Bohnen. Bio-Kaffeebohnen, deren Herkunft nachvollziehbar ist und für die die Kaffeefarmer gerecht bezahlt wurden. Geröstet wird in Kopenhagen, London oder Oslo – Städte, in denen die dritte Kaffeewelle schon um einiges früher angekommen war als in Berlin und die Ralf Rüller als große Vorbilder für eine neue Kaffeekultur sieht. Die Barista, die den Kaffee auf verschiedene Weisen zubereiten, sind Meister ihres Fachs – nicht jeder weiß es, einen handgefilterten Kaffee perfekt einzuschenken – in The Barn kann man sich sicher sein, dass die Barista wissen, was sie tun.

Die Milch kommt direkt von der Kuh in den Kaffee

Weil Rüller idyllisch am Niederrhein aufgewachsen ist und durch seine ländliche Umgebung geprägt wurde, ist ihm wichtig, woher die Produkte kommen, die er in seinem Coffeeshop anbietet. Das Gemüse und das Obst für seine sorgfältig zubereiteten Sandwiches und Snacks bezieht der Kaffeebetreiber aus der Umgebung.

Lieber einen Apfel aus Brandenburg als einen Bio-Apfel aus Brasilien.

Weil es ihm ein Gräuel ist, wenn in Cafés lieblos H-Milch in den Kaffee geschüttet werden, kauft er auch seine Milch nicht aus dem Supermarkt, sondern vom Bauernhof kurz hinter Berlins Stadtgrenzen. Von dort dauert es keine 24 Stunden, bis die Milch vom Melken im Coffeeshop angelangt. Und das schmeckt man.

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Photo by Thomas Mies

The Barn Berlin röstet jetzt auch selber

Nachdem sich also der The Barn Coffeeshop so gut in Berlin etabliert hatte, wollte Ralf Rüller noch einen Schritt weitergehen. Mit The Barn Roastery erfüllte er sich 2012 einen Traum und eröffnete ein Café mit eigener Kaffeerösterei. Dort wird der Kaffee in einer Probat Maschine geröstet, einem fast sechzig Jahre alten Gerät, dass komplett erneuert und mit der neusten Technologie ausgestattet wurde. Der Kaffee wird mit der Cropster Roast Profiling Software geröstet, um sicher zu gehen, dass die perfekte Temperatur bei allen Röstprozessen eingehalten wird. Denn Ralf Rüller hasst nichts so sehr, wie schlecht gerösteten Kaffee.

Kaffee ist so ein tolles Produkt, aber es wird echt schlecht behandelt. Da wird dann billige H-Milch reingekippt, zehnmal aufgewärmt, und dann ist der Kaffee am Ende noch verbrannt.

Ralf Rüller im Interview mit Hilker Berlin

Kinderwagen verboten – in The Barn Berlin soll Ruhe herrschen

Die Eröffnung wurde von einem riesigen Medienecho begleitet. Doch das hatte zunächst nichts mit der Tatsache zu tun, dass hier eine neue Pilgerstätte für Kaffeejünger entstand oder dass man sich hier dem widmen wollte, um das es Ralf Rüller hauptsächlich geht, nämlich dem Genuss des perfekten Kaffees. Nein, die Berichterstattung drehte sich fast ausnahmslos um einen Betonpoller.

Dieser Betonpoller, am Eingang von The Barn Berlin platziert, ist von einem kleinen Schild begleitet, auf dem ein Kinderwagen durchgestrichen ist.

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Die Message ist klar: in The Barn dürfen keine Kinderwägen. Es ist nicht sicher, ob Rüller in dem Moment, als er Poller und Schild platzierte, sich dessen bewusst war, was für eine Lawine an Anfragen, Anschuldigungen, und Hassmails auf ihn zukommen würde. Das Berliner Boulevard-Blatt Berliner Kurier nannte The Barn Berlin “Café herzlos”, Mami-Blogs warfen dem Kaffeebesitzer Kinderfeindlichkeit und Diskriminierung vor, wiederum andere lobten aber das Konzept, dass darauf ausgelegt ist, dass man in The Barn seinen Kaffee in absoluter Ruhe genießen soll, ohne etwaiges Kindergeschrei. Die Berichterstattung ging weit über die Grenzen der Berliner Medien hinaus – der britische The Guardian berichtete über die Polleraffäre im Zusammenhang und ließ Rüller zu Wort kommen, der sich verwundert zeigte über die zum Teil sehr heftigen Reaktionen auf sein Kinderwagenverbot.

Die Menschen sollten auf all ihre Sinne achten, wenn sie eine Tasse Kaffee trinken. Genauso wie wir auf die Kaffeebohne von der Ernte bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie in die Tasse kommt, achten, kümmern wir uns auch um die Menschen, die zu uns kommen, um den Kaffee zu trinken.

Laptops bitte nur in der Laptop-Area

Rüller meint es ernst mit seinem Anspruch, bei dem man Genuss nur erlangen kann, wenn man seine volle Aufmerksamkeit und Wertschätzung dem Produkt, das man gerade zu sich nimmt, schenkt. Das bedeutet für den Kaffeebesitzer auch, dass man eigentlich nichts nebenher tun sollte. Keine Hintergrundmusik hören – in The Barn Berlin schallt nichts aus den Lautsprechern – nicht arbeiten, einfach nur essen und Kaffee trinken. Deshalb gibt es neben dem Kinderwagenverbot noch ein weiteres Verbot: Laptops sind nicht gerne gesehen. Wobei das nicht ganz stimmt – es gibt eine ausgewiesene Laptop-Area, wo es erlaubt ist, seinen Computer aufzustellen und daran zu arbeiten. Schließlich befindet sich The Barn Berlin inmitten des Zentrums der Berliner StartUp-Szene, da kann es sich selbst ein Mekka der Kaffeefreunde wie The Barn nicht erlauben, ganz auf diese Klientel zu verzichten.

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Photo by Alejandro Escamilla

Do you speak English?

Nicht nur am Laptop-Verbot in einem Großteil des Cafés erhitzten sich zu Beginn die Gemüter, ein großes Thema war auch die Englischsprachigkeit der angestellten Barista. Laut Rüller kein Konzept – die am besten ausgebildeten Barista kämen nun mal aus New York oder London – dennoch scheint es so, als wolle man auch hier auf ein Image setzen. Interieur wie in New York und dazu das Gefühl, seinen Kaffee von einem echten amerikanischen Kaffeemeister eingeschenkt zu bekommen – Brooklyn-Vibes in Berlin-Mitte!

Zucker und Milch ist nichts für Kaffee-Puristen

Was man mittlerweile als geneigter Qualitätskaffeetrinker schon kennen mag, war noch ungewöhnlich, bevor in Berlin die Third Wave Kaffee-Welle losgetreten wurde: der Umgang mit Milch und Zucker. Was wahre Kaffee-Nerds schon immer predigten, wird in The Barn Berlin umgesetzt. Kaffee, so wird einem mitgeteilt, ist ein eigenständiges Getränk und braucht eigentlich nichts, um noch besser zu schmecken. Da man aber einem Großteil der Deutschen wohl nicht austreiben kann, den Kaffee mit Milch zu genießen, gibt es hier wenigstens die bereits oben erwähnte Milch direkt vom Bauern. Während man aber die Wahl zwischen vielen verschiedenen Single Origin Kaffees hat (also Kaffee, dessen Bohnen lediglich aus einem bestimmten Anbaugebiet stammt), bekommt man einen Kaffee mit Milch nur mit einer bestimmten Kaffeesorte. Den Zucker (unraffiniert, rein, reich an Vitaminen) kann man sich selbst dazu nehmen, es wird aber mit einem Schild dazu geraten, den Kaffee doch mal ohne ihn zu probieren. Ob man das nun als Bevormundung verstehen mag oder als gut gemeinten Hinweis für einen besseren Kaffeegenuss, hier wird deutlich: man meint es ernst mit dem Kaffee.

Im The Barn Berlin lässt man sich Zeit

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Photo by alexanderruas

Mittlerweile ist wieder etwas Ruhe eingekehrt, The Barn Berlin läuft auch in der Schönhauser Allee hervorragend und nach vielen Interviews und Konfrontationen widmet man sich hier wieder dem, für das man eigentlich steht: die perfekte Tasse Kaffee. Um den zu servieren, bedarf es davor einer Vielzahl an Handgriffe. Zunächst werden die Kaffeebohnen gemahlen – und zwar nicht im Voraus, sondern für jede bestellte Tasse einzeln. Dann wird sorgsam das Verhältnis von Wasser zu Kaffeepulver abgewogen, das Wasser gereinigt und an der Kaffeemaschine der richtige Druck eingestellt. Oder aber der Kaffee wird von Hand mit Bedacht durch den Hario V60 Keramikfilter aus Japan eingegossen, respektive der Espresso-Shot mit der aeropress zubereitet.

Die sonst üblichen Bezeichnungen wie Cappuccino, Café Latte, Latte Macchiato oder Flat White sucht man in The Barn Berlin vergebens. Kaffee heißt hier Coffee und den gibt es lediglich in drei verschiedenen Größen, Punkt aus.

The Barn Berlin als Vorreiter der 3. Kaffeerevolution

Wer The Barn Berlin – den Coffeeshop in der Auguststraße oder die Roastery in der Schönhauser Allee – besucht, der geht dorthin, weil er den perfekt gebrauten Kaffee in Ruhe genießen will. Kinderwagen müssen dabei leider draußen bleiben, das kann man finden, wie man will. Eins ist jedoch sicher: Ralf Rüller hat einen großen Anteil daran, dass in Berlin immer mehr Coffee Shops entstehen, die sich darauf spezialisieren, Kaffee aus den sorgfältigste ausgesuchtesten Bohnen mit den besten Zubereitungsmethoden zu servieren. Die Third Wave Coffee Revolution ist mitten im Gange und The Barn Berlin gebührt die Vorreiterrolle in Berlin.

TRY FOODS – Probiersets für Genießer

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Graphic by TRY FOODS

Das Berliner StartUp TRY FOODS möchte die Neugier an hochwertigen Lebensmitteln wecken. Mit Probiersets sollen Lebensmittel sinnlich und informativ entdeckt werden können.

Zum Verkosten kann man ein Weinglas nehmen. Das Glas sollte auf jeden Fall einen breiten Boden haben und nach oben gewölbt sein. Idealerweise erwärmt man das Glas etwas in den Händen. Beim Verkosten gibt es dann drei Phasen. Zuerst riechen Sie. Wichtig ist, nicht nur ein bisschen zu schnuppern, sondern richtig mit der Nase ins Glas zu gehen. In der zweiten Phase wird die Flüssigkeit in einem kleinen Schluck mit viel Sauerstoff in den Mund geschlürft. Die frischen Töne vom Geruch sollte man auch erschmecken können, dann auch gewisse Bittertöne, die aber nicht die Frucht überdecken, sondern ein harmonisches Gesamtbild ergeben sollten. Im Abgang kommt, bei guten Produkten, eine Schärfe durch, die aber nicht brennen darf.

TRY FOODS gibt Anleitungen zum bewussten Genießen

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Photo by TRY FOODS

Was wir hier – zugegebenermaßen von uns etwas verkürzt dargestellt, um nicht gleich die Katze aus dem Sack zu lassen – lesen, ist eine Anleitung für eine Geschmacksprobe. Allerdings handelt es sich hier weder um eine Weinprobe noch ein Whisky- oder Gin-Tasting und wer glaubt, dass es sich hierbei um ein Kaffee-Cupping handelt, liegt auch daneben: Die Anleitung erklärt uns, wie man Olivenöl richtig probiert. Doch auch wie beim Kaffee, Wein oder Spirituosen geht es hier genauso um das Herausschmecken verschiedener Aromen, dem Erkennen an Farbe, Geruch und Geschmack, ob ein Produkt hochwertig ist oder nicht, ob es mild oder stark, fruchtig oder bitter ist – und vielleicht sogar, aus welcher Region es stammt. Die Anleitung stammt von TRY FOODS, einem Berliner StartUp, das sich dem Entdecken neuer Lebensmittel verschrieben hat und Probiersets mit hochwertigen Produkten verschickt.

Berlin ist hungrig nach neuen Geschmackserlebnissen

Bewusstes Genießen wird immer mehr zum Thema. In einer Stadt wie Berlin, die noch vor Kurzem als Elektroparty-Hochburg des Easyjetsets galt, scheint sich das Augenmerk von Besuchern und Einheimischen mehr und mehr weg von der Absturz-Party und hin zur Foodszene zu bewegen. Während die New York Times und der Tagesspiegel behaupteten, dass Berlin nicht mehr die coolste Stadt der Welt sei erkannte das Onlinemagazin Mit Vergnügen dagegen: “Berlin ist nicht out. Nur hungrig”.

In der Stadt, die bis vor Kurzem nur mit Currywurst, Bulette und Döner aufwarten konnte, hat sich in den letzten zwei Jahren sehr viel getan. Supper Clubs schießen aus dem Boden, Mikrobrauereien stellen hochwertige Craft Biere her, das New Yorker StartUp Kitchensurfing, mit dem man sich den Koch nach Hause holen kann, fasste erfolgreich Fuß und mit Veranstaltungen wie dem Street Food Thursday oder dem Bite Club kann man zu Recht behaupten, dass in Berlin gerade eine kulinarische Revolution stattfindet.

Aufbruchstimmung in der StartUp Szene

Diese Aufbruchstimmung spiegelt sich auch in der StartUp Szene wieder. Es scheint, als seien Foodies die neue Zielgruppe für Gründer. Mit dem StartUp Weekend “Food Innovation” fand Mitte letzten Jahres sogar eine Veranstaltung statt, die sich nur den Neugründungen im Bereich Food widmete und mit der Next Organic Berlin etabliert sich eine Messe fernab althergebrachter Veteranen wie der Grünen Woche.  Man sieht hier wohl jede Menge an Nachholbedarf – und Potential. Dabei spielt besonders das Thema “kuratiertes Food” eine große Rolle. Kochboxen, Rezept-Apps, Ökokisten und Probiersets sind auf dem Vormarsch und wollen frischen Wind in die deutschen Küchen bringen.

Im Trend: kuratierte Lebensmittel

In die Reihe der Food-StartUps, die in Berlin entstanden sind, gesellt sich nun auch TRY FOODS. In Berlin-Mitte, keine 10 Gehminute vom berühmt-berüchtigten Hipster-Entrepreneur-Hotspot “St. Oberholz” entfernt, ist das StartUp ansässig, das mit Lebensmittel-Probiersets erfolgreich werden möchte. Im Gegensatz zu anderen Unternehmen, (wie zum Beispiel brandnooz) die Probierboxen versenden, bei denen der Nutzer nicht weiß, was er sich da ins Haus holt, wird bei TRY FOODS immer nur ein bestimmtes Lebensmittel verschickt. Jedes Produkt kommt in fünf verschiedenen Ausführungen nach Hause, dazu gesellt sich ein kleines Booklet, in dem ausführlich beschrieben ist, welche Geschmacksnuancen im jeweiligen Produkt zu erkennen sind, woher die Produkte stammen, wie sie hergestellt wurden und noch einige Hintergrundinfos mehr.

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Photo by TRY FOODS

Die Idee entstand vor ungefähr zwei Jahren, mit einem prägenden Moment des Gründers Jörn Gutowski. Nach seinem Marketingstudium in den USA und einem Jahr bei einer PR Agentur in Boston arbeitete er zehn Jahre im Bereich des internationalen Bildungs- und Kulturaustauschs in verschiedenen Rollen. Dabei ist er viel gereist durch Asien, Nordamerika und Europa. Reisen bildet nicht nur, es schärft auch den Sinn für Geschmackserlebnisse. Die Initialzündung für TRY FOODS kam, als er, zurück in Berlin, ein Weihnachtsgeschenk für seinen Bruder suchte. Dabei erinnerte er sich an ein Probierset der Scotch Whisky Association, das ihm im Gedächtnis geblieben war. Etwas ähnliches wollte er nun auch für seinen Bruder – fand aber keine guten Produkte, die hochwertige Lebensmittel zum Probieren anbieten. Flugs war die Idee für ein StartUp geboren, das sich auf das Entdecken von Lebensmitteln konzentriert.

TRY FOODS Kaffeesets aus fünf verschiedenen Anbauregionen

Momentan sind bei TRY FOOD fünf verschiedene Lebensmittelsets erhältlich. Probieren kann man sich durch Kaffee, Olivenöl, Salz, Pfeffer und Schokolade.

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Photo by TRY FOODS

Naturgemäß interessieren wir bei Happy Coffee uns besonders für Kaffee. Der Blick in den Online-Shop lässt Gutes erahnen: fünf gemahlene Kaffeesorten aus fünf verschiedenen Ländern sind im TRY Kaffee-Set enthalten, alles single-origin Kaffees, die nur aus einer bestimmten Anbauregion stammen. Ein wichtiger Aspekt für die Transparenz und Nachvollziehbarkeit bei Produktion sowie Anbau- und Aufbereitungsmethoden. Das TRY Kaffeeset setzt sich zusammen aus Fazenda Bossa Senhora de Fatima aus Brasilien (mild, säurearm mit feinen nussigen Noten), Hazienda Sonora aus Costa-Rica (fein und fruchtig mit süßen Karamellnoten), Nagambike Estate aus Indien (säurearm, mit Noten von Bitterschokolade), Hazienda Horizontes aus Kolumbien (wohl balanciert, mit Noten von Rosinen und frisch gebackenem Brot) und Sidamo Kebado aus Äthiopien (floral und fruchtig). Von jeder Kaffeesorte sind 50 Gramm im Probierset enthalten, die perfekte Menge, um sich allein oder zu mehrt beim so genannten “Cupping” durch die verschiedenen Anbaugebiete zu schlürfen.

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Photo by TRY FOODS

Bei der Auswahl und der Beschreibung der jeweiligen Produkte setzt TRY FOODS auf Experten. Partner für das Kaffeeset ist Tres Cabezas, eine Berliner Erpressobar mit angeschlossener Kaffeerösterei. Die Partner beraten bei der Auswahl der besten Produkte, geben ihr Expertenwissen zum Besten und Garantieren somit dich Hochwertigkeit der angebotenen Lebensmittel.

Wo der Pfeffer wächst? Erfährt man im TRY FOODS Blog

Schön ist, dass bei TRY FOODS nicht nur ein Shop zum Kauf animieren soll. Wer sich einfach erst nur mal informieren will, der kann auf dem dazugehörigen Blog jede Menge Informationen sammeln. So erfährt man hier nicht nur, wo der Pfeffer wächst, sondern auch wie Salz schmeckt oder wo man in Berlin vietnamesische Wurst kaufen kann. TRY FOODS möchte die Neugier in den Menschen wecken. Bei uns haben sie das bereits geschafft. Wir sind neugierig geworden und haben Gründer Jörn Gutowski ein paar Fragen gestellt, die er uns zwischen dem-Kind-in-die-Kita-bringen und Gründer-Arbeitsalltag beantwortet hat.

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Photo by TRY FOODS

Die Idee von Try Foods entstand mit einem Weihnachtsgeschenk für Deinen Bruder. Wie lange nach besagtem “Whisky-Moment” dauerte es, bis Try Foods an den Markt ging?
Der “Whisky-Moment” war vor ca. zehn Jahren. Ich habe mich an diesen Moment im Dezember 2011 erinnert, als ich ein Weihnachtsgeschenk für meinen Bruder suchte, der auch gern genießt. Da ich weder im KaDeWe noch online eine Firma gefunden habe, die sich mit dem Probieren von unterschiedlichen Produkte beschäftigt und Probiersets anbietet, reifte die Idee von TRY FOODS. Im Sommer 2012 fing die Londoner Designagentur konkret an der Umsetzung (sprich der Entwicklung der Corporate Identity und dem Verpackungsdesign) zu arbeiten. Die Firma wurde offiziell im Januar 2013 gegründet und Ende Juni 2013 sind wir dann mit der Webseite und den ersten drei Sets an den Markt gegangen.

Was bedeutet es für Dich, bewusst zu Genießen?
Für mich ist es das Gegenteil von blindem Genuss, d.h. man isst etwas und mit dem Satz: “Mmmh, ist das lecker”, hört die Beschäftigung mit dem Produkt auf. Ich möchte hingegen dann auch wissen, was esse ich gerade: wie wird es gemacht, wo kommt es her und welche Menschen stehen hinter dem Produkt. Sobald man anfängt, diese Fragen zu stellen, verändert sich auch das Bewusstsein dem Essen gegenüber.

Wer ist für Dich “gut im Genießen“, d.h. wen bewunderst Du wegen seiner oder ihrer Genussfähigkeit?
Natürlich fallen mir ganz klassisch die Italiener als erstes ein. Ich war vor eineinhalb Jahren auf der Slow Food Messe in Turin, auf der kleine Produzenten aus aller Welt ihre Spezialitäten vorstellen. Die Messe war in vier riesigen Messehallen, von denen drei von italienischen Produzenten und nur eine vom “Rest der Welt” bespielt wurde. Die schiere Vielfältigkeit an gutem und oft sehr einfach gehaltenen Spezialitäten und der dazugehörige Stolz der Verkäufer haben mich begeistert. Ich finde aber auch, dass viele asiatische Kulturen, wie die chinesische, japanische oder auch thailändische, einen sehr würdevollen Umgang mit Essen haben. Bei einzelnen Personen bewundere ich Menschen, die sich ganz einem Produkt (Olivenbauern, Kaffeeröster, Chocolatiers, etc.) verschrieben haben und mit voller Leidenschaft über Jahre daran arbeiten, wie man den Genuss dieses Produktes noch perfektionieren kann.

Es gibt ja auch Try Kaffee. Wie muss für Dich ein guter Kaffee schmecken?
Ich kann nicht pauschal sagen, dass ich ein ganz bestimmtes Geschmacksprofil bevorzuge. Dies ist oft tageszeitabhängig. Zurzeit mag ich morgens gern einen recht kräftigen Kaffee mit schokoladigen, erdigen Tönen und nachmittags einen fruchtigen. Generell kann ich sagen, dass ich Kaffees mag, die charaktervoll sind, die etwas “zu erzählen” haben.

Was war das Ausgefallenste, was Du je gegessen hast – und was würdest noch gern probieren?
Bei den Dingen, die ich gegessen habe, würde ich in zwei Kategorien unterscheiden: 1. kuriose Dinge, die man in Deutschland einfach nicht isst, die mich geschmacklich aber nicht unbedingt vom Stuhl gehauen haben (wie z.B. Balut aus den Philipinen – halb ausgebrütete Entenembryos, frittierte Insekten in Thailand oder Rocky Mountain Oysters in den USA – frittierter Rinderhoden) und 2. geschmackliche Erlebnisse, von denen ich immer noch träume, wie z.B. Sushi morgens um 6:30 auf dem Tokioer Fischmarkt, frischer Burrata Käse in Italien oder Dim Sum in Chinatown in San Francisco. Wenn mich meine Neugierde in den nächsten Jahren nicht verlassen sollte, möchte ich noch so viele Dinge probieren, dass es mir schwerfällt, diese zu benennen.

Glaubst Du, dass in Deutschland ein Umdenken passiert? (Wir geben ja immer noch viel weniger Geld für Essen aus als z.B. die Franzosen) – wird sich das Deiner Meinung nach in der näheren Zukunft ändern?
Ich glaube schon, dass es bei vielen Menschen ein Umdenken gibt. Ich bin aber auch nicht so naiv zu glauben, dass Essen in Deutschland in den nächsten Jahren den Stellenwert einnimmt wie in Frankreich. Ich finde es z. B. verrückt, dass hier eine Diskussion entbrennt, wenn der Kanzlerkandidat der SPD sagt, er trinke in Restaurants nur Weißweine ab 5 Euro. Darüber regt man sich auf. Es regt sich aber keiner darüber auf, dass die Politiker die größten Autos (oft mit sehr hohem Spritverbrauch) für zig tausend Euros fahren.

Bei den Lebensmitteln glaube ich, dass das mittlere Preissegment mehr und mehr wegfällt und der Markt sich noch stärker in Discounter und gehobenen Preissegment (Märkte, Spezialitätenhändler etc.) unterscheiden wird.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Greenpeace Energy – Ökostrom zwischen Anspruch und Realität

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Graphic by Greenpeace Energy

Greenpeace Energy eG ist Deutschlands ältester und größter Lieferant von Ökostrom. Doch die Umweltschutzorganisation Greenpeace ist nur Ideen- und Namensgeber, nicht aber Inhaber des Energieunternehmens. Wer steckt wirklich dahinter – und ist der Stromanbieter wirklich so grün, wie es sein Name vermuten lässt?

“Greenpeace Energy: Wir liefern Strom, Gas und Visionen” – man muss schon zweimal hinschauen, wenn der Name einer der bekanntesten Umweltschutzorganisationen plötzlich mit einem Stromversorger verknüpft ist. Tatsächlich hat Greenpeace nicht plötzlich die Branche gewechselt. Die Non-Profit-Organisation ist zwar Gründungsmitglied der eingetragenen Genossenschaft Greenpeace Energy eG, ist jedoch mit lediglich fünf Anteilen zu je 55 Euro beteiligt. Rein rechtlich sind der Stromversorger und der Umweltschutzverein voneinander unabhängig, doch Greenpeace Energy darf den grünen Namen tragen, solange es bestimmte Qualitätskriterien für “sauberen Strom” einhält.

Greenpeace Kriterien für sauberen Strom

Die Greenpeace-Kriterien für sauberen Strom werden von der Umweltorganisation festgelegt. Diese wurden im Laufe der Zeit immer wieder an aktuelle Umstände und Marktgegebenheiten angepasst, zuletzt vor fünf Jahren. Was aber seit Beginn der Unternehmensgründung gleich geblieben und als übergeordnetes Mantra für Greenpeace Energy gilt, ist der völlige Verzicht auf Strom aus Kernkraft und Kohle. Zudem gilt eine Einschränkung der Kohlendioxid-Emissionen, die nach den Qualitätskriterien einen Grenzwert von 135g pro Kilowattstunde nicht überschreiten dürfen. Mindestens die Hälfte es Stroms muss aus regenerativen Energien, das heißt aus Wind- oder Wasserkraft, Biomasse, Photovoltaik oder Geowärme bestehen. Der Anteil von Strom aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (das heißt zum Beispiel Erdgas) darf maximal 50% betragen.

Auf der Unternehmenswebseite ist nachzulesen, dass die Qualitätskriterien nicht nur eingehalten werden, sondern sogar noch mustergültiger sind als vorgeschrieben: so wurde der Strommix für 2013 mit 91% aus Strom von Wasserkraftwerken und 9% mit Strom aus Windkraft erzeugt. Als Vergleich wird der bundesdeutsche Durchschnittsmix genannt, bei dem über 45% des Stroms immer noch aus Kohlekraft erzeugt wird und der Anteil erneuerbarer Energien weniger als 25% beträgt.

PV Anlage Stuttgart in Bau 06 Greenpeace Energy – Ökostrom zwischen Anspruch und Realität

Photo by Dirk Wilhelmy / Greenpeace Energy eG

Um den Qualitätsanspruch einhalten zu können, setzt man auch auf Regionalität. Neben dem Anspruch, Strom aus erneuerbaren Energien nur aus Österreich und Deutschland zu beziehen, sollen auch die Themen Förderung von Neuanlagen und Versorgungskonzepte strengen Regeln unterliegen. Dabei spielt, so Greenpeace Energy, absolute Transparenz eine wesentliche Rolle. Das heißt zum einen, dass alle Lieferantenkraftwerke offengelegt werden und somit für den Endverbraucher nachvollziehbar sind, das bedeutet zum anderen, dass man sich von der – laut Greenpeace Energy in der Branche angeblich verbreiteten – Umettikierung von Strom aus Kohle- oder Atomkraft zu Ökostrom – stark distanziert: “Kein Greenwashing” ist ein Credo, dem sich das Unternehmen verschrieben hat.

Von der “Initiative Stromwechsel” zu Greenpeace Energy

Die Idee eines “sauberen Stroms” ging tatsächlich von der Umweltschutzorganisation aus. Als einer der Vorreiter für neue Energien startete Greenpeace vor 15 Jahren die “Initative Stromwechsel”. Damit wollte man das Bewusstsein für umweltfreundlichen Strom wecken und suchte Verbraucher, die bereit waren, auf Öko-Strom umzustellen. Obwohl die Resonanz durchaus positiv war – Ende der Neunziger Jahre war die Energiewende ein Thema, das es von den politischen Debatten längst in die deutschen Wohnzimmer geschafft hatte – blieb die Aktion zunächst folgenlos. Greenpeace fand schlichtweg keinen Anbieter, der die Kriterien der Organisation für “sauberen Strom” erfüllte.

Um die Aufmerksamkeit, die das Thema Energiewende im Zuge der Initiative erfuhr, nicht verpuffen zu lassen, wurde 1999 die Greenpeace Energy eG gegründet, eine Stromgenossenschaft, die einen Großteil ihres Stroms aus erneuerbaren Energien bezieht. Mit Hilfe der Stadtwerke Schwäbisch Hall, die als Dienstleister unterstützend in den Bereichen Netzmanagement und Energieabrechnung tätig sind, wird seitdem Strom an deutsche Haushalte geliefert, der nach den Qualitätskriterien von Greenpeace als sauber gilt.

Strom von Planet Energy

Den “grünen Strom” erzeugt Greenpeace Energy gemeinsam mit der hundertprozentigen Unternehmenstochter Planet Energy. Dabei wird der Strom, der in den Anlagen von Planet Energy erzeugt wird, derzeit nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in das Stromnetz eingespeist. Für Greenpeace Energy ein wichtiges Kriterium, das sicherstellt, dass ihre Kunden tatsächlich nur für Ökostrom bezahlen – und nicht wie so oft sonst, Kohle- und Atomkraftwerke indirekt mitfinanzieren.

Wackliges Prestigeobjekt Weserkraftwerk

Greenpeace Energy hat sich die Förderung von Neuanlagen auf die Fahnen geschrieben.

“Die Förderung von Neuanlagen wird dadurch erreicht, dass der Stromversorger den innerhalb eines Jahres neu hinzu gekommenen Kundenstamm spätestens nach dem fünften Kalenderjahr aus Neuanlagen versorgen muss”. Genau in dieser etwas verklausulierten Formulierung liegt die Krux, das heißt ein Punkt, der Kritikern des angeblich sauberen Energieversorgers ein Dorn im Auge ist. Das fünf-Jahres-Versprechen mag zwar gut gemeint sein, Fakt ist aber, dass viele Kunden immer noch Strom aus alten Wasserkraftwerken erhalten. In die Negativ-Schlagzeilen geriet der Ökostromkonzern im Jahr 2010, als das Prestigeobjekt Weserkraftwerk offenbar eine zu große Nummer für das Unternehmen war. Gemeinsam mit dem Tochterunternehmen Planet Energy plante man, ein modernes Wasserkraftwerk zu errichten, dass 2009 bereit sein sollte, um Strom exklusiv für Kunden von Greenpeace Energy zu erzeugen. Das Weserkraftkraftwerk, so ist der derzeitige Stand, ist seit 2011 im “Projektbetrieb”, doch die Planet Energy hat sich bereits 2008 aus der Geschäftsführung zurückgezogen. Das Finanzierungsmodell, das eine hohe Bürgerbeteiligung vorsah, erwies sich als nicht tragfähig, hinzu kamen eine Kostenexplosion – Greenpeace Energy war auf fremde Kapitalgeber angewiesen.

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Photo by U.S. Bureau of Reclamation

Mittlerweile sind es die SWB AG (ehemals Stadtwerke Bremen) und der Turbinenhersteller Enercon, die das Projekt am Laufen halten. Und damit wären wir auch über Umwege wieder beim Thema “Greenwashing” angelangt – denn die SWB ist mitnichten ein Ökounternehmen, sondern investiert gleichzeitig in Kohlekraft und Atomstrom. Es ist ein undurchsichtiges Gestrüpp, das man durchstreifen muss, um zum wahren Kern des Weserprojekts durchzudringen. Für Greenpeace Energy ist das Weserkraftwerk immer noch “ihr” Projekt, das ihren Ruf als Pioniere der Förderung von Neuanlagen rechtfertigt. Als Ideengeber und Unterstützer der ersten Tage will man seinen Anteil als Kundenwerbungsargument verteidigen. Geschätzte 28 Millionen Euro Investitionskosten hatte Greenpeace Energy im Konsortium mit dem Entwicklungspartner Tandem in die Entwicklung und den Bau der Anlage gesteckt – deshalb  will man jetzt auch die Lorbeeren ernten. Die SWB als derzeitige Betreiber werben aber ebenfalls um Neukunden – eine verzwackte Situation.

Vorschläge für ein neues Vermarktungsmodell von Ökostrom

Der Kritik, die Greenpeace Energy ein zu halbherziges Vorgehen bei der Förderung von Neuanlagen vorwirft, setzt das Unternehmen nun neue Initiativen entgegen. Gemeinsam mit EWS und Naturstrom, ebenfalls Anbieter von Ökostrom, setzt man auf ein neues Vermarktungsmodell für sauberen Strom. Hintergrund der gemeinsamen Aktion ist die umstrittene Förderungspolitik nach dem EEG (Erneuerbare Energien Gesetz). Denn derzeit fließt nur ein Bruchteil des Geldes, das Verbraucher für den teureren Ökostrom ausgeben, in den Bau neuer Anlagen in Deutschland. Weil die Anbieter von umweltfreundlichem Strom ihren Strom momentan nicht direkt an einen Energieversorger, sondern an die Börse weiterverkaufen, wird die EEG-Umlage an den Endverbraucher weiterberechnet. Und das heißt im Klartext: selbst wer zu 100% Ökostrom bezieht, muss die Umlage bezahlen – ein Nachteil nicht nur für den Stromkunden, sondern auch für den Ökostromanbieter, da er (nicht nur deshalb, aber natürlich auch deswegen) gezwungen ist, seinen Strom teurer zu verkaufen als Strom aus konventionellen Quellen.

Ziel des vorgestellten Modells ist, dass der Energieversorger den Strom direkt vom Hersteller bezieht, dafür den üblichen Marktpreis plus die EEG-Umlage bezahlt. Obendrauf kommt eine Ökostrom-Zahlung, die ebenfalls in erneuerbare Energien reinvestiert werden soll. Darüberhinaus erhält der Betreiber der Ökostromanlage einen Ausgleich – ebenfalls über das EEG – um seine Wettebewerbsfähigkeit zu sichern.

Vorteile des neuen Modells sehen die Initiatoren vor allem darin, dass die Erzeugung und der Bedarf von Strom aufeinander abgestimmt werden. Denn wer heute Ökostrom bezieht, der bekommt ihn zum Großteil nicht aus Deutschland, sondern aus Wasserkraftwerken in Skandinavien oder Österreich.

Das Ziel von Greenpeace Energy: politische Einflussnahme

Ziel der Positionierung von Greenpeace Energy als Akteur auf politischer Ebene ist eine Einflussnahme auf die Energiepolitik des Bundes und der EU. So sprach sich Marcel Keiffenheim, Leiter Energiepolitik bei Greenpeace Energy, im Vorfeld der Präsentation der offiziellen Klimaziele bis 2030 der EU deutlich für die europarechtliche Absicherung der Förderung erneuerbarer Energien aus: “Bindende Ausbauziele für erneuerbare Energien sind ein wichtiges Element, damit das deutsche EEG-Vergütungssystem rechtskonform bleibt. Sollte die EU hiervon abrücken, spielt das denjenigen in die Hände, die die Energiewende in Deutschland verhindern wollen”.

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Photo by Marc-Oliver Schulz / Greenpeace Energy eG

Die Klimaziele wurden mittlerweile vorgestellt. Die Kommission will die Ausbauziele nur noch EU-weit festlegen, das heißt dass mit den einzelnen Mitgliedsstaaten keine verbindlichen Einzelziele mehr vereinbart werden. Kritiker befürchten eine Ausbremsung der erneuerbaren Energien, Befürworter sehen damit einen Anreiz für eine engere europäische Zusammenarbeit.

Erste Erfolge seiner politischen Arbeit konnte Greenpeace Energy schon nachweisen. Der Europäische Gerichtshof überprüft momentan die Europarechtskonformität des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Weil das EEG für den Ökostromanbieter “eines der wichtigsten Instrumente beim Umbau der Energiewirtschaft” (Zitat Unternehmenshomepage) bedeutet, hatte Greenpeace Energy im letzten Jahr die Mitmach-Aktion “Rettet das EEG” gestartet.  Über eine Internetseite konnte man dort seinem jeweiligen Bundestagsabgeordneten per E-Mail aufforden, sich für den Erhalt des Gesetzes stark zu machen. Über 5.000 Unterschriften wurden gesammelt.

Bis Ostern dieses Jahres wird die Bundesregierung einen Gesetzesentwurf zur Reform des EEG beschließen. Laut Eckpunktepapier sieht es so aus, als würde die Novellierung zu Gunsten der Ökostromanbieter ausfallen.

Um mehr Verbraucher davon zu überzeugen, auf Ökostrom umzusteigen ist eine Reform des Gesetzes unabdingbar.

Claudia Georgi, Doktorandin am Geoforschungszentrum der Universität Potsdam und  Wissenschaftsjournalistin sieht Potenzial im vorgeschlagenen Modell von Greenpeace Energy:

“Das Konzept dieser Direktvermarktung gefällt mir, wenn so dem Verbraucher gewährleistet werden kann, dass er reinen und regionalen Ökostrom bekommt. Es ist ein bisschen absurd, dass man für grünen Strom bezahlt und am Ende doch einen Mix bekommt oder die lokalen Anlagenbetreiber nicht unterstützt werden”

So Georgi im Interview mit Happy Coffee.

Einen vorschnellen Enthusiasmus will sie jedoch nicht teilen:

“Trotzdem ist es noch ein langer Weg zur grünen Gesellschaft. Denn für knapp 40 Euro im Monat für einen Single-Haushalt, ist dieser Ökostrom für viele noch Luxus.”

Damit Ökostrom kein Luxus bleibt, sondern wirklich für alle erschwinglich wird, besteht seitens der Politik noch Handlungsbedarf. Das Umdenken im Kopf bei den Verbrauchern ist dagegen schon voll im Gange.

Fairnopoly – ein fairer Marktplatz sagt ebay und Amazon den Kampf an

logo fairnopoly Fairnopoly   ein fairer Marktplatz sagt ebay und Amazon den Kampf an

Graphic by Fairnopoly

Ein Marktplatz für alle will Fairnopoly sein, der verantwortungsvollen Konsum und transparenten Handel fördert. Was und wer steckt hinter der Online-Plattform, die zum Angriff auf ebay und Amazon bläst?

Negative Amazon-Schlagzeilen als Ansporn für die Gründung von Fairnopoly

“Amazon gängelt Mitarbeiter wie vor 110 Jahren.” Über Schlagzeilen wie diese aus der WELT Online vom 24. März. dürfte sich Felix Weth mittlerweile fast schon freuen. Ursprünglich waren es genau diese Negativ-Schlagzeilen über den Online-Versandhändler, die den Gründer auf die Idee eines fairen, transparenten Online-Marktplatzes brachte, der sich gegen die Übermacht Amazons sowie Ebays wehren will. Seit September letzten Jahres ist der alternative Versandhandel online, mit einigen Turbulenzen und den Auf und Abs, die für StartUps so typisch sind.

Im Dezember 2012 begann die Story von Fairnopoly mit der Idee von Felix Weth und Gleichgesinnten, eine faire Alternative zu den etablierten Marktplätzen Ebay und Amazon zu schaffen. Fair soll es dabei auf allen Ebenen zugehen: zum einen werden Anbieter bevorzugt, die Produkte verkaufen, die nach sozialen oder ökologischen Kriterien hergestellt wurden; zum anderen sollen faire Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter herrschen.

Durch Crowdfunding von der Idee zum Social StartUp

Als Felix Weth die Idee hatte, einen fairen Online-Marktplatz zu gründen, hatte er gerate erst seinen Magister in Politik, Philosophie und VWL von der Uni Tübingen in der Tasche und ein paar praktische Erfahrungen gesammelt, darunter bei der GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit) und bei Transparency International. Dort wurde auch sein Interesse im Kampf gegen undurchsichtiges Handeln, Korruption und illegale Absprachen geweckt. Von der Idee bis zur Umsetzung dauerte es nicht lange. Durch Crowdfunding wurde mit 200.000 Euro das doppelte des anvisierten Ziels erreicht. Damit konnten die Vorlaufkosten wie Markenregistrierung, Anwaltskosten oder Designerhonorare gedeckt werden, bevor es an die Entwicklung des Genossenschaftsmodells zur weiteren Finanzierung ging. Seit dem Start des Projekts wuchs das Team um Unternehmensgründer und Ideengeber Felix Weth schnell. Über 20 Personen waren bei der Plattform angestellt, darunter sogar eine Genossenschaftsmanagerin, die sich um die Betreuung der Mitglieder kümmert.

team fairnopoly Fairnopoly   ein fairer Marktplatz sagt ebay und Amazon den Kampf an

Photo by Fairnopoly

Transparenz auf allen Ebenen

Ein wichtiges Kriterium, mit dem sich Fairnopoly von der Konkurrenz abheben will, ist das Versprechen zur Transparenz. So werden auf der Homepage alle Kontobewegungen – selbstverständlich aus Datenschutzgründen anonymisiert – öffentlich gemacht. Die Beweggründe für diese maximale Offenheit? Durch die Kommunikation von Erfolgen, aber auch Problemen möchten die Gründer Vertrauen schaffen, wie Felix Weth zu Beginn des Live-Gangs der Plattform im Interview mit Gründerszene verriet.

Genossenschaft 2.0

Die Rechtsform der Genossenschaft ist für ein StartUp – und gerade für ein Tech-StartUp – eher ungewöhnlich. Doch der Genossenschaftsgedanke passt perfekt zum Ansatz eines fairen Unternehmens, bei dem nicht wenige große Gesellschafter, sondern viele kleine Gesellschafter den Unternehmenskurs beeinflussen können.

Dabei ist der Zugang zur Genossenschaft so geregelt, dass man auch schon mit einem kleinen Betrag Anteile erwerben kann. Mit einem Mindesteinsatz von 50 Euro kann man bereits Mitglied werden und das bedeutet theoretisch auch, am Kurs des Unternehmens aktiv mitzuwirken. Um möglichst fair zu bleiben, muss natürlich auch sichergestellt sein, dass sich niemand ein Entscheidungsmonopol einkauft – deshalb ist bei 10.000 Euro Schluss, nur bis zu diesem Wert kann man sich Anteile sichern. Zum jetzigen Zeitpunkt haben sich schon über 1.000 Genossen in die Online-Plattform eingekauft.

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Photo by Fairnopoly

Wer jetzt denkt, dass “Genossenschaft” irgendwie oll klingt, dabei an Volksbanken oder im günstigsten Fall noch an die “taz” denkt und daher ein Bild eines antiquierten, verklärten oder weltverbessertümlerischen Modells im Kopf hat, dem hat Fairnopoly auch etwas entgegenzusetzen. “Mit Genossenschaft 2.0 bezeichnen wir das Ergebnis unseres Versuchs, ein konsequent faires und zugleich wirtschaftlich tragfähiges Unternehmensmodell zu entwickeln”, wird das neue Verständnis einer “coolen” Genossenschaft auf der Unternehmenswebite dargelegt. Und man will auch etwas beweisen: “(…) möchten wir zeigen, dass sich die Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft durchaus für dynamische Internet-Unternehmen eignet”.

Dass sich auch ein fairer Marktplatz finanzieren muss und Geld erwirtschaften will, ist somit schon mal klargestellt. Neben den Genossenschaftsanteilen sind es die Gebühren auf verkaufte Artikel, mit denen Fairnopoly Geld einnimmt. Bei diesem Modell hat man sich zwar bei der Konkurrenz, in diesem Falle ebay, bedient, doch auch hier bemüht man sich um Verhältnismäßigkeit. Während private Verkäufer auf ebay bis zu 75 Euro an Gebühren abdrücken müssen, ist die obere Grenze an Abgaben bei Fairnopoly auf 30 Euro fixiert. Um auf Fairnopoly seine Produkte anzubieten oder etwas zu kaufen, muss man kein Genossenschaftsmitglied sein. Wie bei der Konkurrenz genügt es, sich ein Profil anzulegen.

Eine xbox auf Fairnopoly?

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Screenshot Fairnopoly

Ein erster Blick auf die Produktpalette des Online-Marktplatzes zeigt, dass man sich  tatsächlich darum bemüht, hauptsächlich Produkte, die nach fairen Kriterien hergestellt wurden, anzubieten. Die Suche zum Beispiel nach Kleidung von H&M oder Zara, Firmen, die dafür bekannt sind, dass sie ihre Produkte unter menschenunwürdigeren Bedingungen in Bangladesh oder Brasilien herstellen lassen, bleibt, zumindest beim Erstversuch, erfolglos. Stattdessen finden sich “nachhaltige Hoodies” aus recycelten Materialien, Hosen aus Bio-Baumwolle oder Fair-Trade-Shirts wie zum Beispiel von Armedangels.

Fairnopoly will aber, laut eigener Aussage “ein Marktplatz für alle” sein, auf der jeder seine neuen, aber auch gebrauchten Produkte anbieten kann. Und siehe da, derzeit wird eine XBOX angeboten – die Spielkonsole von Microsoft steht weder für faire noch umweltfreundliche Herstellungsbedingungen. Unternehmenssprecherin Ulrike Pehlgrimm legte im Interview mit dem Freitag dar, weshalb so etwas nicht auszuschließen ist, und sogar zum Unternehmenskonzept passt: “Mit Fairnopoly wollen wir Nachhaltigkeit fördern. Wenn Du also Deine gebrauchte Spielekonsole verkaufst, dann muss sich Dein Käufer keine neue Konsole kaufen, sondern verwendet einen immer noch funktionierenden Artikel weiter. Du arbeitest damit ressourcenschonend”. Weil aber vielleicht doch ein Rest an schlechtem Gewissen mitspielt – oder weil man eben konsequent weiterdenkt, gehen 1% der Verkaufsgebühr an Transparency Deutschland. Dieses “1% für eine faire Welt” fällt bei jeder  Transaktion an und wird an Initiativen, die sich für Transparenz und gegen Korruptionn einsetzen, gespendet.

Vorteile für Anbieter von fairen Produkten auf Fairnopoly

Damit der Marktplatz zwar kein Nischenmarktplatz ist, aber dennoch mit einem hohen Anteil an fairen Produkten aufwarten kann, werden genießen Anbieter von Produkten, die unter ökologischen oder sozial korrekten Bedingungen hergestellt wurden, gewisse Vorteile: für Artikel, die unter den “fair”-Filter fallen, fällt nur die Hälfte der sonst üblichen Verkaufsprovision an. Was Fairnopoly unter “fair” oder “öko” versteht, ist in den FAQs auf der Website nachzulesen.

Die hehren Ziele von Fairnopoly

“Uns geht es nicht darum, jemanden mit dem Unternehmen reich zu machen. Wir wollen eine transparente und unabhängige Alternative zu den Großen sein”, sagte Unternehmensgründer Felix Weth im bereits oben erwähnten Interview mit Gründerszene. Konkret bedeutet das, dass es sich Fairnopoly tatsächlich zur Herzensangelegenheit gemacht hat, zu beweisen, dass eine faire Wirtschaft möglich ist und sich auch rechnet. Wenn die Interessen eines Unternehmens nicht von wenigen großen Gesellschaftern, sondern einer Vielzahl an Genossenschaftern bestimmt werden, dann ist das für Weth ein demokratisches Modell, das Zukunft hat. Durch die Förderung von verantwortungsvollem Konsum und der Bekämpfung durch Korruption – wie durch den “fairen Prozent”, der bei jeder Transaktion anfällt, soll nicht nur ein theoretisches Signal gesendet, sondern aktiv gegen Missstände vorgegangen werden können. Nicht von ungefähr wählte man “Fairnopoly” als Namen für einen alternativen Marktplatz.

Auf der Website ist zu lesen, wie es zur Namensfindung in Anlehnung an das Brettspiel “Monopoly” kam: “Was wir im Kern kritisieren, ist die Art des Wirtschaftens, für die dieses Spiel weltweit symbolisch steht. Fairnopoly steht für die Aussage, dass wir nicht länger in einer Welt leben möchten, in der der Großteil der Wirtschaft auf Profit auf Kosten anderer ausgerichtet ist”. Dass das den Machern von Monopoly nicht passt, kann man sich vorstellen. Prompt flatterte kurz nach der Unternehmensgrüdung die Unterlassungserklärung einer internationalen Rechtsanwaltskanzlei ins Haus. Der Rechtsstreit mit dem Spielehersteller Hasbro um den Markennamen ist noch nicht ausgestanden – wer sich nach dem aktuellen Stand der Dinge erkundigen will, der kann dies auf der Fairnopoly-Website tun – denn auch hier lebt man die selbst verordnete Transparenz.

Fairnopoly in der Krise?

Was so schön begann, musste sich in letzter Zeit einem harten Gegenwind stellen. Nachdem die erste Crowdfundingkampagne so gut gelaufen war und die Idee von Fairnopoly ein großes Medienecho erfuhr, kehrte erst einmal Ernüchterung ein. Anfang des Jahres musste das StartUp einem Großteil seiner Angestellten kündigen, die schon seit Ende des vorangegangenen Jahres teilweise nicht mehr bezahlten werden konnten. Die Einkünfte aus dem Marktplatz waren nicht wie erhofft eingetroffen und auch der Markenstreit mit Hasbro drückte auf die Finanzen. Nur noch zwei fest angestellte Mitarbeiter kann Fairnopoly derzeit, mit Hilfe einer Förderung, bezahlen. Der Rest musste gehen – oder arbeitet unentgeltlich.

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Graphic by Fairnopoly

“Wir 12 verbleibenden Teammitglieder sind uns der aktuellen Situation sehr bewusst. Einige haben sich trotz unklarer Bezahlungsaussicht dafür entschieden, andere Optionen auszuschlagen, um sich in dieser wichtigen Phase voll auf Fairnopoly zu konzentrieren”, kommuniziert Felix Weth im Fairnopoly-Blog. Bei einer zweiten Kampagne wurden die anvisierte halbe Million nicht erreicht, jedoch die nötige Schwelle von 125.000 Euro überschritten, weshalb die im Februar abgeschlossene Kampagne als erfolgreich gilt. Nun hofft Fairnopoly auf möglichst viele Anteilszeichner, um die vielleicht derzeit noch utopische Idee zu einem rentablen Unternehmensmodell auszubauen und ruft per Video zum Genossenschaftsbeitritt auf.

“Dreh das Spiel um”, so das Motto von Fairnopoly – bleibt zu hoffen, dass auch Fairnopoly   die Situation wieder umdrehen und demnächst mit mehr Rückenwind am Unternehmensausbau arbeiten kann.

Grüne Kaffeebohnen – Kaffeesteuer umgehen durch Heimröstung

Was für unsere Großeltern Alltag bedeutete, entwickelt sich momentan gerade wieder zum Trend: seinen eigenen Kaffee zu rösten. Mit den grünen Kaffeebohnen lässt sich in Heimröstung eigener Kaffee herstellen, auf den man keine Kaffeesteuer zahlen muss.

Grüner Kaffee ist kein eigenständiges Getränk

Unter grünem Kaffee bezeichnet man kein Getränk, sondern Kaffeebohnen vor der Röstung. Während zum Beispiel grüner Tee ein eigenständiges Getränk ist, wird aus grünen Kaffeebohnen kein Heißgetränk hergestellt. Theoretisch wäre es natürlich möglich, auch die grünen Kaffeebohnen ungeröstet, direkt nach dem Pflücken zu mahlen und aufzubrühen. Da das Kaffeegetränk, das man damit herstellen würde, allerdings recht säuerlich riechen und schmecken würde, ist grüner Kaffee im Regelfall nicht als Genussmittel geeignet. Normalerweise wird nur Kaffee getrunken, der aus dunklen, bereits gerösteten Kaffeebohnen hergestellt wurde. Im arabischen Raum werden allerdings manchmal grüne Bohnen zu Kaffeemischungen hinzugefügt und auch manche Kaffeekonzerne experimentieren mit grünen Bohnen. So gibt es beispielsweise von Nescafé einen “Green Blend” aus einer Mischung von gerösteten und grünen Kaffeebohnen.

Grüne Kaffeebohnen wachsen am Kaffeebaum

Grüne Kaffeebohnen sind die Samen des Kaffeebaums oder Kaffeestrauchs, der der Familie der Rötegewächse (Rubiaceae) zugehörig ist. Derzeit gibt es 124 bekannte Arten an Rubiaceae. Von diesen Arten sind lediglich zwei wirtschaftlich bedeutend und werden großflächig auf Plantagen angebaut: Arabica (Coffeea arabica) und Robusta (Coffea canehpora oder Caffea robusta).

FruitColors Grüne Kaffeebohnen   Kaffeesteuer umgehen durch Heimröstung

Photo by FCRebelo (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en)

Die immergrünen Kaffeebäume können bis zu 10 Meter groß werden, doch durch Beschnitt sind sie meist kleiner. Die Steinfrüchte eines Baums oder Strauchs werden auch Kaffee-Kirschen genannt. In jeder Kaffee-Kirsche befinden sich meist zwei, in seltenen Fällen auch drei Samen. Diese Samen sind die Kaffeebohnen. Um an die Kaffeebohnen heranzukommen, muss von den Steinfrüchten das äußere Fruchtfleisch entfernt werden, das kann im reifen oder unreifen Zustand geschehen. Anschließend müssen die Bohnen noch zweifach geschält werden.

Zunächst wird die Pergamenthaut entfernt, danach die zweite Schale, das so genannte Silberhäutchen. Erst durch diesem Schälprozess erhält man den Rohkaffee, auch bekannt als Grüner Kaffee. Dabei ist die Frucht nur grün, wenn sie vor dem Schälen unreif war. Schält man die reife Frucht, kann die Bohne  auch gelb, rot oder gar braun sein.

Die Kaffeesteuer – ein Relikt vom Alten Fritz

Während auf Röstkaffee eine Verbrauchssteuer anfällt, die so genannte Kaffeesteuer, fällt Rohkaffee nicht unter das Kaffeesteuergesetz.
Das Kaffeesteuergesetz hat in Deutschland eine lange Tradition. Friedrich der Große, auch bekannt als “der Alte Fritz”, führte Ende des 18. Jahrhunderts das staatliche Kaffeemonopol ein. Für die deutschen Einzelstaaten bis zur Gründung des Deutschen Reiches 1871 war der Kaffeezoll eine der bedeutendsten Einnahmequellen. Es heißt, dass Kaffee, der damals als Luxusgut galt, dem Alten Fritz ein Dorn im Auge war, weil er das Volk aufrührerisch machte. Durch eine hohe Steuer sollte der Kaffeekonsum bedeutend eingedämmt werden.

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Während die Kaffeezölle Ende des 19. Jahrhunderts deutlich gesenkt wurden, kam es mit der Finanzreform zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu erneuten Erhöhungen. Mit dem Grundgesetz wurde die Kaffeesteuer dem Bund zugewiesen. Dabei war der Steuersatz so stark angestiegen, dass Kaffee zu einer begehrten Schmuggelware wurde, vor allem an der westlichen Grenze Deutschlands. Die “Aachener Kaffeefront” war das Epizentrums des Kaffeeschmuggels zwischen Deutschland und den Niederlanden/Belgien.
Auch heute noch gibt es die Kaffeesteuer. Mittlerweile, d.h. schon seit 1948, hat sich die Steuer allerdings von einem Einfuhrzoll zu einer Verbrauchssteuer gewandelt. Das bedeutet, dass die Kaffeesteuer nur auf gerösteten Kaffee erhoben wird.

Die Einfuhr von grünen, ungerösteten Kaffeebohnen ist im Gegensatz dazu zollfrei. Sobald Kaffee also geröstet ist, wird er zur steuerpflichtigen Ware, dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um gemahlenen Röstkaffee oder löslichen Kaffee handelt. Selbst kafffeehaltige Produkte, wie zum Beispiel Cappuccino- oder Latte-Macchiato Pulver und sogar Kaffeepralinen fallen unter das Kaffeegesetz. Die Kaffeesteuer ist, im Gegensatz zur Tabaksteuer, eine rein nationale Bestimmung – die Europäische Union hat hier keine Handhabe. Neben Deutschland gibt es in der EU nur vier andere Staaten, die Zoll auf Kaffee erheben: Belgien, Dänemark, Lettland und Rumänien. In keinem anderen europäischen Land ist der Kaffeesteuersatz so hoch angesetzt wie in Deutschland, was auch am hohen Kaffeekonsum der Deutschen liegen dürfte. Nach den USA ist Deutschland der zweitgrößte Kaffeemarkt der Welt, mit einem jährlichen Pro-Kopf-Umsatz von durchschnittlich 6,4 Kilogramm Röstkaffee. Der Bund nimmt mit der Kaffeesteuer jährlich knapp eine Milliarde Euro ein und wird im Grunde genommen sogar doppelt erhoben, denn die Mehrwertsteuer, die der Endverbraucher letztendlich mitbezahlt, wird nach dem Nettowert inklusive der Kaffeesteuer berechnet.

Die Kaffeesteuer beträgt für Röstkaffee 2,19 Euro je Kilogramm und für löslichen Kaffee 4,78 Euro je Kilogramm. Mischungen von Röstkaffee und löslichem Kaffee unterliegen einem Steuersatz entsprechend den in ihnen enthaltenen Kaffeearten. Das Steueraufkommen betrug in den Jahren 2007 bis 2012 bundesweit jeweils rund 1 Mrd. Euro

Kurios und den wenigsten bewusst ist auch die Tatsache, dass es für die Kaffeesteuer keine Geringfügigkeitsgrenze gibt. Das bedeutet, dass auch Privatpersonen, die Kaffee aus dem EU-Ausland einführen, Kaffeesteuer bezahlen müssen. So machte zum Beispiel die Geschichte einer Hausfrau aus Wörth die Runde, die der Steuerhinterziehung beschuldigt wurdenn, weil sie Kaffeepads von einem niederländischen Onlineshop bestellt hatte, ohne dies beim Zoll anzumelden.

Dass es sich dabei um gerade Mal 72 Gramm Kaffee im Wert von 1,85 Euro handelte, störte das Hauptzollamt in Schweinfurt nicht – die angefallenen 16 Cent musste die unwissende Käuferin im Nachhinein entrichten, um weitere Mahngebühren oder gar Strafen zu vermeiden. Einige Bürgerinitiativen begehrten in den letzten Jahren gegen die Kaffeesteuer auf, eine Petition zur Abschaffung wurde allerdings im Februar letzten Jahres vom Deutschen Bundestag endgültig abgelehnt.

Durch unterschiedliche Röstverfahren von der grünen Kaffeebohne zum Röstkaffee

Coffee roasting grades Grüne Kaffeebohnen   Kaffeesteuer umgehen durch Heimröstung

Graphic by Y Tambe (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de)

Erst durch das Rösten werden beim Kaffee die vielfältigen Aromen freigesetzt. Mit über 1.000 Aromen, die durch chemische Reaktionen in jeder Zelle neu gebildet werden, ist gerösteter Kaffe weitaus aromatischer als zum Beispiel Wein. Bei der Aromabildung sowie der anschließenden Magenverträglichkeit des Kaffees spielt die Art und Dauer der Röstung eine wesentliche Rolle. Der Begriff Kaffeeröstung bezeichnet zwar den Prozess, bei dem die Kaffeebohnen für einen kurzen Zeitraum (maximal sieben Minuten, oft nur 90 Sekunden) großer Hitze (bis zu 700 Grad Celsius) ausgesetzt werden, um die darin enthaltenen Aromastoffe zu lösen, sagt aber noch nichts über die Art der Röstung aus. Denn bei den Arten der Kaffeeröstung wird zwischen den zwei Hauptröstverfahren, der Chargenröstung und der kontinuierlichen Röstung, unterschieden. Die Chargenröstung kann entweder in der Trommel oder auf dem Fließbett vorgenommen werden. Weil bei letzterem sehr große Mengen an Kaffee gleichzeitig geröstet werden können, wird diese Methode aus Effizienz- und Kostengründen von der Industrie bevorzugt. Nachteile bei dieser Schockröstung durch Heißluftverfahren sind die nicht gleichmäßige Röstung der Kaffeebohnen. So kann es sein, dass manche Bohnen äußerlich bereits verkohlt, innen jedoch noch nicht ausreichend geröstet sind.

Daher bevorzugen kleinere Röstereien die qualitativ hochwertigere kontinuierliche Röstung.  Bei der kontinuierlichen Rötung werden die Kaffeebohnen in rotierenden Trommeln geröstet. Bei dem schonenden Verfahren werden kleinere Mengen bei maximal 220 Grad Celsius ungefähr 25 Minuten geröstet. Dabei können sich bei den Kaffeebohnen langsam die verschiedenen Aromen herausbilden. Ein weiterer Nebeneffekt der schonenden Trommelröstung ist die Verringerung der Säuren und Bitterstoffe. Somit schmeckt Kaffee, der kontinuierlich geröstet wurde, nicht nur besser, er ist auch weitaus magenverträglicher als sein industriell gerösteter Verwandter.

Neuer Trend Heimröstung

Während es in der Nachkriegszeit gang und gäbe war, seinen Kaffee selbst auf dem Herd zu rösten, ist diese Art der Heimröstung in letzter Zeit eher in den Hintergrund geraten. Im Zuge des Third Wave Coffees, der dritten Kaffeerevolution schossen in den letzten Jahren nicht nur viele Kleinröstereien aus dem Boden, es interessieren sich auch viele Kaffeeliebhaber wieder für die Herstellung des eigenen Röstkaffees. Dabei kann man seinen Kaffee nicht nur nach den eigenen Vorlieben gestalten und rösten, man spart damit sogar bares Geld, denn wie oben erwähnt wird auf die Einfuhr von ungeröstetem Kaffee keine Steuer erhoben. Um seinen Kaffee zu Hause zu rösten, muss allerdings erst in ein Röstgerät investiert werden.

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Auch bei der Heimröstung gibt es zwei Hauptverfahren. Zum einen gibt es das Trommelröstverfahren, das mit Infrarotheizung funktioniert. Der Rohkaffee wird in der rotierenden Trommel gleichmäßig geröstet. Ein Nachteil dieser Art der Heimröster ist allerdings, dass sich die Temperatur oft nicht individuell regeln lässt, sondern man auf die vorgegebenen Röstprogramme angewiesen ist.

Beim zweiten Verfahren, dem Heißluftverfahren, werden die grünen Bohnen von unten per Heißluft erhitzt und in verschiedenen Intervallen geröstet. Nicht alle, aber mittlerweile ein Großteil der Heißluftgeräte für den Hausgebrauch bieten die Möglichkeit einer manuellen Temperaturregelung.

Für Puristen oder Neugierige, die einfach erst einmal ausprobieren möchten, ob ihnen selbst gerösteter Kaffee überhaupt schmeckt, bietet sich die Pfannenröstung an, mit der schon unsere Großeltern ihren Kaffee selbst rösteten. Eine schwere Pfanne, am besten aus Eisen, sowie ein Holzlöffel sind alles, was man dafür braucht. Wichtig ist, dass die Bohnen langsam geröstet werden und man den optimalen Zeitpunkt abpasst, wann die Bohne fertig geröstet ist. Den Qualitativ hochwertigen Rohkaffee erhält man zum Beispiel in der Berliner Kaffeerösterei, die auch einen Onlineshop betreibt,  oder bei Classic Caffee in Hamburg..

Eine gute Anleitung und einen Überblick über die verschiedenen Heimröstungsverfahren gibt das Buch “Kaffeerösten zu Hause” von Claus Fricke – wer das Kaffeerösten gerne direkt vom Profi erlernen will, der kann das in einem Workshop, wie zum Beispiel der Coffee Academy von Coffee Circle tun.

Chlorogensäure – Grüner Kaffee Extrakt als neue Wunderdiät?

Kein Sport, normal essen und trotzdem abnehmen? Grüne Kaffeebohnen sind wegen des Inhaltstoffes Chlorogensäure derzeit der neueste Trend unter den Schlankheitsmitteln. Doch ist der Kaffebohnenextrakt tatsächlich ein neues Wundermittel im Kampf gegen die Pfunde oder nur ein weiterer Versuch, den Verbrauchern das Geld aus der Tasche zu ziehen? Ist der Verzehr von grünen Kaffeebohnen wirklich ungefährlich und frei von Nebenwirkungen?

Abnehmen ohne Sport und Essensverzicht dank Chlorogensäure?

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Graphic: Wikipedia

Schon einmal haben wir uns mit der Frage beschäftigt, ob man durch Kaffee schlank wird oder nicht. Damals berichteten wir, dass die Bitterstoffe im Kaffee die Fettverbrennung begünstigen und Kaffee somit beim Abnehmen hilft.

Ein schöner Nebeneffekt des Kaffeegenusses, aber keine Erkenntnis, die man eine neue Wunderdiät nennen könnte. Was man aber in letzter Zeit über grüne Kaffeebohnen hört, klingt weitaus reißerischer. Demnach sind die Extrakte aus grünen Kaffeebohnen, speziell die Chlorogensäure, die neue Diätsensation, mit der Abnehmwillige ohne große Anstrengung an Gewicht verlieren können. Dabei müssen sie sich weder stark sportlich betätigen noch auf ihre normalen Mahlzeiten verzichten. Einzig und allein die zusätzliche Einnahme des Extrakts aus grünen Kaffeebohnen soll dafür sorgen, dass die Pfunde purzeln. Was genau steckt hinter diesen Versprechungen, was sind überhaupt grüne Kaffeebohnen und birgt die Einnahme Risiken?

Was sind grüne Kaffeebohnen?

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Photo by Dan Bollinger (CC BY-SA 3.0)

Grüne Kaffeebohnen sind nichts anderes als die “normalen” Kaffeebohnen, die wir alle kennen, bevor sie geröstet werden. Während grüner Tee ein eigenständiges Getränk ist, ist grüner Kaffee als Heißgetränk keine Delikatesse. Natürlich kann man die grünen Kaffeebohnen, genauso wie die dunklen, gerösteten mahlen und brühen. Das Getränk, das dabei aber herauskommt, riecht unangenehm und schmeckt äußerst sauer. Wenn man über die Wirkungen des “Grünen Kaffees” liest, dann handelt es sich dabei fast ausschließlich um den Extrakt, der aus grünen Kaffeebohnen gewonnen wird. Diesen Extrakt gibt es meist in Pulver- oder Kapselform zu kaufen. Um den Extrakt zu gewinnen, muss von den Früchten, die am Kaffeebaum wachsen, das Fruchtfleisch entfernt werden. Die dadurch freigelegten Samen sind die Kaffeebohnen. Diese muss man noch zweimal schälen, um den grünen Kaffee zu erhalten, der ja nichts anderes als roher Kaffee vor dem Rösten ist.

Warum wirkt grüner Kaffee anders als schwarzer?

Bei der Nahrungsmittelverarbeitung ist es oft so: je ursprünglicher ein Produkt ist, desto mehr Vitamine oder Nährstoffe sind darin enthalten. Bei der Zubereitung – beim Kochen, Garen, Rösten – gehen viele der ursprünglich erhaltenen Stoffe verloren. Bei manchen Lebensmitteln ist das sogar notwendig: rohe Kartoffeln zum Beispiel enthalten das giftige Solanin Alkaloid, das beim Kochen weitgehend herausgelöst wird. Erst durch den Kochvorgang wird die Kartoffel bekömmlich. Bei den grünen Kaffeebohnen ist es die Chlorogensäure, die dafür sorgt, dass ein Heißgetränk aus ungeröstetem Kaffee säuerlich schmeckt und quasi ungenießbar ist. Deshalb wird die Säure durch den Röstungsprozess verringert. Jedoch wird genau diesem chemischen Stoff die gewichtsreduzierende Wirkung zugeschrieben.

Unistudie über grüne Kaffeebohnen gibt erste Erkenntnisse

Dem Hype um die grünen Kaffebohnen, der vermeintlich aus dem Nichts kam, liegt tatsächlich eine wissenschaftliche Forschungsarbeit zu Grunde. Alles begann mit einer Studie der University of Scranton in Pennsylvania. Dort hatte man über einen Zeitraum von 22 Wochen mit 16 übergewichtigen Personen erforscht, wie sich die Einnahme von Kaffeebohnenextrakt auf das Gewicht auswirkt. Die 16 Probanden, die teilweise leicht, teilweise stark übergewichtig waren, nahmen über den Zeitraum hinweg je nach Versuchsgruppe entweder geringe oder starke Dosen des Extrakts oder aber Placebos ein. Dreimal täglich, jeweils vor den Mahlzeiten, musste eine Pille  geschluckt werden.

10% weniger Gewicht nach 22 Wochen

Wichtig war, dass die Probanden während der Studie ihre normalen Essgewohnheiten nicht ändern durften. Sie sollten sich genau so ernähren, wie sie das auch zuvor taten. Ebenso war erhöhte sportliche Aktivität verboten. Die Ergebnisse der Studie sind durchaus Erfolg versprechend. Durchschnittlich verloren die Testpersonen fast 8 Kilogramm an Gewicht während dieser Periode, was ungefähr 10% des gesamten Körpergewichts ausmachte. Fast noch interessanter ist der Anteil an Körperfett: hier verloren die Studienteilnehmer 16%.
Wer sich mit Ernährung, Diäten und Abnahme beschäftigt, der weiß, dass es nicht leicht ist, seinen Körperfettanteil zu verringern. Viele Crash-Diäten sind nur darauf ausgelegt, schnell an Gewicht zu verlieren. Weil dabei aber ein Großteil des Gewichts, das abgenommen wird, eben nicht aus Fett, sondern aus Wasser besteht, ist ein längerfristiger Erfolg meist nicht garantiert. Kehrt man nach der Diät zu seinen normalen Essgewohnheiten zurück, schießt das Gewicht meist schnell wieder nach oben und der bekannte Jo-Jo-Effekt stellt sich ein.
Deshalb ist es umso interessanter, dass sich bei den Teilnehmern der Studie zu den grünen Kaffeebohnen solch ein dramatischer Körperfettverlust verzeichnen ließ. Das spricht besonders vor dem Hintergrund, dass die Probanden um die 2.400 Kalorien pro Tag zu sich nahmen und maximal 400 Kalorien durch Sport verbrannten, für den Kaffeebohnenextrakt und die Wirkung der Chlorogensäure. Mit dieser Kalorienbilanz würde man normalerweise bei Weitem nicht so viel abnehmen.

Nun ist eine Studie erstmal eine Studie, und bei einer solch geringen Anzahl von Probanden können natürlich noch keine allgemein gültigen Schlüsse gezogen werden. Zudem waren die Ergebnisse einer vergleichenden Studie aus dem Jahr 2011 weniger eindeutig und das Fazit erheblich nüchterner: ohne Langzeitstudien lassen sich keine allgemeingültigen Aussagen treffen.

Doch selbst solche Relativierungen ändern nichts daran, dass sich um das Thema Grüne Kaffeebohnen ein regelrechter Hype entwickelt hat.

Der Hype begann mit einem TV-Doktor

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Photo by World Economic Forum

Nicht unwesentlich daran beteiligt war Mehmet Oz, ein Chirurg aus den USA, der es mit seiner Fernsehsendung “Dr. Oz Show” in die erste Riege der TV-Persönlichkeiten geschafft hat. Die Sendung läuft täglich und wird von Oprah Winfrey produziert – was also “Dr. Oz” sagt, das hat Gewicht. Als Dr. Oz im September 2012 in seiner Sendung die grünen Kaffeebohnen als “Fatburner, der Frauen bei der Gewichtsabnahme hilft” vorstellte, trat er damit eine riesige Begeisterungswelle los. Im Zuge der TV-Show führte der Arzt gleich selbst eine Untersuchung durch und testete das angebliche Wundermittel an 100 Studio-Besucherinnen.

Und, siehe da: auch hier verloren die Teilnehmerinnen, die den Extrakt aus grünen Kaffeebohnen einnahmen, ungefähr ein Kilo innerhalb von zwei Wochen. Kritiker bemängelten allerdings, dass die Probandinnen ein Ernährungstagebuch führten – und wie uns Weight Watchers schon seit Jahrzehnten predigt, hilft allein schon das bloße Aufschreiben der täglichen Nahrungsaufnahme beim Abnehmen. Klingt logisch, denn durch das Notieren wird einem oft zum ersten Mal schwarz auf weiß vor Augen geführt, wie viel Nahrung man tatsächlich zu sich nimmt – und das kann durchaus zu einer Veränderung des Essverhaltens führen. Dennoch wurde mit dieser Studie das amerikanische Massenpublikum erreicht. Der Verkauf des Kaffeebohnenextrakts schoss in die Höhe, eine schier unübersichtliche Anzahl an Produkten, die den Extrakt enthalten, ist seitdem auf dem Markt erhältlich.

Wildwuchs und Abzocke auf dem Markt

Wenn man sich auf dem Markt ein Bild machen will, hat man die Wahl zwischen diversen Pillen und Pülverchen, mit zum Teil erheblichen Preisunterschieden. Manche werben mit recht reißerischen Versprechen (“quick weight loss”), manche setzen auf die Natürlichkeit des Produkts. Doch genau hier ist Aufmerksamkeit geboten. In Foren wird vor Produkten, zum Beispiel aus China gewarnt, die neben dem Kaffeebohnenextrakt chemische Zusatzstoffe enthalten, die dem Menschen eher schaden, als ihm zu helfen. In anderen Produkten ist die Konzentration an grünem Kaffee so gering, dass eine Wirkung sehr fraglich ist. Viele Produkte scheinen nur darauf ausgelegt sein, verzweifelten Übergewichtigen das Geld aus der Tasche zu ziehen. In einem Spiegel-Artikel zum Thema grüne Kaffeebohnen warnt Ernährungsexperte Volker Schusdziarra: “Es herrschen totaler Wildwuchs und Abzocke auf dem Markt”.

Wer sichergehen will, dass er ein möglichst naturnahes Produkt kauft, das keine unerwünschten Nebenwirkungen hervorruft, der sollte sich gut über die Inhaltsstoffe informieren. Nicht alles, wo “natürlich” draufsteht ist auch wirklich naturrein.

A propos Nebenwirkungen

Ganz frei ohne Nebenwirkungen ist natürlich auch die Einnahme eines naturreinen Extrakts aus grünen Kaffeebohnen nicht. Auch in den grünen Bohnen ist, genauso wie bei ihren gerösteten Verwandten, Koffein enthalten. Das kann, genauso wie die Chlorogensäure, den Homocastein-Spiegel erhöhen, der wiederum als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gilt. Somit gelten für die grünen Kaffeebohnen die gleichen möglichen Nebenwirkungen wie für den schwarzen, gerösteten Kaffee: Herzrasen, Schlaflosigkeit, Unruhe. Allerdings ist die Menge an Koffein im grünen Kaffee weitaus geringer als beim Röstkaffee.

Noch mehr Gesundheitsversprechen

Laut Produktherstellern sowie Dr. Oz hilft der Extrakt aus grünen Kaffeebohnen nicht nur beim Abnehmen, sondern hat auch weitere positive Wirkungen auf die Gesundheit. So soll der hohe Blutzuckerspiegel nach dem Essen reduziert werden, genauso wie die Aufnahme von Glucose durch den Darm. Die Chlorogensäure soll sich positiv auf die Blut- und Leberfettwerte auswirken und dem Extrakt werden sogar blutdrucksenkende Eigenschaften zugeschrieben. Doch auch hier gilt: es fehlen noch Langzeitstudien, die diese Ergebnisse verlässlich nachweisen können.

Grüne Kaffeebohnen – Wundermittel oder Hokuspokus?

Eindeutig lässt sich die Frage, ob grüne Kaffeebohnen beim Abnehmen behilflich sind, nicht beantworten. Wenn man sich die Produktbewertungen auf Amazon und Co. durchliest, kommt man ebenfalls zu sehr heterogenen Ergebnissen. Von begeisterten (und eventuell gefälschten) Bewertungen bis hin zu großer Enttäuschung über die Nutzlosigkeit ist alles dabei. Es bleibt also abzuwarten, welche Ergebnisse weiterführende Studien in Zukunft liefern werden. Gefährlich an den Schlankheitsversprechen der angeblichen Wunderpillen ist, dass somit ein Lifestyle propagiert wird, der weder mehr Bewegung noch eine gesunde Ernährung verlangt. “Kaum Sport machen, Essen wie immer, dennoch Abnehmen” lautet die Devise. Und dass das nicht gut ist, das kann man sich auch ohne Langzeitstudie denken.

Was ist besser: Kaffeekapseln oder Instantkaffee?

Schneller, haltbarer, instant! Kaffeepads, Kaffeekapseln, Bohnenkaffee und die lösliche Variante im Vergleich

headerinstant Was ist besser: Kaffeekapseln oder Instantkaffee?Beim Camping oder zwischendurch im Büro? Im Glas oder aus der Tüte? Trotz des zunehmenden Bewusstseins für die Bohne in ihrer ursprünglichsten Form, hält er sich standhaft am Markt. Selbst Kaffeepads oder Kaffeekapseln haben ihn nicht vertrieben, denn keine Tasse lässt sich so schnell zubereiten. Die Rede ist von Instantkaffee. Die Deutschen lieben ihn noch immer – sei es, weil der praktische Nutzen überwiegt oder weil der Muntermacher alte Erinnerungen wachrüttelt. Doch was steckt drin? Ist die schnelle Zubereitung wirklich das wichtigste Argument für die Deutschen? Und sind Kaffeekapseln und –pads vielleicht um ein Vielfaches besser?

Achtung! Süßstoffe!

Zunächst einmal muss die Frage geklärt werden, was Instantkaffee überhaupt ist. Ist das Cappuccinopulver, das sich mit heißem Wasser kinderleicht zu einem wohlduftenden Heißgetränk aufgießen lässt, auch Instant? Wir unterscheiden an dieser Stelle klar zwischen Kaffee und Nicht-Kaffee. Pülverchen, deren Bestandteil vordergründig Zucker – übrigens oft getarnt als Süßmolkepulver oder Glucosesirup – Aromen oder Stabilisatoren sind, zählen wir nicht dazu. Oftmals ist in diesen Getränken nicht nur der Koffeingehalt deutlich reduziert, sondern sogar gar kein Espresso enthalten. Für mich Grund genug, diese Gruppe im Folgenden auszuklammern.

Löslicher Kaffee – die volle Kraft der Bohne?

Doch wer Instantkaffee sofort verteufelt, liegt ebenfalls nicht ganz richtig. Das Reinheitsgebot garantiert – so der Deutsche Kaffeebund – dass auch in der fast trinkfertigen Variante ausschließlich reiner Kaffee zum Einsatz kommen darf. Zusatzstoffe sind tabu. Enthalten ist vielmehr Röstkaffee, in stark konzentrierter Form als Trockenextrakt in Granulat- oder Pulverform. Bei der Herstellung wird Rohkaffee bei ca. 200 Grad  – und teilweise etwas dunkler als üblich – geröstet. Außerdem ist der Wasseranteil häufig etwas höher als beim Filterkaffee. Nachdem die Bohnen grob gemahlen wurden, geht es ans Extrahieren des Mahlguts. In einem aufwendigen Herstellungsprozess werden die unlöslichen Komponenten bei Druck und Temperaturen von erneut rund 200 Grad in Seperatoren entfernt. Als sogenannter “Dünnsaft” verlässt der Extrakt den ersten Teil der Maschinerie, um im Anschluss zu “Dicksaft” verarbeitet zu werden. Im letzten Schritt kommt eine der verschiedenen Trocknungsvarianten zum Einsatz, zum Beispiel die Sprüh- oder Gefriertrocknung.

Nescafé, fest in den Köpfen verankert

Nescafe Dose 70dpi Was ist besser: Kaffeekapseln oder Instantkaffee?

Photo by Nestlé

Insgesamt handelt es sich bei der Herstellung um ein aufwendiges Verfahren. Trotzdem legte Satori Kati 1901 bereits den Grundstein für den Instantkaffee von heute. Nestlé entwickelte die Idee Satoris weiter und widmete sich 1938 der industriellen Herstellung. Schließlich sollten die guten Bohnen nach einer üppigen Ernte möglichst lange haltbar sein. So wird Nestlé heute die Erfindung des löslichen Bohnenkaffees, wie wir ihn kennen, zugeschrieben. Bekannt wurde die lösliche Variante unter dem Namen Nescafé. Die Werbung versprach über Jahrzehnte hinweg schnellen und besten Kaffeegenuss.

Noch heute ist Nescafé als eine der stärksten Marken der Schweiz mit Instantkaffee in den Köpfen vieler Verbraucher verknüpft.
Erstaunt hat mich jedoch, dass laut SWR Marktcheck die Instant-Variante tatsächlich als beliebtester Kaffee weltweit gilt. Allein 4.600 Tassen Nescafé werden angeblich jede Sekunde weltweit getrunken. Welche Bohnen bei der Herstellung verwendet werden, weiß allein das Unternehmen. Auf der Homepage erfährt der Verbraucher lediglich, dass „Kaffeesorten aus den besten Anbaugebieten der Welt […] sorgfältig geröstet und aromatisch veredelt“ zum Einsatz kommen. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Arabica- und Robustabohnen.

Weniger Koffein als bei Kaffeepads und Kaffeekapseln

Und wie sieht es beim Koffeingehalt aus? Rund die Hälfte des Koffeingehalts im Vergleich zu herkömmlichen Kaffee ist in der Instant-Variante enthalten. Wer also morgens den Muntermacher benötigt, sollte den Kaffee lieber konventionell mit der Maschine brühen. Ebenso sollten diejenigen mit einem empfindlichen Magen ihren Kaffee sorgfältig auswählen. Im industriellen Umfeld werden Kaffeebohnen meist schnell und bei hohen Temperaturen geröstet. In kleinen Röstereien dauert der Röstvorgang meist deutlich länger – und ist so magenfreundlicher als der Industriekaffee. Auch Kaffeekapseln und -pads müssen sich diese Kritik gefallen lassen, ebenso wie die Mehrzahl der industriellen Bohnenkaffees. Schließlich wäre eine lange Röstdauer für den Massenmarkt zu aufwendig und schließlich zu teuer. Doch zurück zum Koffeingehalt: Mag dieser in Instantkaffees deutlich geringer sein, halten sich herkömmlicher Bohnenkaffee, Kaffekapsel und Pad die Waage. Pauschalisieren kann und möchte ich an dieser Stelle nicht.

Kaffeekapseln mit schlechter Energiebilanz

nespresso1 Was ist besser: Kaffeekapseln oder Instantkaffee?

Photo by Nestlé

Doch neben des Koffeingehalts gibt es weitere Punkte, die sich für einen Vergleich eignen. Zum Beispiel die Umweltverträglichkeit oder das Aroma. Beim ersterem liegt die Kapsel klar hinten. Alukapseln produzieren viel Müll – trotz Recycling und Umschmelzungen ist der Energieverbrauch immens. Bei Instantkaffees gilt es abzuwägen. Einzeln verpackt in Portionsgröße ist die lösliche Variante ebenfalls nicht die umweltfreundlichste. Doch kann das Aroma andererseits nicht weichen – ganz im Unterschied zu Kaffeepads oder falsch gelagertem Bohnenkaffee. Zu den Inhaltsstoffen gibt es jede Menge Produkttest, zum Beispiel von ÖKO-TEST. In der Oktober-Ausgabe des vergangenen Jahres untersuchte ÖKO-TEST 15 verschiedene Kapseln. Das Ergebnis: problematische Inhaltsstoffe waren nicht zu finden. Die Aufgüsse waren sauber und auch Aluminium hat sich gelöst. Einziger Kritikpunkt des Verbrauchermagazins: die Umweltverträglichkeit.

So muss sich wohl oder übel jede schnelle Art der Zubereitung gewisse Kritikpunkte gefallen lassen. Instantkaffee hält sich nach wie vor erfolgreich am Markt, was mich persönlich in Zeiten einer immensen Produktvielfalt mehr als verwundert.

Deshalb die Frage: Habt ihr Instantkaffee bei euch zuhause? Wann trinkt ihr eine schnelle Tasse? Im Büro oder klassisch beim Camping? Und was sind für euch die Vorteile? Aufklärung eindeutig erwünscht!